17.04.2012 14:47
Spanien
Spanien: Bodenbildung beim IBEX 35 noch nicht in Sicht
Läuft es in Spanien ähnlich, dürfte der IBEX 35 ungeachtet seiner bereits erfolgten scharfen Korrektur seine Jahrestiefs noch nicht gesehen haben.
Desolate Staatsfinanzen trotz Sparanstrengungen
Wie bereits angedeutet befinden sich die spanischen Staatsfinanzen in einer fast schon desolaten Situation. Zwar hält sich der Verschuldungsgrad mit derzeit rund 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung im Vergleich zu anderen europäischen Staaten noch in Grenzen. Das wirkliche Problem ist vielmehr die erschreckende Dynamik, mit der die staatlichen Verbindlichkeiten anwachsen. In 2011 lag die Neuverschuldung bei 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit meilenweit von den Maastricht-Kriterien (drei Prozent) entfernt. Für das laufende Jahr hatte Spanien in Brüssel um eine weitere Erhöhung der Verschuldungsquote um sechs Prozent nachgesucht. Genehmigt wurden allerdings lediglich vier Prozent. Dass Spanien damit nicht hinkommen wird, liegt eigentlich auf der Hand. Daran werden auch die umfangreichen Sparmaßnahmen, die zuletzt sogar noch einmal verschärft wurden, nicht allzu viel ändern können.
Wirtschaftswachstum bis auf weiteres Fehlanzeige
Genau genommen dürften die milliardenschweren Einsparungen die iberische Volkswirtschaft sogar nicht unerheblich belasten. Experten gehen davon aus, dass die beschlossenen Sparpakete das Wirtschaftswachstum pro Jahr zwischen 1,5 und 2,5 Prozent (je nachdem wie sie umgesetzt werden) belastet. Um in diesem Fall unterm Strich doch noch eine Steigerung der Wirtschaftsleistung generieren zu können, müsste das organische Wachstum zwischen 2,5 und 3,0 Prozent pro Jahr liegen. Und derartige Wachstumsraten sind für Spanien bloßes Wunschdenken. Der überwiegende Teil des spanischen Bruttoinlandsprodukts resultiert aus dem Binnenkonsum. Und wenn Sozialleistungen gekürzt werden, die Bürger zwangsläufig etwas mehr Beschiedenheit an den Tag legen müssen. Dies gilt umso mehr als in Spanien momentan etwa jeder vierte Bürger ohne Beschäftigung ist. Unter den Jugendlichen, die für gewöhnlich eine besonders ausgeprägte Konsumleidenschaft besitzen, liegt die Arbeitslosenquote sogar bei etwa 50 Prozent. Und da Besserung kurzfristig nicht in Sicht ist, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die spanische Wirtschaft mindestens im aktuellen Jahr zwischen 1,5 und 2,0 Prozent schrumpft.
Welt-Konjunktur für Spanien nahezu bedeutungslos
Und auch in einem längeren Zeitfenster sind die Aussichten, dass das Land auf den Wachstumspfad zurückfindet, alles andere als optimal. Selbst wenn die Weltwirtschaft ein solides Wachstum erreichen sollte, wird Spanien davon so gut wie gar nicht profitieren, weil es auf der Halbinsel nur wenig Industrie gibt, die Güter produziert, an denen Asiaten und/oder Südamerikaner ihre Freude haben. Dass es Spanien über viele Jahre wirtschaftlich vergleichsweise gut ging, lag nicht an unzähligen starken Industrie-Unternehmen sondern einzig und allein daran, dass Spanien sich als Alters-Residenz zunehmender Beliebtheit erfreute. Dies führte zu einem gewaltigen Bau-Boom. Ein Großteil der heute Arbeitslosen war in diesem Bereich beschäftigt. Mittlerweile erfreut sich Spanien nicht mehr dieser Beliebtheit als Zweit-Wohnsitz und selbst wenn dieser Trend wieder aufflammen sollte, wird dies nicht zu einem neuerlichen Bau-Boom führen. Denn bei den derzeit erkennbar reduzierten Verkaufspreisen für Häuser und Wohnungen drängen sich aggressive Neubauten nicht sonderlich auf, auch weil es nach dem Platzen der Immobilienblase ohnehin extrem viel Leerstand gibt. Alles in allem stellt sich die spanische Ökonomie unter fundamentalen Aspekten vielleicht nicht völlig hoffnungslos dar. Aber bis die spanische Wirtschaft wieder signifikant wächst (falls dies überhaupt irgendwann einmal passiert), werden noch Jahre ins Land gehen. Und bis dahin dürfte es der IBEX 35 mit nennenswerten Kurszuwächsen sehr schwer haben.
Charttechnik: Bären erkennbar am Drücker
Darauf, dass die Bären beim spanischen Auswahlindex IBEX 35 das Zepter in der Hand halten, weist auch die charttechnische Verfassung des Börsen-Barometers hin. Der zarte und eigentlich fast zu vernachlässigende Aufwärtstrend seit Herbst vergangenen Jahres ist schon länger Geschichte. Dafür sind jedoch sämtliche Abwärtstrends intakt. Im Zuge des jüngsten Abverkaufs wurde zudem die wichtige Unterstützung bei etwa 7.600 Zählern gerissen und der Index notiert signifikant sowohl unter seiner 38- als auch unter seiner 200-Tage-Linie. Dass es wenigstens kurzfristig noch ein Stückchen weiter abwärts gehen könnte, implizieren darüber hinaus diverse Indikatoren. Der MACD und die Stochastik generieren Verkaufssignale, die nicht einmal ein Blinder übersehen könnte. Und auch das Momentum sowie der RSI befinden sich in einem Bereich, der bärischer kaum sein könnte. In gewisser Weise deuten diese Indikatoren allerdings auch auf eine gewisse Überverkauftheit des Markts hin. Kein Wunder: Immerhin hat sich das Börsen-Barometer seit seinen Höchstständen im Bereich um 16.000 Punkte Ende 2007 rund halbiert. Trotzdem besteht eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass mindestens der nächste Support bei etwa 7.000 Zählern getestet wird. Hält auch diese Marke nicht, könnte sich der IBEX 35 schnell in Regionen um 6.000 Punkte wieder finden.

Unorthodoxe Anlagestrategie
Bezüglich des IBEX 35 haben wir uns für eine Anlagestrategie entschieden, die auf den ersten Blick etwas unorthodox anmuten mag. Da wir – wie erwähnt - in den kommenden Wochen und Monaten zumindest mit einem Test der Unterstützung bei rund 7.000 Punkten rechnen, wählen wir für unser spekulatives Musterdepot einen Turbo-Short-Zertifikat auf den IBEX 35 der Deutschen Bank mit der WKN DE9070. Bei einem Basispreis von 8.885,22 Zählern und einem integrierten Stopp bei 8.610 Punkten weist der Schein eine ordentliche aber nicht zu offensive Hebelwirkung von 5,11 auf. Vor dem Hintergrund des schwierigen Zustands der spanischen Volkswirtschaft darf davon ausgegangen werden, dass die Knock-out-Schwelle mittelfristig nicht erreicht oder überschritten wird, so dass das Endlos-Produkt zum Restwert zurückgezahlt wird. Wir ordern über Scoach an der Frankfurter Börse 2.500 Stücke des entsprechenden Zertifikats ohne Limit.
Obwohl wir bis auf weiteres von fallenden Kursen ausgehen, haben wir uns für das konservative Depot für ein Bonus-Zertifikat auf den IBEX 35 der Societe Generale mit der WKN SG1T8A entschieden. Dabei spielte weniger der Umstand eine Rolle, dass es keine Reverse Bonus Zertifikate auf den spanischen Auswahlindex gibt. Vielmehr erwarten wir, dass der Markt angesichts seiner bereits erfolgten massiven Rücksetzer und der überverkauften Situation über kurz oder lang einen Boden spätestens im Bereich von 6.000 Punkten ausbilden kann. Da die untere Barriere des betreffenden Zertifikats bei 5.750 Punkten liegt, sollte der Bonus in Höhe von 115 Euro pro Schein zur Auszahlung gelangen. Dies entspricht bei einer Laufzeit bis zum 04.01.2013 einer Bonusrendite von mehr als ansehnlichen 27,13 Prozent (36,95 Prozent p.a.). Von den besagten Bonus-Zertifikaten ordern wir ebenfalls über Scoach an der Frankfurter Börse 40 Stücke unlimitiert.


Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 16.April 2012
Desolate Staatsfinanzen trotz Sparanstrengungen
Wie bereits angedeutet befinden sich die spanischen Staatsfinanzen in einer fast schon desolaten Situation. Zwar hält sich der Verschuldungsgrad mit derzeit rund 80 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung im Vergleich zu anderen europäischen Staaten noch in Grenzen. Das wirkliche Problem ist vielmehr die erschreckende Dynamik, mit der die staatlichen Verbindlichkeiten anwachsen. In 2011 lag die Neuverschuldung bei 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit meilenweit von den Maastricht-Kriterien (drei Prozent) entfernt. Für das laufende Jahr hatte Spanien in Brüssel um eine weitere Erhöhung der Verschuldungsquote um sechs Prozent nachgesucht. Genehmigt wurden allerdings lediglich vier Prozent. Dass Spanien damit nicht hinkommen wird, liegt eigentlich auf der Hand. Daran werden auch die umfangreichen Sparmaßnahmen, die zuletzt sogar noch einmal verschärft wurden, nicht allzu viel ändern können.
Wirtschaftswachstum bis auf weiteres Fehlanzeige
Genau genommen dürften die milliardenschweren Einsparungen die iberische Volkswirtschaft sogar nicht unerheblich belasten. Experten gehen davon aus, dass die beschlossenen Sparpakete das Wirtschaftswachstum pro Jahr zwischen 1,5 und 2,5 Prozent (je nachdem wie sie umgesetzt werden) belastet. Um in diesem Fall unterm Strich doch noch eine Steigerung der Wirtschaftsleistung generieren zu können, müsste das organische Wachstum zwischen 2,5 und 3,0 Prozent pro Jahr liegen. Und derartige Wachstumsraten sind für Spanien bloßes Wunschdenken. Der überwiegende Teil des spanischen Bruttoinlandsprodukts resultiert aus dem Binnenkonsum. Und wenn Sozialleistungen gekürzt werden, die Bürger zwangsläufig etwas mehr Beschiedenheit an den Tag legen müssen. Dies gilt umso mehr als in Spanien momentan etwa jeder vierte Bürger ohne Beschäftigung ist. Unter den Jugendlichen, die für gewöhnlich eine besonders ausgeprägte Konsumleidenschaft besitzen, liegt die Arbeitslosenquote sogar bei etwa 50 Prozent. Und da Besserung kurzfristig nicht in Sicht ist, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass die spanische Wirtschaft mindestens im aktuellen Jahr zwischen 1,5 und 2,0 Prozent schrumpft.
Welt-Konjunktur für Spanien nahezu bedeutungslos
Und auch in einem längeren Zeitfenster sind die Aussichten, dass das Land auf den Wachstumspfad zurückfindet, alles andere als optimal. Selbst wenn die Weltwirtschaft ein solides Wachstum erreichen sollte, wird Spanien davon so gut wie gar nicht profitieren, weil es auf der Halbinsel nur wenig Industrie gibt, die Güter produziert, an denen Asiaten und/oder Südamerikaner ihre Freude haben. Dass es Spanien über viele Jahre wirtschaftlich vergleichsweise gut ging, lag nicht an unzähligen starken Industrie-Unternehmen sondern einzig und allein daran, dass Spanien sich als Alters-Residenz zunehmender Beliebtheit erfreute. Dies führte zu einem gewaltigen Bau-Boom. Ein Großteil der heute Arbeitslosen war in diesem Bereich beschäftigt. Mittlerweile erfreut sich Spanien nicht mehr dieser Beliebtheit als Zweit-Wohnsitz und selbst wenn dieser Trend wieder aufflammen sollte, wird dies nicht zu einem neuerlichen Bau-Boom führen. Denn bei den derzeit erkennbar reduzierten Verkaufspreisen für Häuser und Wohnungen drängen sich aggressive Neubauten nicht sonderlich auf, auch weil es nach dem Platzen der Immobilienblase ohnehin extrem viel Leerstand gibt. Alles in allem stellt sich die spanische Ökonomie unter fundamentalen Aspekten vielleicht nicht völlig hoffnungslos dar. Aber bis die spanische Wirtschaft wieder signifikant wächst (falls dies überhaupt irgendwann einmal passiert), werden noch Jahre ins Land gehen. Und bis dahin dürfte es der IBEX 35 mit nennenswerten Kurszuwächsen sehr schwer haben.
Charttechnik: Bären erkennbar am Drücker
Darauf, dass die Bären beim spanischen Auswahlindex IBEX 35 das Zepter in der Hand halten, weist auch die charttechnische Verfassung des Börsen-Barometers hin. Der zarte und eigentlich fast zu vernachlässigende Aufwärtstrend seit Herbst vergangenen Jahres ist schon länger Geschichte. Dafür sind jedoch sämtliche Abwärtstrends intakt. Im Zuge des jüngsten Abverkaufs wurde zudem die wichtige Unterstützung bei etwa 7.600 Zählern gerissen und der Index notiert signifikant sowohl unter seiner 38- als auch unter seiner 200-Tage-Linie. Dass es wenigstens kurzfristig noch ein Stückchen weiter abwärts gehen könnte, implizieren darüber hinaus diverse Indikatoren. Der MACD und die Stochastik generieren Verkaufssignale, die nicht einmal ein Blinder übersehen könnte. Und auch das Momentum sowie der RSI befinden sich in einem Bereich, der bärischer kaum sein könnte. In gewisser Weise deuten diese Indikatoren allerdings auch auf eine gewisse Überverkauftheit des Markts hin. Kein Wunder: Immerhin hat sich das Börsen-Barometer seit seinen Höchstständen im Bereich um 16.000 Punkte Ende 2007 rund halbiert. Trotzdem besteht eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass mindestens der nächste Support bei etwa 7.000 Zählern getestet wird. Hält auch diese Marke nicht, könnte sich der IBEX 35 schnell in Regionen um 6.000 Punkte wieder finden.

Unorthodoxe Anlagestrategie
Bezüglich des IBEX 35 haben wir uns für eine Anlagestrategie entschieden, die auf den ersten Blick etwas unorthodox anmuten mag. Da wir – wie erwähnt - in den kommenden Wochen und Monaten zumindest mit einem Test der Unterstützung bei rund 7.000 Punkten rechnen, wählen wir für unser spekulatives Musterdepot einen Turbo-Short-Zertifikat auf den IBEX 35 der Deutschen Bank mit der WKN DE9070. Bei einem Basispreis von 8.885,22 Zählern und einem integrierten Stopp bei 8.610 Punkten weist der Schein eine ordentliche aber nicht zu offensive Hebelwirkung von 5,11 auf. Vor dem Hintergrund des schwierigen Zustands der spanischen Volkswirtschaft darf davon ausgegangen werden, dass die Knock-out-Schwelle mittelfristig nicht erreicht oder überschritten wird, so dass das Endlos-Produkt zum Restwert zurückgezahlt wird. Wir ordern über Scoach an der Frankfurter Börse 2.500 Stücke des entsprechenden Zertifikats ohne Limit.
Obwohl wir bis auf weiteres von fallenden Kursen ausgehen, haben wir uns für das konservative Depot für ein Bonus-Zertifikat auf den IBEX 35 der Societe Generale mit der WKN SG1T8A entschieden. Dabei spielte weniger der Umstand eine Rolle, dass es keine Reverse Bonus Zertifikate auf den spanischen Auswahlindex gibt. Vielmehr erwarten wir, dass der Markt angesichts seiner bereits erfolgten massiven Rücksetzer und der überverkauften Situation über kurz oder lang einen Boden spätestens im Bereich von 6.000 Punkten ausbilden kann. Da die untere Barriere des betreffenden Zertifikats bei 5.750 Punkten liegt, sollte der Bonus in Höhe von 115 Euro pro Schein zur Auszahlung gelangen. Dies entspricht bei einer Laufzeit bis zum 04.01.2013 einer Bonusrendite von mehr als ansehnlichen 27,13 Prozent (36,95 Prozent p.a.). Von den besagten Bonus-Zertifikaten ordern wir ebenfalls über Scoach an der Frankfurter Börse 40 Stücke unlimitiert.


Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 16.April 2012
!Bildnachweis
nationalflaggen.de
