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06.05.2012 23:53

DM-Analyse

Reißt der Euro die Depots mit?

Die Währungen der Welt fahren Achterbahn, der Euro wertet ab und der eine oder andere bezweifelt gar, dass es ihn noch lange gibt. Anleger aller Klassen blicken sorgenvoll auf den Währungsmarkt und fragen sich, ob und inwieweit sich das heftige Auf und Ab in den Wechselkursen auf das eigene Vermögensportfolio auswirkt. Und sollte es so sein - wie kann man sein Geld schützen?

Im Folgenden möchten wir die aktuelle Situation unter die Lupe nehmen, um Auswirkungen des Euro-Kurses auf Anlageportfolios auszuloten. Im Anschluss werden wir die Möglichkeiten aufzeigen, wie der Anleger aktiv oder passiv dem Einfluss der Währungen entgegentreten kann. Ist es für das eigene Vermögen besser, wenn der Euro steigt oder fällt? Diese Frage ist der Ausgangspunkt für einen kurzen und einfachen Blick auf das Geflecht aus Wirtschaft, Konsum, Geld und Wechselkurs. Dabei kommen Entwicklungen zur Sprache, die ein Steigen oder Fallen der heimischen Währung mit ganz realen Dingen wie Konsum und Investitionen bewirken. Was die Teilnehmer am Markt – also diejenigen, die auf die Entwicklung von Wechselkursen spekulieren – daraus machen, weicht davon manchmal deutlich ab. Wie im alltäglichen Leben ist auch hier der Ausgangspunkt das Geld. Alles, was in den Reihen der Verbraucher, Unternehmen und Banken an Bargeld und kurz- oder längerfristigen Einlagen im Umlauf ist, ergibt in der Summe eine Geldmenge. Und diese ist ganz wesentlich dafür verantwortlich, wie sich unsere Wirtschaft entwickelt. Geld ist im Grunde genommen ein Wirtschaftsgut wie beispielsweise der Apfel auf dem Wochenmarkt. War die Ernte reichlich und gibt es deshalb viele Äpfel, sinkt der Preis – weil mehr Anbieter um die Gunst der Verbraucher buhlen. In ernteschwachen Jahren hingegen reicht das Angebot an Äpfeln nicht, um alle Verbraucher zu bedienen. Weil es nun mehr Käufer für weniger Äpfel gibt, steigt der Preis. Mit dem Geld, das in Umlauf ist, verhält es sich genauso. Sein Preis drückt sich in dem Zins aus, mit dem man entweder einen Kredit bezahlt oder den man in Form einer Verzinsung für angelegtes Geld erhält. Nehmen wir an, das Geld sei billig – also die Zinsen für Kredite und Geldanlagen niedrig. Dann ist es für Unternehmen leichter, einen Kredit aufzunehmen und in Maschinen oder Produktionsanlagen zu investieren. Da der Anleger wegen der boomenden Wirtschaft im Zuge einer Unternehmensentwicklung mehr Rendite erzielen kann als mit festverzinslichen Produkten, werden die Aktien attraktiver, was steigende Aktienkurse zur Folge hat. Eine solche Zeit ist daher ideal für Anlageformen wie Aktien, Zertifikate oder Aktienfonds, die sich eben auf diese Entwicklung beziehen. Das Ganze wird vom heimischen Wechselkurs sogar noch unterstützt. Dieser richtet sich im Kern an der Höhe des Leitzinses aus – also dem Zins, den zum Beispiel die Europäische Zentralbank als Preis für den Euro festlegt. Ist er niedrig, verliert die Währung tendenziell an Wert und umgekehrt. Nach jahrelangem Aufwärtstrend von 2001 bis Mitte 2008 kippte die Weltwirtschaft in das Jahr 2009 hinein.





Um die Auswirkungen einer einbrechenden Weltkonjunktur abzufedern, senkten die Notenbanken der wichtigsten Wirtschaftsräume stufenweise die Leitzinsen bis hin zum heutigen Wert: Nimmt man Australien aus der Betrachtung, liegen alle wichtigen Wirtschaftsräume bei einem Prozent und darunter.





Am Beginn einer solchen Entwicklung gibt der Wechselkurs nach. Das konnte man am Beispiel des Euro im zweiten Halbjahr 2008 und im ersten Halbjahr 2010 beobachten. Auch die Aktienkurse legten nach dem herben Rückschlag 2008/2009 wieder zu. Dass wir auch im zweiten Halbjahr 2011 einen deutlichen Kursverlust im Euro gesehen haben, hatte den gleichen Grund. Ein Anleger, der sein Vermögen in Euro-basierten Anlagen investiert hat, muss sich um die Talfahrt der Gemeinschaftswährung keine Sorgen machen. Ist das Geld in fremder Währung angelegt, gelten die gleichen Grundsätze. Die Beobachtung und Interpretation von Wirtschaftsdaten aus dem entsprechenden Währungsraum bietet eine sehr gute Überwachungsmöglichkeit. Die momentane Situation des Euro ist jedoch nicht in Stein gemeißelt, sie hat ein gewisses Gefährdungspotenzial für aktienbasierte Anlagen in Euro. Solange der Euro sinkt und sich auf eher niedrigem Niveau hält, sind die Waren, die wir aus dem Ausland einkaufen, teurer als sonst. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Inlandsnachfrage wird hoch bleiben und weiter steigen. Dies wird vielerorts bejubelt und als Lichtblick dargestellt. Wer sich allerdings um angelegte Gelder sorgen muss, sollte zunehmend wachsamer werden. Eine steigende Inlandsnachfrage führt unweigerlich zu höheren Löhnen und Preisen. Das schlägt sich nieder in der Inflationsrate, die Auskunft darüber gibt, wie sich die Preise entwickelt haben. Zu hoch darf sie nicht ausfallen, weil im Extremfall die Wirtschaft überhitzen und zusammenbrechen würde. Dies zu vermeiden, ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank, die mit der Festsetzung der Höhe des Leitzinses ein wichtiges Instrument besitzt. Sie setzt ihn als Bremse für die Wirtschaft ein, um die erwähnte Überhitzung zu verhindern. Mit Zinserhöhungen wird der Spieß umgedreht. Alles, was bisher in diesem Artikel geschildert wurde, läuft dann genau entgegengesetzt. Anleger, die ihr Geld in Euro angelegt haben, sollten sich dann tendenziell auf fallende Aktienkurse bzw. auf fallende Preise in entsprechenden Derivaten einstellen. Mit dem Leitzins sollte dann auch der Euro wieder steigen, eben im Gegensatz zur bisherigen Entwicklung. Lässt man die auf Spekulation basierenden Wechselkursbewegungen außer Acht, läuft der Wert einer Währung den konjunkturellen Entwicklungen hinterher. Insofern beeinflusst er die Anlagen – zumindest die, die in Euro valutiert werden – nicht. Anders gestaltet es sich, wenn Gelder in fremder Währung angelegt sind. Hier ist es für den Anleger wichtig, wann er die Rückabwicklung seiner Gelder in den Euro beabsichtigt. Die geschilderten grundsätzlichen Entwicklungen in den Währungen sind in allen Wirtschaftsräumen gleich. Wenn Gelder beispielsweise US-Dollar-basiert investiert sind, wird die Entwicklung in der Eurozone im Vergleich zu der in den USA wichtig.


Der Schutz gegen Wechselkurseinflüsse

Vor allem sind die Anleger betroffen, die ihr Vermögen in Anlageformen investiert haben, welche in fremder Währung geführt werden. Die Mechanismen sind auch in diesem Punkt auf nahezu alle Wirtschaftsräume übertragbar. Beispielhaft sei angenommen, ein Anleger aus der Eurozone habe Gelder US-Dollar-basiert angelegt. Für ihn ist, wie oben bereits angedeutet, die Beobachtung beider Wirtschaftsräume wichtig. Entwickeln sich die konjunkturellen Bedingungen in den USA und in der Eurozone gleich, wird mit dem Wechselkurs von Euro zu US-Dollar aus fundamentaler Sicht nicht viel passieren. Sobald sich aber die Situation in beiden Regionen gegenläufig verhält, verändert sich der Wechselkurs. Erhöht die Europäische Zentralbank den Leitzins wegen steigender Inflationsrate und die Federal Reserve Bank in New York lässt ihren Leitzins unverändert, profitiert davon der Euro. Mittelfristige Wechselkursbewegungen richten sich meist nach dem Leitzinsunterschied eines Währungspaares hin zu der Währung, für die ein höherer Leitzins gilt. Steigt also nur der Leitzins der Eurozone, steigt auch der Euro-Dollar-Wechselkurs. Ein Rücktausch der angelegten Gelder wäre dann immer ungünstiger, weil die US-Dollar-basierten Gelder bei einem steigenden Euro-Dollar-Kurs an Wert verlieren würden. Es gibt grundsätzlich zwei Arten, dem Einfluss von Wechselkursbewegungen entgegenzutreten. Zunächst kann der Anleger die passive Möglichkeit wählen. Passiv heißt in diesem Zusammenhang aber keineswegs, dass nichts zu tun wäre. Der Unterschied zur aktiven Vorgehensweise besteht nur darin, dass kein zusätzliches Finanzmarktinstrument eingesetzt wird. Bei der passiven Methode beobachtet der Anleger aus der Eurozone (das gilt analog für jede Heimatwährung) die hiesige Wirtschaftsentwicklung und diejenige in der Region, in dessen Währung die angelegten Gelder valutiert werden – im gewählten Beispiel seien das die USA. Lässt die Entwicklung der Wirtschaftsdaten eine Leitzinserhöhung vermuten, sollte mit steigender Währung gerechnet werden.


Wenn in der Eurozone in den nächsten Monaten alles daraufhin deutet, dass die Preise weiterhin stark steigen (immerhin hat sich die Inflationsrate seit 2008 vervierfacht), kann man davon ausgehen, dass der europäische Leitzins angehoben wird. Solange in den USA die gleiche Entwicklung feststellbar ist, wird es kaum eine Veränderung des Euro-Dollar-Wechselkurses geben. Er wird sich innerhalb eines mehr oder weniger breiten Bandes bewegen, aber keine großen Trends ausbilden. Kann der Anleger damit rechnen, dass nur in der Eurozone der Leitzins erhöht wird, muss nachgerechnet werden. Dann sollte man das noch zu erwartende Kurspotenzial der eigenen Anlagen im US-Dollar und die zu erwartende – in diesem Fall ungünstige – Wechselkursentwicklung übereinanderlegen. Kommt man dabei zu dem Schluss, dass eine mögliche Abwertung des US-Dollars die Gewinne der Anlage mindestens egalisiert, sollte über eine Auflösung oder Umschichtung eines Portfolios nachgedacht werden. Wenn dies aber nicht in Frage kommt, kann der Anleger aktiv einem negativen Einfluss der Wechselkursentwicklung entgegentreten. In diesem Fall wird ein Teil des Vermögens im sogenannten Forexmarkt eingesetzt. Hier kann über eigens dafür geschaffene Schnittstellen – Broker – auf künftige Entwicklungen in den Währungspaaren gesetzt werden. Rechnet der Anleger also wie oben mit einem steigenden Euro-Dollar-Wechselkurs und derart mit einer drohenden Abwertung seiner in US-Dollar geführten Gelder, kann er durch eine „Devisenwette“ auf einen steigenden Euro-Dollar-Kurs Kursgewinne erzielen. Im optimalen Fall kann er damit die Kursverluste seiner Anlagen mit diesem Gewinn ausgleichen und hat in Summe keinen Verlust erfahren. Die Anbieter für den Eigenhandel im Forexmarkt sind mittlerweile sehr zahlreich geworden, was für eine Sensibilisierung der Anleger hinsichtlich der Währungsrisiken spricht. Natürlich ist der Handel im Forexmarkt nicht ohne Risiko, vor allem dann, wenn die Besonderheiten der Kursbildung noch nicht nachvollziehbar sind. Ein Anleger hat aber neben dem Eigenhandel auch die Möglichkeit, sich erfahrenen Händlern mit sogenannten Managed Accounts anzuvertrauen und so von der aktiven Nutzung von Kursbewegungen in den Währungen zu profitieren.



Carl Düvel

Dieser Artikel ist erschienen im Derivate Magazin. | Ausgabe 1 | 2012




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