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29.07.2010 17:49

Rohstoff Kaffee

Kaffee: Ende der 'Rallye' nicht unwahrscheinlich

Kräftig aufwärts ging es zuletzt bei den Notierungen vieler 'Soft Commodities'. Regelrecht 'explodiert' sind in diesem Zusammenhang im abgelaufenen Monat die Kaffeepreise.

Derzeit müssen in New York für ein amerikanisches Pfund der aromatischen Bohnen mehr als 160 US-Dollar bezahlt werden, nachdem die Kurse zuvor lange Zeit zwischen 130 und 140 US-Cents pendelten. Anleger sollten sich davon jedoch nicht täuschen lassen. Denn es ist alles andere als unwahrscheinlich, dass die „Rallye“ beendet ist und in absehbarer Zeit empfindliche Rücksetzer drohen.

Deutlicher Angebotsüberhang für 2011 erwartet

Gegenwärtig stellt sich die Versorgungslage bei Kaffee ziemlich angespannt dar. Für das laufende 2009/10er Wirtschaftsjahr, welches am 30.09, endet, prognostiziert das US-Landwirtschaftsministerium einen globalen Output an Arabica-Bohnen in Höhe von 125,7 Millionen Säcken bei einem Verbrauch von 131,2 Millionen Bags. Dadurch fällt das viel beachtete Ending Stock to Use Ratio auf nur noch 24 Prozent und liegt damit nur ein Prozent über den Tiefstständen der letzten sechs Jahre. Völlig anders soll es jedoch in der nächsten Saison laufen. Für 2010/11 rechnen die amerikanischen Experten mit einer Rekordernte von 139,7 Millionen Säcken. Zunehmen dürfte auch der Verbrauch, aber lediglich von 131,2 auf 134,7 Millionen Bags, so dass sich ein signifikanter Angebotsüberschuss von rund fünf Millionen Säcken ergibt. Das Verhältnis zwischen Endbeständen und Verbrauch wird in diesem Fall auf 27 Prozent anwachsen. Obwohl sich dieser Wert immer noch im unteren Mittelfeld der zurückliegenden Jahre bewegt, scheinen Investoren gut beraten zu sein, diese Schätzungen zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn sich die Internationale Kaffee-Organisation für das kommende Wirtschaftsjahr von einer Produktionsmenge in Höhe von 134 Millionen Säcken bei einer etwa gleich hohen Nachfrage ausgeht. Die erhebliche Differenz erklärt sich daraus, dass die Internationale Kaffee-Organisation die Ernte-Prognosen der brasilianischen Regierung, die für gewöhnlich immer bewusst niedrig angesetzt sind, als Grundlage der eigenen Vorhersagen verwendet.

Schlechtes Wetter in Brasilien als „Kurs-Turbo“

Apropos Brasilien: Angesichts der Schätzungen für 2010/11 drängt sich die Frage, warum es überhaupt zu so großen Kurs-Anstiegen gekommen ist, förmlich auf. Hintergrund sind die gegenwärtig außerordentlich ungünstigen Witterungsbedingungen im „Land am Zuckerhut“. Sinnflutartige Regenfälle haben in vielen wichtigen Anbau-Regionen des Landes zu Überschwemmungen geführt, die nicht unerhebliche Schäden an den empfindlichen Kaffee-Sträuchern verursacht haben könnten. Zwar liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen dahingehend vor. Doch es ist zumindest nicht auszuschließen, dass dadurch die diesjährige Ernte eher im Bereich der Prognosen der brasilianischen Regierung (47 Millionen Säcke) als im Bereich der Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministerium (55,3 Millionen Bags) liegt. Dennoch wurde bislang noch keine Revidierung der Ertrags-Vorhersagen vorgenommen, was primär daran liegt, dass die Ernten in anderen bedeutenden Anbau-Staaten üppig ausfallen sollen. Abgesehen davon betreffen die ungünstigen Witterungsbedingungen natürlich nur die aktuelle Ernte und nicht den 2010/11er Output. Unseres Erachtens sind die gesehenen Kurs-Zuwächse demzufolge fundamental nur bedingt begründbar und wohl eher auf eine Art „Kauf-Panik“ institutioneller Investoren zurückzuführen. Erfahrungsgemäß werden derartige Kurs-Bewegungen an der Börse über kurz oder lang korrigiert.

CoT-Daten implizieren fallende Kurse

Wie überkauft der Kaffee-Markt zur Stunde ist belegen insbesondere die CoT-Daten: Ende April hielten die „Large Speculators“ lediglich eine Netto-Long-Position von circa 3.000 Kontrakten, sind es gegenwärtig mehr als 40.000 Kontrakte. Im Gegenzug haben die „Commercials“ eine Netto-Short-Position von rund 45.000 Kontrakten aufgebaut. Dies stellt das höchste Niveau der vergangenen zwölf Monate dar und zeigt, dass diese für gewöhnlich sehr gut informierte Händlergruppe die momentanen Preise für hoch genug erachtet, um ihre Waren aggressiv auf Termin zu verkaufen. Diese Konstellation lässt sich durchaus als extrem bezeichnen, so dass nicht zu erwarten ist, dass die derzeitigen Notierungen noch allzu lange gehalten werden können.








„Bullische“ Saisonalität


Daran ändert auch die an und für sich „bullische“ Saisonalität nichts. Für gewöhnlich bildet der Kaffeemarkt sein Jahrestief Anfang Juli aus, welches dann oftmals Mitte August nochmals bestätigt wird, bevor die Notierungen bis Jahresende anziehen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Saisonalität in diesem Jahr bisher kein sonderlich guter Ratgeber war. Denn wer auf Grund der jahreszeitlichen Preis-Entwicklung Mitte Mai auf fallende Kurse spekuliert hatte, dürfte sich übel die „Finger verbrannt“ haben. Wir messen diesem Analyse-Instrument daher für das laufende Jahr keine allzu große Bedeutung zu.

Charttechnik deutet Trendwende nach unten an

Da richten wir unseren Blick doch lieber auf die technische Ausgangs-Situation, die bei objektiver Betrachtung auf eine anstehende Trendwende nach unten hindeutet. Im Bereich von knapp 170 US-Cents hat sich mittlerweile ein „bärisches“ Doppel-Top herausgebildet. Da die Notierungen im Anschluss bereits etwas nachgegeben haben, spricht gegenwärtig einiges für eine M-Formation. Eine solche wäre unterhalb von 162,50 US-Cents vollendet und spätestens dann muss mit Anschluss-Abgaben bis zum Support 158 US-Cents gerechnet werden. Mutige Anleger können nach einem Unterschreiten der 162,50 US-Cents ihr Glück mit einer Wette auf fallende Kurse versuchen. Investoren, die lieber etwas defensiver agieren, warten den Bruch der Unterstützung bei 158 US-Cents ab. Fällt diese, ist der Weg nach unten bis zu 145 US-Cents aus technischer Sicht erst einmal frei.


Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 27.Juli 2010
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