29.07.2010 18:32
Editorial
Weltwirtschaft vor neuer Schwäche-Phase?
Aber wie berechtigt sind solche Ängste und steht die Weltwirtschaft tatsächlich vor einer neuerlichen Schwäche-Phase?
Ganz von der Hand zu weisen sind derartige Befürchtungen sicherlich nicht. Immerhin fielen die Zuwächse beim Brutto-Inlandsprodukt in vielen wichtigen (Industrie)-Staaten im zweiten Quartal geringer als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres aus. Insofern verwundert es nicht, dass die Wachstums-Prognosen für 2010 und 2011 in diversen Staaten unlängst moderat zurückgenommen wurden. Überbewerten sollten Anleger diesen Umstand jedoch nicht. Denn in den letzten beiden Quartalen fiel das Plus bei der Wirtschaftsleistung vielerorts überraschend hoch aus. Dass dies auf Dauer nicht zu halten ist, liegt auf der Hand, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die staatlichen „Anschub-Maßnahmen“ nunmehr sukzessive zurückgefahren werden. Nichtsdestotrotz sind wir davon überzeugt, dass der globale wirtschaftliche Aufschwung anhalten wird und wir keine weitere rezessive Phase sehen, wenngleich eine abnehmende Dynamik beim Wachstum natürlich nicht ausgeschlossen werden kann.
Für völlig überzogen erachten wir den von einigen Experten immer wieder „ins Spiel“ gebrachten Vergleich mit 1929. Damals stürzten die Notierungen des Dow Jones zunächst massiv ab, bevor es zu einer Erholung kam, die sich jedoch nicht als nachhaltig erwies. Seine Tiefststände erreichte das weltweit wichtigste „Börsen-Barometer“ erst um 1935 herum, als sich abzeichnete, dass die „große Depression“ überwunden war. Von einer solchen ist die Weltwirtschaft gegenwärtig nach unserer Einschätzung meilenweit entfernt, auch weil von einer gewaltigen „Blasen-Bildung“ an den Börsen Ende 2007 – anders als vor rund 70 Jahren – nicht die geringste Rede sein konnte.
Alles in allem rechnen wir für die nächsten Jahre weder mit einem abermaligen Rückfall in eine Rezession und erst recht nicht mit einer Depression. Bestenfalls dürfte es zu schwächeren Zuwächsen bei der Wirtschaftsleistung kommen, die aber keinesfalls zu Kurs-Verlusten über einen Zeitraum von mehreren Jahren führen werden. Auf der anderen Seite sollten aber auch die Erwartungen an weitere Kurs-Steigerungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu hoch angesetzt werden. Zumindest bis Herbst wird unsere Ansicht nach die tendenzielle Seitwärts-Bewegung an den Welt-Börsen anhalten. Ob es dann zu einer „Jahresend-Rallye“ kommt, wird sich zeigen und entscheidend von der konjunkturellen Entwicklung uns den Unternehmensgewinnen abhängen. Ein gewisses Maß an Vorsicht kann derzeit sicherlich nicht schaden. In Panik brauchen Investoren zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ganz bestimmt nicht zu verfallen.
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen Marc Nitzsche – Chefredakteur
Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 27.Juli 2010
Ganz von der Hand zu weisen sind derartige Befürchtungen sicherlich nicht. Immerhin fielen die Zuwächse beim Brutto-Inlandsprodukt in vielen wichtigen (Industrie)-Staaten im zweiten Quartal geringer als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres aus. Insofern verwundert es nicht, dass die Wachstums-Prognosen für 2010 und 2011 in diversen Staaten unlängst moderat zurückgenommen wurden. Überbewerten sollten Anleger diesen Umstand jedoch nicht. Denn in den letzten beiden Quartalen fiel das Plus bei der Wirtschaftsleistung vielerorts überraschend hoch aus. Dass dies auf Dauer nicht zu halten ist, liegt auf der Hand, vor allem wenn man berücksichtigt, dass die staatlichen „Anschub-Maßnahmen“ nunmehr sukzessive zurückgefahren werden. Nichtsdestotrotz sind wir davon überzeugt, dass der globale wirtschaftliche Aufschwung anhalten wird und wir keine weitere rezessive Phase sehen, wenngleich eine abnehmende Dynamik beim Wachstum natürlich nicht ausgeschlossen werden kann.
Für völlig überzogen erachten wir den von einigen Experten immer wieder „ins Spiel“ gebrachten Vergleich mit 1929. Damals stürzten die Notierungen des Dow Jones zunächst massiv ab, bevor es zu einer Erholung kam, die sich jedoch nicht als nachhaltig erwies. Seine Tiefststände erreichte das weltweit wichtigste „Börsen-Barometer“ erst um 1935 herum, als sich abzeichnete, dass die „große Depression“ überwunden war. Von einer solchen ist die Weltwirtschaft gegenwärtig nach unserer Einschätzung meilenweit entfernt, auch weil von einer gewaltigen „Blasen-Bildung“ an den Börsen Ende 2007 – anders als vor rund 70 Jahren – nicht die geringste Rede sein konnte.
Alles in allem rechnen wir für die nächsten Jahre weder mit einem abermaligen Rückfall in eine Rezession und erst recht nicht mit einer Depression. Bestenfalls dürfte es zu schwächeren Zuwächsen bei der Wirtschaftsleistung kommen, die aber keinesfalls zu Kurs-Verlusten über einen Zeitraum von mehreren Jahren führen werden. Auf der anderen Seite sollten aber auch die Erwartungen an weitere Kurs-Steigerungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu hoch angesetzt werden. Zumindest bis Herbst wird unsere Ansicht nach die tendenzielle Seitwärts-Bewegung an den Welt-Börsen anhalten. Ob es dann zu einer „Jahresend-Rallye“ kommt, wird sich zeigen und entscheidend von der konjunkturellen Entwicklung uns den Unternehmensgewinnen abhängen. Ein gewisses Maß an Vorsicht kann derzeit sicherlich nicht schaden. In Panik brauchen Investoren zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ganz bestimmt nicht zu verfallen.
Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen Marc Nitzsche – Chefredakteur
Dieser Artikel ist erschienen im Derivate pdf-Magazin. | 27.Juli 2010
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