13.05.2010 10:34
Zinsen
'Saure-Gurken-Zeit' für Anleger bald vorbei?
Investoren, denen Unternehmensbeteiligungen oder Rohwaren jedoch zu risikoreich sind und die stattdessen festverzinsliche Kapital-Anlagen bevorzugen, dürften die aktuellen Konditionen am Geldmarkt oder im Anleihebereich fast schon die Tränen in die Augen treiben. Zinssätze jenseits der Zwei-Prozent-Marke sind selbst bei Investments mit einer Laufzeit von zwei Jahren kaum erhältlich.
Doch auch für sehr auf Sicherheit bedachte Anleger gibt es durchaus Möglichkeiten, das eine oder andere Prozent mehr Rendite zu erzielen.
Natürlich müssen sich „Zins-Fans“ darüber im Klaren sein, dass sie niemals Renditen erzielen können, wie sie bei spekulativeren Investments denkbar sind. Schließlich gehen an den Finanzmärkten die Ertragschancen stets Hand in Hand mit Risiken. Lediglich Anleger, die bereit sind, ein überdurchschnittliches Risiko einzugehen, können auch überdurchschnittliche Renditen erwarten. Dessen ungeachtet sind Zinserträge beileibe kein so langweiliges Thema wie häufig angenommen. Bevor wir einige aussichtsreiche Produkte aus dem „Zins-Sektor“ näher „unter die Lupe“ nehmen, wollen wir uns zunächst anschauen, wie es überhaupt zu der gegenwärtigen Situation an den Geldmärkten gekommen ist.
Nullzins-Politik als Antwort auf „Konjunktur-Kollaps“
Hintergrund der gegenwärtig historisch niedrigen Zinssätze in nahezu sämtlichen (Industrie-) Nationen dieser Erde ist – wie könnte es auch anders sein – der konjunkturelle „Kollaps“, mit dem sich die Weltwirtschaft zwischen Anfang 2008 und Mitte 2009 konfrontiert sah und der seinen Ursprung im „Platzen der Immobilienblase“ hatte, vornehmlich in den USA, aber auch in Großbritannien und Spanien. Dadurch gerieten unzählige Finanzinstitute in arge finanzielle Bedrängnis, weil viele Hypotheken-Darlehen wegen der sich im „freien Fall“ befindlichen Verkehrswerte erheblich untersichert waren und die Banken daher in diesem Bereich gigantische Abschreibungen vornehmen mussten, nachdem – was der Fall war – immer mehr Kreditnehmer ihren Rückzahlungsverpflichtungen nicht mehr ordnungsgemäß nachkommen konnten. Gleichzeitig wurden Hypotheken-Darlehen in einem kaum vorstellbaren Volumen als verbriefte Derivate speziell an institutionelle Anleger veräußert, wodurch das Problem regelrecht eskalierte. Das „Ende vom Lied“ sah dann so aus, dass einst steinreiche Banken und Versicherungen quasi über Nacht zu „Bittstellern“ wurden und die entsprechenden Regierungen mit zig Milliarden aushelfen mussten, um flächendeckende Insolvenzen im Finanzbereich zu vermeiden. Dass Banken, die ums „nackte Überleben“ kämpften, in solchen Phasen natürlich kaum noch Kredite an Privatleute und Unternehmen vergaben, liegt auf der Hand. Schließlich kann nur derjenige Geld verleihen, der welches hat. Und da der Zugang zu ausreichend Kapital eine der wichtigsten Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum ist, dauerte es nicht allzu lange, bis aus der Finanzkrise eine globale Wirtschaftskrise wurde, die man in dieser Intensität in vielen Ländern noch gar nicht und in anderen zuletzt vor etlichen Dekaden gesehen hatte. Rückgänge der Wirtschaftsleistung auf Jahressicht zwischen fünf und acht Prozent wurden in immer mehr Staaten zum Regelfall und es bestand somit dringender Handlungsbedarf.
Allerdings sind die Möglichkeiten, einer derartigen Krise zu begegnen, begrenzt: Letztlich wurde gemacht, was bei einem konjunkturellen „Sinkflug“ immer getan wird: Die Notenbanken senkten die Leitzinsen immer weiter und hofften, dass die Wirtschaft durch die außerordentlich expansive Geldpolitik wieder ins „Laufen“ kommt. Immerhin konnten sich Finanzinstitute annähernd zum „Nulltarif“ Geld bei den Zentralbanken besorgen und diese Mittel zu vergleichsweise geringen Zinssätzen weiterverleihen.

Im Zusammenspiel mit gewaltigen staatlichen „Hilfspaketen“ fassten die meisten Ökonomien dann tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder „Tritt“ und begannen, moderat zu wachsen. Und aktuell deutet einiges darauf hin, dass sich diese Tendenz im laufenden Jahr fortsetzt und sogar verstärkt. In nicht wenigen Staaten werden die Wachstumsprognosen für 2010 mit schöner Regelmäßigkeit nach oben korrigiert und von einem baldigen Zusammenbruch der globalen Marktwirtschaft und des Papiergeld-Systems sprechen heute nur noch unbelehrbare „Bären“ und „Edelmetall-Bullen“.
Zins-Trendwende zeichnet sich bereits ab
Die nicht zu übersehende wirtschaftliche Erholung rund um den Globus hat in den zurückliegenden zwölf Monaten zu deutlich steigenden Aktienkursen geführt. Aber auch unter Zins-Gesichtspunkten ist die anziehende Konjunktur von großer Bedeutung. Denn in wirtschaftlich starken Zeiten ist eine „Nullzins-Politik“ dauerhaft nicht vertretbar. Insofern ist es letztlich nur eine Frage der Zeit, wann die „Zinsschraube“ nach oben gedreht wird. Einige Länder, die entweder von der Finanz- und Wirtschafskrise lediglich unterdurchschnittlich betroffen waren oder bereits sehr früh auf den ökonomischen „Wachstumspfad“ zurückgefunden haben, sind diesbezüglich bereits aktiv geworden. Angehoben wurden die Leitzinsen unter anderem in Australien, Norwegen, China, Indien, Vietnam und unlängst auch in Malaysia. Die amerikanische FED wollte sich bislang noch nicht ganz so weit „aus dem Fenster lehnen“ und ließ die Leitzinsen (noch) unverändert. Allerdings wurde kürzlich der Diskontsatz moderat erhöht. Wenngleich die US-Notenbank quasi im gleichen „Atemzug“ versicherte, dass dies nicht als Signal für eine baldige Zins-Trendwende zu werten sei und die Geldmarkt-Renditen aller Voraussicht nach noch längere Zeit auf dem momentanen Niveau verbleiben würden, werten wir diese Worte primär als „Beruhigungspillen“ für die Aktienmärkte, die nach der FED-Maßnahme unter Abgabedruck gerieten. Die jüngsten Wirtschaftsdaten zum vierten Quartal 2009 zeigen unverkennbar, dass die amerikanische Volkswirtschaft wieder mit einer kaum für möglich gehaltenen Dynamik wächst. Sofern sich diese Entwicklung fortsetzt, gehen wir davon aus, dass die Zinsen in den USA mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit spätestens im zweiten Halbjahr 2010 steigen.

Ähnlich sollte es zudem in den großen europäischen Volkswirtschaften laufen, auch wenn nennenswerte Zinserhöhungen in Anbetracht des vergleichsweise geringeren Wachstums unter Umständen ein bisschen länger dauern könnten. Letztlich jedoch bedarf es keinerlei magischer hellseherischer Fähigkeiten, um zu prognostizieren, dass die „Zeiten des billigen Geldes“ in absehbarer Zeit ihr Ende finden werden. Und diese Vorhersage dürfte für nahezu jede Volkswirtschaft von einer nicht völlig untergeordneten Bedeutung gelten. Damit stellt sich natürlich die Frage, wie Zinsanleger in derartigen Zeiten agieren sollen, um eine wenigstens ordentliche Rendite zu erzielen.
Zins-Zertifikate sinnvolle Alternative zum Geldmarkt?
Die denkbar schlechteste Variante ist gegenwärtig Festgeld mit längeren Laufzeiten. Die Renditen liegen – wie bereits angedeutet – nur in Ausnahmefällen erkennbar jenseits der Zwei-Prozent-Marke. Erschwerend kommt hinzu, dass man von steigenden Zinsen nicht profitiert und das Kapital verhältnismäßig fest gebunden ist. Klar: Im Fall aller Fälle kommen Anleger auch vor Ablauf des vereinbarten Zeitraums an ihr Festgeld. Dann allerdings müssen sie von den ohnehin schon alles andere als üppigen Renditen unerfreuliche Abstriche machen. Am Ende steht dann nicht selten eine negative Real-Verzinsung. Dieses Problem lässt sich umgehen, indem man auf Tagesgeld zurückgreift. Zwar fallen die Erträge dabei noch etwas geringer aus, aber immerhin entfällt die lange Bindungsdauer. Falls die Zinsen erwartungsgemäß steigen, können Investoren ihr Kapital zu einem späteren Zeitpunkt zu besseren Konditionen anlegen. Bis das jedoch möglich ist, kann noch „viel Wasser den Rhein herunter laufen“. Wenngleich auf längere Sicht das Zinsniveau mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in der Euro-Zone steigen wird, dauert dies eventuell noch ein Weilchen. Zur Stunde gibt es seitens der Europäischen Zentralbank bestenfalls indirekte Signale in puncto Zinserhöhungen. Von daher müssen Tagesgeld-Anleger damit rechnen, dass bei ihren Investments bis auf weiteres „Schmalhans Küchenmeister“ sein dürfte.
Auch für „Anleihe-Fans“ gab es in der Vergangenheit schon deutlich bessere Zeiten. Kurz laufende Schuldverschreibungen des Bundes werfen momentan nicht mehr als 1 bis 1,5 Prozent ab. Wer höhere Renditen vereinnahmen möchte, muss Abstriche bei der Qualität des Schuldners machen. So kann man beispielsweise bei Unternehmensanleihen, die gerade noch im Investment-Grade-Bereich liegen, Renditen zwischen vier und fünf Prozent erwirtschaften. Auf der anderen Seite sollten sich Anleger stets das erhöhte Risiko bei solchen Papieren ins Gedächtnis rufen, vor allem weil Anleihen nicht über den Einlagensicherungsfonds abgesichert sind. Kommt es zu einer Insolvenz, droht der Totalverlust des eingebrachten Kapitals. Gerade für defensive Investoren ist dies das Horror-Szenario überhaupt.
Anleihen sind in der gegenwärtigen Niedrig-Zins-Phase aber auch noch unter einem anderen Gesichtspunkt problematisch. Werden Anleihen bis zum Ende der Laufzeit gehalten, erfolgt eine Rückzahlung zum Nominalwert (100 Prozent). Benötigen Investoren ihr Kapital jedoch vorher, können die Schuldverschreibungen zwar meist verkauft werden. Die Frage ist nur, zu welchem Kurs. Kommt es nämlich zu Zinserhöhungen, hat das zur Folge, dass die Kurse von Anleihen sinken. Der kleine Renditevorteil gegenüber Fest- oder Tagesgeld wird dann oftmals sehr schnell durch Kursverluste aufgezehrt. Kurz gesagt: Niedrig-Zins-Phasen sind alles andere als optimal für Anleihe-Investments.
Immerhin haben die Emittenten von Derivaten das Dilemma erkannt, in welchem „Zins-Jäger“ in Zeiten wie diesen stecken, und sogenannte Zins-Zertifikate auf den Markt gebracht. Wenngleich diese Produkte nicht per se eine höhere Rendite bieten, sind sie zumindest ein probates Mittel, an steigenden Zinsen zu partizipieren, weil sich Zins-Zertifikate im Regelfall am Referenz-Zins eines Währungsraums orientieren. In „Euroland“ ist das unter anderem der Euribor, zu dem sich europäische Banken Geld leihen können. Aktuell liegt der Euribor bei 1,3 Prozent.

Beim kürzer laufenden Eonia (Overnight-Zinssatz) sind es gar nur 0,4 Prozent.

Der entscheidende Vorteil von Zins-Zertifikaten liegt darin, dass die Renditen automatisch an steigende Zinsen angepasst werden. Anleger brauchen sich also nicht ständig nach den besten Tagesgeld-Angeboten umzusehen, sondern können einfach abwarten und hoffen, dass im Euroraum in absehbarer Zeit – wie noch vor einem Jahr – wieder Renditen zwischen 4,3 und 5,4 Prozent pro Jahr erzielbar sind. In der gegenwärtigen Phase sind Zins-Zertifikate also durchaus eine überlegenswerte Alternative für vorsichtige Anleger, die sich nicht permanent um ihre Investments kümmern können (oder wollen) und dennoch von den höchstwahrscheinlich steigenden Leitzinsen profitieren wollen. Nachfolgend wollen wir uns einige Produkte aus diesem Bereich etwas näher ansehen und die speziellen Chancen, aber auch die Risiken „beleuchten“.
Magere Renditen bei Euro-Investments
Die meisten „Zins-Jäger“ zeichnen sich durch eine vergleichsweise hohe Risiko-Aversion aus. Nicht zuletzt deshalb neigen sie zu Investments in ihrer Heimat-Währung. Dementsprechend beliebt sind bei Anlegern hierzulande Zins-Produkte, die auf dem Euro basieren. Allerdings weist die überwiegende Mehrheit von Zins-Zertifikaten in Euro gegenwärtig eine überaus bescheidene Rendite aus. So kam beispielsweise die Tagesgeldanleihe XXL der RBS (WKN AA01PQ) im letzten Jahr lediglich auf eine Ertrag von sehr überschaubaren 1,3 Prozent. Geschmälert wurde diese Rendite zudem durch den Spread in Höhe von 0,3 Prozent. Da das Produkt das Zins-Niveau des Euribor abbildet, besteht jedoch latente Hoffnung auf Besserung, wenn die Zinsen in „Euroland“ tatsächlich anziehen, womit – wie schon erwähnt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist. Auf der anderen Seite kann es durchaus noch einige Zeit dauern, bis wir Zinsen wie vor der Krise sehen. Kurz- bis mittelfristig sollten Interessenten von dem genannten Produkt daher nicht allzu viel erwarten. Für Investoren mit einem „längeren Atem“ kann sich der Schein hingegen durchaus lohnen. Immerhin läuft das Zertifikat bis Mitte 2013.
Wer bereits von Anfang an üppigere Renditen möchte, kann sich dagegen das Schatzbrief-Zertifikat von Morgen Stanley (WKN MS0EP2) einmal näher ansehen. Das Produkt bietet im ersten Jahr seiner Laufzeit 4,5, im zweiten Jahr 4,7 und im dritten Jahr 4,9 Prozent Zinsen auf den Nominalwert von 100 Prozent. Derzeit wird das Zertifikat zu Kursen von rund 106 Euro gehandelt. Effektiv ergibt sich damit bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2011 eine Rendite pro Jahr von rund 4,4 Prozent. Dies ist deutlich mehr, als ähnlich lange laufende Festgeldanlagen derzeit abwerfen. Die Rückzahlung wird dabei vom Emittenten garantiert. Da es sich jedoch um ein Zertifikat handelt, ist die Bonität von entscheidender Bedeutung. Denn im Gegensatz zu Festgeld, das durch den Einlagen-Sicherungs-Fonds in aller Regel zu 100 Prozent abgesichert ist, verfügen Zertifikate, die ihrem Wesen nach Schuld-Verschreibungen sind, nicht über einen derartigen „Rettungsfallschirm“. Da das Ausfall-Risiko bei Morgan Stanley unserer Einschätzung nach außerordentlich gering ist, erachten wir das Produkt auch für sehr defensive Investoren für absolut vertretbar. Jedoch könnte es schwierig werden, dieses Zertifikat derzeit noch am Markt zu erwerben, da es beim Emittenten quasi ausverkauft ist. Anleger dürften somit nur zum Zuge kommen, wenn andere Investoren sich von den Scheinen vorzeitig trennen.
Besser sieht es in dieser Hinsicht bei der ebenfalls von Morgan Stanley stammenden Stufen-Zins-Anleihe (WKN MS0J30) aus. Hier besteht eine gute Chance, zu Kursen knapp über 100 Euro zum Zuge zu kommen. Der Anleger erhält während der siebenjährigen Laufzeit zunächst eine Verzinsung von vier Prozent, die sich sukzessive erhöht und im siebten Jahr 4,75 Prozent beträgt. Das Produkt ist börsentäglich handelbar, so dass Investoren die Laufzeit nicht zwingend „aussitzen“ müssen. Aber Vorsicht: Wie bei allen Stufen-Zins-Anleihen gilt die Kapitalgarantie lediglich zum Laufzeitende. Zwischenzeitlich kann das Zertifikat auch unter 100 Prozent fallen, so dass es im ungünstigen Fall bei einer vorzeitigen Veräußerung zu Kursverlusten kommen kann, die natürlich den Gesamtertrag schmälern.
Wem amerikanische Emittenten auf Grund der Vorkommnisse in der US-Finanzwelt in den zurückliegenden Jahren nicht geheuer sind, findet bei der Stufen-Zins-Anleihe der Deutschen Bank (WKN DB0WM1) ein aussichtsreiches Produkt. Zwar liegt die Verzinsung mit anfänglich 3,5 Prozent, die bis zum Ende der sechsjährigen Laufzeit auf 3,7 Prozent steigt, unter den Angeboten von Morgan Stanley. Dafür muss man sich um die Bonität der Deutschen Bank nicht die geringsten Sorgen machen. Für außerordentlich vorsichtige Anleger ist die Anleihe mithin eine recht gute Wahl, auch wenn der Kaufkurs mit 101 Euro bereits leicht über dem Nominalwert liegt, was primär auf den mit fast einem Prozent relativ hohen Spread zurückzuführen ist.
Für „Fans von Landesbanken“ bietet die West LB eine Zuwachs-Anleihe mit einer ebenfalls sechsjährigen Laufzeit an (WKN WLB6L6). Der Kupon bewegt sich mit zunächst 2,8 Prozent, der auf bis zu 3,5 Prozent steigt, unter dem Niveau des Produkts der Deutschen Bank. Dafür bezahlt man für die Scheine aktuell gut 98 Prozent, so dass am Laufzeitende zumindest kleine Kurs-Gewinne stehen dürften. Obwohl die West LB während der Finanzkrise alles andere als einen soliden Eindruck hinterlassen hat, bestehen unserer Ansicht nach keine durchgreifenden Zweifel daran, dass die Anleihe zu 100 Prozent ordnungsgemäß zurückbezahlt wird. Schließlich wird man es sich in Deutschland schlicht und ergreifend nicht leisten wollen (oder können), eine Landesbank „vor die Hunde“ gehen zu lassen. Dennoch würden wir dem Produkt der Deutschen Bank unterm Strich den Vorzug einräumen, wenn man sich für die Stufen-Zins-Anleihen von Morgan Stanley unter Bonitäts-Gesichtspunkten nicht so recht begeistern kann.
Hohe Kupons mit Risiken verbunden
Signifikant höhere Rendite-Chancen gehen – wie an den Börsen üblich – stets mit einem höheren Risiko einher. Im Bereich Zinsen gibt es im Wesentlichen zwei Risiko-Faktoren, die zu besseren Erträgen führen können. Dabei handelt es sich einmal um die Bonität und zum anderen um Währungsrisiken. Letztere lassen sich durch das I-Boxx € Liquid Corporates TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMQ) ausschließen. Das Zertifikat kopiert die Entwicklung eines Exchange Traded Fund (ETF) von I-Shares. Und dieser basiert wiederum auf einem I-Boxx-Anleihenindex, der aus 40 internationalen, liquiden Euro-Unternehmensanleihen mit guter Schuldnerqualität (Investment Grade) besteht. Die aktuelle durchschnittliche Anleihenrendite beträgt bei diesem Index etwa 5,8 Prozent. Allerdings müssen sich Anleger im Klaren darüber sein, dass Unternehmensanleihen – auch wenn die Qualität der Schuldner in diesem Fall sehr gut ist – meist ein höheres Ausfall-Risiko als Staatsanleihen haben.
Deutlich aggressiver ist das ebenfalls von RBS stammende I-Boxx $ High Yield Corporate TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMS). Dieser Schein verbrieft ebenfalls einen I-Shares-ETF. Der passende Index von I-Boxx enthält 49 Dollar-Anleihen aus dem Hochzinssegment, das die schwächeren Schuldner enthält. Die Ratings reichen, gemessen an der Skala von Standard & Poor’s (S&P), von BB bis zur untersten Stufe D. Die durchschnittliche Verzinsung liegt hier derzeit bei knapp 9 Prozent. Hinzu kommt jedoch die komplette Bewegung, die der Dollar gegenüber dem Euro vollzieht. Da die Schuldner-Bonität bei diesem Produkt vergleichsweise schlecht ist, eignet sich dieses Zertifikat ausschließlich für risikobereite Investoren. Diese könnten jedoch an den Scheinen eventuell ihre Freude haben, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine „Renaissance“ des US-Dollars gegenüber dem Euro besteht. Mithin könnte es zu durchaus beachtlichen Währungs-Gewinnen kommen. Sicher ist das jedoch keineswegs. Sollte der US-Dollar weiter abwerten, drohen statt Gewinnen Währungs-Verluste.

Gleiches gilt für das I-Boxx Sterling Liquid Corporates TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMR), da dieses Produkt auf dem I-Boxx-Index beruht, der aus 40 in britischen Pfund herausgegebenen Anleihen besteht. Anders als beim US-Dollar sehen wir beim Britischen Pfund gegenüber dem Euro eher Abwärtsrisiken als nennenswertes Aufwärtspotenzial, so dass es hier eher zu Währungsverlusten kommen kann. Dafür „spielt die Musik“ im Investment-Grade-Sektor. Trotzdem liegt die durchschnittliche Rendite bei ordentlichen 8,1 Prozent. Mit Ausfällen einzelner Anleihen, die die Wertentwicklung naturgemäß belasten, ist daher eher nicht zu rechnen. Vor dem Hintergrund des nicht zu unterschätzenden Währungsrisikos sollten Anleger sich den Kauf dieses Zertifikats allerdings gut überlegen. Da die abgebildeten Indexfonds in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen sind, können Anleger nur über die Zertifikate investieren. Die Managementgebühren betragen bei den Zertifikaten jeweils 0,5 Prozent im Jahr. Für die abgebildeten ETFs werden zusätzlich 0,2 Prozent fällig.
Ansehnliche Zins-Kupons finden Anleger jedoch nicht nur im Bereich „Corporate Bonds“ (Unternehmens-Anleihen), sondern auch, wenn sie ihren Blick über die Euro-Zone hinaus schweifen lassen. Staaten mit einer schlechteren Bonität müssen höhere Zinsen bezahlen als beispielsweise Deutschland, vor allem, wenn sie Anleihen in der Heimat-Währung begeben. Dass dabei der Wechselkurs zwischen den betreffenden Währungen und dem Euro eine entscheidende Rolle spielt, liegt auf der Hand. Bei einer gut überlegten Auswahl können Investoren allerdings neben den überdurchschnittlichen Kupons zusätzlich noch stattliche Währungsgewinne vereinnahmen. Beispiel Südafrika: Das Leitzins-Niveau liegt mit aktuell rund sieben Prozent meilenweit über dem des Euro-Raums.

Da der Südafrikanische Rand in der Vergangenheit zudem gegenüber dem Euro kräftig aufwertete, wären Anleger mit dem Zins-Zertifikat der Deutschen Bank (WKN DB6ZAR) ausgezeichnet gefahren. Auf Jahressicht siegen die Notierungen des Derivats um bemerkenswerte 30 Prozent. Gegenwärtig sehen wir ein Investment in dieses Zertifikat aber etwas kritisch. Die Aufwertung des Südafrikanischen Rands ging Hand in Hand mit einem mehr als ordentlichen Wirtschaftswachstum im „Kap-Staat“. Zu einem nicht unerheblichen Maße dürfte dieses auf Bau- und Infrastruktur-Maßnahmen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft stehen. Erfahrungsgemäß hat es die Wirtschaftsleistung im Anschluss an derartige Groß-Veranstaltungen schwer, ihre Aufwärts-Dynamik beizubehalten. Sollte die südafrikanische Volkswirtschaft in den kommenden Jahren tendenziell zur Schwäche neigen, dürfte das den Rand signifikant unter Druck bringen. Abgesehen davon belastet die starke Inlandswährung bereits seit längerem die stark rohstoffabhängige Ökonomie in Südafrika. Da Förder- und Abbaukosten für gewöhnlich in Rand anfallen, wohingegen die Rohstoffe für gewöhnlich in US-Dollar gehandelt werden, stecken bereits zahlreiche Bergbau-Unternehmen trotz hoher Metallpreise in einer „Rentabilitätsfalle“. Abgesehen davon können wir uns vorstellen, dass die Rohstoffpreise im „Schlepptau“ eines immer festeren US-Dollars den „Rückwärtsgang einlegen“. Für die südafrikanische Wirtschaft wäre das eine mittlere Katastrophe, die letztlich eine Abwertung des Rands unvermeidlich machen würde. Für Euro-Investoren drohen dadurch empfindliche Währungsverluste, an denen auch der hohe Zins-Kupon nur wenig zu ändern vermag. Das genannte Produkt eignet sich daher ausschließlich für Investoren mit einer gehörigen Portion Mut, die gleichzeitig daran glauben, dass die südafrikanische Wirtschaft auch in Zukunft floriert.
Ebenfalls rund 30 Prozent Kursgewinne verbuchte das Brasilien-Zins-Zertifikat der RBS (WKN AA01E9). Auch hier sorgte insbesondere der starke brasilianische Real für schöne Währungsgewinne. Nicht zu verachten ist darüber hinaus das Leitzins-Niveau von aktuell 8,75 Prozent.

Natürlich sind die Rohstoff-Notierungen auch für Brasiliens Volkswirtschaft von einer herausragenden Bedeutung. Auf der anderen Seite hat das „Land am Zuckerhut“ mittlerweile erheblich mehr zu bieten als Zucker, Sojabohnen, Orangen, Kaffee, Eisenerz und Rohöl. Für die kommenden Jahre rechnen wir in Brasilien weiterhin mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Immerhin konnte der Staat sowohl eine Fußball-Weltmeisterschaft als auch die Olympischen Spiele „an Land ziehen“. Da im Vorfeld solcher Events die Wirtschaft aus den bereits erwähnten Gründen im Regelfall erkennbar wächst, können wir uns gut vorstellen, dass der Real gegen den Euro zumindest sein aktuelles Niveau verteidigt oder sogar weiter aufwertet, selbst wenn die Rohstoffpreise fallen sollten. Ein 30-prozentiges Kurs-Plus ist in den kommenden zwölf Monaten unserer Einschätzung nach zwar wohl nicht mehr erreichbar. Gewinne in einem Bereich zwischen zehn und 15 Prozent erscheinen hingegen möglich. Als spekulative Zins-Beimischung in einem breit gefächerten Depot ist das angesprochene Zertifikat somit sicherlich eine Überlegung wert.
Aber auch vorsichtigere Anleger-Naturen können im Zins-Bereich das eine oder andere Prozentpünktchen mehr Rendite generieren. Ein interessantes Produkt für diese Gruppe ist das Zins-Zertifikat auf Grundlage des Neuseeländischen Dollars von der RBS (WKN ABN2AG). Zwar ist das Zins-Niveau mit 2,5 Prozent alles andere als fürstlich. Auf Grund der sehr robusten Wirtschaft stehen die Chancen jedoch nicht schlecht, dass die Leitzinsen im „Kiwi-Staat“ früher und stärker steigen als in den USA oder Europa. Schließlich war Neuseeland von der Finanzkrise kaum betroffen. Insofern verwundert es auch nicht, dass der „Kiwi-Dollar“ gegenüber dem Euro im letzten Jahr rund 20 Prozent aufwertete und dadurch den Inhabern der genannten Zertifikate mehr als ordentliche Kurs-Gewinne bescherte. Und das könnte durchaus noch eine Weile so weiter gehen. Denn zur Stunde gibt es kaum stichhaltige Argumente, die für eine Abwertung des Neuseeland-Dollars sprechen. Nach unserem Dafürhalten könnte die neuseeländische Valuta im Vergleich zum Euro weiter aufwerten. Zusammen mit den aller Voraussicht nach demnächst deutlich steigenden Zinsen stellt das RBS-Produkt eine vielversprechende Anlageidee gerade für vorsichtige Anleger dar. Allerdings sollten auch diese das latente Risiko von Währungsverlusten stets im Hinterkopf behalten. Ein „Großmutter-Investment“ ist das Zertifikat daher auf keinen Fall.
ETFs ohne Ausfallrisiko
Einer stetig steigenden Beliebtheit in Anleger-Kreisen erfreuen sich bereits seit einiger Zeit sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs). Vorteile haben diese passiven Produkte, die im Regelfall einen bestimmten Basiswert eins zu eins abbilden, insbesondere auf der Kostenseite. Viele EFTs kommen ganz ohne Verwaltungsvergütung aus und wenn doch eine Managementgebühr anfällt, bewegt sich diese meist deutlich unter einem halben Prozent und fällt damit erheblich niedriger aus als bei aktiv verwalteten Fonds. Darüber hinaus sind diese Finanz-Produkte problemlos handelbar. Entsprechend groß ist mittlerweile das Angebot. Allein im Zins-Sektor existieren rund 60 verschiedene ETFs. Die meisten setzen als Underlying auf den Eonia (Overnight-Zinssatz), der mit aktuell 0,4 Prozent erkennbar unter dem Euribor (1,3 Prozent) liegt. Das hat natürlich zur Folge, dass Investoren in puncto Rendite keine „Wunderdinge“ erwarten dürfen. So kam zum Beispiel das Produkt der Commerzbank-Tochter Comstage (WKN ETF100) im letzten Jahr gerade einmal auf ein Plus von 0,5 Prozent. Ähnlich bescheiden fiel die Rendite bei einem der Marktführer der Deutschen Bank – db x-trackers II Eonia TR Index ETF (WKN DBX0AN) – aus. Sofern die Zinsen jedoch in absehbarer Zeit anziehen sollten, sind deutlich höhere Erträge zu erwarten. Denn immerhin muss man feststellen, dass die Performance solcher ETFs in der Vergangenheit über der von Geldmarkt-Fonds gelegen ist.
Geeignet sind ETFs vor allem für Investoren, deren Vertrauen in die Finanzinstitute sich in überschaubarem Rahmen hält. Anders als Zertifikate, bei denen in dem zugegebenermaßen nicht sonderlich wahrscheinlichen Fall der Pleite des Emittenten das Risiko besteht, dass dieser seiner Rückzahlungsverpflichtung nicht nachkommt, sind ETFs Sondervermögen, die in speziellen Depots angelegt werden und nicht in die Insolvenzmasse fallen, sondern an die Anleger ausgekehrt werden. Nach dem Zusammenbruch insbesondere der Investmentbank Lehman Brothers mag dieser Umstand für den einen oder anderen Anleger von einer gewissen Bedeutung sein. Trotzdem darf man das Emittenten-Risiko nicht überbewerten. Bei Produkten von finanzstarken Geldhäusern ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes auf Grund eines Bankrotts fast schon zu vernachlässigen. Wir erachten es daher für absolut vertretbar, auf Zertifikate zu setzen, die – wie gezeigt – gerade im Zins-Bereich doch das eine oder andere Prozentpünktchen mehr an Rendite bringen. Als kurzfristige „Parkmöglichkeit“ für Kapital stellen die genannten ETFs aber speziell für sehr vorsichtige Investoren durchaus eine brauchbare Alternative zu Geldmarkt-Fonds dar.
Short-Spekulation auf den Bund-Future nur für Risikobereite
Wenngleich alle bisher vorgestellten Produkte sich in puncto Risiko durchaus unterscheiden, lassen sie sich insgesamt als relativ sichere Anlage-Ideen bezeichnen. Allerdings bietet der Zins-Bereich auch Möglichkeiten für hochspekulativ agierende Investoren. Ein dafür geeignetes Underlying ist der Bund-Future, auf den es eine Vielzahl von Turbo-Zertifikaten mit unterschiedlichen Hebeln gibt. Der Bund-Future ist ein Finanzinstrument, das eine Verpflichtung darstellt, eine fiktive Bundesanleihe zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt (Liefertag) zu einem beim Abschluss vereinbarten Preis (Nominalwert) zu kaufen. In Zeiten fallender Zinsen zieht der Bund-Future an, wohingegen er fällt, wenn die Zinsen steigen. Zum besseren Verständnis: Zur Stunde ist eine (Bundes-) Anleihe, die mit vier Prozent rentiert, eine tolle Sache. Deswegen bezahlen Anleger mehr als den Nominalwert von 100 Prozent. Steigen die allgemeinen Zinssätze am Geldmarkt jedoch auf vier oder gar fünf Prozent, wäre die genannte (Bundes-) Anleihe nicht mehr sonderlich interessant und der Kurs würde in Richtung des Nominalwerts (oder sogar darunter, bei noch höheren Leitzinsen) fallen. Kurz gesagt: Steigen die Zinsen, fällt der Bund-Future. Gegenwärtig sind demzufolge Turbo-Short-Zertifikate auf den Bund-Future für risikobereite Investoren eine Überlegung wert. Ob man jedoch bereits jetzt sofort per gehebelten Derivaten auf einen sinkenden Bund-Future setzen sollte, ist ein etwas „zweischneidiges Schwert“: Auf der einen Seite steht außer Frage, dass die Zinsen in Deutschland steigen und sich der Bund-Future mithin rückläufig entwickeln wird. Andererseits ist insbesondere bei Turbo-Investments der richtige Einstiegszeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Und zumindest von Seiten der Charttechnik gibt es zur Stunde noch keine wirklichen Short-Signale.

Der Bund-Future befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend und gleichzeitig wurde der wichtige Support bei etwa 122,50 Punkten mehrfach erfolgreich verteidigt. Zugegeben: Der Bund-Future ist mittlerweile dreimal an dem zentralen Widerstand bei rund 124 Punkten nach unten abgeprallt. Allein daraus aber bereits eine Trendwende südwärts abzuleiten, bereitet uns gewisse „Bauchschmerzen“. Wer es dennoch wagen möchte, bereits jetzt auf einen fallenden Bund-Future zu wetten, findet mit dem Turbo-Short-Zertifikat der Commerzbank (WKN CB17GG) ein geeignetes Instrument. Die Knock-out-Barriere, die gleichzeitig auch den Basispreis darstellt, liegt mit 137,11 Punkten komfortabel über den aktuellen Notierungen des Underlyings. Ein Erreichen dieser Marke, die einen Totalverlust zur Folge hätte, ist daher nicht sonderlich wahrscheinlich. Das Open-End-Produkt ist mit einem Hebel von gut neun ausgestattet und eröffnet damit auch bei nur moderat fallenden Kursen des Bund-Futures vernünftiges Gewinn-Potenzial. Zudem ist der Spread mit lediglich zwei Cents erfreulich gering. Auf Grund der technisch etwas zwiespältigen Ausgangslage und der Totalverlust-Möglichkeit muss der Einsatz bei einem solchen Investment in einem passenden Verhältnis zum Gesamtvermögen stehen. Mehr als ein bis drei Prozent der zur Verfügung stehenden liquiden Mittel würden wir daher unter keinen Umständen investieren.

Dieser Artikel ist im Derivate Magazin erschienen. | Ausgabe 2 | 2010
Doch auch für sehr auf Sicherheit bedachte Anleger gibt es durchaus Möglichkeiten, das eine oder andere Prozent mehr Rendite zu erzielen.
Natürlich müssen sich „Zins-Fans“ darüber im Klaren sein, dass sie niemals Renditen erzielen können, wie sie bei spekulativeren Investments denkbar sind. Schließlich gehen an den Finanzmärkten die Ertragschancen stets Hand in Hand mit Risiken. Lediglich Anleger, die bereit sind, ein überdurchschnittliches Risiko einzugehen, können auch überdurchschnittliche Renditen erwarten. Dessen ungeachtet sind Zinserträge beileibe kein so langweiliges Thema wie häufig angenommen. Bevor wir einige aussichtsreiche Produkte aus dem „Zins-Sektor“ näher „unter die Lupe“ nehmen, wollen wir uns zunächst anschauen, wie es überhaupt zu der gegenwärtigen Situation an den Geldmärkten gekommen ist.
Nullzins-Politik als Antwort auf „Konjunktur-Kollaps“
Hintergrund der gegenwärtig historisch niedrigen Zinssätze in nahezu sämtlichen (Industrie-) Nationen dieser Erde ist – wie könnte es auch anders sein – der konjunkturelle „Kollaps“, mit dem sich die Weltwirtschaft zwischen Anfang 2008 und Mitte 2009 konfrontiert sah und der seinen Ursprung im „Platzen der Immobilienblase“ hatte, vornehmlich in den USA, aber auch in Großbritannien und Spanien. Dadurch gerieten unzählige Finanzinstitute in arge finanzielle Bedrängnis, weil viele Hypotheken-Darlehen wegen der sich im „freien Fall“ befindlichen Verkehrswerte erheblich untersichert waren und die Banken daher in diesem Bereich gigantische Abschreibungen vornehmen mussten, nachdem – was der Fall war – immer mehr Kreditnehmer ihren Rückzahlungsverpflichtungen nicht mehr ordnungsgemäß nachkommen konnten. Gleichzeitig wurden Hypotheken-Darlehen in einem kaum vorstellbaren Volumen als verbriefte Derivate speziell an institutionelle Anleger veräußert, wodurch das Problem regelrecht eskalierte. Das „Ende vom Lied“ sah dann so aus, dass einst steinreiche Banken und Versicherungen quasi über Nacht zu „Bittstellern“ wurden und die entsprechenden Regierungen mit zig Milliarden aushelfen mussten, um flächendeckende Insolvenzen im Finanzbereich zu vermeiden. Dass Banken, die ums „nackte Überleben“ kämpften, in solchen Phasen natürlich kaum noch Kredite an Privatleute und Unternehmen vergaben, liegt auf der Hand. Schließlich kann nur derjenige Geld verleihen, der welches hat. Und da der Zugang zu ausreichend Kapital eine der wichtigsten Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum ist, dauerte es nicht allzu lange, bis aus der Finanzkrise eine globale Wirtschaftskrise wurde, die man in dieser Intensität in vielen Ländern noch gar nicht und in anderen zuletzt vor etlichen Dekaden gesehen hatte. Rückgänge der Wirtschaftsleistung auf Jahressicht zwischen fünf und acht Prozent wurden in immer mehr Staaten zum Regelfall und es bestand somit dringender Handlungsbedarf.
Allerdings sind die Möglichkeiten, einer derartigen Krise zu begegnen, begrenzt: Letztlich wurde gemacht, was bei einem konjunkturellen „Sinkflug“ immer getan wird: Die Notenbanken senkten die Leitzinsen immer weiter und hofften, dass die Wirtschaft durch die außerordentlich expansive Geldpolitik wieder ins „Laufen“ kommt. Immerhin konnten sich Finanzinstitute annähernd zum „Nulltarif“ Geld bei den Zentralbanken besorgen und diese Mittel zu vergleichsweise geringen Zinssätzen weiterverleihen.

Im Zusammenspiel mit gewaltigen staatlichen „Hilfspaketen“ fassten die meisten Ökonomien dann tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte 2009 wieder „Tritt“ und begannen, moderat zu wachsen. Und aktuell deutet einiges darauf hin, dass sich diese Tendenz im laufenden Jahr fortsetzt und sogar verstärkt. In nicht wenigen Staaten werden die Wachstumsprognosen für 2010 mit schöner Regelmäßigkeit nach oben korrigiert und von einem baldigen Zusammenbruch der globalen Marktwirtschaft und des Papiergeld-Systems sprechen heute nur noch unbelehrbare „Bären“ und „Edelmetall-Bullen“.
Zins-Trendwende zeichnet sich bereits ab
Die nicht zu übersehende wirtschaftliche Erholung rund um den Globus hat in den zurückliegenden zwölf Monaten zu deutlich steigenden Aktienkursen geführt. Aber auch unter Zins-Gesichtspunkten ist die anziehende Konjunktur von großer Bedeutung. Denn in wirtschaftlich starken Zeiten ist eine „Nullzins-Politik“ dauerhaft nicht vertretbar. Insofern ist es letztlich nur eine Frage der Zeit, wann die „Zinsschraube“ nach oben gedreht wird. Einige Länder, die entweder von der Finanz- und Wirtschafskrise lediglich unterdurchschnittlich betroffen waren oder bereits sehr früh auf den ökonomischen „Wachstumspfad“ zurückgefunden haben, sind diesbezüglich bereits aktiv geworden. Angehoben wurden die Leitzinsen unter anderem in Australien, Norwegen, China, Indien, Vietnam und unlängst auch in Malaysia. Die amerikanische FED wollte sich bislang noch nicht ganz so weit „aus dem Fenster lehnen“ und ließ die Leitzinsen (noch) unverändert. Allerdings wurde kürzlich der Diskontsatz moderat erhöht. Wenngleich die US-Notenbank quasi im gleichen „Atemzug“ versicherte, dass dies nicht als Signal für eine baldige Zins-Trendwende zu werten sei und die Geldmarkt-Renditen aller Voraussicht nach noch längere Zeit auf dem momentanen Niveau verbleiben würden, werten wir diese Worte primär als „Beruhigungspillen“ für die Aktienmärkte, die nach der FED-Maßnahme unter Abgabedruck gerieten. Die jüngsten Wirtschaftsdaten zum vierten Quartal 2009 zeigen unverkennbar, dass die amerikanische Volkswirtschaft wieder mit einer kaum für möglich gehaltenen Dynamik wächst. Sofern sich diese Entwicklung fortsetzt, gehen wir davon aus, dass die Zinsen in den USA mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit spätestens im zweiten Halbjahr 2010 steigen.

Ähnlich sollte es zudem in den großen europäischen Volkswirtschaften laufen, auch wenn nennenswerte Zinserhöhungen in Anbetracht des vergleichsweise geringeren Wachstums unter Umständen ein bisschen länger dauern könnten. Letztlich jedoch bedarf es keinerlei magischer hellseherischer Fähigkeiten, um zu prognostizieren, dass die „Zeiten des billigen Geldes“ in absehbarer Zeit ihr Ende finden werden. Und diese Vorhersage dürfte für nahezu jede Volkswirtschaft von einer nicht völlig untergeordneten Bedeutung gelten. Damit stellt sich natürlich die Frage, wie Zinsanleger in derartigen Zeiten agieren sollen, um eine wenigstens ordentliche Rendite zu erzielen.
Zins-Zertifikate sinnvolle Alternative zum Geldmarkt?
Die denkbar schlechteste Variante ist gegenwärtig Festgeld mit längeren Laufzeiten. Die Renditen liegen – wie bereits angedeutet – nur in Ausnahmefällen erkennbar jenseits der Zwei-Prozent-Marke. Erschwerend kommt hinzu, dass man von steigenden Zinsen nicht profitiert und das Kapital verhältnismäßig fest gebunden ist. Klar: Im Fall aller Fälle kommen Anleger auch vor Ablauf des vereinbarten Zeitraums an ihr Festgeld. Dann allerdings müssen sie von den ohnehin schon alles andere als üppigen Renditen unerfreuliche Abstriche machen. Am Ende steht dann nicht selten eine negative Real-Verzinsung. Dieses Problem lässt sich umgehen, indem man auf Tagesgeld zurückgreift. Zwar fallen die Erträge dabei noch etwas geringer aus, aber immerhin entfällt die lange Bindungsdauer. Falls die Zinsen erwartungsgemäß steigen, können Investoren ihr Kapital zu einem späteren Zeitpunkt zu besseren Konditionen anlegen. Bis das jedoch möglich ist, kann noch „viel Wasser den Rhein herunter laufen“. Wenngleich auf längere Sicht das Zinsniveau mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in der Euro-Zone steigen wird, dauert dies eventuell noch ein Weilchen. Zur Stunde gibt es seitens der Europäischen Zentralbank bestenfalls indirekte Signale in puncto Zinserhöhungen. Von daher müssen Tagesgeld-Anleger damit rechnen, dass bei ihren Investments bis auf weiteres „Schmalhans Küchenmeister“ sein dürfte.
Auch für „Anleihe-Fans“ gab es in der Vergangenheit schon deutlich bessere Zeiten. Kurz laufende Schuldverschreibungen des Bundes werfen momentan nicht mehr als 1 bis 1,5 Prozent ab. Wer höhere Renditen vereinnahmen möchte, muss Abstriche bei der Qualität des Schuldners machen. So kann man beispielsweise bei Unternehmensanleihen, die gerade noch im Investment-Grade-Bereich liegen, Renditen zwischen vier und fünf Prozent erwirtschaften. Auf der anderen Seite sollten sich Anleger stets das erhöhte Risiko bei solchen Papieren ins Gedächtnis rufen, vor allem weil Anleihen nicht über den Einlagensicherungsfonds abgesichert sind. Kommt es zu einer Insolvenz, droht der Totalverlust des eingebrachten Kapitals. Gerade für defensive Investoren ist dies das Horror-Szenario überhaupt.
Anleihen sind in der gegenwärtigen Niedrig-Zins-Phase aber auch noch unter einem anderen Gesichtspunkt problematisch. Werden Anleihen bis zum Ende der Laufzeit gehalten, erfolgt eine Rückzahlung zum Nominalwert (100 Prozent). Benötigen Investoren ihr Kapital jedoch vorher, können die Schuldverschreibungen zwar meist verkauft werden. Die Frage ist nur, zu welchem Kurs. Kommt es nämlich zu Zinserhöhungen, hat das zur Folge, dass die Kurse von Anleihen sinken. Der kleine Renditevorteil gegenüber Fest- oder Tagesgeld wird dann oftmals sehr schnell durch Kursverluste aufgezehrt. Kurz gesagt: Niedrig-Zins-Phasen sind alles andere als optimal für Anleihe-Investments.
Immerhin haben die Emittenten von Derivaten das Dilemma erkannt, in welchem „Zins-Jäger“ in Zeiten wie diesen stecken, und sogenannte Zins-Zertifikate auf den Markt gebracht. Wenngleich diese Produkte nicht per se eine höhere Rendite bieten, sind sie zumindest ein probates Mittel, an steigenden Zinsen zu partizipieren, weil sich Zins-Zertifikate im Regelfall am Referenz-Zins eines Währungsraums orientieren. In „Euroland“ ist das unter anderem der Euribor, zu dem sich europäische Banken Geld leihen können. Aktuell liegt der Euribor bei 1,3 Prozent.

Beim kürzer laufenden Eonia (Overnight-Zinssatz) sind es gar nur 0,4 Prozent.

Der entscheidende Vorteil von Zins-Zertifikaten liegt darin, dass die Renditen automatisch an steigende Zinsen angepasst werden. Anleger brauchen sich also nicht ständig nach den besten Tagesgeld-Angeboten umzusehen, sondern können einfach abwarten und hoffen, dass im Euroraum in absehbarer Zeit – wie noch vor einem Jahr – wieder Renditen zwischen 4,3 und 5,4 Prozent pro Jahr erzielbar sind. In der gegenwärtigen Phase sind Zins-Zertifikate also durchaus eine überlegenswerte Alternative für vorsichtige Anleger, die sich nicht permanent um ihre Investments kümmern können (oder wollen) und dennoch von den höchstwahrscheinlich steigenden Leitzinsen profitieren wollen. Nachfolgend wollen wir uns einige Produkte aus diesem Bereich etwas näher ansehen und die speziellen Chancen, aber auch die Risiken „beleuchten“.
Magere Renditen bei Euro-Investments
Die meisten „Zins-Jäger“ zeichnen sich durch eine vergleichsweise hohe Risiko-Aversion aus. Nicht zuletzt deshalb neigen sie zu Investments in ihrer Heimat-Währung. Dementsprechend beliebt sind bei Anlegern hierzulande Zins-Produkte, die auf dem Euro basieren. Allerdings weist die überwiegende Mehrheit von Zins-Zertifikaten in Euro gegenwärtig eine überaus bescheidene Rendite aus. So kam beispielsweise die Tagesgeldanleihe XXL der RBS (WKN AA01PQ) im letzten Jahr lediglich auf eine Ertrag von sehr überschaubaren 1,3 Prozent. Geschmälert wurde diese Rendite zudem durch den Spread in Höhe von 0,3 Prozent. Da das Produkt das Zins-Niveau des Euribor abbildet, besteht jedoch latente Hoffnung auf Besserung, wenn die Zinsen in „Euroland“ tatsächlich anziehen, womit – wie schon erwähnt – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu rechnen ist. Auf der anderen Seite kann es durchaus noch einige Zeit dauern, bis wir Zinsen wie vor der Krise sehen. Kurz- bis mittelfristig sollten Interessenten von dem genannten Produkt daher nicht allzu viel erwarten. Für Investoren mit einem „längeren Atem“ kann sich der Schein hingegen durchaus lohnen. Immerhin läuft das Zertifikat bis Mitte 2013.
Wer bereits von Anfang an üppigere Renditen möchte, kann sich dagegen das Schatzbrief-Zertifikat von Morgen Stanley (WKN MS0EP2) einmal näher ansehen. Das Produkt bietet im ersten Jahr seiner Laufzeit 4,5, im zweiten Jahr 4,7 und im dritten Jahr 4,9 Prozent Zinsen auf den Nominalwert von 100 Prozent. Derzeit wird das Zertifikat zu Kursen von rund 106 Euro gehandelt. Effektiv ergibt sich damit bis zum Ende der Laufzeit im Juni 2011 eine Rendite pro Jahr von rund 4,4 Prozent. Dies ist deutlich mehr, als ähnlich lange laufende Festgeldanlagen derzeit abwerfen. Die Rückzahlung wird dabei vom Emittenten garantiert. Da es sich jedoch um ein Zertifikat handelt, ist die Bonität von entscheidender Bedeutung. Denn im Gegensatz zu Festgeld, das durch den Einlagen-Sicherungs-Fonds in aller Regel zu 100 Prozent abgesichert ist, verfügen Zertifikate, die ihrem Wesen nach Schuld-Verschreibungen sind, nicht über einen derartigen „Rettungsfallschirm“. Da das Ausfall-Risiko bei Morgan Stanley unserer Einschätzung nach außerordentlich gering ist, erachten wir das Produkt auch für sehr defensive Investoren für absolut vertretbar. Jedoch könnte es schwierig werden, dieses Zertifikat derzeit noch am Markt zu erwerben, da es beim Emittenten quasi ausverkauft ist. Anleger dürften somit nur zum Zuge kommen, wenn andere Investoren sich von den Scheinen vorzeitig trennen.
Besser sieht es in dieser Hinsicht bei der ebenfalls von Morgan Stanley stammenden Stufen-Zins-Anleihe (WKN MS0J30) aus. Hier besteht eine gute Chance, zu Kursen knapp über 100 Euro zum Zuge zu kommen. Der Anleger erhält während der siebenjährigen Laufzeit zunächst eine Verzinsung von vier Prozent, die sich sukzessive erhöht und im siebten Jahr 4,75 Prozent beträgt. Das Produkt ist börsentäglich handelbar, so dass Investoren die Laufzeit nicht zwingend „aussitzen“ müssen. Aber Vorsicht: Wie bei allen Stufen-Zins-Anleihen gilt die Kapitalgarantie lediglich zum Laufzeitende. Zwischenzeitlich kann das Zertifikat auch unter 100 Prozent fallen, so dass es im ungünstigen Fall bei einer vorzeitigen Veräußerung zu Kursverlusten kommen kann, die natürlich den Gesamtertrag schmälern.
Wem amerikanische Emittenten auf Grund der Vorkommnisse in der US-Finanzwelt in den zurückliegenden Jahren nicht geheuer sind, findet bei der Stufen-Zins-Anleihe der Deutschen Bank (WKN DB0WM1) ein aussichtsreiches Produkt. Zwar liegt die Verzinsung mit anfänglich 3,5 Prozent, die bis zum Ende der sechsjährigen Laufzeit auf 3,7 Prozent steigt, unter den Angeboten von Morgan Stanley. Dafür muss man sich um die Bonität der Deutschen Bank nicht die geringsten Sorgen machen. Für außerordentlich vorsichtige Anleger ist die Anleihe mithin eine recht gute Wahl, auch wenn der Kaufkurs mit 101 Euro bereits leicht über dem Nominalwert liegt, was primär auf den mit fast einem Prozent relativ hohen Spread zurückzuführen ist.
Für „Fans von Landesbanken“ bietet die West LB eine Zuwachs-Anleihe mit einer ebenfalls sechsjährigen Laufzeit an (WKN WLB6L6). Der Kupon bewegt sich mit zunächst 2,8 Prozent, der auf bis zu 3,5 Prozent steigt, unter dem Niveau des Produkts der Deutschen Bank. Dafür bezahlt man für die Scheine aktuell gut 98 Prozent, so dass am Laufzeitende zumindest kleine Kurs-Gewinne stehen dürften. Obwohl die West LB während der Finanzkrise alles andere als einen soliden Eindruck hinterlassen hat, bestehen unserer Ansicht nach keine durchgreifenden Zweifel daran, dass die Anleihe zu 100 Prozent ordnungsgemäß zurückbezahlt wird. Schließlich wird man es sich in Deutschland schlicht und ergreifend nicht leisten wollen (oder können), eine Landesbank „vor die Hunde“ gehen zu lassen. Dennoch würden wir dem Produkt der Deutschen Bank unterm Strich den Vorzug einräumen, wenn man sich für die Stufen-Zins-Anleihen von Morgan Stanley unter Bonitäts-Gesichtspunkten nicht so recht begeistern kann.
Hohe Kupons mit Risiken verbunden
Signifikant höhere Rendite-Chancen gehen – wie an den Börsen üblich – stets mit einem höheren Risiko einher. Im Bereich Zinsen gibt es im Wesentlichen zwei Risiko-Faktoren, die zu besseren Erträgen führen können. Dabei handelt es sich einmal um die Bonität und zum anderen um Währungsrisiken. Letztere lassen sich durch das I-Boxx € Liquid Corporates TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMQ) ausschließen. Das Zertifikat kopiert die Entwicklung eines Exchange Traded Fund (ETF) von I-Shares. Und dieser basiert wiederum auf einem I-Boxx-Anleihenindex, der aus 40 internationalen, liquiden Euro-Unternehmensanleihen mit guter Schuldnerqualität (Investment Grade) besteht. Die aktuelle durchschnittliche Anleihenrendite beträgt bei diesem Index etwa 5,8 Prozent. Allerdings müssen sich Anleger im Klaren darüber sein, dass Unternehmensanleihen – auch wenn die Qualität der Schuldner in diesem Fall sehr gut ist – meist ein höheres Ausfall-Risiko als Staatsanleihen haben.
Deutlich aggressiver ist das ebenfalls von RBS stammende I-Boxx $ High Yield Corporate TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMS). Dieser Schein verbrieft ebenfalls einen I-Shares-ETF. Der passende Index von I-Boxx enthält 49 Dollar-Anleihen aus dem Hochzinssegment, das die schwächeren Schuldner enthält. Die Ratings reichen, gemessen an der Skala von Standard & Poor’s (S&P), von BB bis zur untersten Stufe D. Die durchschnittliche Verzinsung liegt hier derzeit bei knapp 9 Prozent. Hinzu kommt jedoch die komplette Bewegung, die der Dollar gegenüber dem Euro vollzieht. Da die Schuldner-Bonität bei diesem Produkt vergleichsweise schlecht ist, eignet sich dieses Zertifikat ausschließlich für risikobereite Investoren. Diese könnten jedoch an den Scheinen eventuell ihre Freude haben, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine „Renaissance“ des US-Dollars gegenüber dem Euro besteht. Mithin könnte es zu durchaus beachtlichen Währungs-Gewinnen kommen. Sicher ist das jedoch keineswegs. Sollte der US-Dollar weiter abwerten, drohen statt Gewinnen Währungs-Verluste.

Gleiches gilt für das I-Boxx Sterling Liquid Corporates TR Tracker ETF-Zertifikat (WKN: AA1RMR), da dieses Produkt auf dem I-Boxx-Index beruht, der aus 40 in britischen Pfund herausgegebenen Anleihen besteht. Anders als beim US-Dollar sehen wir beim Britischen Pfund gegenüber dem Euro eher Abwärtsrisiken als nennenswertes Aufwärtspotenzial, so dass es hier eher zu Währungsverlusten kommen kann. Dafür „spielt die Musik“ im Investment-Grade-Sektor. Trotzdem liegt die durchschnittliche Rendite bei ordentlichen 8,1 Prozent. Mit Ausfällen einzelner Anleihen, die die Wertentwicklung naturgemäß belasten, ist daher eher nicht zu rechnen. Vor dem Hintergrund des nicht zu unterschätzenden Währungsrisikos sollten Anleger sich den Kauf dieses Zertifikats allerdings gut überlegen. Da die abgebildeten Indexfonds in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen sind, können Anleger nur über die Zertifikate investieren. Die Managementgebühren betragen bei den Zertifikaten jeweils 0,5 Prozent im Jahr. Für die abgebildeten ETFs werden zusätzlich 0,2 Prozent fällig.
Ansehnliche Zins-Kupons finden Anleger jedoch nicht nur im Bereich „Corporate Bonds“ (Unternehmens-Anleihen), sondern auch, wenn sie ihren Blick über die Euro-Zone hinaus schweifen lassen. Staaten mit einer schlechteren Bonität müssen höhere Zinsen bezahlen als beispielsweise Deutschland, vor allem, wenn sie Anleihen in der Heimat-Währung begeben. Dass dabei der Wechselkurs zwischen den betreffenden Währungen und dem Euro eine entscheidende Rolle spielt, liegt auf der Hand. Bei einer gut überlegten Auswahl können Investoren allerdings neben den überdurchschnittlichen Kupons zusätzlich noch stattliche Währungsgewinne vereinnahmen. Beispiel Südafrika: Das Leitzins-Niveau liegt mit aktuell rund sieben Prozent meilenweit über dem des Euro-Raums.

Da der Südafrikanische Rand in der Vergangenheit zudem gegenüber dem Euro kräftig aufwertete, wären Anleger mit dem Zins-Zertifikat der Deutschen Bank (WKN DB6ZAR) ausgezeichnet gefahren. Auf Jahressicht siegen die Notierungen des Derivats um bemerkenswerte 30 Prozent. Gegenwärtig sehen wir ein Investment in dieses Zertifikat aber etwas kritisch. Die Aufwertung des Südafrikanischen Rands ging Hand in Hand mit einem mehr als ordentlichen Wirtschaftswachstum im „Kap-Staat“. Zu einem nicht unerheblichen Maße dürfte dieses auf Bau- und Infrastruktur-Maßnahmen im Zusammenhang mit der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft stehen. Erfahrungsgemäß hat es die Wirtschaftsleistung im Anschluss an derartige Groß-Veranstaltungen schwer, ihre Aufwärts-Dynamik beizubehalten. Sollte die südafrikanische Volkswirtschaft in den kommenden Jahren tendenziell zur Schwäche neigen, dürfte das den Rand signifikant unter Druck bringen. Abgesehen davon belastet die starke Inlandswährung bereits seit längerem die stark rohstoffabhängige Ökonomie in Südafrika. Da Förder- und Abbaukosten für gewöhnlich in Rand anfallen, wohingegen die Rohstoffe für gewöhnlich in US-Dollar gehandelt werden, stecken bereits zahlreiche Bergbau-Unternehmen trotz hoher Metallpreise in einer „Rentabilitätsfalle“. Abgesehen davon können wir uns vorstellen, dass die Rohstoffpreise im „Schlepptau“ eines immer festeren US-Dollars den „Rückwärtsgang einlegen“. Für die südafrikanische Wirtschaft wäre das eine mittlere Katastrophe, die letztlich eine Abwertung des Rands unvermeidlich machen würde. Für Euro-Investoren drohen dadurch empfindliche Währungsverluste, an denen auch der hohe Zins-Kupon nur wenig zu ändern vermag. Das genannte Produkt eignet sich daher ausschließlich für Investoren mit einer gehörigen Portion Mut, die gleichzeitig daran glauben, dass die südafrikanische Wirtschaft auch in Zukunft floriert.
Ebenfalls rund 30 Prozent Kursgewinne verbuchte das Brasilien-Zins-Zertifikat der RBS (WKN AA01E9). Auch hier sorgte insbesondere der starke brasilianische Real für schöne Währungsgewinne. Nicht zu verachten ist darüber hinaus das Leitzins-Niveau von aktuell 8,75 Prozent.

Natürlich sind die Rohstoff-Notierungen auch für Brasiliens Volkswirtschaft von einer herausragenden Bedeutung. Auf der anderen Seite hat das „Land am Zuckerhut“ mittlerweile erheblich mehr zu bieten als Zucker, Sojabohnen, Orangen, Kaffee, Eisenerz und Rohöl. Für die kommenden Jahre rechnen wir in Brasilien weiterhin mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Immerhin konnte der Staat sowohl eine Fußball-Weltmeisterschaft als auch die Olympischen Spiele „an Land ziehen“. Da im Vorfeld solcher Events die Wirtschaft aus den bereits erwähnten Gründen im Regelfall erkennbar wächst, können wir uns gut vorstellen, dass der Real gegen den Euro zumindest sein aktuelles Niveau verteidigt oder sogar weiter aufwertet, selbst wenn die Rohstoffpreise fallen sollten. Ein 30-prozentiges Kurs-Plus ist in den kommenden zwölf Monaten unserer Einschätzung nach zwar wohl nicht mehr erreichbar. Gewinne in einem Bereich zwischen zehn und 15 Prozent erscheinen hingegen möglich. Als spekulative Zins-Beimischung in einem breit gefächerten Depot ist das angesprochene Zertifikat somit sicherlich eine Überlegung wert.
Aber auch vorsichtigere Anleger-Naturen können im Zins-Bereich das eine oder andere Prozentpünktchen mehr Rendite generieren. Ein interessantes Produkt für diese Gruppe ist das Zins-Zertifikat auf Grundlage des Neuseeländischen Dollars von der RBS (WKN ABN2AG). Zwar ist das Zins-Niveau mit 2,5 Prozent alles andere als fürstlich. Auf Grund der sehr robusten Wirtschaft stehen die Chancen jedoch nicht schlecht, dass die Leitzinsen im „Kiwi-Staat“ früher und stärker steigen als in den USA oder Europa. Schließlich war Neuseeland von der Finanzkrise kaum betroffen. Insofern verwundert es auch nicht, dass der „Kiwi-Dollar“ gegenüber dem Euro im letzten Jahr rund 20 Prozent aufwertete und dadurch den Inhabern der genannten Zertifikate mehr als ordentliche Kurs-Gewinne bescherte. Und das könnte durchaus noch eine Weile so weiter gehen. Denn zur Stunde gibt es kaum stichhaltige Argumente, die für eine Abwertung des Neuseeland-Dollars sprechen. Nach unserem Dafürhalten könnte die neuseeländische Valuta im Vergleich zum Euro weiter aufwerten. Zusammen mit den aller Voraussicht nach demnächst deutlich steigenden Zinsen stellt das RBS-Produkt eine vielversprechende Anlageidee gerade für vorsichtige Anleger dar. Allerdings sollten auch diese das latente Risiko von Währungsverlusten stets im Hinterkopf behalten. Ein „Großmutter-Investment“ ist das Zertifikat daher auf keinen Fall.
ETFs ohne Ausfallrisiko
Einer stetig steigenden Beliebtheit in Anleger-Kreisen erfreuen sich bereits seit einiger Zeit sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs). Vorteile haben diese passiven Produkte, die im Regelfall einen bestimmten Basiswert eins zu eins abbilden, insbesondere auf der Kostenseite. Viele EFTs kommen ganz ohne Verwaltungsvergütung aus und wenn doch eine Managementgebühr anfällt, bewegt sich diese meist deutlich unter einem halben Prozent und fällt damit erheblich niedriger aus als bei aktiv verwalteten Fonds. Darüber hinaus sind diese Finanz-Produkte problemlos handelbar. Entsprechend groß ist mittlerweile das Angebot. Allein im Zins-Sektor existieren rund 60 verschiedene ETFs. Die meisten setzen als Underlying auf den Eonia (Overnight-Zinssatz), der mit aktuell 0,4 Prozent erkennbar unter dem Euribor (1,3 Prozent) liegt. Das hat natürlich zur Folge, dass Investoren in puncto Rendite keine „Wunderdinge“ erwarten dürfen. So kam zum Beispiel das Produkt der Commerzbank-Tochter Comstage (WKN ETF100) im letzten Jahr gerade einmal auf ein Plus von 0,5 Prozent. Ähnlich bescheiden fiel die Rendite bei einem der Marktführer der Deutschen Bank – db x-trackers II Eonia TR Index ETF (WKN DBX0AN) – aus. Sofern die Zinsen jedoch in absehbarer Zeit anziehen sollten, sind deutlich höhere Erträge zu erwarten. Denn immerhin muss man feststellen, dass die Performance solcher ETFs in der Vergangenheit über der von Geldmarkt-Fonds gelegen ist.
Geeignet sind ETFs vor allem für Investoren, deren Vertrauen in die Finanzinstitute sich in überschaubarem Rahmen hält. Anders als Zertifikate, bei denen in dem zugegebenermaßen nicht sonderlich wahrscheinlichen Fall der Pleite des Emittenten das Risiko besteht, dass dieser seiner Rückzahlungsverpflichtung nicht nachkommt, sind ETFs Sondervermögen, die in speziellen Depots angelegt werden und nicht in die Insolvenzmasse fallen, sondern an die Anleger ausgekehrt werden. Nach dem Zusammenbruch insbesondere der Investmentbank Lehman Brothers mag dieser Umstand für den einen oder anderen Anleger von einer gewissen Bedeutung sein. Trotzdem darf man das Emittenten-Risiko nicht überbewerten. Bei Produkten von finanzstarken Geldhäusern ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes auf Grund eines Bankrotts fast schon zu vernachlässigen. Wir erachten es daher für absolut vertretbar, auf Zertifikate zu setzen, die – wie gezeigt – gerade im Zins-Bereich doch das eine oder andere Prozentpünktchen mehr an Rendite bringen. Als kurzfristige „Parkmöglichkeit“ für Kapital stellen die genannten ETFs aber speziell für sehr vorsichtige Investoren durchaus eine brauchbare Alternative zu Geldmarkt-Fonds dar.
Short-Spekulation auf den Bund-Future nur für Risikobereite
Wenngleich alle bisher vorgestellten Produkte sich in puncto Risiko durchaus unterscheiden, lassen sie sich insgesamt als relativ sichere Anlage-Ideen bezeichnen. Allerdings bietet der Zins-Bereich auch Möglichkeiten für hochspekulativ agierende Investoren. Ein dafür geeignetes Underlying ist der Bund-Future, auf den es eine Vielzahl von Turbo-Zertifikaten mit unterschiedlichen Hebeln gibt. Der Bund-Future ist ein Finanzinstrument, das eine Verpflichtung darstellt, eine fiktive Bundesanleihe zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt (Liefertag) zu einem beim Abschluss vereinbarten Preis (Nominalwert) zu kaufen. In Zeiten fallender Zinsen zieht der Bund-Future an, wohingegen er fällt, wenn die Zinsen steigen. Zum besseren Verständnis: Zur Stunde ist eine (Bundes-) Anleihe, die mit vier Prozent rentiert, eine tolle Sache. Deswegen bezahlen Anleger mehr als den Nominalwert von 100 Prozent. Steigen die allgemeinen Zinssätze am Geldmarkt jedoch auf vier oder gar fünf Prozent, wäre die genannte (Bundes-) Anleihe nicht mehr sonderlich interessant und der Kurs würde in Richtung des Nominalwerts (oder sogar darunter, bei noch höheren Leitzinsen) fallen. Kurz gesagt: Steigen die Zinsen, fällt der Bund-Future. Gegenwärtig sind demzufolge Turbo-Short-Zertifikate auf den Bund-Future für risikobereite Investoren eine Überlegung wert. Ob man jedoch bereits jetzt sofort per gehebelten Derivaten auf einen sinkenden Bund-Future setzen sollte, ist ein etwas „zweischneidiges Schwert“: Auf der einen Seite steht außer Frage, dass die Zinsen in Deutschland steigen und sich der Bund-Future mithin rückläufig entwickeln wird. Andererseits ist insbesondere bei Turbo-Investments der richtige Einstiegszeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Und zumindest von Seiten der Charttechnik gibt es zur Stunde noch keine wirklichen Short-Signale.

Der Bund-Future befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend und gleichzeitig wurde der wichtige Support bei etwa 122,50 Punkten mehrfach erfolgreich verteidigt. Zugegeben: Der Bund-Future ist mittlerweile dreimal an dem zentralen Widerstand bei rund 124 Punkten nach unten abgeprallt. Allein daraus aber bereits eine Trendwende südwärts abzuleiten, bereitet uns gewisse „Bauchschmerzen“. Wer es dennoch wagen möchte, bereits jetzt auf einen fallenden Bund-Future zu wetten, findet mit dem Turbo-Short-Zertifikat der Commerzbank (WKN CB17GG) ein geeignetes Instrument. Die Knock-out-Barriere, die gleichzeitig auch den Basispreis darstellt, liegt mit 137,11 Punkten komfortabel über den aktuellen Notierungen des Underlyings. Ein Erreichen dieser Marke, die einen Totalverlust zur Folge hätte, ist daher nicht sonderlich wahrscheinlich. Das Open-End-Produkt ist mit einem Hebel von gut neun ausgestattet und eröffnet damit auch bei nur moderat fallenden Kursen des Bund-Futures vernünftiges Gewinn-Potenzial. Zudem ist der Spread mit lediglich zwei Cents erfreulich gering. Auf Grund der technisch etwas zwiespältigen Ausgangslage und der Totalverlust-Möglichkeit muss der Einsatz bei einem solchen Investment in einem passenden Verhältnis zum Gesamtvermögen stehen. Mehr als ein bis drei Prozent der zur Verfügung stehenden liquiden Mittel würden wir daher unter keinen Umständen investieren.

Dieser Artikel ist im Derivate Magazin erschienen. | Ausgabe 2 | 2010
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Derivate Magazin
