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Welches Taxi nehmen Sie?

Welches  Taxi nehmen Sie?

Beginnen wir mit einem Gedankenexperiment. Stellen Sie sich bitte zwei Taxifahrer vor. Der eine zieht abends um die Häuser und feiert ausgedehnt. Der andere ist „vernünftiger“ und geht regelmäßig nach dem „heute journal“ mit seiner Familie zu Bett. Wen rufen Sie morgens um 5 Uhr an, wenn Sie zum Flughafen müssen?

Die Frage beantwortet sich für die meisten von uns von selbst. Und das, obwohl jeder weiß, dass der „vernünftige“ Taxifahrer durchaus auch einen Unfall haben kann und der „feiernde“ Taxifahrer ebenfalls mit sehr großer Wahrscheinlichkeit sicher ans Ziel kommt.

Ich habe dieses Gedankenexperiment in den letzten Jahren mit einer Vielzahl von Investoren durchgeführt und gefragt, anhand welcher Informationen die Entscheidung für den „vernünftigen“ Taxifahrer getroffen wurde. Mit überragender Mehrheit wird als Grund genannt, dass erwartet wird, dass der „feiernde“ Taxifahrer mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nicht sicher ans Ziel kommen wird als der „Vernünftige“. Diese Entscheidung wurde aufgrund von „qualitativen Informationen“ getroffen und es wurden keine weiteren Informationen berücksichtigt wie zum Beispiel Alter und Zustand des Taxis.

Bringen wir das Ganze nun in den Investment-Kontext. Die Mehrheit der Investoren verlässt sich aktuell ausschließlich auf Finanzkennzahlen wie zum Beispiel Umsatz und Cash-Flow, um eine Investitionsentscheidung zu treffen. Verglichen mit unserem Gedankenexperiment wären das Informationen zum Alter und Zustand des Taxis, aber eben nicht die „qualitativen Informationen“ zum Lifestyle der Fahrer.

Ein Investmentprozess, der sich ausschließlich auf Finanzkennzahlen verlässt, hat das erhöhte Risiko, dass er in problematische Unternehmen investiert, die durch Skandale und massive Kursverluste negativ auffällig werden. Als Beispiele für solche Unternehmen kann man Volkswagen, Toshiba, Valeant, SunEdison und jetzt kürzlich Wells Fargo nennen. Mittlerweile stehen Investoren immer mehr „qualitative Informationen“ über Unternehmen zur Verfügung, die über die klassischen Finanzkennzahlen hinausgehen. Damit können Investitionen in problematische Unternehmen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit vermieden werden.

Die Gründung des UN Global Compact im Jahr 2000 hat eine globale Bewegung in Gang gesetzt, bei der Unternehmen mehr und mehr „qualitative Informationen“ transparent zur Verfügung stellen. Hierbei geht es um die Organisationsstruktur des Unternehmens, wie das Unternehmen mit Umweltrisiken umgeht und wie soziale Risiken des Unternehmens angegangen werden. Im Fachjargon werden diese Informationen ESG-Parameter genannt. ESG steht hierbei für „Environmental“, „Social“ und „Governance“.

Eine Vielzahl von akademischen Studien (Bsp. Oxford und Harvard) belegt, dass die Verwendung von ESG-Parametern zu verbesserten Investmenterträgen führt. Unsere Erfahrung zur Integration von ESG-Parametern bestätigt diese akademischen Analysen. Bei Arabesque trägt die ESG-Analyse zwischen 1 Prozent und 2 Prozent pro Jahr zum Investmentergebnis bei. Es ist daher für jeden Investor empfehlenswert zu wissen, mit welchem Taxi der Vermögensverwalter des Vertrauens zum Flughafen fährt.

Oxford Studie: www.arabesque.com/oxford

Harvard Studie: www.arabesque.com/harvard

Andreas Feiner ist ein Gründungspartner von Arabesque Asset Management und verantwortlich für das ESG Research.
Arabesque mit Sitz in London und Frankfurt ist der weltweit erste Vermögensverwalter, der sich ausschließlich auf die Kombination von ESG-Informationen mit regelbasierten und quantitativen Investmentprozessen spezialisiert hat.

Andreas Feiner

Gründungspartner, Arabesque Asset Management

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