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Interview mit NJ Ayuk

NJ Ayuk, CEO Centurion Law Group
Auf dem Germany Africa Business Forum am 23. März 2017 in Berlin nahm sich NJ Ayuk, laut Forbes Magazin einer der einflussreichsten Männer Afrikas, die Zeit für ein Gespräch mit dem Derivate Magazin.
Herr Ayuk, wie sieht Ihre Zukunftsvision zu den Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen aus?

NJ Ayuk: Die Beziehung zwischen Deutschland und Afrika ist eine alte Beziehung, die vor allem auf der geschäftlichen Seite im Mittelpunkt stehen sollte. Deutschland wird zunehmend mit Afrika zusammenarbeiten müssen. Es gibt viel in seiner Geschichte, Kultur und Wirtschaft, was mit Afrika geteilt werden kann. Von der Zusammenarbeit in Fragen der Industrialisierung, der regionalen Integration und der Energieeffizienz wird diese Partnerschaft von einer erhöhten Aufmerksamkeit profitieren. Ich glaube, die Zukunft wird glänzend sein. Die Grundlagen sind geschaffen, sie sind stark und werden in die richtige Richtung führen. Heute vertraue ich darauf mehr denn je.

Das jüngste Germany Africa Business Forum in Berlin gab einen Anhaltspunkt dafür. Große deutsche Unternehmen diskutierten zusammen mit afrikanischen Unternehmen über verschiedene Joint Ventures. Deutsche Unternehmen nehmen ein neues und zukunftsweisendes Afrika wahr, welches für beide Seiten großartig sein wird. Erneuerte und stärkere wirtschaftliche Bindungen werden auch die politischen Bindungen stärken. Unternehmen können die Politik beeinflussen und Deutsche, die in Afrika investieren, sind eine positive Kraft.

Welche Ratschläge würden Sie an deutsche Unternehmen herantragen, damit sich deren Potenziale auf den afrikanischen Märkten entfalten können?

NJ Ayuk: Wie bereits erwähnt, hinken die deutschen Unternehmen hinter anderen Nationen her, die viel mehr getan haben, um Handelsmöglichkeiten zu ergreifen. Die deutsche Wirtschaft muss sich mit dem Kontinent vertraut machen und ihre Investitionsbasis diversifizieren. Ich möchte zu allen deutschen Unternehmen sprechen, dass Deutschland ein starkes Bedürfnis hat, in neue Märkte zu expandieren. Bisher betreiben sie nur zwei Prozent ihres Geschäfts in Afrika, obwohl die Möglichkeit nie größer war, deutsch-afrikanische Handels- und Investitionskooperationen zu stärken.

Afrika ist nach wie vor ein wachsender Markt. Deutsche Unternehmen müssen bereit sein, außerhalb ihrer Komfortzone zu operieren. Die Industrialisierung ist für viele afrikanische Regierungen Priorität und im Laufe des letzten Jahrzehnts hat das exponentielle Bevölkerungswachstum die Notwendigkeit beschleunigt, dass die Länder eine nachhaltige Politik für die Schaffung von Arbeitsplätzen etablieren müssen. Viele von natürlichen Ressourcen getriebene Volkswirtschaften in Afrika begrüßen heute deutsche Hilfe bei ihrem Streben, ihre Volkswirtschaften zu diversifizieren. Für deutsche Unternehmen ist es wichtig, an einer Afrika-Strategie zu arbeiten. Üben Sie ordnungsgemäße Sorgfalt und finden Sie den richtigen lokalen Partner, der Ihnen dabei hilft, komplexe Situationen zu meistern. Heutzutage sucht Afrika mit seinem wachsenden Mittelstand und kleinen Unternehmen keine Hilfe oder NGOs, sondern Partnerschaften. Sie wollen zuverlässige Investoren, die bereit sind, auf „geduldiges Kapital“ zu setzen.

Wie wird Deutschland aus afrikanischer Perspektive wahrgenommen und welches ist sein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Nationen wie Frankreich, USA und China?

NJ Ayuk: Es gibt eine starke, tiefe und beständige Liebe für Deutsche sowie deutsche Technologie und Produkte in Afrika. Es gibt einen starken Respekt und Liebe für deutschen Einfallsreichtum. Die Afrikaner glauben, dass es für die Deutschen schwierig ist, ein Versprechen zu machen, doch wenn sie es tun, halten sie es. Afrikaner werden weiterhin von der deutschen Geschichte inspiriert. Sie sehen Deutschland als das „Comeback-Kind“, das sich nach dem Krieg und einer geteilten Nation rehabilitiert und wieder aufgebaut hat. Deutsche Manager neigen dazu, risikoscheu zu sein. Viele von ihnen glauben nicht, dass sie Unternehmen in Afrika profitabel machen können. Auf der afrikanischen Seite wird Deutschland als etwas schüchtern empfunden. Deutschland, in Anbetracht seiner Vorbehalte, verkauft sich in Afrika unter Wert.

Deutschlands Reputation auf dem afrikanischen Kontinent ist sehr positiv: Afrika schätzt deutsche Präzision und Arbeitsethik, unterstützt und respektiert Deutschlands Führung und wirtschaftliche Tüchtigkeit. Deutschlands Weitsichtigkeit und Nüchternheit bietet einen guten Ausgleich zur Informalität der Geschäftstätigkeit in Afrika, was die beiden so einzigartig ergänzt. Heute ist Deutschland die letzte Hoffnung Europas in der Verteidigung von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle. Die Afrikaner sind sich bewusst, dass Deutschland den Weg in die industrielle Revolution vorangetrieben hat: Deutschland ist heute führend im verarbeitenden Gewerbe und gehört zu den Lehrbuchbeispielen für die Macht der Cluster- und Wertschöpfungskettenentwicklung.

Deutschland ist derzeit der zweitgrößte Exporteur der Welt in wertschöpfender Hinsicht. Seit Jahrzehnten haben sich die Afrikaner mit der deutschen Industrie und ihren Produkten vertraut gemacht, wie zum Beispiel mit Haushaltsprodukten von Mixern über Autos zu Computern. Schauen Sie sich „Die Mannschaft“ an. Die Spieler kämpfen bis zum Ende des Spiels und geben niemals auf. Afrikaner lieben das an Deutschland. Auch die deutsche Geschichte gibt einem Kontinent, der durch seine Prüfung und Trübsal gegangen ist, Hoffnung. Harte Arbeit zahlt sich aus.

Im ostafrikanischen Silicon Savannah entstehen zukunftsweisende Innovationen im Technologiebereich (E-Payment, Security-Systeme bei Großveranstaltungen), von welchen die westlichen Kulturkreise lernen können. In welchen Bereichen ist Afrika Deutschland und Europa bereits enteilt? Wird es vermehrt Wissenstransfers von Afrika aus geben?

NJ Ayuk: Wie meine Freundin Rebecca Enonchong auf dem Germany Africa Business Forum sagte: Wenn du eine neue App machen willst, geh nach Afrika. Afrikas Bedeutung im Technologiebereich zeichnet sich ab. Outsourcing-Hubs beginnen in Kapstadt, Nairobi und Mauritius zu entstehen. Viele deutsche Unternehmen, darunter Banken, nutzen diese Dienste. Angetrieben von der Notwendigkeit und der Chance, wurde der afrikanische Kontinent zu einem beeindruckenden und überraschenden Ort von Innovation und Technologie. Durch die Verbreitung von mobilen Technologien und digitalen Plattformen hat Afrika ein lebendiges Umfeld für unternehmerische Projekte geschaffen. Das Silicon Savannah in Kenia, auf die Sie sich beziehen, ist nur ein Beispiel. Ob durch mobile Zahlungen, E-Commerce oder Drohnen-Technologie, der Kontinent hat die entwickelte Welt in vielen technologischen Fällen hinter sich gelassen und ist reif für neue Investitionen und Partnerschaften.

Welche Bedürfnisse Afrikas können mit deutschen Unternehmen und deren Produkten befriedigt werden? Welche Branchen können sich größte Potentiale auf dem afrikanischen Kontinenten ausrechnen?

NJ Ayuk: Deutsche Unternehmen, die in Bereichen wie den erneuerbaren Energien, dem Baugewerbe, Gesundheitswesen, Chemie und Landwirtschaft stark sind, können afrikanischen Volkswirtschaften dabei helfen, vor allem ihre Rohstoffexporte zu diversifizieren. Einige Branchen in Afrika, wie Fintech, haben bereits von deutschen Investitionen profitiert. Ich glaube, sowohl Deutschland als auch Afrika sind bereit für eine Zunahme zahlreicher industrieller Investitionsinitiativen.

NJ Ayuk ist CEO der panafrikanische Anwaltskanzlei Centurion Law Group. Mit seiner Kanzlei berät er internationale Konzerne und Regierungen, die auf dem afrikanischen Kontinent tätig oder ansässig sind. Der Hauptsitz von Centurion Law ist in Johannesburg/Südafrika. Weitere Niederlassungen werden in Äquatorialguinea, Kamerun, Ghana und Mauritius unterhalten.

Im Jahr 2017 wurde Ayuk von Who´s Who Legal als einer der weltweit besten Energie-Anwälte ausgezeichnet. Zudem wurde er 2015 vom Forbes Magazin als einer der Top 10 einflussreichsten Männer in Afrika gelistet. Ayuk ist Global Shaper des World Economic Forum und wurde von Chambers and Partners als „wichtiger Akteur“ sowie als „enorme Ressource“ bezeichnet. Seine Erfahrung umfasst die Beratung von Großunternehmen über Anlagestrategien, die Gründung von Joint Ventures und Kooperationsstrukturen, Privatisierung, Lizenzierung und damit verbundene Steuern, OHADA (Anm. d. Red.: Organisation pour l’Harmonisation en Afrique du Droit des Affaires), Öl und Gas, lokale Inhalte, Rechtsstreitigkeiten, Verhandlungen sowie Governance und andere Angelegenheiten. NJ Ayuk studierte an der University of Maryland College Park und erlangte einen Juris Doctor des William Mitchell College of Law in den Vereinigten Staaten. Zudem hat er einen MBA vom New York Institute of Technology inne.

Vor kurzem hat die Centurion Law Group dazu beigetragen, einen Explorations- und Produktionsvertrag zwischen Oranto Petroleum und der Regierung des Südsudan zu vermitteln. Das Investitionsvolumen von Oranto zur Erforschung der Ölvorkommen Südsudans beträgt 500 Millionen Dollar.

NJ Ayuk

CEO, Centurion Law Group

GERMANY AFRICA BUSINESS FORUM Am 23. März 2017 fand in Deutschland das erste „Germany-Africa Business Forum(GABF)“ statt, welches ausschließlich der Stärkung der Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen Deutschland und dem afrikanischen Kontinent gewidmet war. Im Rahmen des GABF gab es die Möglichkeit, eine Vielzahl von Handelsminister aus Afrika zu treffen und bot somit eine einzigarte Plattform zur Inspirationen und zum Austausch.

Das Alleinstellungsmerkmal des GABF gegenüber bestehenden Initiativen liegt zum einen im afrikanischen Ursprung der Initiatoren und zum zweiten im Bestreben, die Geschäftsfeldentwicklung nach diesem Event weiter zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Das GABF ist in der Lage, die gesamte Wertschöpfungskette für einen Markteintritt in Afrika darzustellen. Von der rechtlichen Beratung, über Marketing sowie Hilfestellung bei der Geschäftsplanung und regulatorischen Themen bis hin zur Finanzierung und etwaigen Staatsgarantien & Förderungen.

Zu den wichtigsten Teilnehmern und Keynote-Speakern des GABF gehörten u. a. H.E. Gabriel Mbaga Obiang Lima, Minister für Minen und Kohlenwasserstoffe von Äquatorialguinea, Carole Kariuki, CEO der Kenya Private Sector Alliance, Rebecca Enonchong, CEO der AppsTech, sowie Onyeche Tifase, CEO von Siemens Nigeria. Mehr Infos unter germanyafrica.com

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