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Nachhaltigkeit für jedermann

Fotos: Julia Sidorenkova

Langfristig wird es keine Alternative zu nachhaltigen Investments und Investmentstrategien geben, mit denen die bisherigen Erfolge der Vermögensverwalter übertroffen werden können. Der ehemalige Executive Director des United Nations Global Compact und heutige Vice Chairman von Arabesque Partners, Georg Kell, äußert sich im Interview auf dem Sprung nach New York.

Zunächst, Herr Kell, bitte erzählen Sie ein bisschen über sich und Ihren Werdegang.

Georg Kell: Ich bin Oberbayer, in Bad Tölz geboren und aufgewachsen. Alles hinter der Weißwurstgrenze, also nördlich der Donau, habe ich in jungen Jahren als fremd betrachtet. Nach meinem Wirtschaftsingenieurstudium an der TU Berlin in den 70ern ging ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Fraunhofer-Institut. In der Folgezeit bestimmten Investitionsanalysen für Industrieprojekte zum Beispiel in Pakistan, Indien, Sambia und Mexiko mein Leben. Mit meinem Eintritt bei den Vereinten Nationen in Genf, übrigens kurz vor dem Mauerfall, beschäftigte ich mich mit Handelsfragen und Technologietransfer. Kurz bevor mich Kofi Annan in sein Führungsbüro berief, leitete ich für eine Genfer Organisation ein Büro in New York. 17 der insgesamt 25 Jahre bei den Vereinten Nationen war ich unter anderem zuständig für die strategische Einflechtung der Ziele der Vereinten Nationen in die Privatwirtschaft. Zu dieser Zeit entstand auch meine Rede „Global Compact“, die als Grundpfeiler für den Aufbau der gleichnamigen globalen Initiative zum Thema Nachhaltigkeit diente.

Als ich im vergangenen Jahr bei den Vereinten Nationen in den Ruhestand trat, zählte UN Global Compact bereits 8500 Unternehmen und 90 Ländernetzwerke. Ich hatte dadurch glücklicherweise das Privileg, mit großen Persönlichkeiten zusammenzuarbeiten und international lokale Veränderungen hervorzurufen, um öffentliche mit privaten Zielsetzungen nachhaltig zu verknüpfen. Omar Selim, der CEO und Gründer von Arabesque, war es letztlich, der mir im Juli 2015 von der Umsetzung nichtfinanzieller und finanzieller Aspekte bei Arabesque erzählte. Für mich wurde ein Traum wahr und ich entschloss mich intuitiv für das Engagement bei dem Vermögensverwalter. Endlich hatte die Finanzbranche, die im Regelfall fünf bis zehn Jahre der Realwelt hinterherhinkt, verstanden, Nachhaltigkeit an die erste Stelle zu setzen.

Was sind Ihre Aufgaben bei Arabesque Partners?

Georg Kell: Während die Mitarbeiter von Arabesque die Finanzwirtschaft im Blut haben, sehe ich meine Tätigkeit vor allem als Chief Philosophy Officer. Mithilfe meines globalen Netzwerks versuche ich, die Verbindung zur Realwirtschaft herzustellen, da Nachhaltigkeit vornehmlich mit konkreten Investitionen vorangetrieben wird. Daher sehe ich mich bei Arabesque im weitesten Sinne als das Interface zur Realwirtschaft. Das ergänzt sich meines Erachtens recht gut.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Georg Kell: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Denn dies beinhaltet, dass externe Faktoren mit in Betracht gezogen werden und dass ein Bewusstsein darüber vorhanden ist, in welcher Welt wir leben möchten. Externalitäten können schließlich nicht mehr ignoriert werden. Sie sind ein Bestandteil des täglichen Operierens und müssen bewertet werden. Nachhaltigkeit geht also nicht auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit, sondern stellt eine langfristige Komponente der Wettbewerbsfähigkeit dar. Schließlich belegen Unternehmen Spitzenplätze nicht nur aufgrund herausragender Technologien, einer Alleinstellung im Kerngeschäft oder eines zieltreffenden Marketings, sondern im Regelfall auch hinsichtlich Umweltfragen, sozialen Verhaltens und Governance. Nachhaltigkeit ist also eine notwendige Voraussetzung, um erfolgreich zu sein.

Was zeichnet die Produkte von Arabesque aus?

Georg Kell: Unsere Produkte beruhen auf der einmaligen Kombination zweier Grundbausteine. Erstens der systematischen Analyse von ESG-Größen, also der Anwendung eigens geschützter Konzepte in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Und zweitens der Anwendung quantitativer Modelle, die in der Finanzwelt bereits etabliert sind und nachweislich erfolgreich waren.

Für wen sind die Anlageprodukte gedacht?

Georg Kell: Das Fantastische an unseren Produkten ist, dass das nachhaltige Investieren für jedermann zugänglich ist und nicht nur für institutionelle Investoren. Wir gehen einen großen Schritt weiter und versuchen die gesamte Finanzwelt neu zu definieren, möglicherweise sogar das Google dieser Branche zu kreieren. Zusammen mit der geballten Expertise von Arabesque sehe ich darin auch die größten Unterschiede zu unseren derzeitigen Wettbewerbern überall auf der Welt.

Was sind die Gründe für die Kooperation mit der Deutschen Bank?

Georg Kell: Zunächst einmal ist die Mehrheit der Arabesque-Mitarbeiter aus Deutschland. Neben dieser Schnittstelle haben wir mit der Deutschen Bank das führende Finanzinstitut Deutschlands als Partner gewonnen. Insbesondere das Team für strukturierte Produkte innerhalb der Bank war für uns ein wichtiges Argument für diese Zusammenarbeit. Um den breiten Markt der Privatanleger zu erreichen, bedarf es grundsätzlich eines solch großen Partners wie der Deutschen Bank.

Was erwarten Sie für die Zukunft von Arabesque?

Georg Kell: Arabesque ist jetzt zwei Jahre jung. Der Fonds Arabesque Systematic USD hat in dieser Zeit – in US-Dollar gerechnet – eine siebenprozentige Outperformance erzielt. In Euro und britischem Pfund ist sie sogar noch größer. Aktuell befinden wir uns noch in der Phase des Abhebens. Bereits in einem Jahr, also mit einer Historie von insgesamt drei Jahren, werden wir dann auf dem Radar der großen Pensionsfonds erscheinen.

Ich gehe davon aus, dass Arabesque eine neue „globale Marke“ darstellen wird, die für nachhaltiges Investieren steht, und wir innerhalb der nächsten drei Jahre ein weiterhin überdurchschnittliches Wachstum aufweisen können. Unterstützend wirkt sich dabei aus, dass das Thema Nachhaltigkeit – auch initiiert durch kleine Spezialfonds, die allerdings nicht systemisch agiert haben – nun endlich auch in der Finanzwirtschaft deutlich nach vorne rückt. Das bedeutet auch, dass Arabesque weiterhin stark in den Bereichen Data-Infrastruktur, Research und Development investieren wird. Selbstverständlich werden wir dabei auch mit den UN-Global-Compact-Netzwerken zusammenarbeiten.

Wird sich aus Ihrer Sicht die Finanzindustrie zukünftig in Richtung Nachhaltigkeit ändern?

Georg Kell: Natürlich, sie hat nämlich gar keine andere Wahl. Der Nachweis, dass nachhaltiges Investieren der Grundbaustein für langfristigen Erfolg ist, wird auch das langfristige Handeln in der Realwirtschaft ungemein beschleunigen. Wenn also Investitionen immer mehr in solche Unternehmen gehen, die nachhaltig handeln, dann schließt sich der Kreis zwischen Realwirtschaft und Finanzwelt.

Bisher war die Realwelt fünf bis zehn Jahre voraus. Die Finanzwelt hat nun die Chance aufzuholen. Und wenn sie aufholt, werden unter anderem durch Arabesque genau die Unternehmen belohnt, die sich nachhaltiger verhalten. Das wiederum unterstützt das Wirtschaftlichkeitsprinzip enorm.

Es gilt also: Nachhaltiges Investieren in nachhaltige Unternehmen fördert nachhaltiges Verhalten auf systemische Weise und wird viele weitere Unternehmen motivieren, in die gleiche Richtung zu agieren. Das ist ungemein wichtig, da diese Thematik im globalen Rahmen aktuell noch seitwärts verläuft. Dies liegt daran, dass das Gros der Firmen weltweit noch zu kurzfristig orientiert ist. Von derzeit 10.000 wirklich nachhaltig agierenden Unternehmen gehen tatsächlich nur zehn Prozent vorweg. Die übrigen 90 Prozent befinden sich noch auf einer ständigen Lernkurve, denn es ist ein dynamischer Prozess, Externalitäten in Strategie und Operation zu integrieren.Dabei sind zum Beispiel neue Wertigkeiten und Systeme, neue Strategien und Motivationsstrukturen gefragt. Durch die Unterstützung der Finanzwelt werden darüber hinaus auch die Unternehmen der Realwelt, die bisher weniger nachhaltig aktiv sind, deutlich vorangetrieben.

Mit freundlicher Genehmigung von Deutsche Bank X-markets
(siehe auch www.xpress.db.com).
Quelle: X-press, Deutsche Bank Kundenmagazin 09/16.
Georg Kell

Vice Chairman, Arabesque Partners

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