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Chancen jenseits des Genussfaktors

Lang lagerbare Weine werden mit den Jahren nicht nur besser, sondern können ihre Besitzer auch mit einem satten Wertzuwachs beglücken. Im Wein liegt also nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Chance auf bares Geld.

Rund 290.000 Dollar erzielte eine spektakuläre Auktion vor ungefähr zehn Jahren bei Christie‘s für eine Kiste mit zwölf Flaschen Rotwein. Doch der anonyme Bieter, der für die Raritäten aus dem Hause „Mouton Rothschild 1945“ bot, wollte sich damit nicht zufriedengeben. Er ersteigerte noch weitere sechs Magnumflaschen desselben Jahrgangs zu 57.500 Dollar die Flasche für insgesamt 250.000 Euro. Laut Hersteller Château Mouton-Rothschild war der Rekordwein noch von hervorragender Qualität. Die Geschichte zeigt, wie sich große Jahrgänge zu herausragenden Wertanlagen entwickeln können. Ob es nun die Besonderheit des Jahrgangs ist oder wie in diesem Fall ein historisches Bezugsdatum wie das Ende des Zweiten Weltkriegs oder aber auch wie in vielen Fällen ein Geburtstag – Zugänge für die Begründung astronomischer Preise sind beim Wein auf Käufer, wie auf Verkäuferseite reichlich vorhanden.

Das genannte Beispiel eignet sich zwar nicht unbedingt für Einsteiger, genug bezahlbare Einstiegsweine, die bei guter Lagerung Wertsteigerungen von 200 Prozent erzielen, sind aber vorhanden. Hierfür sind Vertreter aus dem Hause Mouton- und Lafite-Rothschild, Pétrus, Ausone, Cheval Blanc oder auch Haut-Brion prädestiniert. Alljährlich machen sich arrivierte Facheinkäufer auf den Weg in die Weingüter, um diese en primeur zu verkosten. Das Urteil dieser verschworenen Gemeinschaft ist dann die Grundlage für den Preis, zu dem der gute Tropfen zum frühesten möglichen Zeitpunkt nach der Flaschenfüllung in den Läden verkauft werden darf. Weitere ein bis drei Jahre wird der Wein noch in Fässern gelagert, bis er ausgeliefert wird. Subskription heißt dieses für die Spitzenweingüter so lukrative wie bedeutungsvolle Prozedere.

 

Doch was sind die Entscheidungsgrundlagen für einen Anleger beim Kauf eines Weines und bei der Preisbemessung?

Einer der besten und wichtigsten Anhaltspunkte vor jeder Kaufentscheidung ist die berühmte Bewertungsliste des Amerikaners Robert Parker. Der weltweit anerkannteste, aber auch gefürchtetste Weinkritiker vergibt bis zu 100 Punkte für einen Top Wein. Die Parker-Punkte kann man also getrost als die wichtigste Währung in diesem Geschäft bezeichnen. Je näher ein Top-Wein eines global bekannten Gutes der 100-Punkte-Marke kommt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass man einen potentiellen Schatz in seinem Weinkeller hat. Jahrgänge unter 90 Punkten bieten dagegen kaum monetäre Chancen jenseits des Genussfaktors.

Der beste Weg zu einem Weinkeller mit Potenzial führt daher über die alljährliche Subskriptionsliste arrivierter Weinhändler. Aber auch hier sollte man sich die Zeit zum Vergleichen nehmen, denn oft kalkulieren die Anbieter ganz unterschiedlich. Daher sollte man auf einen oder mehrere Weinhändler seines Vertrauens zurückgreifen. Natürlich gibt es auch hier gesetzte Marken, bei denen man eigentlich nichts falsch machen kann: Wer zum Beispiel an Cheval Blanc oder Pétrus herankommt, der liegt auf lange Sicht richtig.

Information ist aber auch hier alles. Und das eigene Urteilsvermögen sollte daher nie außer Acht gelassen werden. Sind also riesige Tranchen aus ertragreichen Jahrgängen im Umlauf, mindert dies auf jeden Fall die Exklusivität – wenn auch nicht den Genuss.

 

Jäger und Sammler müssen hier immer realistisch und auf dem Boden der Tatsachen bleiben.

Auch mit der besten Auswahl ist es nicht immer bestens bestellt: Da sich die Qualität eines Weines aus dem Bordelais letztendlich erst nach etwa zehn Jahren erweist, bleibt immer auch ein Risiko bestehen. Ein Faktor ist zum Beispiel der Winzer, bei dem abgefüllt wird.

Einige Sicherheit darf man sich aber von den Tropfen der Champions League dennoch erhoffen. Wem das aber zu ungewiss ist, der greift bei bereits trinkbaren Weinen zu und bildet sich seine eigene Meinung über das Wunschprodukt. Während junge Weine erst noch halten müssen, was sie ihren Käufern versprechen, gibt es aber immer noch die alten, edlen Tropfen, für deren Besitzer exklusiver Wein ein Statussymbol ist.

Die erfolgreichen Auktionen bei Sotheby’s und Christie’s, wie die eingangs genannten, stellen dies immer wieder unter Beweis. Längst sind es nicht mehr ausschließlich Europäer und Amerikaner, die für die hohe Nachfrage auf dem Markt sorgen. Vermögende Russen und Chinesen kaufen in großem Stil Weine aus dem obersten Qualitätssegment. Dabei spielt der Preis vielfach keine Rolle mehr, eher der Name und die Marke. Alles was über 95 Parker-Punkten liegt, wird beispielsweise in China fast blind gekauft, egal was die Flasche kostet. Die Chinesen scheinen dabei französische Weine zu bevorzugen.

 

Neben Weinflaschen bekommen auch die Weinberge selbst für Anleger eine immer größere Bedeutung.

Spezialisierte Immobilienhändler haben sich inzwischen auf Käufer festgelegt, die mit den Weinbergen noch Immobilien und Lagerbestände erwerben. Die Quadratmeterpreise haben sich in den letzten 15 Jahren sehr dynamisch entwickelt und diese Phase scheint noch lange anzudauern. Doch sind Weinflaschen natürlich erheblich schneller wieder zu Geld zu machen, als eine landwirtschaftliche Fläche. Und ein hochwertiger Bordeaux kann nur bei Diebstahl, falscher Lagerung oder aber bei einem unstillbaren Verköstigungsverlangen als Totalverlust enden. Und selbst wenn er sich nicht ganz als die erwartete Goldgrube herausstellen sollte – eine schöne Gelegenheit zum Genießen sollte sich allemal finden.

Mehr über Wein im Web

Die Handelsplattform für hoch- wertige Weine hat ihren Sitz in England. Die London International Vintage Exchange (Liv-ex) steht zwar nur professionellen Weinhandelshäusern zur Verfügung. Aber auch dem privaten Weinsammler bieten sich zahlreiche Informationen. www.liv-ex.com

Die weltweit größte Datenbank zum Thema stammt dagegen aus Deutschland. www.Wein-Plus.eu

Weinhändler mit Rotwein-Subskription

Villa Caviciana
www.villacaviciana.com

Hanseatisches Wein & Sekt Kontor
www.hawesko.de

Kölner Weinkeller
www.koelner-weinkeller.de

Mövenpick Wein
www.moevenpick-wein.de

C&D Weinhandelsgesellschaft
www.c-und-d.de

 

Welcher Wein eignet sich zum Investieren am Besten?

Rotweine mit Wertsteigerungspotenzial müssen natürlich lager- und alterungsfähig sein, wobei Fachgeschäfte auch die Versiegelung alter Flaschen anbieten. Diese Eigenschaften garantieren aber in der Regel Abfüllungen von international bekannten und angesehenen Gütern aus dem Bordelais, die einen hohen Tan- ningehalt haben. Einige Spanier (z.B. Ribera del Duero) oder italienische Weine aus der Toskana können sich ebenfalls preislich höchst erfreulich entwickeln.
Der Wein sollte möglichst in Kisten gekauft werden, die dann komplett in den Weiterverkauf gehen. Die Nagelprobe in Form der Weinbibel von Robert Parker ist daher unverzichtbar: Im „Wine Advocate“ sollten daher mindestens

90 Punkte, besser noch mehr, angegeben werden. Jenseits der internationalen Top-Weine haben aber gerade in den letzten Jahren auch deutsche Weine stark aufgeholt! Der Berliner Großgastronom und Weinhändler Josef Laggner (Lutter und Wegner): „Es gibt Weine erstklassi- ger deutscher Winzer, die man schon mal zehn Jahre in den Keller legen kann.

Die Richtige Lagerung ist daher natürlich besonders wichtig

Die ideale Lagertemperatur für Weine liegt bei rund elf Grad. Drei Grad darüber sind noch nicht bedenklich, acht ebenfalls nicht. Bedeutender für die schonende Lagerung ist dagegen, dass die Temperatur nicht ständig schwankt, sondern konstant gehalten wird. Auch der Luftfeuchtigkeit kommt eine tragende Rolle zu. Sie sollte etwa 65 Prozent betragen.

Mehr schadet dem Flascheninhalt zwar nicht, fördert jedoch die Schimmelbildung am Etikett. Für Liebhaber von Raritäten kann das ein Kaufhindernis sein. Bei einer Luftfeuchtigkeit unter 50 Prozent können aufgestellte Schalen mit Wasser helfen. Durch den natürlichen Korken atmet der Flascheninhalt und kann auch das Aroma der Umgebung aufnehmen.

Deshalb sollte der Keller möglichst geruchsneutral sein und über einen Frischluftzugang verfügen. Wein mag es dunkel, eine fast schon allgemein bekannte Weisheit, die aber trotzdem in der Praxis oft vernachlässigt wird. Wein sollte zudem liegend gelagert werden, der beste Ort eigentlich in seinem angestammten Platz in der Originalkiste.

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