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Geld regiert die Welt

Seit der Jahrtausendwende ist die Weltproduktion von 33 auf 73 Billionen Dollar angewachsen. Gleichzeitig nahm das Weltfinanzvermögen von 119 auf 267 Billionen Dollar zu. Trotz der letzten Finanzkrise ist die Bedeutung des weltweiten Kapitalismus weiter gestiegen. Sandra Navidi und Hans-Jürgen Jakobs zeigen gleichermaßen beklemmend, aber aus unterschiedlicher Perspektive, wer die Fäden der Finanzwelt in der Hand hält und warum der Einfluss der Mächtigen kaum einzudämmen ist. 

Hans-Jürgen Jakobs, „Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“, Knaus Verlag, ISBN: 978-3-8135-0736-2

Wem die Welt wirklich gehört

Hans-Jürgen Jakobs und sein Team porträtieren die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens und verleihen dem anonymen Kapital ein Gesicht.

Auf 47 Billionen Dollar beläuft sich die Summe, mit der die 200 mächtigsten Vermögensverwalter, Fondsmanager, Scheichs, Oligarchen und Familien hantieren. Das entspricht einem Anteil von rund 60 Prozent am weltweiten Bruttoinlandsprodukt oder der dreifachen Wirtschaftsleistung der Europäischen Union. Geldanlage-Giganten wie BlackRock, Blackstone oder Qatar Investment investieren mehr Kapital als Deutschland erwirtschaftet – und sind mitverantwortlich für die weltweite Umverteilung von unten nach oben.

Mit „Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“ liefert der Journalist Hans-Jürgen Jakobs das erste Nachschlagewerk über die Protagonisten im globalen Kapitalismus. Jakobs arbeitete unter anderem für den „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Seit 2013 ist er in diversen Funktionen für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig.

Die nächste Krise wird vom grauen Kapitalmarkt und den Schattenbanken ausgehen, ist sich Jakobs sicher, denn: „Am Ende hat Macht, wer über Geld verfügt.“ Entstanden ist das 680 Seiten starke Buch in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute sowie 30 internationalen Korrespondenten und Redakteuren. Das Ergebnis ist ein „Who is Who“ der weltweiten Finanz- und Wirtschaftswelt, vorgestellt in Rubriken wie Staatsfonds, Pensionskassen, Private Equity, Familien und Sektoren. Eine Kurzbeurteilung nach den Kriterien Nachhaltigkeit Unbestechlichkeit, Steuerehrlichkeit, Humanität und Transparenz gibt eine Einordnung. Schade nur, dass das Werk kein Stichwortverzeichnis enthält.

Wie die Finanzelite die Welt regiert

Sie trifft regelmäßig die wichtigsten Wirtschaftsführer und ist bekannt für ihre skeptischen Prognosen. Sandra Navidi, Finanzmarktexpertin und Managementberaterin, blickt in ihrem Buch „Super Hubs“ hinter die Kulissen des Geldadels.

Unter „Super Hubs“ versteht sie die am besten vernetzten Knotenpunkte innerhalb des Finanzsystems. Mit ihren Entscheidungen bewegen diese Eliten täglich Billionen auf den Finanzmärkten und haben damit indirekten Einfluss auf Industrien, Arbeitsplätze, Wechselkurse, Rohstoffe – und damit auf unser Leben. Wladimir Putin, angeblich 200 Milliarden Dollar schwer, ist ein Beispiel für einen solchen „Super Hub“. Bei dem Übergang von der kommunistischen Sowjetunion zu einem marktorientierten Russland haben sich dort eine Handvoll „Super Hubs“ gebildet, die Oligarchen mit Putin an der Spitze. Ihre Botschaft: In unserem Finanzsystem bilden sich im Zuge automatischer Dynamiken immer wieder die gleichen Netzwerkstrukturen und damit auch Machtgefüge, die sich mit der Zeit unweigerlich verfestigen und die Gesellschaft letztlich in eine Schieflage bringen. Je gravierender diese Schieflage werde, so Navidi, desto größer würden die gesellschaftlichen Erschütterungen und systemischen Verwerfungen bestehender Strukturen. Teil der Botschaft ist auch, dass man in einem komplexen System Probleme nur im Gesamtzusammenhang lösen kann, weil man sonst unbeabsichtigte Konsequenzen auslöst.Was für manche nach Verschwörungstheorie riechen mag, ist für die frühere Mitarbeiterin des Starökonomen Nouriel Roubini pure Realität. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, ist sie überzeugt, „ich erläutere, dass sich durch die auf der Netzwerktheorie beruhenden Gesetzmäßigkeiten gleichsam naturgesetzlich immer wieder die gleichen Strukturen bilden. Das trifft auf alle Systeme zu, sei es in der Umwelt, dem Internet, unserem Gehirn oder der Finanzwelt.“ Gefährlich wird es indes bei den Global Players, weil diese durch ihre persönlichen Beziehungen ihre Macht exponentiell vergrößern. So kann das Resümee der Autorin nur lauten: „Wir leben in einer Welt, die sowohl national als auch global immer instabiler wird.“

Ihr Wissen ist fundiert: Dank ihrer Tätigkeit an der Wall Street hat Navidi, die sich vor einigen Jahren mit ihrer Beratungsfirma BeyondGlobal LLC in New York selbständig gemacht hat, immer wieder die Chance, Finanzchefs und hochrangige Entscheider nicht nur in ihrem professionellen, sondern auch in deren persönlichen Umfeld zu betrachten.

Mit großem Sachverstand und doch verständlich geschrieben, zeigt Sandra Navidi als Insiderin der Hochfinanz in ihrem 320 Seiten umfassenden Buch auf, warum die Regulierung der Finanzindustrie an ihre Grenzen stößt. Ebenso erfährt der Leser, wie es Normalsterbliche in die höchste Ebene der Finanzindustrie schaffen – und warum so wenige Frauen dabei sind.

Sandra Navidi: Super Hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren, FinanzBuch Verlag, ISBN: 978-3-89879-959-1

Seit der Jahrtausendwende ist die Weltproduktion von 33 auf 73 Billionen Dollar angewachsen. Gleichzeitig nahm das Weltfinanzvermögen von 119 auf 267 Billionen Dollar zu. Trotz der letzten Finanzkrise ist die Bedeutung des weltweiten Kapitalismus weiter gestiegen. Sandra Navidi und Hans-Jürgen Jakobs zeigen gleichermaßen beklemmend, aber aus unterschiedlicher Perspektive, wer die Fäden der Finanzwelt in der Hand hält und warum der Einfluss der Mächtigen kaum einzudämmen ist. 

Hans-Jürgen Jakobs, „Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“, Knaus Verlag, ISBN: 978-3-8135-0736-2

Wem die Welt wirklich gehört

Hans-Jürgen Jakobs und sein Team porträtieren die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens und verleihen dem anonymen Kapital ein Gesicht.

Auf 47 Billionen Dollar beläuft sich die Summe, mit der die 200 mächtigsten Vermögensverwalter, Fondsmanager, Scheichs, Oligarchen und Familien hantieren. Das entspricht einem Anteil von rund 60 Prozent am weltweiten Bruttoinlandsprodukt oder der dreifachen Wirtschaftsleistung der Europäischen Union. Geldanlage-Giganten wie BlackRock, Blackstone oder Qatar Investment investieren mehr Kapital als Deutschland erwirtschaftet – und sind mitverantwortlich für die weltweite Umverteilung von unten nach oben.

Mit „Wem gehört die Welt? Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“ liefert der Journalist Hans-Jürgen Jakobs das erste Nachschlagewerk über die Protagonisten im globalen Kapitalismus. Jakobs arbeitete unter anderem für den „Spiegel“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Seit 2013 ist er in diversen Funktionen für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig.

Die nächste Krise wird vom grauen Kapitalmarkt und den Schattenbanken ausgehen, ist sich Jakobs sicher, denn: „Am Ende hat Macht, wer über Geld verfügt.“ Entstanden ist das 680 Seiten starke Buch in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute sowie 30 internationalen Korrespondenten und Redakteuren. Das Ergebnis ist ein „Who is Who“ der weltweiten Finanz- und Wirtschaftswelt, vorgestellt in Rubriken wie Staatsfonds, Pensionskassen, Private Equity, Familien und Sektoren. Eine Kurzbeurteilung nach den Kriterien Nachhaltigkeit Unbestechlichkeit, Steuerehrlichkeit, Humanität und Transparenz gibt eine Einordnung. Schade nur, dass das Werk kein Stichwortverzeichnis enthält.

Sandra Navidi: Super Hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren, FinanzBuch Verlag, ISBN: 978-3-89879-959-1

Wie die Finanzelite die Welt regiert

Sie trifft regelmäßig die wichtigsten Wirtschaftsführer und ist bekannt für ihre skeptischen Prognosen. Sandra Navidi, Finanzmarktexpertin und Managementberaterin, blickt in ihrem Buch „Super Hubs“ hinter die Kulissen des Geldadels.

Unter „Super Hubs“ versteht sie die am besten vernetzten Knotenpunkte innerhalb des Finanzsystems. Mit ihren Entscheidungen bewegen diese Eliten täglich Billionen auf den Finanzmärkten und haben damit indirekten Einfluss auf Industrien, Arbeitsplätze, Wechselkurse, Rohstoffe – und damit auf unser Leben. Wladimir Putin, angeblich 200 Milliarden Dollar schwer, ist ein Beispiel für einen solchen „Super Hub“. Bei dem Übergang von der kommunistischen Sowjetunion zu einem marktorientierten Russland haben sich dort eine Handvoll „Super Hubs“ gebildet, die Oligarchen mit Putin an der Spitze. Ihre Botschaft: In unserem Finanzsystem bilden sich im Zuge automatischer Dynamiken immer wieder die gleichen Netzwerkstrukturen und damit auch Machtgefüge, die sich mit der Zeit unweigerlich verfestigen und die Gesellschaft letztlich in eine Schieflage bringen. Je gravierender diese Schieflage werde, so Navidi, desto größer würden die gesellschaftlichen Erschütterungen und systemischen Verwerfungen bestehender Strukturen. Teil der Botschaft ist auch, dass man in einem komplexen System Probleme nur im Gesamtzusammenhang lösen kann, weil man sonst unbeabsichtigte Konsequenzen auslöst.Was für manche nach Verschwörungstheorie riechen mag, ist für die frühere Mitarbeiterin des Starökonomen Nouriel Roubini pure Realität. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, ist sie überzeugt, „ich erläutere, dass sich durch die auf der Netzwerktheorie beruhenden Gesetzmäßigkeiten gleichsam naturgesetzlich immer wieder die gleichen Strukturen bilden. Das trifft auf alle Systeme zu, sei es in der Umwelt, dem Internet, unserem Gehirn oder der Finanzwelt.“ Gefährlich wird es indes bei den Global Players, weil diese durch ihre persönlichen Beziehungen ihre Macht exponentiell vergrößern. So kann das Resümee der Autorin nur lauten: „Wir leben in einer Welt, die sowohl national als auch global immer instabiler wird.“

Ihr Wissen ist fundiert: Dank ihrer Tätigkeit an der Wall Street hat Navidi, die sich vor einigen Jahren mit ihrer Beratungsfirma BeyondGlobal LLC in New York selbständig gemacht hat, immer wieder die Chance, Finanzchefs und hochrangige Entscheider nicht nur in ihrem professionellen, sondern auch in deren persönlichen Umfeld zu betrachten.

Mit großem Sachverstand und doch verständlich geschrieben, zeigt Sandra Navidi als Insiderin der Hochfinanz in ihrem 320 Seiten umfassenden Buch auf, warum die Regulierung der Finanzindustrie an ihre Grenzen stößt. Ebenso erfährt der Leser, wie es Normalsterbliche in die höchste Ebene der Finanzindustrie schaffen – und warum so wenige Frauen dabei sind.

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