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Genussvolle Qualmerei

Foto: muratkoc / iStock

Havannas gehören noch immer zur unangefochtenen Spitzenklasse der Zigarren. Winston Churchill hat sie ebenso geraucht, wie zum Beispiel Arnold Schwarzenegger oder Gerhard Schröder und immer symbolisierten sie damit auch eines: Macht und Reichtum. Für Zigarrenfreunde sind Raritäten und limitierte Exemplare auch heute noch von besonderem Interesse.

Der Berliner Zigarrenkönig Dr. Maximilan Herzog erinnert sich sehr genau an sein erstes Raucherlebnis im zarten Alter von 14 Jahren. „Rauchen war unter Schülern einfach angesagt! Aber ich hatte Schwierigkeiten, den Zigarettenrauch zu inhalieren, und so habe ich damals mit dem Zigarrenrauchen begonnen.“ Diese Leiderschaft hat er bis heute nicht aufgegeben. Täglich raucht er bis zu drei Zigarren. Mit 25 Jahren stieg Herzog von dominikanischen Zigarren auf kubanische Havannas um. Schließlich stammen rund 80 Prozent der Premium-Zigarren weltweit aus Kuba. „Die Stärke und Kraft dieser herausragenden Zigarren sind einzigartig.“ Neben der kommunikationsunterstützenden Wirkung attestiert der Doktor der Psychiatrie den Habanos auch einen beruhigenden Effekt. „Zigarrenrauchen unterdrückt Aggressionen und unterstützt den Dialog. Wenn Sie rauchen, lassen Sie ihr Gegenüber einfach zu Wort kommen. Anders geht es gar nicht“, sagt Herzog.

Beruf mit Genuss
Aus dem Genussrauchen wurde ein Beruf. Schließlich stellt er während seines Habilitationsstipendiums in Berlin fest, dass es dort kein einziges Zigarrenhaus gab, in dem Zigarrenliebhaber ihren Genuss stilvoll frönen konnten. Und so nahm er sich dieser Aufgabe persönlich an. Herzog eröffnete ein großes Verkaufsatelier mit Rauchersaloon am Ludwigskirchplatz, ein paar Jahre später dann die „Casa del Habano“ in der Fasanenstrasse, welche sich ausschließlich auf Zigarren aus Kuba spezialisierte.

Der dritte Verkaufsalon ließ nicht lange auf sich warten. Diesen eröffnete er im Ostteil der Hauptstadt und komplettierte sein Berliner Zigarrenreich. An allen drei Orten findet der Großstädter schnell zur Ruhe und zur Muße, sie bieten einen Kontrast zur hektischen und schnelllebigen Umgebung. „Es ist bis heute ein großes Geheimnis, warum der Tabak im Nordwesten Kubas so gut gedeiht. Es ist wohl ein Zusammenspiel vieler Faktoren, von der Bodenbeschaffenheit, der Windrichtung bis hin zu den Insekten“, weiß Herzog. Über 50 Mal reiste der Zigarrenhändler mittlerweile ins Heimatland der Havannas, um die Tradition und die Zigarren noch besser zu verstehen.

Hombre del Habano
Doch Herzog ist mehr als nur ein Zigarrenimporteur. Er verhalf der kubanischen Kultur nach Deutschland und wurde so zu einem wahren Botschafter der Havannas. Sein unermüdlicher Einsatz in Sachen Zigarren blieb auch in Kuba nicht unbemerkt. Bereits 2010 wurde er auf dem „Festival del Habano“ als „Hombre del Habano“ ausgezeichnet. Bis an sein Lebensende bekommt Herzog nun jedes Jahr eine Schachtel seiner Lieblingszigarren nach Hause geschickt.

Beliebte Raritäten
Bei Musik, gutem Essen und kubanischem Rum präsentiert er zu seinen monatlichen legendären Abendveranstaltungen im „Berlin Capital Club“ neue Formate und regionale Raritäten.

Herzog: „Es gibt limitierte Zigarrenformate aus Kuba, die nur in einzelnen Ländern zu kaufen sind und speziell für die Bedürfnisse bestimmter Märkte entwickelt wurden.“ Sammler und Händler reisen für die unter dem Namen „Regionales“ bekannten Raritäten übrigens schon mal bis ans andere Ende der Welt, denn die strikte Kontrolle der Verkaufspolitik durch die staatliche kubanische Zigarrencompany Habanos S.A. ließ somit besondere Begehrlichkeiten entstehen. Sie bewirkte eine ganz spezifische Regionalisierung und Diversifizierung der Märkte für kubanische Zigarren.

Spannende Auktionen
Ein bedeutendes europäisches Handels- und Auktionszentrum seltener Habanas ist in London ansässig. Mitchell Orchant organisierte dort einmal für C. Gars Ltd. eine seiner spektakulärsten Versteigerungen. „Es war eine der spannendsten Auktionen, als sich ein Hongkong-Chinese und ein Japaner eine Bieterschlacht um eine Schachtel von zehn Vor-Embargo-Zigarren „Romeo y Julieta Dunhill Selectíon No. 779“ lieferten“, weiß Simon Chase vom „The Cigar Club“ in London. „Der Japaner bekam schließlich den Zuschlag für 11.500 Pfund. Und das für genau zehn Zigarren.“ Ein Rekordergebnis für Zigarren, die bei einer öffentlichen Auktion versteigert wurden.

Vor-Embargo-Zigarren
Zigarren, die vor dem US-Embargo gegen kubanische Waren hergestellt wurden, sind bei Sammlern besonders beliebt. Am Vorabend des Bekanntwerdens des Embargos, das am 7. Februar 1962 in Kraft trat, ließ der damalige Präsident John F. Kenndey seinen Pressesekretär Pierre Salinger nach Kuba reisen, um dort 1.200 Zigarren der Marke Corona zu kaufen. Vorher hetzte dieser bereits durch sämtliche Habano-Shops in Washington D.C., um das private Vorratslager des Präsidenten aufzustocken. Beliebter und teuerer wurden die Raritäten nachdem sich einige internationale Tabakproduzenten von der Karibikinsel verabschiedeten. Spektakuläre Auktionspreise erzielten dadurch beispielsweise die „1960s Partagas Lusitania“ von Davidoff und diverse Dunhill-Zigarren, ebenfalls aus der Vor-Embargo-Zeit. 30 Jahre Lagerzeit gelten bei adäquater Lagerung als unproblematisch, 60 Jahre könnten dagegen zum Problem werden. Und so bleibt zweifelhaft, ob sich diese historischen Sammlerstücke noch genussvoll rauchen lassen.

Siegeszug der Habanos
Raúl Becerra Egana, ehemaliger kubanischer Botschafter in Deutschland: „Die Exportzahlen nach Deutschland verbessern sich von Jahr zu Jahr. Zigarren raucht man nicht, sondern genießt sie. Politiker verstehen das zwar nicht, aber das ändert nichts an der Tatsache. Das zeigen die Absatzzahlen von Habanos“. Weder das US-Embargo noch die verschärften Rauchergesetze konnten den Siegeszug der Habanos bis heute aufhalten.

Kuba hat im Jahr 2016 Zigarren im Wert von 445 Millionen US-Dollar (420 Mio Euro) verkauft. Damit stieg der Absatz des Monopolisten Habanos S.A. um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir konnten unsere Führungsposition halten“, sagte der Marketingchef des Unternehmens, Enrique Babot, bei dem gerade zu Ende gegangenen Zigarren-Festival in Havanna.

Auch die deutsche Zigarrenindustrie verfügt übrigens über ein beachtliches Angebot. Es umfasst rund 1200 Marken und besteht überwiegend aus kleinen und mittelständischen Betrieben, die sich fast ausnahmslos in Familieneigentum befinden.

5 Tipps, worauf man bei Zigarren achten sollte

von Maximilian Herzog

  • Zigarren kaufen ist Vertrauenssache. Erwerben Sie daher Zigarren bei Ihnen bekannten Händlern. Es gibt viele Fälschungen auf dem Markt!
  • Tadellose Lagerung ist wichtig. Zigarren speichern Verletzungen, Zigarren vergessen nichts.
    Wichtig: relative Feuchtigkeit von 10,5 bis 12 Prozent im Humidor.
  • Auf die Anmutungsqualität des Deckblattes achten.
  • Eine Zigarre muß eine feste, aber elastische Qualität aufweisen.
  • Ein besonders guter Geruch einer Zigarre erlaubt keinen Rückschluss auf das Aroma.

Beisteller, Zigarren-Bücher:

  • „The Great Habano Factories“, Select Publiciacones
  • „Genussbarometer Deutschland“, linksverlag
  • „Das Paradies des Geschmacks und die Vernunft“, Fischer Verlag
  • „Havannas“, Umschau Verlag
  • „Die Kunst, Zigarren zu rauchen“, dtv
  • „Der kleine Herzog“, herausgegeben von Maximilian Herzog und Krzysztof Czarny
  • „Brenner“, Rowohlt Verlag

Foto: Jacques van Dinteren / iStock
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