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Kosovo

Foto: Botschaft Kosovo

Unbekannter Schatz im Herzen Europas

Der Kosovo ist Europas jüngste Republik. Mit atemberaubend vielen Sonnentagen und einer Bevölkerung, die zum Großteil unter 30 Jahren ist, sind zwei große Boom-Branchen des Landes schon beschrieben: Der Tourismus und der Dienstleistungssektor. Der dritte große Wachstums-Faktor des Landes sind die Bodenschätze. Kosovo ist der unbeachtete Schatz im Herzen Europas, auf den es sich lohnt, einen genauen Blick zu werfen.

Viele verbinden mit dem Kosovo auch heute noch den Krieg des Jahres 1999. Ein Reflex, der falsche Assoziationen von Unsicherheit und Destabilisierung weckt. Dass das Land und seine rund 1,8 Millionen Einwohner Zeit brauchten, um mit den Folgen des Konfliktes fertig zu werden, liegt dabei auf der Hand. Allein 13.000 Opfer forderte der Krieg, 1.700 Menschen werden bis heute vermisst. Ein gewaltiger Blutzoll für ein kleines Land. Dass sich der Kosovo so rasch nach dem blutigen Konflikt wieder auf Erfolgskurs befindet, liegt auch an den vielen Exilkosovaren, welche ihr im Ausland verdientes Geld wieder in der Heimat investieren, aber auch an der außerordentlichen Geschäftstüchtigkeit der Kosovaren. Und an der am 17. Februar 2008 vom Parlament proklamierten Unabhängigkeit. Seitdem entwickelte sich das Land fast unbemerkt von der Öffentlichkeit der Europäischen Union ökonomisch und strukturell nach vorne.

Europa fest im Blick

Die politische Führung und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung haben stets den Eintritt in die europäische Staatengemeinde als Ziel fest im Blick. Kurios dabei: Obwohl Nicht-EU-Land ist die einzige offizielle Währung im Kosovo bereits der Euro. Die politische Entwicklung des Landes wird seit dem 9. Dezember 2008 durch die EULEX Kosovo überwacht. Seit Juni 2009 ist das Land zudem Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe und gehört seit November 2012 auch der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung an. Des Weiteren wurde ein EU-geprüftes Rechtssystem aufgebaut. Die Schaffung von multi-ethnischen Justiz-, Zoll- und Polizeibehörden ist erfolgreich abgeschlossen. 

Ein wichtiger Meilenstein für die Einbindung ausländischer Unternehmer ist das „Schutzgesetz für ausländische Investments,“ das im letzten Jahr in Kraft getreten ist. Seine Exzellenz Skender Xhakaliu im Gespräch mit dem Derivate Magazin: „Kraftwerke, Autobahnen, Hotels und Verwaltungsgebäude. In all diesen Bereichen laufen große Bauvorhaben oder sind in Planung. Investoren aus dem Ausland sind uns sehr willkommen.“

Seit 2012 dient Xhakaliu seinem Land als Botschafter in Berlin.
Der Wirtschaftswissenschaftler gilt als Gesundheitsexperte und leitete vor seinem Eintritt in den diplomatischen Dienst verschiedene Abteilungen im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Technologie.

Botschafter Seine Exzellenz Skender Xhakaliu

Man spricht Deutsch

Bemerkenswert ist die besondere Verbundenheit der Bevölkerung zum deutschsprachigen Raum der EU. Botschafter Xhakaliu: „Über die Hälfte der Kosovaren sprechen Deutsch. Das hängt damit zusammen, dass es in jeder Familie ein Mitglied gibt, das entweder in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt. Alleine in Deutschland leben rund 350.000 Kosovaren. Daneben ist Deutschland außerdem unser größter Wirtschaftspartner. Das Bild, das man im Kosovo von Deutschland hat, ist ausschließlich positiv besetzt.“ 

Eines der veralteten Bilder, die keinen Bezug mehr zur aktuellen Realität haben, ist die Sicherheitslage. Wer sich heute abends in Prishtina bewegt, ist dabei so sicher wie in Berlin oder in Wien. Die örtliche Polizei ist nach EU-Standards ausgebildet und in zahlreichen Kooperationen mit europäischen Partnern verbunden. Obwohl die Bevölkerung größtenteils moslemischen Glaubens ist, sieht man auf den Straßen kaum Kopftücher. In den Restaurants und Bars wird Alkohol ausgeschenkt und gern gefeiert. Auch ist der Kosovo ein multi-ethnischer Staat. Die Mehrheit bilden die Albaner, unter den Minderheiten sind Serben, Türken, Roma und Ägypter. In einem Land, in dem das Durchschnittseinkommen bei rund 400 Euro liegt und man für ein paar Euro schon ein gutes Abendessen bekommt, entwickelt sich der Tourismus daher sehr dynamisch. Im letzten Jahr eröffnete der International Airport Prishtina: Einige Airlines wie beispielsweise Easyjet fliegen die Hauptstadt mehrmals täglich an.

Immer eine reise wert

Wer sich auf eine Kulturreise durch die Region machen will, sollte auf jeden Fall in Prishtina starten. Eine neue Autobahn verbindet die Hauptstadt seit Kurzem direkt mitAlbanien. Erkundungen nach Griechenland, Mazedonien, Montenegro oder auf den Balkan sind von hieraus problemlos zu unternehmen. Außerdem bietet die Stadt selbst ein üppiges Kulturprogramm von Museen über Parks, großen Musikveranstaltungen bis hin zur kosovarischen Gastronomie, die geprägt ist von der Küche des Balkans, Griechenlands und der Türkei. Botschafter Xhakaliu: „Der Kosovo hat außerdem für Wanderfreunde viel zu bieten. Wir sind gerade dabei, die Wanderwege für Urlauber noch attraktiver zu gestalten.“ Die Seenlandschaft, zu der der Badovac- und der Badlava-See mit rund 270 Hektar Fläche gehören, sind beliebte Ausflugs- und Urlaubsziele, die inmitten einer herrlichen Naturlandschaft liegen. Prishtina ist nicht nur die Hauptstadt mit der Regierungszentrale, sondern auch das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Mit Banken, einer boomenden IT-Branche, Telekomfirmen und einem prosperierenden Bausektor. Die Stadt liegt östlich des zentralen Kosovos mitten in der historischen Landschaft Amselfeld auf 595 Metern über dem Meeresspiegel. 

Die Region von Prishtina ist schon seit über 7000 Jahren von Menschen besiedelt. Das belegen verschiedene Artefakte, die hier zufällig während Bauarbeiten zutage gefördert wurden. Zu den ersten Siedlern dieser Gegend gehörten die Illyrer. Sie fanden damals eine weithin unberührte fruchtbare Ebene vor und be-gannen, diese landwirtschaftlichzu nutzen. Auch Viehzucht wurde betrieben. Mit den benachbarten Völkern – vor allem den Griechen – wurde reger Handel getrieben. Eine Tradition, die bis heute fortbesteht. Auch der Landwirtschaft kommt im Kosovo nach wie vor große Bedeutung zu. Botschafter Xhakaliu: „Die Produkte, die wir heute für die Gastronomie aus unserer eigenen Landwirtschaft liefern sind Bioprodukte. Beim Obst haben wir den Vorteil, dass wir dreimal pro Jahr ernten können.“

Der Rohstoffreichtum des Landes ist ein weiterer Bereich, der dem Land in Zukunft zu einem nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen könnte. So verfügt das Land bei der Braunkohle über die größten Vorkommen Europas nach Deutschland. „Bei uns gibt es außerdem beträchtliche Vorkommen an Blei, Kupfer, Zink und auch Gold“, fügt Botschafter Xhakaliu hinzu. Die Minen sind nach wie vor größtenteils im staatlichen Besitz. „Hier besteht großes Potential für internationale Investoren und wir sind offen für jegliche Gespräche.“

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