Select Page

Rugby

Die Teams von Fiji (weißes Trikot) und Australien lieferten sich während der HSBC World Rugby Singapore Sevens im April 2016 ein spannendes Duell um den Sieg.
Foto: Mai Groves / Shutterstock

Der Rugbysport hat eine lange Tradition und gewinnt in Deutschland immer mehr an Popularität. Von „dem“ Rugby zu sprechen, ist allerdings nicht ganz einfach, denn es gibt gleich eine ganze Reihe unterschiedlicher Varianten: So existieren beispielsweise Wettbewerbe mit sieben, 13 und 15 Spielern.

Anders als im Fußball ist Deutschland beim Rugby keine Supermacht und daher auch nicht beim Six-Nations-Turnier startberechtig, in dem England, Frankreich, Irland, Italien, Schottland und Wales die europäische Krone des Sports unter sich ausspielen. Dass Rugby in diesen Ländern in ganz anderen Dimensionen gespielt wird, zeigt auch ein Blick auf die Zuschauerzahlen: Während man sich beim Länderspiel der deutschen Nationalmanschaft in Heidelberg gegen Favorit Rumänien im März 2016 über die für deutsche Verhältnisse stattliche Zahl von fast 3.200 Rugby-Begeisterten freute, verfügt England mit dem Twickenham Stadium im Südwesten Londons über ein reines Rugby-Stadion mit mehr als 80.000 Plätzen.

Die Spitze des Sports ist aber auch das nicht, denn seit Jahren ist Neuseeland das Maß aller Rugby-Dinge und Weltranglistenerster. In Südafrika und Australien ist Rugby, ebenso wie in unserem Nachbarland Frankreich, eine populäre Sportart. Der Abstand der Deutschen, die gegenwärtig auf Platz 25 der Weltrangliste und damit deutlich niedriger als Fiji, Samoa oder Tonga geführt werden, zur Weltspitze ist groß. Trotzdem ist Rugby seit kurzem auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Beispielsweise gelang der Nationalmannschaft der sportliche Aufstieg in Europas zweitstärkste Liga.

Neu ist der Sport für harte Männer (und Frauen) hierzulande allerdings nicht: Die deutsche Rugby-Tradition reicht immerhin bis ins 19. Jahrhundert zurück. So spielte der „Fußballclub Frankfurt“, Vorläufer des heutigen SC Frankfurt 1880,  bereits 1894 in London gegen ein englisches Team und bei den Olympischen Spielen 1900 holte die deutsche Mannschaft eine Silbermedaille. Auch heute noch ist der SC Frankfurt 1880 ganz vorne mit dabei: Die Hessen wurden in den letzten Jahren mehrfach Deutscher Meister. Die Faszination Rugby erklärt der Ex-Nationalspieler und treibende Kraft hinter dem Frankfurter Rugby, Dr. Ulrich Byszio, damit, dass der Sport Respekt, Fairness, Teamgeist und Sportsmanship lehre. Das seien Tugenden, die Kinder überall gebrauchen könnten. Es gehe um Persönlichkeit, Selbstbewusstsein und Zielorientierung. Schließlich lerne man beim Rugby, Gegner zu besiegen, die größer, schneller und vielleicht stärker seien als man selbst.

 

Interessante Rugby-Links:

www.rugby-verband.de
Deutscher Rugby Verband

www.worldrugby.org
Weltverband 15er-Rugby

www.rlef.eu.com
Europäischer Verband 13er-Rugby

www.sc1880.de
Traditionsreicher Frankfurter Club

www.wildrugbyacademy.de
Rugbysport-Förderung in Deutschland

Wunderbares Gemisch für Raufbolde

Keiner brachte das Selbstverständnis und das Flair des Sports so sehr auf den Punkt wie der walisische Hollywood-Star und lebenslange Rugbyfan Richard Burton: „Rugby ist ein wunderbares Gemisch aus Ballett, Oper und blutigem Mord!“ Auf jeden Fall ist es kein Sport für Zartbesaitete. Ausgestattet ist Rugby immerhin mit dem Selbstverständnis, etwas Besonderes zu sein: Keinem geringeren als dem scharfzüngigen viktorianischen Schriftsteller Oscar Wilde wird folgendes Bonmot zugeschrieben: „Football is a gentleman’s game played by ruffians and rugby is a ruffian’s game played by gentlemen“ (Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, das von Raufbolden gespielt wird, Rugby ist ein Spiel für Raufbolde, das von Gentlemen gespielt wird).

Zu diesen Gentlemen gehört auch Robert Mohr, ein Mann, der früher mit der Nationalmannschaft vor wenigen hundert, im Verein aber meist vor mehreren zehntausend Fans Ball und Gegner hinterherjagte. Jahrelang war Robert Mohr der einzige deutsche Profi, der in Europas Rugby-Stadien sein Geld mit dem Kampf um den ovalen Ball verdiente. 15 Jahre spielte der Zweite-Reihe-Stürmer bei mehreren Vereinen in Frankreich, davon ein Jahrzehnt beim Spitzenclub La Rochelle. Auf bis zu 16.000 Euro Monatsgehalt bringen es Profis in der französischen Liga. Für Fußballer mögen das keine spektakulären Einkünfte sein, auskömmlich leben lässt es sich davon allemal. Mohr hat seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, inzwischen haben andere deutsche Rugbyspieler den Sprung ins Profigeschäft geschafft. „Wir können jetzt unter professionellen Bedingungen arbeiten“, verrät Bundestrainer Kobus Potgieter.

Die weltweit bekannteste Art des Rugby ist die der Rugby Union. Dabei sind 15 Spieler auf dem Feld. Bei der nach den Regeln der Rugby League gespielten Variante sind es dagegen nur 13. Das Spielfeld ist hier zudem etwas kleiner als bei der Rugby Union. Beim 7er Rugby hingegen gelten strengere Regeln: Beinstellen, Schlagen oder Festhalten am Hals gelten als Foul. Erstmals seit 92 Jahren ist diese Form des Rugbys bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in diesem Jahr wieder Olympische Sportart.

Seitdem wird der Sport vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) finanziell unterstützt. Dadurch entstand eine neue Situation, die dem Sport auch viele Neueinsteiger zuführen wird. Einige Nationalspieler sind Sportsoldaten und werden von der Bundeswehr gefördert und inzwischen kann die Nationalmannschaft die Olympiastützpunkte für ihr Training nutzen. Allerdings steht nicht Potgieters 15er-Nationalteam dabei im Mittelpunkt, sondern die 7er-Mannschaft und damit die olympische Variante des Sports. „Das ist ganz klar getrennt“, sagt Mohr, „aber das ist auch gut so“.

 

Sponsoren bringen Rugby an die Schulen

Trotzdem kann die 15er-Nationalmannschaft bereits jetzt mehr Geld für Trainer und Sportstätten ausgeben, als es Optimisten noch vor wenigen Jahren zu träumen gewagt hätten. Dies verdanken sie allerdings nicht den Olypischen Spielen und dem IOC, sondern Hans-Peter Wild und dessen im Jahr 2007 gegründete „Wild Rugby Academy“, die unter dem Motto „We make rugby grow“ den deutschen Rugbysport organisatorisch und finanziell fördert. So stellt die Akademie beispielsweise die beiden deutschen Nationaltrainer Kobus Potgieter und Pieter Jordaan. Darüber hinaus setzen sich 15 Sportlehrer seit mehreren Jahren dafür ein, Rugby an den Schulen zu etablieren. Im September erhöhten Stiftung und Sponsor noch einmal das Budget, so dass jetzt noch mehr Mittel für Trainingsplätze, Ausrüstung und Wettkampfreisen bereit stehen. Nach eigenen Angaben erarbeiteten die Trainer der Wild Rugby Academy im Rahmen dieser Förderung wesentliche Pläne für die Verbesserung der Skills, Fitness und Dynamik der deutschen Nationalspieler, um die Trainingsmethoden auf das Niveau etablierter Nationen zu heben. Das freut natürlich auch den Bundestrainer: „Das zusätzliche Geld ist mit Sicherheit der Hauptgrund, dass wir zuletzt so erfolgreich waren. Entscheidend ist, dass ich jetzt einen größeren Spielerpool zur Verfügung habe als noch vor ein paar Jahren.“ Damit scheinen gute Voraussetzungen für eine spannende Rugby-Zukunft geschaffen.

Die Teams von Fiji (weißes Trikot) und Australien lieferten sich während der HSBC World Rugby Singapore Sevens im April 2016 ein spannendes Duell um den Sieg.
Foto: Mai Groves / Shutterstock

Der Rugbysport hat eine lange Tradition und gewinnt in Deutschland immer mehr an Popularität. Von „dem“ Rugby zu sprechen, ist allerdings nicht ganz einfach, denn es gibt gleich eine ganze Reihe unterschiedlicher Varianten: So existieren beispielsweise Wettbewerbe mit sieben, 13 und 15 Spielern.

Anders als im Fußball ist Deutschland beim Rugby keine Supermacht und daher auch nicht beim Six-Nations-Turnier startberechtig, in dem England, Frankreich, Irland, Italien, Schottland und Wales die europäische Krone des Sports unter sich ausspielen. Dass Rugby in diesen Ländern in ganz anderen Dimensionen gespielt wird, zeigt auch ein Blick auf die Zuschauerzahlen: Während man sich beim Länderspiel der deutschen Nationalmanschaft in Heidelberg gegen Favorit Rumänien im März 2016 über die für deutsche Verhältnisse stattliche Zahl von fast 3.200 Rugby-Begeisterten freute, verfügt England mit dem Twickenham Stadium im Südwesten Londons über ein reines Rugby-Stadion mit mehr als 80.000 Plätzen.

Die Spitze des Sports ist aber auch das nicht, denn seit Jahren ist Neuseeland das Maß aller Rugby-Dinge und Weltranglistenerster. In Südafrika und Australien ist Rugby, ebenso wie in unserem Nachbarland Frankreich, eine populäre Sportart. Der Abstand der Deutschen, die gegenwärtig auf Platz 25 der Weltrangliste und damit deutlich niedriger als Fiji, Samoa oder Tonga geführt werden, zur Weltspitze ist groß. Trotzdem ist Rugby seit kurzem auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Beispielsweise gelang der Nationalmannschaft der sportliche Aufstieg in Europas zweitstärkste Liga.

Neu ist der Sport für harte Männer (und Frauen) hierzulande allerdings nicht: Die deutsche Rugby-Tradition reicht immerhin bis ins 19. Jahrhundert zurück. So spielte der „Fußballclub Frankfurt“, Vorläufer des heutigen SC Frankfurt 1880,  bereits 1894 in London gegen ein englisches Team und bei den Olympischen Spielen 1900 holte die deutsche Mannschaft eine Silbermedaille. Auch heute noch ist der SC Frankfurt 1880 ganz vorne mit dabei: Die Hessen wurden in den letzten Jahren mehrfach Deutscher Meister. Die Faszination Rugby erklärt der Ex-Nationalspieler und treibende Kraft hinter dem Frankfurter Rugby, Dr. Ulrich Byszio, damit, dass der Sport Respekt, Fairness, Teamgeist und Sportsmanship lehre. Das seien Tugenden, die Kinder überall gebrauchen könnten. Es gehe um Persönlichkeit, Selbstbewusstsein und Zielorientierung. Schließlich lerne man beim Rugby, Gegner zu besiegen, die größer, schneller und vielleicht stärker seien als man selbst.

 

Wunderbares Gemisch für Raufbolde

Keiner brachte das Selbstverständnis und das Flair des Sports so sehr auf den Punkt wie der walisische Hollywood-Star und lebenslange Rugbyfan Richard Burton: „Rugby ist ein wunderbares Gemisch aus Ballett, Oper und blutigem Mord!“ Auf jeden Fall ist es kein Sport für Zartbesaitete. Ausgestattet ist Rugby immerhin mit dem Selbstverständnis, etwas Besonderes zu sein: Keinem geringeren als dem scharfzüngigen viktorianischen Schriftsteller Oscar Wilde wird folgendes Bonmot zugeschrieben: „Football is a gentleman’s game played by ruffians and rugby is a ruffian’s game played by gentlemen“ (Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, das von Raufbolden gespielt wird, Rugby ist ein Spiel für Raufbolde, das von Gentlemen gespielt wird).

Zu diesen Gentlemen gehört auch Robert Mohr, ein Mann, der früher mit der Nationalmannschaft vor wenigen hundert, im Verein aber meist vor mehreren zehntausend Fans Ball und Gegner hinterherjagte. Jahrelang war Robert Mohr der einzige deutsche Profi, der in Europas Rugby-Stadien sein Geld mit dem Kampf um den ovalen Ball verdiente. 15 Jahre spielte der Zweite-Reihe-Stürmer bei mehreren Vereinen in Frankreich, davon ein Jahrzehnt beim Spitzenclub La Rochelle. Auf bis zu 16.000 Euro Monatsgehalt bringen es Profis in der französischen Liga. Für Fußballer mögen das keine spektakulären Einkünfte sein, auskömmlich leben lässt es sich davon allemal. Mohr hat seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet, inzwischen haben andere deutsche Rugbyspieler den Sprung ins Profigeschäft geschafft. „Wir können jetzt unter professionellen Bedingungen arbeiten“, verrät Bundestrainer Kobus Potgieter.

Die weltweit bekannteste Art des Rugby ist die der Rugby Union. Dabei sind 15 Spieler auf dem Feld. Bei der nach den Regeln der Rugby League gespielten Variante sind es dagegen nur 13. Das Spielfeld ist hier zudem etwas kleiner als bei der Rugby Union. Beim 7er Rugby hingegen gelten strengere Regeln: Beinstellen, Schlagen oder Festhalten am Hals gelten als Foul. Erstmals seit 92 Jahren ist diese Form des Rugbys bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro in diesem Jahr wieder Olympische Sportart.

Seitdem wird der Sport vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) finanziell unterstützt. Dadurch entstand eine neue Situation, die dem Sport auch viele Neueinsteiger zuführen wird. Einige Nationalspieler sind Sportsoldaten und werden von der Bundeswehr gefördert und inzwischen kann die Nationalmannschaft die Olympiastützpunkte für ihr Training nutzen. Allerdings steht nicht Potgieters 15er-Nationalteam dabei im Mittelpunkt, sondern die 7er-Mannschaft und damit die olympische Variante des Sports. „Das ist ganz klar getrennt“, sagt Mohr, „aber das ist auch gut so“.

 

Sponsoren bringen Rugby an die Schulen

Trotzdem kann die 15er-Nationalmannschaft bereits jetzt mehr Geld für Trainer und Sportstätten ausgeben, als es Optimisten noch vor wenigen Jahren zu träumen gewagt hätten. Dies verdanken sie allerdings nicht den Olypischen Spielen und dem IOC, sondern Hans-Peter Wild und dessen im Jahr 2007 gegründete „Wild Rugby Academy“, die unter dem Motto „We make rugby grow“ den deutschen Rugbysport organisatorisch und finanziell fördert. So stellt die Akademie beispielsweise die beiden deutschen Nationaltrainer Kobus Potgieter und Pieter Jordaan. Darüber hinaus setzen sich 15 Sportlehrer seit mehreren Jahren dafür ein, Rugby an den Schulen zu etablieren. Im September erhöhten Stiftung und Sponsor noch einmal das Budget, so dass jetzt noch mehr Mittel für Trainingsplätze, Ausrüstung und Wettkampfreisen bereit stehen. Nach eigenen Angaben erarbeiteten die Trainer der Wild Rugby Academy im Rahmen dieser Förderung wesentliche Pläne für die Verbesserung der Skills, Fitness und Dynamik der deutschen Nationalspieler, um die Trainingsmethoden auf das Niveau etablierter Nationen zu heben. Das freut natürlich auch den Bundestrainer: „Das zusätzliche Geld ist mit Sicherheit der Hauptgrund, dass wir zuletzt so erfolgreich waren. Entscheidend ist, dass ich jetzt einen größeren Spielerpool zur Verfügung habe als noch vor ein paar Jahren.“ Damit scheinen gute Voraussetzungen für eine spannende Rugby-Zukunft geschaffen.

Interessante Rugby-Links:

www.rugby-verband.de
Deutscher Rugby Verband

www.worldrugby.org
Weltverband 15er-Rugby

www.rlef.eu.com
Europäischer Verband 13er-Rugby

www.sc1880.de
Traditionsreicher Frankfurter Club

www.wildrugbyacademy.de
Rugbysport-Förderung in Deutschland

Jetzt Newsletter abonnieren

Jetzt Newsletter abonnieren

Erfahren Sie, was wichtig ist - mit dem kostenlosen Newsletter des !derivate Magazins

Sie haben sich erfolgreich für den Newsletter angemeldet!