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Alle Wege führen zum Aktienmarkt

Foto: Iakov Kalinin / Fotolia

Ohne jede Frage befinden wir uns in einer fortgeschrittenen, ja regelrecht späten Phase eines Börsenaufschwungs. Seit dem Überwinden der Finanzkrise 2007 bis 2009 steigen die Kurse auf dem Aktienmarkt mehr oder minder konstant.

Auch wenn sich die Unternehmensgewinne seit der damaligen Zeit durchaus ordentlich entwickelt haben, sind die Bewertungen mittlerweile auf ein ambitioniertes Niveau geklettert. Besonders bei den viel beachteten Werten aus der ersten Reihe, den 30 Unternehmen aus dem DAX, sind wir auf einem auch im langjährigen Vergleich nicht übertriebenen, aber durchaus sportlichen Level angekommen. Nüchtern betrachtet stagnieren die Gewinne seit Jahren, während der Markt bei einem Stand des Leitindex von rund 10.500 Punkten mit einem aggregierten Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 15 eine gewisse Dynamik antizipiert.

In diesem Umfeld kommt kein Anleger mehr am Aktienmarkt vorbei.

Somit schiene eine auch längere Korrektur als Konsequenz logisch. Vielleicht sogar zwangsläufig, mögen Skeptiker ins Feld führen. Die Melange aus angezogener Bewertung, fehlenden neuen Impulsen und fortgeschrittener Hausse ist eine brisante Mischung und kann zu einer deutlichen Korrektur an den Märkten führen. Wir unterstreichen das Wort „kann“, denn zwangsläufig ist an den Finanzmärkten überhaupt nichts und alle hier bemühten historischen Vergleiche mangeln momentan daran, dass die Situation im Jahr 2016 und wohl auch noch für eine längere Zeit besonders und somit anders ist.

Der Druck steigt

Denn die in der Geschichte einmalige Politik der Notenbanken, über eine Niedrigzins- beziehungsweise Negativzinspolitik der Realwirtschaft und den Finanzmärkten einen besonderen Impuls zu geben, schafft besondere Umstände: nachhaltig, gravierend und umfassend. Denn die fehlende Attraktivität der Anleihenmärkte, an denen Anlegern mittlerweile selbst bei Unternehmen von durchschnittlicher Schuldnerqualität praktisch keine Zinsen beziehungsweise bei Staatsanleihen sogar negative auf ausgeliehenes Geld in Form von Anleihen „erhalten“, ist von ihren Auswirkungen noch überhaupt nicht am Ende der Fahnenstange angekommen.

Bedenken Sie: Mit jedem Tag, an dem es keine oder gar negative Verzinsungen auf Anleihen und sonstige Fremdkapitalanlagen geht, steigt der Druck auf Geldverwalter, sich alternative Investitionsmöglichkeiten zu suchen. In den vergangenen Jahren wurden mangelnde Verzinsungen noch durch Kursgewinne bei Bonds oder Altbestände mit hohen Zinskupons zumindest in Teilen kompensiert. Doch ist dieses Blatt immer mehr ausgereizt. Für ältere Anleihen, die ausgelaufen sind, finden sich kaum noch Bonds mit vergleichbar hohen Coupons.

Der Mangel an Alternativen bleibt ein starkes Argument.

Fast schon zwangsläufig müssen sich Anleger deshalb nach neuen Investitionsmöglichkeiten umschauen. Gerade da, wo über Renditezusagen oder -erwartungen der Druck hoch ist, beispielsweise bei Versicherungsunternehmen, Pensionskassen oder sonstigen Kapitalsammelstellen, ist das Interesse an Alternativen zur einstmals fest gesetzten Anleihe immens. Das zweifelsohne vorhandene Geld sucht Investitionsmöglichkeiten, seien es Immobilien, Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen (Private Equity) oder auch natürlich Aktien und Aktienfonds.

Immenses Aufholpotential

Diese grundlegende Verschiebung ist, insbesondere in Deutschland, noch in den Anfängen. Gleichwohl ist das Potenzial für derartig künftige Verschiebungen ausgesprochen groß. Zahlreiche professionelle Kapitalsammelstellen arbeiten in Deutschland, oftmals auch durch ein vergleichsweise enges regulatorisches Korsett beeinflusst, mit einer ausgesprochen niedrigen Quote von Aktieninvestitionen. Auf mittlere Sicht sind hier Anpassungen fast schon unumgänglich.

Ähnlich gelagert ist die Situation beim Aktienbesitz von Privatpersonen. Hier ist der Anteil derer, die sich über direkte Investitionen in Einzelwerte oder auch über indirekte Engagements via Aktienfonds am Produktivvermögen der Volkswirtschaft beteiligen, im internationalen Vergleich nach wie vor ausgesprochen gering. Im Umkehrschluss heißt das auch hier: Das Aufholpotenzial ist immens, was auch ein weiterer Treiber für die Aktienmärkte sein kann.

Das Interesse an Aktien steigt langsam, aber das Potenzial ist noch riesig.

Abzulesen ist diese Entwicklung beispielsweise an der Gesamtzahl der direkten und indirekten (über Fonds beteiligten) Aktionäre in Deutschland, die regelmäßig vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) erhoben wird. So war 2015 nach DAI-Berechnungen nach Jahren tendenziellen Abschwungs eine erste Wiederbelebung erkennbar. Die Anzahl der Aktionäre und Fondsanteilinhabern kletterte um 600.000 gegenüber dem Vorjahr. Ein Treiber war die ansteigende Zahl von Belegschaftsaktionären, aber auch in den anderen Segmenten kletterte die Zahl der Investoren. Dieser Trend sollte vor dem Hintergrund der genannten starken Verschiebung aus Zinsanlagen anhalten und es ergibt für Anleger Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie sich in diesem Umfeld positionieren wollen.

Verschiedene Anlagemöglichkeiten

Für den Anleger eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten, sich am Aktienmarkt zu engagieren. Welche die beste ist, hängt zwar vom Risikoprofil und Know-how des Investors ab, kann aber schlussendlich nur von ihm gegebenenfalls in Rücksprache mit seinem Bank- oder Vermögensberater abschließend beurteilt werden. Vom Einzelfall losgelöst lassen sich aber ein paar generelle Unterschiede zwischen den verschiedenen Formen benennen.

Die Direktanlage in Einzelwerte ist sicher die Königsdisziplin und setzt voraus, dass der Anleger sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen kann und die entsprechenden Unternehmen in ihrer Geschäftsentwicklung eng verfolgen und die Geschehnisse dort beurteilen kann. Hier sind sicher große Renditechancen, aber auch die höchsten Risiken anzutreffen.

Einzelwerte, Fonds oder ETFs – Was ist sinnvoll?

Die wahrscheinlich schlichteste und unspektakulärste Variante ist die Investition in Indexprodukte, auf Fondsbasis neudeutsch ETFs (Exchange Traded Funds) genannt. Mit diesen Wertpapieren folgen Anleger mit relativ wenig laufenden Kosten nahezu deckungsgleich den jeweiligen Aktienindizes, beispielsweise dem DAX. Größter Pluspunkt ist die geringe Kostenbasis, nachteilig die nicht vorhandene Möglichkeit, besser als der Markt abzuschneiden. Bei allen im Index enthaltenen Unternehmen, bei denen Geschäft und Kursverlauf überhaupt nicht erfreulich sind, nimmt der Anleger dennoch als Investor teil.

Wer das umgehen will und bereit ist, ein wenig mehr zu bezahlen, wählt stattdessen aktiv gemanagte Fonds. Bei diesen fallen zwar tendenziell höhere Gebühren an, jedoch nimmt der Anleger diese oft gar nicht wahr, weil sie fortlaufend vom Kurs abgezogen werden und der Anleger auf den diversen Finanzportalen nur die Nettopreise zu Gesicht bekommt. Entwickelt sich ein Fonds besser als der Index, dann ist dies bereits nach Abzug der Kosten betrachtet. Diesen Anspruch sollten Anleger hier jedoch auch haben und nur in Fonds investieren, die ihre Klasse schon über einen langen Zeitraum (mindestens fünf, besser noch zehn Jahre) gezeigt haben. In diesem Zusammenhang können Ratings bekannter Finanzdienstleister wie Morningstar oder Auszeichnungen wie der „Deutsche Fondspreis“ wertvolle Hinweise auf die Qualität eines Fonds geben und die Auswahl für den Investor erheblich erleichtern.

Roger Peeters und Christoph Frank

geschäftsführende Gesellschafter, pfp Advisory (pfp)

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