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Crowdfunding – Die Zukunft der Finanzierung

Foto: JeremyRichards / Shutterstock

Crowdfunding ist in aller Munde, aber was genau ist Crowdfunding und wie funktioniert es? Was für Möglichkeiten hat man, wenn man über Crowdfunding etwas finanzieren will? Ist es überhaupt ein neues Phänomen? Diesen Fragen widmet sich das Derivate Magazin.

Tatsächlich ist das, was Crowdfunding ausmacht, keine neue Finanzierungsmethode. Eines der wohl bekanntesten Projekte, die je durch Crowdfunding finanziert wurden, ist der Sockel der Freiheitsstatue in New York. 1885 fehlte das Geld für eben diesen Sockel. Der Staat New York stellte das Geld nicht zur Verfügung. Joseph Pulitzer, der Herausgeber der Zeitung „The New York World“ lud die New Yorker ein, Geld für den Bau des Sockels zu spenden. Jeder, der mindestens einen Dollar spendete, erhielt zum Dank seinen Namen in der Zeitung abgedruckt. Innerhalb kürzester Zeit kamen mehr als die fehlenden 100.000 Dollar zusammen.

Über 100 Jahre später, 1997, bot die britische Rockband Marillion ihren Fans per E-Mail an, sich an der Vorfinanzierung ihres neuen Albums zu beteiligen. Sie sammelten so über 60.000 Dollar von mehr als 12.000 ihrer Fans ein.

Diese Beispiele zeigen, dass Crowdfunding vielschichtig ist. Zum einen unterstützen Menschen Projekte aus Großzügigkeit durch Spenden, zum anderen, um durch einen Vorverkauf entweder schneller oder günstiger an Produkte zu kommen. Das Spenden- und das Vorverkaufsmodell sind die bekanntesten Crowdfunding-Methoden. Doch Crowdfunding ist wesentlich vielseitiger. Zum Crowdfunding gehören inzwischen auch feste Finanzierungsmodelle, zum Beispiel von Immobilien, Firmenbeteiligungen, Krediten usw.

Wachstum und Marktgröße
2006 begann das moderne Crowdfunding über das Internet. 2011 wuchs dieser Markt auf ca. 1,1 Milliarden Dollar an, 2015 wurden weltweit mehr als 36 Milliarden Dollar für Crowdfunding-Projekte eingesammelt. Zum ersten Mal wurde Startups mittels Crowdfunding somit mehr Geld zur Verfügung gestellt als durch Venture Capital. Die Weltbank sagt bis 2025 ein Wachstum auf jährlich 300 Milliarden Dollar voraus.

Crowdfunding hat in den USA inzwischen mehr als zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Deutschland ist noch einer der kleineren Märkte. Aber auch hierzulande zeigen die Zahlen einen deutlichen Trend: 2015 wurden für Crowdfunding-Projekte 50,7 Millionen Euro eingesammelt. Im ersten Halbjahr 2016 waren es bereits 67,6 Millionen Euro. Crowdfunding ist eine nicht mehr wegzudenkende feste ökonomische Größe in der Weltwirtschaft.

Einfache Funktionsweise
Viele Menschen haben Ideen, für deren Umsetzung Kapital gesucht wird. Der Zugang zu Geld ist jedoch nicht für jedermann gegeben. Banken wollen oftmals zu hohe Sicherheiten. Darüber hinaus gilt: Wenn der gesuchte Betrag zu gering ist, sind Banken meist nicht an einer Kreditvergabe interessiert.

Venture Capital bietet wieder andere Möglichkeiten des Kapitalzugangs, aber die Konditionen sind meist wenig optimal. Diese Lücke schließt Crowdfunding, das sich u.a. deshalb in den letzten 10 Jahren etabliert hat. Der Begriff Crowdfunding bedeutet „Finanzierung durch eine große Anzahl von Menschen“. Dieses Finanzieren geschieht in der Regel über das Internet.

Sucht eine Person zum Beispiel Geld für eine Idee – das Projekt, kann sie dies über eine sogenannte Crowdfunding-Plattform im Internet bekannt geben. Auf der Plattform stellt der Geldsuchende sich und sein Projekt vor und wird von tausenden von Menschen gesehen. Innerhalb von in der Regel 30 Tagen geben dann interessierte Menschen Geld für das Projekt.

Die Beträge, die einzelne Menschen geben, sind meistens klein, von 20 bis 500 Euro, entsprechend ihren finanziellen Mittel, ihrer Risikobereitschaft oder ihrem Interesse am angebotenen Projekt. Mehrere hundert Personen bringen so sehr schnell das gesuchte Geld auf. Oftmals wird dabei ein Projekt sogar überfinanziert, sprich, der Geldsuchende erhält häufig deutlich mehr Geld als er gesucht hatte.

Wurde das Finanzierungsziel erreicht, erhält der Geldsuchende nach Ablauf des Finanzierungszeitraums das gesammelte Geld abzüglich der Gebühren der Crowdfunding-Plattform. Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, geht das Geld zurück an die Geldgeber.

Geschäftsmodell Crowdfunding
Für erfolgreich finanzierte Projekte ist eine Gebühr von 5 Prozent marktüblich, die die Crowdfunding-Plattform vom eingesammelten Gesamtbetrag einbehält. Die Kosten des Geldtransfers trägt der Projektinhaber.

Im Crowdfunding üblich sind Spenden und Produktvorverkäufe, um Projekte zu finanzieren. Mit diesem Geschäftsmodell kam 2009 das US-Unternehmen Kickstarter an den Markt. Heute, nach ca. siebeneinhalb Jahren, hat Kickstarter über 12 Millionen Nutzer und mit seiner Plattform über 117.000 Projekte mit Geldgebern zusammen gebracht. Insgesamt hat Kickstarter 2,8 Milliarden Dollar nur aus dem Spenden- und Vorverkaufsmodell eingesammelt. Davon hat Kickstarter 5 Prozent an Gebühren – was 140 Millionen USD entspricht – eingenommen.

Startup aus Deutschland
Auch in Deutschland schläft die Branche nicht. So baut ein Frankfurter Team um Alexander Holtermann und Ian Wright derzeit eine Crowdfunding-Plattform auf – iCrowdU.com heißt sie. Je einen Sitz in Hongkong und in San Francisco hat das vor einem Jahr gegründete Startup bereits. Kürzlich ging das Unternehmen mit dem ersten Abschnitt seiner Website live. Noch kann man keine Projekte darüber finanzieren, „aber man kann schon seine Crowd aufbauen“, sagt Alexander Holtermann, CEO von iCrowdU. „Ohne die Crowd läuft nichts. Das wird im Crowdfunding oftmals unterschätzt. Erst wenn Sie eine gewisse Anzahl von Menschen erreichen, können Sie ein Projekt erfolgreich finanzieren. Bei iCrowdU kommt die Crowd vor dem Funding. Deshalb starten wir mit diesem Modul.“

iCrowdU unterscheidet sich in vielen Punkten von den rund 2.000 CrowdFunding-Plattformen, die weltweit entstanden sind. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass es durch iCrowdU zum ersten Mal in der Geschichte des Crowdfundings möglich sein wird, verschiedene Arten des Crowdfundings parallel für ein Projekt einzusetzen. iCrowdU nennt dies „Konsolidiertes Crowdfunding“. „Das Prinzip des Konsolidierten Crowdfundings ist, die Bandbreite der potenziellen Geldgeber wesentlich zu erhöhen“, kommentiert Holtermann. „Biete ich nur das Spendenmodell für mein Projekt an, kann ich nur an die Großzügigkeit von Spendern appellieren. Biete ich hingegen auch eine Beteiligung an meinem Projekt an, oder dass ich einen Kredit gegen Zinsen suche oder ich vielleicht bereit bin, Umsatzerlöse zu verkaufen, dann erreiche ich wesentlich mehr Geldgeber. Mein Projekt wird somit deutlich attraktiver.“ Bis zu fünf verschiedene Finanzierungsarten kann der Projektanbieter flexibel gestaltbar auf iCrowdU.com mit seinem Projekt verknüpfen.

Ausbau durch Crowdfunding
iCrowdU ist selbst ein Crowdfunding-Projekt. Das Team von iCrowdU ist die erste Crowdfunding-Plattform, die durch Crowdfunding finanziert wird. „Wir suchen zur Zeit 1 Million Euro zur Finanzierung unseres Ausbaus“, erklärt Ian Wright, COO von iCrowdU. „Ab 150 Euro kann jeder dabei sein. Dafür kann man schon einen kleinen Anteil von iCrowdU kaufen. Wir freuen uns über jeden, der an unserer Idee teilhaben möchte.“

Ein deutscher Unternehmer war auf iCrowdU aufmerksam geworden und will 5 Millionen Euro über Crowdfunding einsammeln. iCrowdU hat für ihn ein Modell speziell für den chinesischen Markt entwickelt, das im Frühjahr an den Start gehen wird. „Das Beste an unserem Modell ist, dass es komplett risikofrei ist“, erklärt Alexander Winkler, CFO von iCrowdU. „Ein Unternehmer sucht Kapital. Er stellt bereits ein Produkt her, das er nicht über die normalen Vertriebskanäle verkauft, sondern über Crowdfunding. In der Regel macht der Vertrieb 50–70 Prozent des Preises für den Endkunden aus. Dieses Geld kann der Unternehmer nutzen. Dabei hilft iCrowdU.“ iCrowdU expandiert bereits in China, wo es über hervorragende Regierungs- und Geschäftskontakte verfügt.

Erfolg durch CrowdPromotion
Das Modell, das iCrowdU hierfür entwickelt hat, heißt CrowdPromotion. Die Idee dahinter ist, für den Endkunden Zugang zu einem möglichst günstigen Produkt zu schaffen. Während bei eBay der Preis für ein Produkt steigt und nur einer gewinnt, fällt bei iCrowdU der Preis und alle gewinnen.

iCrowdU kommt zum Beispiel mit einer Mini-Bierbrauerei eines Kunden aus den USA auf den Markt. Die Mini-Bierbrauerei kostet im Einzelhandel 120 Dollar. Bei iCrowdU wird sie eingangs 100 Dollar kosten. Die Promotion-Phase dauert 30 Tage. Sobald die ersten 5.000 Einheiten über die iCrowdU-Plattform vorbestellt sind, fällt der Preis auf 90 Dollar. Sind 10.000 Einheiten vorbestellt, sinkt der Preis auf 80 Dollar usw., bis der vom Kunden vorgegebene Tiefstpreis von 60 Dollar bei einer bestimmten Anzahl von bestellten Einheiten erreicht wird. Erst am Ende der 30 Tage bezahlt jeder den gleichen Preis. Der Anreiz für den einzelnen besteht darin, Freunde und Bekannte – seine Crowd – auch zur Plattform von iCrowdU einzuladen, damit alle vom günstigen Preis profitieren können. „Für den anbietenden Unternehmer ist das Risiko gleich null, er kann nur gewinnen: Verkauft er seine Produkte, verdient er Geld. Verkauft er nichts, hat er keine Kosten“, sagt Holtermann. „iCrowdU verdient 5 Prozent an jedem verkauften Produkt. Eine echte Win-Win-Win-Situation!“

Alexander Holtermann

CEO & Gründer von iCrowdU ist Börsen- und Finanzierungsprofi mit über zwanzig Jahren internatio- naler Erfahrung.

www.iCrowdU.com

Ian Wright

COO & Mitgründer von iCrowdU ist Produkt- Designer mit Fokus auf Finanzierungen und internationalen Vertrieb.

www.iCrowdU.com

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