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Die klassische Dividendenstrategie ist besser als ihr Ruf …

Die Dividendenstrategie ist beliebt, einfach und erfolgversprechend, aber auch mit Vorsicht zu genießen, wie Kapitalmarktstratege und Buchautor Ulrich W. Hanke im Interview erklärt.

Herr Hanke, in Ihrem Buch „Börsenstars und ihre Erfolgsrezepte“ stellen Sie unter anderem die Dogs of the Dow von Michael O’Higgins vor. Was hat es damit auf sich?

Ulrich W. Hanke: Michael O’Higgins beschrieb seine Strategie 1991 in seinem Buch mit dem Titel „Beating the Dow“. Und genau darum ging es ihm, nämlich den Dow-Jones-Index zu schlagen. Dabei setzt er auf die zehn Aktien der 30 Dow-Titel mit der höchsten Dividendenrendite.

Das klingt sehr einfach. Funktioniert das denn auch?

Ulrich W. Hanke: Ja, sehr gut, weniger ist manchmal mehr. In den vergangenen zehn Jahren hat die Strategie jährlich eine Rendite von 10,6 Prozent abgeworfen, während der Dow nur um 9,1 Prozent pro Jahr zulegte. Verfeinert man die Strategie und beschränkt sich auf die fünf der zehn Titel mit dem optisch niedrigsten Kurs, die Small Dogs, stehen sogar jährlich 12,8 Prozent zu Buche.

Welche Aktien sind das?

Ulrich W. Hanke: Die Small Dogs sind Verizon, Pfizer, Merck, Wal-Mart und Cisco Systems. In den ersten knapp neun Monaten haben die fünf Titel im Schnitt rund 14,5 Prozent zugelegt – Dividenden nicht berücksichtigt, der Dow nur um rund 5,6 Prozent.

Und welches sind die Small Dogs of the DAX?

Ulrich W. Hanke: Da wäre ich vorsichtig! Die Strategie ist nicht eins zu eins vom Dow Jones auf den DAX zu übertragen. Aber um Ihre Frage zu beantworten, das sind E.ON, Daimler, ProSiebenSat.1, Lufthansa und Telekom. Mir gefällt davon aktuell nur die Daimler-Aktie.

Warum ist die Strategie Ihrer Meinung nach nicht übertragbar? 


Ulrich W. Hanke: Der deutsche Leitindex DAX ist nicht der Dow. Die Zusammensetzung ist eine völlig andere und auch die Liquidität. Die US-Aktien sind einfach viel dickere Fische im weltweiten Teich. So hat es der DivDAX, ein Index mit den 15 dividendenstärksten Titeln, seit seiner Einführung im März 2005 auch nicht geschafft, besser als der DAX abzuschneiden. Man darf dabei einfach nicht vergessen, warum O’Higgins die Titel anhand der Dividendenrendite auswählt.

Nämlich?

Ulrich W. Hanke: Die Titel werden mit dem Begriff Dogs, also als Hunde, bezeichnet, was im Amerikanischen für eine minderwertige Sache steht. Im Bezug auf Aktien sind damit die Titel gemeint, die in der Vergangenheit besonders schlecht abgeschnitten haben. Und auf diese Titel hat es O’Higgins abgesehen. Denn er fand heraus, dass die Aktien aus dem Dow Jones, die sich im vergangenen Jahr besonders schlecht entwickelten, im darauffolgenden Jahr besonders stark zulegen. Die Dividendenrendite war da nur eine Kennzahl, um den Kursrückgang zu bestimmen. Denn sie kann hoch ausfallen, wenn die Dividende hoch ist oder der Aktienkurs niedrig. Und O’Higgins ging es eher um den Kurs.

Das heißt, bei der klassischen Dividendenstrategie geht es gar nicht um die Gewinnausschüttung? 


Ulrich W. Hanke: Das könnte man so sagen. Jedenfalls geht es nicht darum, die Dividende als neuen Zins zu kassieren, wie das heute teils verstanden wird. Natürlich ist es keine schlechte Idee, Aktien zu wählen, bei denen es Jahr für Jahr eine hohe und nachhaltige Gewinnausschüttung gibt, das spricht ja für ein gesundes Unternehmen, aber die Dividende sollte dann doch nie das einzige Kriterium sein. Das funktioniert in statischer Form nur bei den Dogs of the Dow.

Nicht jedem Börsenstar ist die Dividende übrigens überhaupt einen Blick wert. Prominentestes Beispiel ist da Warren Buffett. Einem Benjamin Graham, Urvater des Value-Investing und Buffetts Lehrer, war eine ununterbrochene Dividende über 20 Jahre wichtig. John Neff, Peter Lynch und David Dreman bevorzugen eine Dividendenrendite, die überdurchschnittlich ist – aber stets als ein Kriterium unter vielen.

Ulrich W. Hanke

Herausgeber des Börsenbriefs www.boersianer.info

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