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Die perfekte Öko-Ehe

Foto: kynny / iStock

Die Erneuerbare-Energien-Branche befindet sich im Umbruch: Einerseits profitiert sie vom Atomausstieg und der gestiegenen Nachfrage seitens der Verbraucher, andererseits sinken die Strompreise infolge des niedrigen Ölpreises.

Zudem steht die bisherige Praxis der Ökostrom-Förderung seitens der Bundesregierung auf dem Prüfstand:

Bislang wurden feste Abnahmepreise bezahlt, künftig soll die Höhe der Vergütung nicht mehr durch fixe Abnahmepreise definiert, sondern im Rahmen einer Ausschreibung ermittelt werden. In der Konsequenz verschärft sich der Wettbewerb und die Margen geraten unter Druck. Hier kann Größe ein entscheidender Vorteil sein. Ein guter Zeitpunkt also, sich nach profitablen Allianzen umzusehen und Synergieeffekte zu nutzen.

Ein Beispiel dafür ist ...

… der in Hamburg ansässige und nach eigegenen Angaben größte deutsche Solarparkbetreiber Capital Stage, der in den vergangenen Jahren durch dynamisches Wachstum beeindruckte: Wurden 2014 noch 71 Mio. Euro hauptsächlich mit Solarenenergie umgesetzt, waren es im Jahr darauf schon 112 Mio. Euro; seit 2010 beträgt das kumulierte jährlich Wachstum über 50 Prozent. Hierbei liegt der Fokus auf dem Erwerb bereits bestehender Anlagen im In- und Ausland, dadurch konzentriert man sich auf den risikoärmeren Teil im Lebenszyklus einer Anlage. Ende Mai gab Capital Stage ein öffentliches Übernahmeangebot für den bayerischen Konkurrenten Chorus Clean Energy ab. Ziel der Hamburger ist es, so einen der größten unabhängigen deutschen und europäischen Betreiber für die Erzeugung von Windkraft- und Solarstrom mit einer Gesamtkapazität von über 900 Megawatt enstehen zu lassen – derzeit beläuft sich die von Capital Stage erzeugte Strommenge auf 570 Megawatt.

Auch Chorus Clean Energy befindet sich auf Wachstumskurs und vermeldete Ende Juni die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte: 120 Mio. Euro ließ man sich den Kauf von vier Windparks an der französischen 
Atlantikküste mit einer Gesamtleistung von 62 Megawatt kosten. Dadurch erhöht sich die Gesamtkapazität der Stromproduktion auf nahezu 400 Megawatt. Anders als Capital Stage liegt der Schwerpunkt bei Chorus auf der Windenergie. Damit sind die Erlöse aus dem Börsengang im Herbst letzten Jahres weitgehend investiert. Beenden will man den Expansionskurs aber nicht: Weitere Investitionen sind schon „in naher Zukunft“ geplant.

Übernahmen oft die bessere Lösung

Eine Zusammengehensvereinbarung ist bereits abgeschlossen und die Eckpfeiler für die Vorgehensweise festgelegt. Abgewickelt werden soll die Transaktion im Gesamtvolumen von ca. 320 Mio. Euro durch einen Aktientausch: Die Aktionäre von Chorus sollen für drei eigene fünf Aktien von Clean Stage erhalten. Die Finanzierung erfolgt durch eine Sachkapitalerhöhung um bis zu 46 Mio. Euro, die Anfang Juli auf einer außerordentlichen Hauptversammlung von Capital Stage beschlossen werden soll. Warum man sich gerade für diese Vorgehensweise entschieden hat, wird nach einem Blick auf eine Studie der Schweizer Patrimonium Asset Management schnell klar: Von den untersuchten 173 Mittelstandsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 6,8 Mrd. Euro waren 23 Prozent bereits ausgefallen. Bei Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien, auf die mit 1,1 Mrd. Euro 16,2 Prozent des Gesamtvolumens entfallen, sind es sogar 68 Prozent. Das Ende der Fahnenstange, so die Schweizer, sei hier noch nicht erreicht. Gemeinsam verfügen Capital Stage und Chorus dann über ein komplementäres Portfolio, das sich auf Länder mit stabilen Förderungsstrukturen wie Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien konzentriert – gegen Schwankungen der Währungskurse als Folge der Brexit-Entscheidung hat man sich klugerweise langfristig abgesichert. Neben der dann erreichten Größe, die ja fast einer Kapazitätsverdoppelung entspricht und dadurch neue Möglichkleiten auch auf dem Akquisemarkt eröffnet, sind zwei weitere Vorteile auszumachen: Einerseits kann man durch die Zusammenlegung zentraler Funktionen etwa in der Verwaltung Synergien realisiseren und damit Kosten sparen, andererseits wird die stärkere Diversifizierung des Angebots von den Kapitalmärkten als risikomindernder Effekt wahrgenommen und hat damit in der Regel positive Auswirkungen auf die Bewertung an den Börsen.

Giganten auf Partnersuche

Nicht nur Mittelständler suchen nach neuen Partnern, auch die Großen der Branche wie etwa EnBW oder Siemens sind dabei, ihr Portfolio durch Zukäufe zu erweitern: So genehmigte das Bundeskartellamt Anfang März die Übernahme der Aktivitäten des Berliner Ökostromanbieters Grundgrün Energie GmbH im Zuge einer geschäftlichen Teilaufgabe durch den Stromgiganten EnBW. Die Badener hatten bereits 2015 ihr Direktvermarktungsangebot praktisch verdoppelt.

Auch aufseiten der Anlagenproduzenten konsolidiert sich der Markt: Mitte Juni wurde die Fusion der Windkraftsparte von Siemens Wind Power mit dem spanischen Produzenten Gamesa Corporación Tecnológica bekannt. 2017 soll ein gemeinsames Unternehmen gegründet werden, an dem Siemens 59 Prozent hält und das mit einem kombinierten Umsatz von über 9 Mrd. Euro die Nummer zwei der Turbinenproduzenten, das dänische Unternehmen Vestas Wind Systems, überflügeln würde. Auch das deutsch-spanische Projekt will sich durch Größe auf profitable Weise gegen sinkende Wachstumsraten und den steigenden Wettbewerbsdruck aus China wappnen.

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