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Ein Dauerbrenner

Foto: sinemaslow / iStock

Indizes als Basiswert sind sowohl bei Anlage- als auch bei Hebelprodukten sehr beliebt.

Investments in den DAX, wie sie heute gang und gäbe sind, waren bis vor gut zwei Jahrzehnten noch sehr selten oder gar nicht möglich. Mittlerweile ist die Fülle an Index-Zertifikaten kaum überschaubar. Neue Ideen erobern den Markt und treffen mitunter auf steigende Nachfrage. Die Aussage, dass Index-Zertifikate ein Dauerbrenner und keine vorübergehende Modeerscheinung sind, ist nicht übertrieben. Ein Rück- und Ausblick.

Wie alles begann:
Wie alles begann: Im Sommer 1990 schlug die Geburtsstunde der Index-Zertifikate. Der Grundstein für eine bahnbrechende Finanzinnovation wurde gelegt und der Boom des Indexing eingeleitet. Damals startete die Dresdner Bank den Handel mit sogenannten DAX-Participations, kurz „DAX-PS“ oder auch „Partizipationsscheine auf den Deutschen Aktienindex“. Mit dem DAX-Participations eröffnete sich erstmalig die Chance, direkt in einen Index zu investieren. Die Mindestordergröße betrug dabei 50 DAX-Participations, was etwa 10.000 DM entsprach. Adressaten waren in erster Linie institutionelle Investoren. Das DAX-PS (WKN 879463) spiegelte die Wertentwicklung des deutschen Aktienindex im Verhältnis annähernd eins zu zehn zuzüglich eines Aufschlags von 1,50 DM wider.

Was im Kleinen begann, setzte sich unvermindert fort. Heutzutage sind sie im Universum der strukturierten Wertpapiere längst etabliert. „Index-Zertifikate sind die transparenteste und meistens auch kostengünstigste

Art, breit und diversifiziert in den Aktienmarkt zu investieren“, sagt Nicolai Tietze, Produktexperte von Deutsche Bank X-markets. Matthias Hüppe, Zertifikate-Experte bei der HSBC in Düsseldorf, ergänzt in diesem Kontext: „Index-Zertifikate waren, zum damaligen Unwillen der Asset Manager, der Wegbereiter für die Akzeptanz von passiven Index-Investments in Deutschland. Zertifikate haben somit auch zum großen Erfolg der ETFs beigetragen.“

Marktabdeckung und Risikodiversifikation
Dynamik erfuhren Index-Zertifikate durch die Abschaffung der zeitlichen Begrenzung der Laufzeit. Der Erfolgsgeschichte liegen dabei mehrere Faktoren zugrunde. Schnelligkeit und Preis spielten bei der Konstruktion und dem Zulassungsverfahren den Partizipations-Zertifikaten im direkten Vergleich zu den Publikumsfonds in die Hände. Die Emittenten konnten rasch auf aktuelle Marktentwicklungen reagieren und diese in Produkte ummünzen. Darüber hinaus eröffnen Index-Investments die Chancen, mit einem einzigen Finanzvehikel einen Markt abzudecken und damit das Risiko zu verteilen.

Investoren, die beispielsweise nach der Wirtschafts- und Finanzkrise ein einfaches DAX-Index-Zertifikat gekauft und bis zum heutigen Tag gehalten haben, konnten zwischenzeitlich satte Gewinne realisieren. Die Erfolgsgeschichte spiegelt sich auch im Marktvolumen wider. Das in Index-Zertifikate investierte Volumen kletterte im Juni 2007 auf mehr als 5,9 Mrd. Euro. Der signifikanten Bedeutung von Index-Zertifikaten innerhalb der Portfoliodiversifikation konnte auch der Rückgang des Anlagevolumens auf aktuell 3,9 Mrd. Euro (Juli 2016) nichts anhaben. Immerhin liegt ihr Anteil am Gesamtvolumen konstant um die 6,0 bis 6,5 Prozent. Anleger, die ein Index-Zertifikat bei ihrer Anlageentscheidung ins Auge fassen, müssen sich natürlich auch darüber im Klaren sein, in welchen Index sie letztlich investieren wollen. Hier dominieren nach wie vor die bekannten Dickschiffe mit dem DAX an vorderster Front.

Ausgeprägte Heimatverbundenheit
Laut einer Umfrage des Deutschen Derivate Verbands vom Mai 2016 setzen fast 70 Prozent der Privatanleger in Deutschland bei einem Index-Investment zunächst auf den DAX. Mit gehörigem Abstand folgen die wendigeren Kleinschiffe MDAX und/oder SDAX. Auf dem dritten Platz landete mit 9,4 Prozent der amerikanische Dow Jones noch vor dem europäischen Euro Stoxx 50, den 6,8 Prozent der Befragten bei ihrer Indexauswahl primär berücksichtigen. Für den japanischen Leitindex Nikkei 225 votierten lediglich 4,2 Prozent. Kurzum: In Zeiten der Globalisierung ist die Heimatverbundenheit in Finanzangelegenheiten weiterhin stark ausgeprägt.

Dennoch fährt der Index-Zertifikate-ICE mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Neue Indizes werden geboren: So rekurriert man beispielsweise auf Mega-Trends wie den demografischen Wandel oder Nachhaltigkeit. „Mit Index-Zertifikaten lässt sich schnell und diversifiziert in einen Trend beziehungsweise ein Thema investieren“, meint dazu Nikolai Tietze an dieser Stelle. Zu Recht. Über die einfache Idee der Partizipation und Bündelung in einem einzigen Produkt kann sich der Anleger quasi die Zukunftssegmente und mitunter bahnbrechenden Innovationen ins Depot legen. Der Investor agiert am Puls der Zeit. Beispiele gibt es mittlerweile en masse.

Erfolgversprechende Subthemen
So sind Auswirkungen als auch mögliche Ertragschancen des demografischen Wandels vielschichtiger Natur. Sie betreffen in erster Linie nicht nur die Pharmabranche als Medikamentenhersteller, auch verwandte Sektoren wie Gesundheitsmanagement, gesundheitliche Infrastruktur (Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheime) zählen dazu. Indexanbieter wie beispielsweise Solactive haben auch Subthemen wie infrastrukturelle Gesundheitsversorgung oder jüngst die wachsende Industrie der „Senior Care“ erschlossen und entsprechende Indizes lanciert. Ein solcher Index dient als Basiswert für Tracker-Zertifikate von BNP Paribas. Im Solactive Senior Care Index werden Unternehmen aus den Sektoren Finanzen, Gesundheitswesen und -Service sowie Real Estate Investment Trust (REIT) aufgenommen.
M&A-Spezialindizes
Ein weiteres Thema sind Fusionen und Übernahmen. Ist davon am Finanzmarkt die Rede, horchen Anleger oftmals auf. Sie könnten beispielsweise in ein Zertifikat auf den Société Générale M&A-Index investieren. Auf Jahressicht steht für diesen Börsengradmesser ein Plus von aktuell rund 17 Prozent. Damit schlägt der Spezialindex den deutschen Leitindex um Längen. Die Idee, Übernahmekandidaten ausfindig zu machen, ist dabei keineswegs neu. Den M&A-Index der Franzosen und ein entsprechendes Tracker-Zertifikat gibt es bereits seit Ende 2005.

Alternativ hierzu können sich Anleger auch das Index-Zertifikat der UniCredit auf den Solactive German Mergers & Acquisitions Performance-Index anschauen. Auch hier winkt im einjährigen Verlauf ein zweistelliges Plus. Matthias Hüppe erwähnt in diesem Kontext, dass heutzutage in die großen Blue-Chip-Indizes hauptsächlich mittels ETFs investiert würde, wohingegen Index-Zertifikate in innovativen Märkten als Rendite-Satelliten ihre Stärke ausspielen könnten. Das mag zwar ein Wermutstropfen sein, ändert aber nichts Grundsätzliches an der Erfolgsstory von Index-Zertifikaten in den zurückliegenden mehr als zwei Dekaden.

Weiterhin charmant
Fazit: Seit der Auflage des ersten Index-Zertifikats ist viel Zeit ins Land gegangen. Dennoch, und trotz zunehmender Konkurrenz durch ETFs haben Index-Zertifikate nichts von ihrem Charme für Anleger verloren. Sie behalten weiterhin ihre Berechtigung am Markt. Insbesondere Indizes auf Megatrends und Zukunftstechnologien könnten diesem Segment weiteren Auftrieb verleihen.
Quelle: Deutscher Derivate Verband, Online-Trend-Umfrage Mai 2016
Quelle: Deutscher Derivate Verband,
Online-Trend-Umfrage Mai 2016

Index- und Partizipations-Zertifikate

MARKTANTEILE NACH MARKTVOLUMEN
Emittent 06/2016 03/2016
Deutsche Bank 1.324.382.218 34,13% 1.384.358.955 34,67%
Commerzbank 697.276.293 17,97% 687.761.055 17,23%
UBS 492.940.655 12,70% 515.245.944 12,91%
BNP Paribas 372.039.382 9,59% 379.567.545 9,51%
DZ Bank 266.460.359 6,87% 309.616.629 7,76%
HypoVereinsbank 210.353.825 5,42% 194.503.586 4,87%
HSBC Trinkaus 133.792.693 3,45% 137.862.221 3,45%
Société Générale 131.355.893 3,38% 129.966.050 3,26%
Helaba 107.268.856 2,76% 111.739.432 2,80%
Goldman Sachs 64.168.825 1,65% 60.598.592 1,52%
LBBW 37.543.466 0,97% 31.140.920 0,79%
Vontobel 26.547.711 0,68% 32.140.920 0,81%
Citi 11.790.229 0,30% 12.345.414 0,31%
BayernLB 4.989.530 0,13% 5.216.444 0,13%

Ausgewählte Index-Zertifikate

Produktbezeichnung Emittent Basiswert WKN Kurs in EUR
X-pert Zertifikat auf den DAX von Deutsche Bank Deutsche Bank DAX (Performance-Index) 709335 104,62
Open-End Zertifikat auf den DAX Citi DAX (Performance-Index) 667578 104,59
Partizipationszertifikat auf den DAX von HSBC HSBC DAX (Performance-Index) 653727 104,49
Open End Zertifikat auf den SOLACTIVE SENIOR CARE TOTAL RETURN INDEX BNP Paribas Solactive Senior Care TR Index PS9SEN 115,09
Open End Index-Zertifikat auf den M&A-Index Société Générale SG M&A TR Index SG63FU 239,82

Quelle: www.finanztreff.de; Stand: 28.09.2016

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