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Ein neuer Start

Foto: eyetronic / fotolia

Nach Jahren der Deflations-Sorgen mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende, mancher Experte sieht 2017 schon als Jahr der Zinswende. Das hat Folgen für die weltweiten Kapitalmärkte. Das Derivate Magazin zeigt auf, wie Sie reagieren können.

„Politische Börsen haben kurze Beine“, lautet eine der bekanntesten Anlegerweisheiten. Dass der Volksmund bisweilen weit daneben liegen kann, zeigt besonders eindrucksvoll die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. An den Finanzmärkten tat sich seither viel Aufregendes.

Um der amerikanischen Konjunktur auf die Sprünge zu helfen, will der Immobilien-Tycoon die Steuern senken und eine Billion Dollar in die teils arg marode Infrastruktur pumpen. Das nährt die Furcht vor einem kräftigen Anstieg der Inflation – und beschleunigte vor allem bei Anleihebesitzern den Puls. Denn die meisten Bonds versprechen einen fixen Kupon, der mit steigenden Preisen an Attraktivität verliert. Ein Beispiel: Ist eine Anleihe bei einer Teuerung von null Prozent mit einer Rendite von einem Prozent noch interessant, verlieren ihre Besitzer bei einem Preisanstieg auf zwei Prozent nach Abzug der Inflation bereits einen Teil ihres Ersparten. Da der Kupon festgezurrt ist, lässt sich nur über den Kurs eine höhere Rendite erzielen – Verluste sind die Folge. Klassische Anleihen zählen daher zu den ersten Inflationsverlierern. „Inflation ist der Todfeind des Anleihen-Investors“, bringt es der US-Ökonom Burton Malkiel auf den Punkt.

Ende der Nullzinsen?

Vor diesem Hintergrund erstaunt wenig, dass die Kurse der Festverzinslichen unmittelbar nach der Wahl Trumps in den Keller rauschten und selbst Anleihen mit guten Ratings den schlechtesten November seit mehr als einem Vierteljahrhundert erlebten. Binnen weniger Tage kletterte die Rendite zehnjähriger US-Bonds von 1,7 auf knapp 2,4 Prozent – fast ein Prozentpunkt mehr als nur vier Monate zuvor. Rein rechnerisch wurde in den Tagen nach dem Urnengang eine Billion an Anlegergeldern vernichtet.

„Trotz der bisherigen Verluste in diesem Sektor dürfte sich im Hinblick auf eine höhere Inflation die Abwärtsbewegung fortsetzen“, fürchtet Jens Ehrhardt, Gründer der DJE Kapital AG.

Vor allem für Anleihen hegt der Profi wenig Hoffnung, weil sich der reale Zins bei amerikanischen und europäischen Titeln mit Blick auf die erhöhten Inflationsraten kaum verbessert habe, sondern weiterhin nur knapp über null liege. Zum Vergleich: In den westlichen Volkswirtschaften lag der Realzins in der Nachkriegszeit im Schnitt bei über drei Prozent. „Festverzinsliche Titel bleiben daher die am stärksten überbewertete Anlagekategorie, besonders in Europa“, resümiert der Münchener Vermögensverwalter.

„Aus Deflations- wurden Inflationssorgen, die Zinswende ist unumkehrbar“, ist sich Hans A. Bernecker sicher, dessen ‚Actien-Börse‘ zu den anerkanntesten Börsenpublikationen in Deutschland zählt. „Eine anziehende Inflation bei wieder beschleunigtem Wirtschaftswachstum ist unvermeidlich.“

Die Inflation im Blick

Joshua Schiffrin, leitender Zinshändler bei Goldman Sachs, sieht bei den Zinsen gar den „Beginn einer ganz neuen Phase“. Es sei nicht nur eine kurzfristige Aufwärtsbewegung, zitiert ihn „Die Welt“: „Solche tektonischen Verschiebungen gibt es sehr selten an den Märkten.“

Vieles spricht dafür, dass die Phase fallender Renditen, die in den 1980er Jahren begann, vorbei ist. So geht auch die Europäische Zentralbank davon aus, dass die Inflationsrate spätestens 2019 wieder nahe beim Ziel von knapp zwei Prozent liegen werde. „Wir sehen jetzt schon, dass die Inflation ansteigt“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann Ende Dezember, „Nullzinsen sind kein Dauerzustand.“ Das spiegelt sich längst in der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wider, die im vergangenen Juli eine vorsichtige Klettertour von minus 0,2 auf rund 0,2 Prozent begann.

In den USA sind die Langfristzinsen seitdem bereits um mehr als einen Prozentpunkt gestiegen. Derweil geht die Schweizer Großbank UBS davon aus, dass die Inflation stärker steigen wird als die Zinsen. Anleger sollten daher überlegen, wie sie ihr Portfolio gegen eine steigende Inflation absichern können. Als geeignetes Mittel nennen die Eidgenossen US-Staatsanleihen, deren Rückzahlungsbetrag an den Konsumentenpreisindex gebunden ist. Steigt das Preisniveau, erhöht sich entsprechend der Zinskupon oder der Nominalwert der Anleihe. Somit erhalten Anleger mit diesen Treasury Inflation-Protected Securities, kurz TIPS, die Kaufkraft ihres Ersparten. Ein Beispiel für einen Exchange Traded Fund, der inflationsgeschützte Anleihen mit dem Schwerpunkt USA nachbildet, ist der SPDR Barclays US TIPS (ISIN IE00BZ0G8977).

High Yields für Mutige

Wer lieber breit gestreut auf Staatsbonds aus aller Welt setzen möchte, findet im iBoxx Global Inflation-linked von db x-trackers (ISIN LU0290357929) eine mögliche Alternative. Der ETF bildet die Wertentwicklung von rund 140 inflationsindexierten Anleihen unterschiedlicher Laufzeiten ab, die von zwölf Staaten emittiert wurden. Auf US- Papiere entfielen im Dezember 45 Prozent, das Vereinigte Königreich kam auf 29 Prozent, während die Eurozone mit knapp einem Fünftel im Index vertreten war.

Alternativen zu Staatsanleihen finden Anleger auch am Markt für Unternehmenskredite. Der iShares Euro High Yield Corporate Bond ETF (ISIN IE00B66F4759) etwa bündelt die größten und liquidesten Unternehmensanleihen mit einem Rating unterhalb von Investmentqualität. In den Index aufgenommen werden nur auf Euro lautende Anleihen mit einem Mindestbetrag von 250 Millionen Euro.

Höhere Renditen bieten hochverzinsliche Anleihen – bei entsprechend mehr Risiko. Einen interessanten Ansatz verfolgt der iShares Fallen Angels High Yield Corporate Bond ETF (ISIN IE00BYM31M36), der den Zugang zu so genannten „gefallenen Engeln“ ermöglicht. Das sind Anleihen, deren Rating von Investmentgrade- auf Hochzinsniveau herabgestuft wurde. Das Kalkül: Anleihen, die herabgestuft wurden, bergen ein überdurchschnittlich hohes Erholungspotenzial. Mögliche Kursaufholungseffekte in den Monaten nach der Herabstufung können daher zu Erträgen führen, die unabhängig von der Höhe der Zinsen sind. Ende November umfasste der Fallen- Angels-Index 361 Titel.

Auch Aktien schützen

Einige Anlageprofis sehen Aktien als Gewinner steigender Preise. „Die historische Evidenz legt überzeugend dar, dass die Renditen auf Aktien langfristig mit der Inflation Schritt gehalten haben“, schreibt der an der Wharton Business School lehrende US-Finanzprofessor Jeremy Siegel in seinem Buch „Stocks for the Long Run“. Denn in der Regel steigen die Unternehmensgewinne mit der Inflation. So hat der US-Leitindex S&P 500 seit 1950 die Inflation um rund vier Prozent pro Jahr übertroffen.

In einem Umfeld steigender Zinsen und einer allmählich steigenden Inflation haben Aktien historisch gesehen in 80 Prozent aller Fälle besser performt als Obligationen“, bestätigt Richard Turnill, Global Chief Investment Strategist beim weltweit größten Vermögensverwalter BlackRock. Ein passendes Investmentvehikel ist der Amundi ETF MSCI World (FR0010756098). Er bildet den gleichnamigen Index nach, der rund 85 Prozent der Marktkapitalisierung in den Industrieländern widerspiegelt.

Wie ein Mischfonds auf ETF-Basis funktioniert der Portfolio-ETF von db X-trackers (ISIN LU0397221945). Hier entscheidet ein Indexkomitee über die Verteilung des Kapitals in Aktien-, Renten- oder auch Immobilien-ETFs und passt die Aufteilung regelmäßig an.

Wer der Börsenweisheit Glauben schenken mag, dass es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen, nimmt die Schwellenländer ins Visier, die den meisten Weltbörsen in vergangenen fünf Jahren deutlich hinterherhinkten. Dabei billigen ihnen Analysehäuser wie J. P. Morgan in den kommenden zehn bis 15 Jahren mit 4,5 Prozent ein knapp dreimal stärkeres Wachstum zu als ihren Pendants aus den Industrieländern. Das macht vor allem dividendenstarke Titel attraktiv. So kommen Indexfonds auf Emerging-Markets-Titel auf rund 7,5 Prozent Rendite – weltweite Dividendenaktien schaffen hingegen nur 5,7 Prozent. Der iShares Emerging Markets Dividend-ETF (ISIN IE00B652H904) trägt dem mit knapp 100 Aktien aus aller Welt Rechnung.

Quelle: Bloomberg
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