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Entspannt in die Ferien

Foto: Jasmina007 / iStock

Wer die schönste Zeit des Jahres unbeschwert genießen will,
ohne ständig sein Depot im Blick haben zu müssen, kann sein Erspartes vor Verlusten schützen. Das Derivate Magazin zeigt, wie Sie Ihr Portfolio urlaubsfest machen.

Weiße Sandstrände, stahlblauer Himmel, Dolce Vita. Im Entspannungsmodus rücken Gedanken an die Geldanlage schnell in den Hintergrund. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Gerade im Sommer neigen die Börsen allzu gern zur Schwäche. Sorglosigkeit kann in diesen Zeiten also schnell teuer werden – zumal Crashs stets ohne Vorwarnung hereinbrechen.

„Wenn die Ebbe einsetzt, sieht man, wer keine Badehose trägt“, traf Börsenaltmeister Warren Buffett den Nagel auf den Kopf. Wer seinen Urlaub nicht mit Schnappatmung vor dem Notebook oder dem Smartphone verbringen will, sollte sein Depot rechtzeitig urlaubsfest machen.

Im ersten Schritt sollten Anleger ihr Depot durchforsten und sich fragen: Taugt meine Investmentstrategie noch? Ist mein Erspartes breit über verschiedene Branchen und Regionen gestreut? Und nicht zuletzt: Passen meine Aktien, Fonds und Zertifikate noch zu meiner persönlichen Risikobereitschaft?

Zum Depot-Check gehört ebenso, Wackelkandidaten auszusortieren und schlecht gelaufene Papiere zu verkaufen. Auch von Aktien, die sehr gut und damit möglicherweise heiß gelaufen sind, kann man sich trennen – frei nach dem Motto: an Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden.

Intelligent absichern

Bleiben die Papiere im Depot, sorgen so genannte Stopp-Loss-Orders für Tiefenentspannung in den Ferien. Mit solchen Aufträgen, die wie normale Wertpapierorders für Aktien, Fonds, ETFs, Optionsscheine, Anleihen und Zertifikate erteilt werden, lässt sich festlegen, ab welchem Preis ein Wertpapier verkauft werden soll. Fällt es unter diesen Kurs, verwandelt sich die Stopp-Loss-Order automatisch in eine unlimitierte Verkaufsorder. So können Anleger ihre Gewinne sichern und vermeiden, den kompletten Absturz mitzumachen. Bleibt der Kurs hingegen stabil oder steigt weiter, bleiben die Papiere im Depot.



Eine Faustregel, wie weit die Stopp-Loss-Limits vom aktuellen Kurs entfernt sein sollen, gibt es nicht. Gerade bei sehr schwankungsfreudigen Titeln sollten sie nicht zu eng gesetzt werden. Experten halten hier 15 bis 20 Prozent unter dem aktuellen Kurs für sinnvoll. Wer charttechnisch motiviert handelt, legt seinen Stopp-Kurs knapp unter wichtige technische Marken.



Der Nachteil der Stopp-Loss-Strategie liegt auf der Hand: Fällt eine Aktie nur kurzzeitig, um danach mit Verve nach Norden zu streben, sind Anleger ihre Papiere los und können nicht mehr von den steigenden Kursen profitieren.



Ein intelligentes Instrument zur Depotabsicherung ist der Trailing-Stopp, der mit den Kursen wächst. Immer, wenn eine Aktie oder ein Zertifikat steigt, steigt auch der Trailing-Stopp. Gerade im Urlaub ist das besonders bequem, denn das eingegebene Limit entbindet vom ständigen Informieren über den Kursverlauf. Ein Beispiel illustriert die Wirkung des Trailing-Stopp: Ein Anleger hält Aktien mit einem aktuellen Wert von 50 Euro je Anteilsschein im Depot. Den anfänglichen Stopp legt er bei 45 Euro und den Abstand bei vier Euro fest. Steigt der Kurs auf 60 Euro, passt sich der Stopp-Loss automatisch auf 56 Euro an. Klettert der Kurs weiter, folgt auch die Stopp-Marke dieser Entwicklung. So liegt bei einer Notierung von 70 Euro der Stopp-Loss bei 66 Euro, bei einem Kurs von 80 bei 76 Euro usw. Fällt die Aktie wieder, wird die Order als unlimitierte Verkaufsorder ausgeführt, sobald sie den neuen Stopp von 76 Euro erreicht oder unterschritten hat.

Schutz mit Reverse-Bonuszertifikaten

Wer Urlaub von der Börse machen möchte, kann sein Depot auch Vollkasko-versichern. Die passenden Instrumente sind Verkaufs-Optionsscheine und so genannte Bear–Zertifikate. Ein DAX-Put etwa steigt im Wert, wenn der wichtigste deutsche Index den Rückwärtsgang einlegt. Bei der Auswahl des richtigen Papiers sollte der Basispreis des Optionsscheins oder Zertifikats weitestgehend dem aktuellen Punktestand des Index entsprechen. Bei einem vornehmlich aus DAX-Titeln bestehenden Depot sollten Anleger entsprechend zu Verkaufsoptionsscheinen auf dieses Börsenbarometer greifen.



Für eine vollständige Absicherung des Depots ist eine bestimmte Anzahl an Optionsscheinen erforderlich. Die Rechnung ist einfach: Anleger dividieren den Depotwert durch den aktuellen Punktestand des Index, der zuvor mit dem Bezugsverhältnis des Verkaufsoptionsscheins multipliziert wurde, das üblicherweise bei 100:1 liegt. Ein Beispiel: Ende Juni notierte der DAX bei rund 10.600 Punkten. Soll ein Depot von 50.000 Euro abgesichert werden, müssen genau 50.000 : 10.600 x 100 gleich 472 Optionsscheine gekauft werden.

Ein Put mit der Basis 10.600 Punkte und Laufzeit bis zum 20. Oktober dieses Jahres kostete Ende Juni 0,65 Euro. Man musste zu diesem Zeitpunkt somit 306,80 Euro investieren, um sein Depot bis Ende Oktober gegen Verluste abzusichern – was gleichsam der Versicherungsprämie für das Depot entspricht.



Ein weiteres Instrument, um sich vor fallenden Kursen zu schützen, sind Reverse-Bonuszertifikate. Hier wird das Prinzip von klassischen Bonuspapieren auf den Kopf gestellt. So liegt die Barriere, die die Bonuszahlung zum Laufzeitende sichert, nicht wie bei klassischen Bonuszertifikaten unterhalb, sondern oberhalb des aktuellen Basiswertkurses.

Wird diese Marke nie touchiert, sind mit diesen Papieren überdurchschnittliche Renditen möglich. Verluste drohen, wenn die Barriere überschritten wird, denn dann nehmen Anleger spiegelverkehrt an der prozentualen Kursentwicklung des zugrunde liegenden Index bezogen auf den Startwert teil.

Günstig einkaufen

Clevere Börsianer denken nicht nur an den Verkauf, sondern auch an den Einkauf, in dem bekanntlich der Gewinn liegt. So kann es sich durchaus lohnen, vor der Abfahrt in die Ferien limitierte Kauforders für interessante Aktien abzugeben, die im Fachjargon als Stopp-Buy-Orders bezeichnet werden. Das bedeutet, dass Aktien genau dann gekauft werden, wenn der Kurs einen bestimmten Wert überschreitet. Auf diese Weise kann der Anleger sicher sein, bei einem unerwarteten Kursanstieg mit dabei zu sein, weil er beizeiten gekauft hat.



Für alle Aufträge mit Limits gilt: beschränkt gültig; nach Ablauf der jeweiligen Frist müssen Anleger die Order erneuern und darauf achten, dass das Limit bis zum Ende ihres Urlaubs gültig ist.



Unabhängig davon, wie Anleger für die nötige Ruhe im wohlverdienten Urlaub vorsorgen, sollten sie auf die Preise und Gebühren achten. Jede Umschichtung innerhalb des Depots kostet Geld, für jeden Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers stellen Banken und Broker ihre Provision in Rechnung, die bis zu einem Prozent des Kurswertes betragen kann. Vergleichsweise günstig ist in der Regel der Internethandel über eine Direktbank.

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