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Gold ist besser als sein Ruf

Seit geraumer Zeit wird das edelste aller Metalle als ertraglos und zu teuer in der Verwahrung beschrieben. Das passt natürlich haargenau zur nun seit fast 5 Jahren andauernden Kursschwäche. Allen Unkenrufen zum Trotz hat aber Gold nicht nur eine fast 5000-jährige erfolgreiche Geschichte als Wertmaßstab hinter sich, sondern zählt nach wie vor zu den wertbeständigsten Anlageformen.

Gold ist besser als sein Ruf - Teil 1

Wer über ein Goldinvestment nachdenkt, dem stehen viele verschiedene Formen zum Einstieg zur Verfügung. Anleger können über Zertifikate, ETFs, Goldfonds, Barrengold oder auch Schmuck direkt am Goldpreis und seiner Entwick- lung partizipieren. Interessant dabei ist, dass die größte Nachfrage nach dem Edelmetall noch immer aus der Schmuckbranche erfolgt (siehe auch Grafik nebenan).

 

Tiefer Absturz der Goldproduzenten

Indirekte Beteiligungen an Gold wie zum Beispiel an goldproduzierenden Unternehmen sind eine weitere inte- ressante Anlageform. Diese hat im Vergleich gegenüber der direkten Partizipation auch Vor- und Nachteile. Die Vorteile bestehen in den aus der Goldproduktion erlösten Gewinnen der Unternehmen, die gerade in der heutigen Zeit mit gedrückten Goldpreisen und niedrigen Unterneh- mensbewertungen hohe Zusatzgewinne an den notieren- den Börsen möglich machen. Denn aus Gründen falscher Managemententscheidungen, zu hoher Produktionskosten und Überschuldungen sind Goldbetriebe seit 2011 gene- rell kursmäßig unter die Räder gekommen.
Die „Sippenhaftung“ hat auch die guten Betriebe mit unter die Räder kommen lassen. Gesunde und auch gesund wachsende Unternehmen sind daher auf aktuel- lem Niveau interessant bewertet und bieten auf mittlere Sicht bei besser werdenden Marktverhältnissen hohe Gewinnchancen. Die aber gleichzeitig auch Risiken in sich bergen, denn wo immer hohe Gewinne erwartet werden, sollten bei Anlegern die Alarmglocken läuten, denn dort sind meist auch hohe Risiken in Kauf zu nehmen.

 

Externe Faktoren Beachten

Ecuador ist ein gutes Beispiel. Nachdem der sozialistische Präsident Rafael Correa 2007 an die Macht kam, war kein Geld mehr mit Rohstoffinvestments zu verdienen. Die Steuern und Abbaubedingungen verschlechterten sich so gewaltig, dass viele Explorer und sogar Produzenten die Arbeit einstellten. Nach fast zehn Jahren scheint nun der Punkt gekommen zu sein, wo die Regierung den Rohstoff- sektor wieder unterstützen und aufbauen möchte.
Anleger sollten daher Länderrisiken, Kostenerhöhungen bei Produktion, Steuern und Abgaben im Rohstoffbereich immer bei ihren Investments berücksichtigen. All diese Punk- te können Unternehmen leicht an deren Existenzschwelle geraten lassen, wie auch immer sie im Moment bewertet sind. Das betrifft nicht nur Produzenten, sondern ganz be- sonders die kleineren Unternehmen – die sogenannten Junior Explorers, welche ihre Förderprojekte erst durch Bohrrungen und nachprüfbaren Studien entwickeln müssen.
Dadurch sind bei den Entwicklungsgesellschaften so- wohl die Chancen als auch die Risiken noch größer. Denn es bedarf durchschnittlich bis zu 8 Jahre bis aus einem Goldfund eine Produktion entsteht. Zeit, in der sich sehr Vieles, auch zum Nachteil verändern kann. Daher eignen sich vor allem Unternehmen für eine Investition, welche in relativ schneller Zeit in die Produktion übergehen können.

Ausgewählte Anlageprodukte auf Gold und Goldproduzenten

Produktbezeichnung Emittent WKN Hebel Quanto Kurs
Gold Open End BNP Paribas 859341 Nein 108,25
Gold Open End Goldman Sachs GS72X2 Ja 92,92
Gold Future HSBC TD3FGL 2,5 Nein 97,54
Gold & Precious Metals Equities DWS DWS0B1 Nein 65,38

Quelle: Derivate Magazin, Stand: 31.03.16

Gold ist besser als sein Ruf - Teil 2

US-Dollar als Währungsbasis

Alle Goldkurse, die weltweit gültig sind, werden auf der Basis des US-Dollars erstellt. Für alle Unternehmen, die nicht in den USA ansässig sind, zählen aber deren Heimatwährung als Verkaufspreise. Produzieren oder entwickeln sie z.B. in Kanada oder Australien, so werden die Verkäufe in kanadischen oder australischen Dollars verrechnet.

Hieraus entsteht derzeit ein nicht zu unterschätzender Wechselkurs-Vorteil. Der US-Dollar wird derzeit mit aller politischen Macht stark gehalten, wodurch die Währungen der anderen Länder im Verhältnis abwerten.

So zahlt man für eine Feinunze Gold auf US-Dollar-Basis rund 1.200 US-Dollar. In Australien und Kanada ist die Feinunze damit circa 30 Prozent teurer. Was umgekehrt den produzierenden Betrieben 30 Prozent Mehrerlös einbringt und auch bei den Entwicklungsgesellschaften eine bessere Wirtschaftlichkeit erkennen lässt.

 

Dahinschmelzende Währungsvorteile

Die Gewinnspannen zwischen Kosten und Erlösen sind in Ländern mit schwächerer Währung höher, was auf Sicht auch bessere Kurschancen für die Unternehmen an den Börsen erkennen lässt. Doch auch hier sei mahnend ein Finger erhoben, denn weder sind die Börsen Einbahnstraßen, noch ist zu erwarten, dass die Politik den starken US-Dollar ewig stützen und schützen kann. Dann trifft ein sich abschwächender amerikanischer Dollar auf sich dadurch relativ verstärkende andere Währungen und die Währungsvorteile schmelzen wieder dahin.

Aber noch ist es nicht soweit, auch wenn sich aus Sicht vieler Experten der amerikanische Dollar im letzten Drittel seines statistischen Stärketrends befindet.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Es ist bequem, Gold einfach im Laden zu kaufen und das Edelmetall, in welcher Form auch immer, zu besitzen und sich um nichts mehr kümmern zu müssen. Noch einfacher ist der Erwerb diverser Anlagepapiere (siehe Tabelle) wie Goldfonds, -Zertifikate und -ETFs.

Wer sich jedoch die Mühe macht, aus der Vielfalt an Goldfirmen diejenigen herauszufiltern, die auf einem gutem Weg sind, der könnte für seine Mühe überproportional belohnt werden. Natürlich ist es nie einfach, sich ein exaktes Bild über die Geologie, die Qualität der Liegenschaft und des Managements zu machen. Vor allem die finanzielle Entwicklung, das politische Risiko und die zukünftigen Förderergebnisse vorauszusagen, sind ein bisschen wie der Blick in die Glaskugel. Aber es lohnt sich allemal und Übung macht den Meister. Immer mehr Rohstoffunternehmen nehmen sich Zeit, um ihre Unternehmen und ihre Projekte auf Anlagemessen wie die Stuttgarter Invest, die Münchner Edelmetallmesse oder die World of Trading in zu präsentieren.

 

Gut verteilt, ist die halbe Miete

Wie bei allen Investments sollten Privatanleger auch bei Rohstoffen auf eine gesunde Diversifikation achten. Denn die Vielfalt im Depot reduziert das Risiko deutlich. Ein paar Münzen, einen Teil in Zertifikate, ETFs oder Fonds sowie ein paar Aktien größerer Goldproduzenten und einen kleinen aber feinen Teil, in die zwar riskanten aber spannenden Junior Explorer. Hier sind momentan vor allem die interessant, welche in relativ kurzer Zeit, von der Entwicklung in die Produktion wechseln könnten.

Wer das Risiko, wie oben erläutert, gestreut hat, ist gut vorbereitet und kann in Ruhe den nächsten Goldanstieg abwarten. Und dann, ist er ganz vorne mit dabei.

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