Select Page

Handelsfreiheit für Privatanleger

Foto: Sezeryadigar / iStock

Die zweite Jahreshälfte beginnt traditionell mit den Sommerferien. Auf die Berichts- folgt die Feriensaison. Für viele ist es die Zeit der Sommerfrische – ausspannen und neue Energie tanken. Obwohl Urlaub innerhalb Deutschlands voll im Trend liegt, so zieht es doch auch viele Familien ins Ausland. Ob nun, um den eigenen 
Horizont zu erweitern, kulturelle Unterschiede wahrzunehmen oder einfach am Strand zu verweilen. In jedem Fall aber kostet Urlaub Geld.

Einer aktuellen Studie zufolge haben deutsche Haushalte für alle Reisen zusammen im vergangenen Jahr im Durchschnitt mehr als 4.300 Euro ausgegeben. Dabei bezahlt die Mehrheit ihre Reise mit Geld, das sie extra dafür gespart hat. So hat jeder Zweite in der Vergangenheit bereits ganz gezielt für eine größere Reise unterschiedlich hohe Beträge zurückgelegt. Nahezu jeder Vierte spart monatlich, ohne eine konkrete Reise gebucht zu haben.

Weiter wenig Beachtung für die Altersvorsorge

Im Gegensatz dazu ist der Wunsch, Geld für die eigene Altersvorsorge zurückzulegen, vergleichsweise gering ausgeprägt. Viele Menschen leben eben im Hier und Jetzt. Sie genießen den Augenblick, ohne sich dabei größere Gedanken über die Zukunft zu machen. Allerdings sollten Anleger die Notwendigkeit der Altersvorsorge nicht ohne Weiteres aus den Augen verlieren. Denn nur, wer heute schon bereit ist, für morgen zu sparen, wird auch seinen aktuellen Lebensstandard im Alter halten können.

Kapitalmarkt immer attraktiver für Kleinanleger

Angesichts der sogenannten „äußeren“ Umstände wäre hier ein Umdenken in der Anlagementalität wünschenswert. Sichere Häfen sind, soweit überhaupt vorhanden, rar und renditearm. In Zeiten niedriger Zinsen ist zwar das Sparbuch trotz leicht steigender Inflationsrate noch immer die Geldanlageform Nummer eins, gefolgt von einer Immobilie sowie dem Tagesgeldkonto, aber die Attraktivität sämtlicher kapitalmarktaffiner Finanzprodukte hat zugenommen. Dieser Trend wird uns aller Voraussicht nach auch im zweiten Halbjahr durchgängig begleiten. Denn diese Produkte, die immer stärker in den Fokus der Anleger rücken (sollten), geben oftmals ein durchaus lukratives Renditeversprechen ab.



Sicherlich sind gelegentliche Zweifel angebracht und nachvollziehbar. Denn die Hausse an den Finanzmärkten wird früher oder später ein Ende finden. Zumindest in der Betrachtung des DAX Performanceindex, der im Gegensatz zu S&P 500 und anderen Indizes die Dividenden einrechnet, verzeichnen wir Rekordstände – allein bis zur Jahresmitte ein ebenso unerwartetes wie deutliches zweistelliges Plus. Das alles bei erschreckend niedriger Volatilität. In der Summe erwarten Experten deshalb zumindest kurzfristig Rückschläge an den Märkten. Heißt das nun im Umkehrschluss, Finger weg vom Kapitalmarkt? Nein, das wäre wahrscheinlich viel zu kurz gedacht.

Express-Zertifikate und Anleihen verzeichnen Nachfrageplus

Strukturierte Wertpapiere in ihrer gesamten Bandbreite können gerade in diesem Umfeld eine durchaus reizvolle Ergänzung im Portfolio sein. Denn je nach persönlicher Marktmeinung können Anleger dabei das für sie passende Produkt auswählen. Der Blick auf die Umsätze und das investierte Volumen einzelner Kategorien legt diesen Schluss nahe. Allen voran die sehr nachgefragten Aktienanleihen und Express-Papiere. 



Bei Express-Zertifikaten haben Anleger bei entsprechender Entwicklung des Basiswerts in der Regel bereits nach einem Jahr die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung des Nennbetrags plus Prämie. Dieses Auszahlungsprofil trifft den Nerv der Anleger, wie eine Studie der Raiffeisen Centrobank zeigt. So waren zum Stichtag 30. April 2017 knapp 20 Prozent des deutschen Zertifikatemarkts in Express-Strukturen investiert. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil bei „nur“ 8 Prozent, respektive 5,6 Mrd. Euro.



Auch Aktienanleihen, bei denen die Rückzahlung von der Entwicklung des zugrundeliegenden Basiswerts abhängt, erfreuen sich nach wie vor stetig wachsender Beliebtheit bei Anlegern. Sie eröffnen das Tor zum Aktienmarkt, dem gegenüber viele Deutschen eher skeptisch eingestellt sind. Das in diese Anlageklasse investierte Marktvolumen ist im Zeitraum von April 2015 bis April 2017 um knapp 2 Mrd. Euro auf insgesamt 10 Mrd. Euro gestiegen. Somit sind zusammen mehr als 22 Mrd. Euro, fast ein Drittel des Gesamtmarkts, in Express-Strukturen und Aktienanleihen investiert. Doch damit nicht genug.

Gewinne bei fallenden Kursen

Anleger, die angesichts der Index-Rekordstände künftig eher seitwärts tendierende oder leicht fallende Kurse erwarten, sollten sich Discount-Zertifikate einmal näher anschauen. Hier lautet das Motto: Höhere Sicherheit, dafür niedrigere Gewinnchance. Wenn sich dabei der Basiswert am Ende der Laufzeit nicht verändert hat, erzielt der Anleger einen Gewinn. Selbst wenn die Basiswerte moderat gefallen sind, muss das Engagement mit dem Discount-Papier nicht im Verlust enden. Nur bei einer starken Abwärtsbewegung verlieren die Investoren.

Etwas mehr als 4,8 Mrd. Euro waren zum 30. April 2017 in diese Klassiker der Zertifikate investiert; dabei hatten Investoren die Auswahl aus 160.000 Produkten. Auch eine Analyse der Deutschen Bank unterstreicht die Attraktivität dieser Produktkategorie.

Demnach wiesen für den Untersuchungszeitraum von November 1999 bis Ende 2016 77,4 Prozent der über 130.000 betrachteten Papiere eine positive Wertentwicklung auf. Knapp 20 Prozent sogar noch dann, wenn sich der ihnen zugrundeliegende Basiswert in der jeweils selben Zeitspanne negativ entwickelt hat.

Engagement bringt Gewinne

Diese Momentaufnahme einzelner Produktkategorien zeigt, dass die Anleger angesichts des Zinstiefs und der durchaus ambitionierten Börsenkurse keinen Grund haben, zu verzagen. Statt der Vogel-Strauß-Methode ist mutiges, engagiertes Handeln sicher das bessere Motto der Stunde. 



Strukturierte Wertpapiere können das Portfolio je nach individuellem Chance-Risiko-Profil bereichern und haben Renditepotenzial. In diesem Kontext stimmt es durchaus zuversichtlich, dass viele Privatanleger bereits Rückschlüsse gezogen und sich entsprechend positioniert haben. So zumindest lassen sich die Ergebnisse der monatlichen Trend-Umfrage des Deutschen Derivate Verbands aus dem Juni interpretieren. 



Beinahe jeder Zweite (das entspricht etwa einer Verdoppelung gegenüber den Ergebnissen aus 2015) hat den Anteil an strukturierten Wertpapieren im eigenen Portfolio erhöht. Mehr als 30 Prozent beließen diesen Anteil unverändert. Lediglich ein knappes Viertel der Befragten hat die Zertifikate-Quote heruntergefahren. An dieser Online-Umfrage beteiligten sich knapp 1.500 Personen. Dabei handelt es sich in der Regel um gut informierte Anleger, die als Selbstentscheider ohne Berater investieren.

Stillstand Vermeiden

Vorhersagen können falsch sein. Die Vorzeichen am Kapitalmarkt werden immer neu justiert, Sicherheit neu definiert. Doch die Suche nach einträglichen Renditen treibt Anleger auch künftig weiter um. Immer mehr Anleger scheinen zu erkennen, dass sie zum Handeln verdammt sind. Insofern ist der Einsatz strukturierter Wertpapiere im Portfolio fast schon ein „Muss“ statt einem „Kann“.

LARS BRANDAU (50) ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war er unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig, zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse.

Lars Brandau

Geschäftsführer, Deutschen Derivate Verbands (DDV)

Marktvolumen ausgewählter Produktkategorien (in EUR)

  30.04.2015 30.04.2017
Aktienanleihen 8,0 Mrd. 10,0 Mrd.
Discount-Zertifikate 4,8 Mrd. 4,8 Mrd.
Express-Zertifikate 5,6 Mrd. 12,0 Mrd.
Quelle: Deutscher Derivate Verband

Aufgaben und Ziele des DDV

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) ist die Branchenvertretung der 15 führenden Emittenten derivativer Wertpapiere in Deutschland, die mehr als 90 Prozent des deutschen Zertifikatemarkts repräsentieren. Darüber hinaus unterstützen weitere 16 Fördermitglieder die Arbeit des Branchenverbands. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 erarbeitet der DDV verbindliche Standards für die Industrie. Zu den primären Zielen des DDV zählen auch die Bildung und Aufklärungsarbeit. Strukturierte Produkte werden einer breiteren Öffentlichkeit näher gebracht, unter anderem auf der Webseite des Verbands.

www.derivateverband.de

Jetzt Newsletter abonnieren

Jetzt Newsletter abonnieren

Erfahren Sie, was wichtig ist - mit dem kostenlosen Newsletter des !derivate Magazins

Sie haben sich erfolgreich für den Newsletter angemeldet!