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Kupfer

Foto: demarco-media / iStock
Der (wieder mal) größte Preis der Geschichte

Wirtschaftskapitäne träumen genau so von ihm wie Erfinder und Entwickler oder Indiana Jones – dem „größten Preis“. Die Entdeckung, Entwicklung oder Erfindung, die alles verändert. Das Ereignis, das die Welt in ein Vorher und ein Nachher einteilt. Auch wenn es fantastisch klingt, hat es den „größten Preis“ tatsächlich einmal gegeben. Noch viel spannender ist aber, dass die Entdeckung eines noch größeren Preises gerade erst begonnen hat. Und wir können einmal vielleicht sogar sagen, wir sind dabeigewesen.

Als sich die Standard Oil of California in den 1930er Jahren in einem Bieter-Kampf um die Ölförder-Konzessionen in Saudi-Arabien gegen ein britisches Konsortium durchsetzte, indem sie die unerhörte Summe von 275.000 Dollar zahlte, herrschten Zweifel ob der Wirtschaftlichkeit dieses Handelns. Als Untersuchungen gigantische Ölvorkommen zu Tage förderten, sprachen von der US- Regierung in die Region entsandte Geologen vom „größten Preis der Geschichte“. Wie kann dieser größte Preis übertroffen werden? Die Antwort ist einfach: Indem ein Großteil dieser Funde überflüssig wird. Nach einer jüngst veröffentlichten Erklärung von BP können mit der derzeitigen Technik noch 2,6 Milliarden Barrel Rohöl gefördert werden. Das wäre mehr als das Doppelte als der von den meisten Szenarios erwartete weltweite Ölverbrauch bis zum Jahr 2050. Das Dilemma, vor dem diese Szenarios stehen, ist, dass sie den Verbrauch von Produkten abschätzen, die noch gar nicht erfunden wurden.

GROSSE ÜBERRASCHUNG
Demgegenüber steht der Trend zur Elektromobilität. In einer 2016 veröffentlichten Studie befragte das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine große Anzahl von Teilnehmern, ob sie diesen Trend mitgehen könnten oder würden. Wie zu erwarten, antwortete die große Mehrheit der Befragten mit „nein“. Die Begründungen kommen einem nur allzu bekannt vor: „Reichweite“, „Fehlende Ladestationen“, „Kosten“, „Zuverlässigkeit“, „Unbequemlichkeit“ und so weiter. Was die meisten Befragten nicht wussten, ist, dass ihre Bewegungsprofile per GPS überwacht wurden. Wie sich herausstellte, hätte für 87 Prozent ein Elektrofahrzeug mit aktueller Technik keinerlei Einschränkung bei ihren täglichen Aktivitäten mit sich gebracht.
ANGRIFF DER TECHNOLOGIEGIGANTEN

Die traditionelle Automobilindustrie verschließt sich keineswegs vor diesen Tatsachen, sie ist sich ihrer durchaus bewusst. Und sie weiß auch, dass Technologiegiganten wie (gerüchteweise) Apple oder Google mit seinem Konzept eines autonom fahrenden Autos gerade dabei sind oder zumindest angefangen haben, in ihrem angestammten Revier zu wildern. Dazu kommt, dass derzeit überall auf der Welt Energie- und Effizienzstandards ständig verschärft werden und schließlich, dass für die Generation der Millenials der Führerscheinerwerb inzwischen längst nicht mehr selbstverständlich, sondern lediglich eine Option unter vielen ist. Wie gesagt, die Automobilindustrie weiß um ihre Herausforderungen. Und sie reagiert: Bis zum Modelljahr 2020 werden fast alle der 14 großen Hersteller mit ihren insgesamt 54 Marken zumindest ein Elektrofahrzeug im Angebot haben. Bis 2020 sind es übrigens nur noch drei Jahre. Das E-Mobil-Angebot des Modelljahrgangs 2025 könnte dagegen sogar Elektro-Optimisten verblüffen. Autoherstellern, die es versäumen, mit einem entsprechenden Modellprogramm rechtzeitig auf den E-Mobil- Zug aufzuspringen, könnte es so gehen wie vor 80 Jahren den Briten in Saudi-Arabien. Sie könnten das „Nächste große Ding“ einfach verpassen. Aber bleiben wir bei allem Optimismus sachlich, denn wer sich bei einem geplanten Autokauf nicht selbst in den zugegeben luftigen Sphären des derzeitigen Tesla-Angebots bewegt oder bereits jemanden mit einem Tesla kennt, hat in der Regel aktuell kaum eigene Erfahrungen mit Elektromobilität und hat demzufolge auch noch nie die Bequemlichkeit, Coolness und den Spaßfaktor dieser Art der Fortbewegung aus erster Hand erlebt. Vor allem letzterer ist beträchtlich, wie ich selbst auf den 13.500 km meiner Tesla-Tour durch die Vereinigten Staaten erfahren durfte (siehe !derivate Magazin 1/2016, Seite 60). Reichweitenprobleme haben mich auf diesem Roadtrip übrigens nicht geplagt, dafür hatte ich aber jede Menge spannende Begegnungen mit an Elektromobilität interessierten Menschen.

18.11.2016 – DER GRÖSSTE PREIS 2.0
Als Tesla-CEO Elon Musk am 18. November 2016 die neuen Solarpaneele, die er künftig verkaufen möchte, vorstellte, war dieser Event nichts geringeres als die Neuauflage des „größten Preises“. Das Zusammengehen Teslas mit SolarCity hat viele Schlagzeilen produziert. Science-Fiction, mangelnde Wirtschaftlichkeit, fehlende Perspektiven. Und doch waren viele von dem vorgeführten Produkt nachhaltig beeindruckt, denn Science-Fiction ist heute: Mehr als fünf Millionen Dächer werden jedes Jahr in den USA erneuert. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, das Konzept von Tesla und SolarCity erneut vor Augen zu führen: Es reicht von der autonomen Energieerzeugung über die Speicherung bis zu Mobilität. Wenn das nicht der größte Preis 2.0 ist! Denn was private wie gewerbliche Konsumenten brauchen, sind nicht Kohle, Öl oder Gas, sondern Heizung, Warmwasser, Energie und Mobilität.
WER SIND DIE GEWINNER?
Wenn aber Öl, Kohle und Gas die Verlierer des langfristigen Energiewandels sind, wer sind dann die Gewinner? Auch hier gibt es eine klare Antwort: Kupfer, Nickel, Lithium und Kobalt. Entwicklung, Design und Fertigung von Elektrotechnik. Unternehmen, Gemeinwesen und Verwaltungen, die dem Energiewandel offen gegenüberstehen. Vor allem aber gehören die Konsumenten zu den Gewinnern. Sie werden zunehmend nicht nach einem bestimmten Antriebskonzept, sondern nach der besten Mobilitätslösung verlangen. Je „elektrischer“ diese sein werden, desto größer sind die Auswirkungen – nicht nur auf die Automobilindustrie. Je mehr „grüne Energie“ erzeugt, transformiert und genutzt wird, desto höher ist die Nachfrage nach Kupfer. Kupfer ist kein Rohstoff mehr, sondern Teil der Energiewende. Es gibt zahllose Geschichten von Kupferunternehmen und -investoren, die Anfang des Jahrtausends die steigenden Kupferpreise dazu nutzten, ihre Positionen glattzustellen. Hätten sie mehr Geduld gehabt, hätten sie fabelhaft reich werden können.
DIE KONSUMENTEN ENTSCHEIDEN
Ein paar Fakten machen deutlich, was gemeint ist: Das Durchschnittsauto enthält 100 kg Kupfer, ein Windpark mit einer Leistung von 200 Megawatt benötigt durchschnittlich 5 Tonnen Kupfer pro Megawatt – ein konventionelles Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerk dagegen nur 1 Tonne pro Megawatt. In einem durchschnittlichen amerikanischen Haushalt gibt es ca. 200 kg Kupfer, das von Tesla vorgestellte Energie- und Mobilitätskonzept mit Solarpaneelen, Akku und E-Auto benötigt dagegen sicherlich mehr als 500 kg. Das Potenzial für Lithium, Kobalt, Nickel und andere Metalle ist atemberaubend.

 

 

Was Anleger daraus mitnehmen sollten, ist, dass es die Konsumenten sind, die entscheiden, wohin der Weg führt und mit welcher Geschwindigkeit er beschritten wird. Die Stellung, die Automobil- und Ölindustrie im globalen Wirtschaftsgefüge derzeit noch innehaben, wird zunehmend von Technologieunternehmen bedroht. Die Energiewende, wann immer sie auch kommt, wird Gewinner und Verlierer haben. Sie ist jedoch möglich und sie kann gigantische Auswirkungen haben. Vor allem aber ist das, was Elon Musk und Tesla angestoßen haben, einer der größten Preise der Menschheitsgeschichte.

Auswahl an Finanzprodukten auf Kupfer

Name Produkt WKN Emittent Währungsrisiko Kurs
Kupfer X-pert Zertifikat DB5KUP Deutsche Bank X-markets ja 53,87 EUR
Copper Strategy Zertifikat VT4RRR Vontobel ja 75,40 EUR
Freeport-McMoRan Aktie 896476 nein 12,52 EUR
Glencore Aktie A1JAGV nein 3,68 EUR

Quelle: Ariva.de, Stand: 30.03.2017

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