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Megatrend Nachhaltigkeit

Foto: Arabesque
Selbstgestrickte Pullover und Birkenstocks? Darum geht es wirklich nicht, wenn der Megatrend Nachhaltigkeit von Börsenteilnehmern beleuchtet wird. Arabesque S-Ray zeigt dies unter anderem an deutschen Aktienwerten.

Für Unternehmen und Investoren umfasst der Begriff Nachhaltigkeit diejenigen Informationen, die von Bedeutung sind, wenn Risiken vermieden und bessere Erträge generiert werden sollen. Vereinfacht gesagt ist ein Unternehmen nur dann nachhaltig, wenn es in zehn Jahren wahrscheinlich noch existiert. Wenn sich die Unternehmerphilosophie jedoch zu sehr auf die Optimierung kurzfristiger Gewinne fokussiert, können langfristige Risiken übersehen oder billigend in Kauf genommen werden. Ein handfester Skandal mit katastrophalen Auswirkungen für Mitarbeiter und Investoren könnte dann die Folge sein.

Insbesondere die Vorfälle bei Volkswagen mit manipulierter Software im Zusammenhang mit Abgastests und Japans drittgrößtem Stahlkonzern Kobe Steel, dessen Produktdaten seiner weltweiten Lieferungen scheinbar viele Jahre gefälscht wurden, dürften vielen Anlegern noch in Erinnerung sein. Schmerzhaft war sicherlich auch der Kursverfall des einstiegen Zugpferds der Erneuerbare-Energien-Industrie SunEdison (Marktkapitalisierungsschwund um beinahe 10 Milliarden Dollar) oder auch der Bilanzskandal um Toshiba, bei dem der Gewinn um 1,1 Milliarden Euro geschönt wurde. Mutmaßliche Bilanzfälschungen beim Einzelhandelskonzern Steinhoff und dem Pharma-Hersteller Valeant schockten die Finanzmärkte zusätzlich.

Enorme Zugkraft

Auch aus diesem Grund hat sich das Thema Nachhaltigkeit im Jahr 2017 weiter zu einem globalen Megatrend entwickelt. Wichtige Knotenpunkte im Finanzsystem haben dabei entscheidende Schritte mit Signalwirkung eingeleitet. So wurde der Entsorgungsfonds zur Finanzierung des Kernenergieausstiegs in Deutschland mit dem Mandat ausgestattet, 24 Milliarden Euro nachhaltig anzulegen. Vor allem durch die Größe und die Aufmerksamkeit, die der Fonds erhält, ist seine Rolle bei der Verbreitung des nachhaltigen Investierens enorm.

Darüber hinaus verkündete der schwedische Minister für Finanzmärkte Per Bolund bei der jährlichen Konferenz der Principles for Responsible Investments (PRI), dass Fonds, die im schwedischen „Premium Pension System“ angeboten werden, künftig nachweisen müssten, wie Nachhaltigkeit im Investmentprozess berücksichtigt wird. In Japan hat der weltweit größte Pensionsfonds GPIF mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1,3 Billionen Dollar die Zielallokation zu nachhaltigen Investments auf 10 Prozent erhöht. Und unter der Führung von Mark Carney, dem Gouverneur der englischen Zentralbank, hat die Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) ihre Empfehlungen vorgelegt, welche Informationen zu Klimarisiken von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden sollten.

Aktion und Reaktion

Die Entwicklung von Nachhaltigkeit war jedoch auch in 2017 nicht reibungslos. So haben sich beispielsweise die USA aus dem Klimavertrag von Paris verabschiedet. Doch die darauffolgenden Reaktionen amerikanischer Unternehmen, Bundesstaaten und Städte waren immens. Trotz der Entscheidung des Präsidenten haben diese eine fortlaufende Unterstützung des Pariser Abkommens zugesichert. Die Relevanz dieser Reaktion ist nicht zu unterschätzen. Immerhin zeigt sie, dass wichtige Entscheidungsträger in der amerikanischen Wirtschaft und Politik Nachhaltigkeit – an dieser Stelle in Form von Klimaschutz – als Zukunftsmodell sehen. Auch diese Unterstützung sollte der weiteren Entwicklung des Nachhaltigkeitstrends einen kräftigen Rückenwind schenken.

In der Europäischen Union beispielsweise werden im Januar 2019 alle Unternehmenspensionskassen dazu verpflichtet, Nachhaltigkeit in den Investmentprozess zu integrieren und darüber zu berichten. Unternehmen mit Sitz in Europa müssen derartige Informationen bereits zur Verfügung stellen. Weiterhin arbeitet die Europäische Union mit der High-Level Expert Group on Sustainable Finance an einer umfassenden Strategie zu nachhaltigem Investieren.

Engpässe der Informationen

Für das operative Geschäft hat der anhaltende Trend zur Nachhaltigkeit deutliche Folgen. Von Investoren und Unternehmen werden nicht mehr nur punktuelle Antworten auf Fragen zu Klimaschutz, Achtung von Menschenrechten und Vermeidung von Korruption erwartet, vielmehr muss eine strategische Integration in die jeweiligen Geschäftsprozesse erfolgen. Doch genau das birgt große Herausforderungen.

So werden die Unternehmen von einer Vielzahl von Ratingagenturen nach sehr ähnlichen Informationen auf unterschiedliche Weise gefragt. Um den Aufwand überschaubar zu halten, arbeiten die meisten Unternehmen nur mit wenigen ESG-Ratingagenturen. Das hat zur Folge, dass Investoren auch nur eine geringe Auswahl an Partnern haben. Zusätzlich variieren die Ergebnisse der Ratingagenturen teilweise sehr stark und werden häufig nur einmal im Jahr aktualisiert. Ein weiteres Problem ist, dass die Geschäftsmodelle der meisten Nachhaltigkeits-Ratingagenturen häufig nicht besonders gut skalierbar und oftmals inkonsistent sind. Jedes Unternehmen wird von individuellen Analysten in manuellen Prozessen analysiert. Dieser Prozess ist personalintensiv und teuer.

Es lässt sich daher festhalten, dass eine derartige Infrastruktur nicht ausreicht, um das steigende Bedürfnis nach Nachhaltigkeitsinformationen zu bedienen. Ein neues, skalierbares Geschäftsmodell wäre also notwendig, um die anstehenden Herausforderungen einer exponentiell steigenden Nachfrage zu meistern.

Big Data und künstliche Intelligenz

Eine interessante Alternative zu den traditionellen Ratingagenturen wie beispielsweise Sustainalytics und MSCI bietet Arabesque S-Ray. Einfach ausgedrückt handelt es sich hierbei um ein Programm, das aus Zehntausenden Datenpunkten in Echtzeit errechnet, wie umwelt- und menschenfreundlich ein Unternehmen ist. Bei näherer Betrachtung lässt sich schnell erkennen, dass die junge Frankfurter Fondsgesellschaft Arabesque alles andere als oberflächlich agiert. Mit S-Ray werden Daten von verschiedenen Ratingagenturen und aus mehr als 50.000 Quellen in 15 Sprachen aggregiert. Für eine solche Mammutaufgabe wäre eine manuelle Verarbeitung zu personalintensiv. Für die tägliche Verarbeitung dieser Vielzahl von Daten bedient sich S-Ray künstlicher Intelligenz.

Drei Dimensionen

Zuerst wird eine Beurteilung von Unternehmen in Bezug auf die Achtung der Prinzipien des UN Global Compact vorgenommen. Dabei geht es um die Beachtung von Menschen- und Arbeitsrechten, Umweltschutz und Vermeidung von Korruption. Danach wird das Risikomanagement von Unternehmen in den Bereichen Umwelt („E“ für „Environment“), Soziales („S“ für „Social“) und Unternehmensführung („G“ für „Governance“) beurteilt. Diese drei Bereiche werden oft auch ESG Kriterien genannt. Als drittes untersucht S-Ray, ob Unternehmen Umsätze mit kontrovers diskutierten Gütern und Dienstleistungen erwirtschaften, da viele Investoren beispielsweise Waffen, Tabak oder Glücksspiel ausschließen wollen. Damit verfügt Arabesque S-Ray über drei Dimensionen.

Doch damit nicht genug! Durch die Anwendung von Big Data und künstlicher Intelligenz ermöglicht S-Ray die Abgrenzung zu traditionellen Nachhaltigkeitsagenturen. Mit zirka 7.000 am Aktienmarkt gelisteten Unternehmen aus 75 Ländern und einer Abdeckung von 90 Prozent der globalen Marktkapitalisierung verfügt S-Ray über das weltweit größte Analyseuniversum. Gerade die tägliche Berechnung bietet den Vorteil, dass negative Entwicklungen bei Unternehmen schneller in die Bewertung integriert werden können. Dabei erlauben computergesteuerte Prozesse ein stetiges Wachstum des Investmentuniversums. Darüber hinaus sind alle Bewertungen unabhängig von einzelnen Datenquellen oder individuellen Einschätzungen. Vergleichbare Unternehmen werden mit dem gleichen Rezept bewertet.

Öffentliche Daten

Aus Investorensicht lässt sich also festhalten, dass S-Ray als Nachhaltigkeitsprozess für Aktienportfolios entwickelt wurde. Die Kalibrierung, welche Informationen in die Bewertung eingehen, hängt von dem erwarteten Einfluss auf die risikoadjustierte Rendite ab. Das Beste daran: Das seit August 2014 in Investmentprozessen verwendete S-Ray ist seit April 2017 öffentlich verfügbar. Unternehmen wie State Street, S&P, Bloomberg und Deutsche Bank integrieren diese Daten bereits seit längerem in ihre Geschäftsprozesse.

„Über unsere Partnerschaften wie zum Beispiel mit den Depotbanken sind die Bewertungen von S-Ray für ein Drittel der Aktionäre eines Unternehmens verfügbar. Da diese Transparenz zu signifikanten Reallokationen von Kapital führen kann, ist es für Unternehmen von Bedeutung, wie die jeweilige Bewertung aussieht und vor allem wie sie zustande kommt“, sagt Andreas Feiner, einer der Gründungspartner von Arabesque. Die ersten multinationalen Unternehmen aus Deutschland und Kanada haben Arabesque deshalb beauftragt, Hintergrundinformationen über die S-Ray Bewertung über einen Zeitraum von einem Jahr zur Verfügung zu stellen. „Mit S-Ray wollen diese Unternehmen die externe Wahrnehmung mit dem eigenen Bild abgleichen und eventuellen Handlungsbedarf identifizieren. Für den Fall, dass ein Unternehmen konkrete Maßnahmen durchführen möchte, arbeiten wir mit renommierten Beratungsunternehmen zusammen, die dann übernehmen“, ergänzt der Nachhaltigkeitsspezialist Feiner.

Mit einer zeitlichen Verzögerung von drei Monaten sind die Bewertungen für zirka 7.000 Unternehmen von Arabesque S-Ray übrigens kostenfrei verfügbar. „Wir wollen jedermann die Möglichkeit geben, sich über die Nachhaltigkeit von Unternehmen weltweit zu informieren. Nur dann können wir unserer Mission gerecht werden und einen Beitrag zur Verbreitung von Nachhaltigkeit leisten“, sagt Dr. Tim Verheyden, verantwortlicher Leiter für Arabesque S-Ray.

Deutsche Unternehmen

Derzeit liegen für 169 deutsche Unternehmen aus 15 Sektoren Bewertungen durch Arabesque S-Ray vor. Der Durchschnitt dieser Unternehmen für den Arabesque ESG Wert liegt bei 53,1, der für den Arabesque S-Ray Global Compact Wert beträgt 56,4. Deutsche Unternehmen rangieren damit im internationalen Vergleich im oberen Drittel. Insbesondere die Sektoren Industrie, Chemie und nichtzyklische Konsumgüter schneiden hier sehr stark ab. Der Sektor für zyklische Konsumgüter ist im internationalen Vergleich jedoch unterdurchschnittlich bewertet. Dies liegt vor allem an den niedrigen Bewertungen für den Arabesque S-Ray ESG Wert für deutsche Autobauer.

Gemessen am Arabesque S-Ray ist das deutsche Versicherungsunternehmen Talanx AG (WKN TLX100) das nachhaltigste Unternehmen in Deutschland. Talanx rangiert damit unter den besten 1 Prozent aller Unternehmen weltweit und ist auf dem 28. Rang im Vergleich zu zirka 7.000 Unternehmen zu finden.

DEUTSCHLANDS NACHHALTIGSTE UNTERNEHMEN PRO SEKTOR

Unternehmen Global-Compact-Wert ESG-Wert
  Absoluter Wert (0 –100) Globale Platzierung Absoluter Wert (0 –100) Globale Platzierung innerhalb des Sektors
Aurubis AG 67.12 Top 10% 67.22 Top 10%
Axel Springer SE 65.45 Top 10% 62.29 Top 10%
Bayer AG 62.59 Top 20% 56.56 Top 20%
Deutsche Post AG 68.65 Top 10% 64.23 Top 10%
E.ON SE 67.00 Top 10% 64.54 Top 10%
Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA 59.33 Top 30% 60.22 Top 10%
HOCHTIEF AG 70.86 Top 10% 68.21 Top 10%
HUGO BOSS AG 62.13 Top 20% 64.38 Top 10%
Infineon Technologies AG 65.96 Top 10% 54.61 Top 50%
MAN SE 65.99 Top 10% 64.59 Top 10%
OSRAM Licht AG 66.79 Top 10% 67.40 Top 10%
Symrise AG 69.14 Top 10% 65.37 Top 10%
Talanx AG 66.32 Top 10% 68.95 Top 10%
Telefonica Deutschland Holding AG 63.99 Top 20% 60.93 Top 25%
Wincor Nixdorf AG 58.90 Top 30% 57.02 Top 20%
Quelle: Arabesque S-Ray (https://app.arabesque.com/), alphabetische Reihenfolge
Die Tabelle zeigt die jeweils führenden Unternehmen in Deutschland in ihren jeweiligen Sektoren. Gemessen am Arabesque S-Ray ESG Wert gehören elf der fünfzehn Unternehmen auch international zu den besten 10 Prozent des Sektors. Gemessen am Arabesque S-Ray GC Wert schneiden immerhin noch zehn der fünfzehn Unternehmen auch international in den Top 10 Prozent ab.
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