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Mit Express-Zertifikaten der Zinsfalle entkommen

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat sich in diesem Jahr noch einmal verschärft. Magere Zinsen sollen der Weltwirtschaft auf die Beine helfen, erschweren es Investoren aber, eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Express-Zertifikate verkörpern eine defensive Strategie, um höhere Renditen zu ergattern.

Mit Express-Zertifikaten der Zinsfalle entkommen - Teil 1

EZB-Chef Mario Draghi drückt aufs Tempo. Die jüngsten Inflations- und Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone waren so enttäuschend, dass die europäische Zentralbank (EZB) mit drastischen Maßnahmen gegensteuert. Der europäische Leitzins wurde auf null gesenkt, eine Aufstockung des Anleihekaufprogramms beschlossen und der Strafzins für Bankeinlagen erhöht. Der Erfolg dieser expansiven Geldpolitik ist zwar umstritten, aber Investoren können ihr nur schwer entkommen, da weltweit ein Trend zu sinkenden Zinsen besteht. Selbst langlaufende zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit keine 0,20 Prozent Rendite ab.

Gleichzeitig ist die Volatilität deutlich angestiegen. Sowohl am Aktien- als auch am Anleihemarkt schwanken die Kurse seit dem vergangenen Jahr deutlich kräftiger als in den Vorjahren. In diesem Volatilitätsumfeld werden viele Zertifikate attraktiver, da die höhere Schwankungsbreite den Papieren zugute kommt. Das kürzlich von der Société Générale emittierte Memory-Express-Zertifikat auf den Euro STOXX 50 bietet aktuell eine Verzinsung von 5,25 Prozent an, wenn der europäische Leitindex sich stabil entwickelt.

 

Kein Zins – Anlagealternativen gesucht

Ansprechende Zinsen und dennoch defensiv ausgerichtet sein – das ist der Grund für die Beliebtheit der Express-Zertifikate, wie auch die jüngste Marktvolumenstatistik des Deutschen Derivateverbandes (DDV) zeigt. Sie nehmen unter den Anlageprodukten den vierten Platz ein. Nicolai Tietze, Zertifikateexperte der Deutschen Bank sieht den Erfolg in der Chance auf eine schnelle und ansehnliche Rückzahlung: „Express-Zertifikate gewähren dem Anleger im positiven Fall nach wenigen Monaten eine attraktive Rückzahlung, selbst wenn die Märkte stillstehen sollten. In Seitwärtsphasen kann dieser Zertifikatetyp daher durchaus eine clevere Alternative zu einem Direktinvestment in einer Aktie sein“.

Der Kupon, also die Gewinne der Express-Zertifikate, hängt von der Entwicklung am Aktienmarkt ab, weil der zugrundeliegende Basiswert meist eine Aktie oder ein Index ist. Gleichzeitig mildern die eingebauten Sicherungsmechanismen die Aktienmarktrisiken ab, weshalb die Renditechancen häufig zwischen Aktien und Anleihen liegen. Charakteristisch ist außerdem die schnelle Renditechance, da Express-Zertifikate vor dem Laufzeitende zugunsten des Anlegers gekündigt werden können.

 

So funktioniert‘s

Eigentlich ist die Familie der Express-Papiere ein Anlageinstrument für den langfristigen Anleger. Die Laufzeiten können nämlich mehrere Jahre betragen. Entwickeln sich die Aktie oder der Index aber stabil, kann es zur vorzeitigen Rückzahlung zu einem vorher festgelegten Zinskupon und Nennbetrag (oft 100 Euro) kommen. Hierzu muss zu bestimmten Bewertungstagen eine vorher definierte Rückzahlungsschwelle, auch Tilgungsschwelle genannt, mindestens erreicht werden, andernfalls läuft das Papier bis zum nächsten Bewertungstag weiter. Die Schwelle, die über Rückzahlung oder Weitermachen entscheidet, entspricht meist dem aktuellen Kurs des Basiswerts bei Auflage des Zertifikats. Die Bewertungstage sind meist im ein- oder halbjährlichen Rhythmus festgelegt und an jedem einzelnen Termin besteht wieder die Chance auf eine vorzeitige Rückzahlung von Nennbetrag und Kupon, der nun kumuliert wird. Der Rückzahlungsbetrag wird also in der Grundvariante der Express-Zertifikate im Laufe der Zeit um den Kupon größer.

Am letzten Bewertungstag zum Laufzeitende entscheidet nicht die Rückzahlungsschwelle, sondern eine Barriere über Rückzahlung plus Kupon. Die Barriere wird bei Auflage des Zertifikats deutlich unter dem aktuellen Basiswertkurs festgelegt. Erst wenn die Barriere zu diesem letzten Stichtag unterschritten wird, entstehen Verluste in Höhe der negativen Performance des Basiswerts. Express-Zertifikate haben also mehrere Nebenbedingungen und genau hier setzen die Unterschiede an.

Mit Express-Zertifikaten der Zinsfalle entkommen - Teil 2

Für jeden Geschmack ist etwas dabei

Ein Ansatzpunkt ist der Kupon, der je nach Ausgestaltung auch gesichert sein kann, also unbedingt ausgezahlt wird, unabhängig von der Rückzahlungsmöglichkeit. Diese Sicherheit hat aber ihren Preis. Die Kupons dieser Varianten fallen meist geringer aus als bei anderen. Außerdem kann bei bestimmten Express-Zertifikaten eine zusätzliche Barriere nicht allein zur Fälligkeit aktiviert werden, sondern für die ganze Laufzeit – so konzipiert beim Papier der Credit Suisse (siehe Tabelle).

Eine andere Variante besteht in der Veränderung der Rückzahlungsschwellen während der Laufzeit. Die Zertifikate der Deutschen Bank, Credit Suisse und Commerzbank haben fallende Schwellen, die von einem Termin auf den nächsten um 5 bis 10 Prozent sinken. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit nimmt zu.

 

Partizipation und Memory

Und manche Expressvarianten bieten sogar eine moderate Partizipation an der Wertentwicklung des Basiswerts. Ein Beispiel hierfür ist das ausgewählte Best Express-Zertifikat auf den Euro STOXX 50 von HVB Onemarkets, das im vergangenen Jahr den Publikumspreis bei den Zertifikateawards 2015 gewonnen hat. Zum Nennbetrag kann entweder der vorgesehene Zinskupon von 3,4 Prozent p.a. ergattert werden oder die Indexperformance, wenn sie höher ausfällt. Klettert der Euro STOXX 50 vom Ausgangsniveau von rund 3.442 Punkten um 20 Prozent nach oben, erzielen Anleger 120 Euro.

Der Vergleich von Indexperformance und Kuponzahlung gilt an jedem der vorgesehenen Bewertungstage. Sollte es nicht zu einer vorzeitigen Rückzahlung kommen, schützt am Laufzeitende im Juni 2020 eine Barriere bei rund 2.237 Punkten wenigstens den Nominalbetrag. Fällt der Index unter dieses Niveau, schlagen sich die Verluste allerdings 1:1 im Zertifikat nieder. Trotz Teilabsicherung sind bei einer positiven Aktienmarktentwicklung höhere Erträge als bei herkömmlichen Express-Zertifikaten möglich. Beim Papier der HVB muss der Euro STOXX 50 allerdings schon mehr als zehn Prozent zulegen, um sein Ausgangsniveau wieder zu erreichen. Für die Aufholjagd haben Anleger aber noch eine Menge Zeit.

Eine andere Variante sind die sehr beliebten Memory Express-Zertifikate. Hier können die Kuponzahlungen zu jedem Bewertungstag nachgeholt werden können, eben erinnert werden. Wird eine unterhalb der Rückzahlungsschwelle liegende Memory-Schwelle an einem Bewertungstag nicht verletzt, bekommen Anleger direkt den Zinskupon ausgezahlt und können ausgefallene Zinszahlungen nachholen. „Bei Memory Express-Zertifikaten haben Anleger die Chance, den vorgesehenen Zinskupon auch dann zu erhalten, wenn es nicht zu einer vorzeitigen Rückzahlung kommt“, erklärt Derivateexperte Peter Bösenberg von der Société Générale die Vorzüge dieser Papiere. Am Laufzeitende muss der Schlusskurs des Basiswerts auf oder über der Memory-Barriere liegen, um den Nennbetrag plus Kupon und gegebenenfalls ausgefallene Kupons zu bekommen.

 

Express-Zertifikate sind also eine attraktive, defensive Alternative zu einem Engagement am Aktien- oder Rentenmarkt. Auch während der Laufzeit bestätigen sich diese Charaktereigenschaften: In moderat fallenden Börsen verlieren sie üblicherweise weniger als der Basiswert selbst, dafür fällt der Gewinn bei Kurszuwächsen schwächer aus als im Basiswert selbst. An den Bewertungstagen kann dann die Belohnung erfolgen und mehr als die markt- üblichen Tagesgeldzinsen ist allemal drin.

Ausgewählte Anlagezertifikate

Produktbezeichnung Emittent Basiswert WKN Nächster Bewertungstag Finaler Bewertungstag Kupon in % Nächste Rückzahlungsschwelle Barriere bei Fälligkeit
Express-Zertifikat Commerzbank Lufthansa CZ35NJ 10.05.16 08.05.19 6,50 (kumulierend) 15,93 Euro (fallend) 10,62 Euro
Fixed Kupon Express-Zertifikat Credit Suisse EuroSTOXX 50 CS8A92 17.03.17 27.03.21 2,50 (unbedingt) 3.043,10 Punkte (fallend) 2.434,48 Punkte [1]
Express-Zertifikat Deutsche Bank Allianz DB2GZG 16.09.16 18.09.20 6,40 (kumulierend) 142,15 Euro (fallend) 85,29 Euro
Best Express-Zertifikat HVB Onemarkets Euro STOXX 50 HVB1XY 30.06.16 07.07.20 3,40 (kumulierend) 3.441,76 Punkte (konstant) 2.237,144 Punkte
Memory Express-Zertifikat Société Générale Euro STOXX 50 SE3W70 06.02.17 04.02.21 5,25 (Memory) 2.870 Punkte (konstant) 1.865,50 Euro (Memory)

[1]: kontinuierliche Barriere bei 2.191,032

Quelle: Derivate Magazin

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