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Renaissance der Abgeschriebenen

Foto: studio157 / iStock

In den zurückliegenden Jahren zogen viele Schwellenländer-Märkte die Investoren nicht unbedingt in ihren Bann. Die Performance war mäßig bis unterdurchschnittlich, die Sorge vor der ausbleibenden Wende groß. Spätestens seit Jahresbeginn fragen sich viele Beteiligte, ob das Comeback eingeläutet ist. Mitunter locken satte Zugewinne. Dessen ungeachtet bereiten wirtschaftliche und politische Unsicherheiten den Finanzakteuren aber weiterhin Sorge. Mit Index-Zertifikaten lässt sich an der Wertentwicklung einzelner Staaten oder Regionen teilhaben.

Die Investment-Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt. Viele Märkte in allen Himmelsrichtungen sind in den zurückliegenden Jahren erschlossen worden. Unter dem Akronym „BRIC“ begann vor über 15 Jahren der Siegeszug einzelner Schwellenländer. Dies sind Staaten, die sich auf dem Sprung zum erlauchten Kreis der Industrienationen befinden – in der Realität ist das ein langer und steiniger Weg. Der Erfolg ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Langfristig wirkende Faktoren wie eine vergleichsweise günstige demografische Struktur, hohe Investitionen in die Bildung sowie eine schnell heranwachsende und kauffreudige Mittelschicht machten die so genannten Emerging Markets zu einem fast schon unverzichtbaren Depotbestandteil. Der MSCI Emerging Markets-Index beispielsweise schnellte in die Höhe. Anouch Wilhelms, Derivate-Experte, Equity Markets & Commodities bei der Commerzbank, erklärt einleitend: „Die Emerging Markets, so unterschiedlich sie im Einzelnen sein mögen, haben rückblickend im Vergleich zu den Industriestaaten enorm auf.geholt. Das ist auf mehrere Faktoren zurück.zuführen. Die so genannten aufstrebenden Märkte weisen hohe Wachstumsraten ihrer Wirtschaften auf. Ein Index wie beispielswei.se der MSCI Emerging Market bildet 837 börsennotierte Unternehmen aus 23 Ländern ab. Geografisch besteht der Index aus lateinamerikanischen Werten, Afrika und Asien, wobei Asien den Großteil bildet“.

Keine Einbahnstraße

Mit der Finanzkrise 2008, spätestens aber ab den Jahren 2011/2012, mussten Anleger erkennen, dass auch die Schwellenländer-Story keine Einbahnstraße ist. „Ausverkauf bei den Schwellenländern“, „Schwellenländer-Währungen im Crash“, „Das Sentiment für die Schwellenländer ist schlecht“ sind nur einige wahllos herausgegriffene Headlines.
Der Hochglanz-Lack war ab und der Glamour des Hypes verblasste. Ein Bündel an Grün.den war für diesen temporären Niedergang verantwortlich. Das Wachstum in China verlangsamte sich. Zweistellige Zuwachsraten sind passé. Die Sorgen vor einem massiven Zinsanstieg in den USA erschwerte die Erholung in den sich entwickelnden Staaten. Nicht zuletzt wurden fehlende politische Re.formen angeprangert. Einige Währungen gerieten massiv unter Druck. Insgesamt haben Schwellenländeraktien von 2011 bis Anfang 2016 nahezu 40 Prozent verloren. Der breite MSCI Emerging Markets-Index sackte im Januar 2016 kurzzeitig bis auf knapp 690 Punkte ab. Dann setzte jedoch die Erholung ein. Die schlechten Nachrichten schienen in den Wertpapierkursen mittlerweile eingepreist zu sein, die Bewertung einzelner Länder-Indizes und Währungen war im Vergleich zu den USA und Europa durchaus attraktiv.

Anleger kehren zurück

Nicht zuletzt der sehr moderat ausgefallene Zinsanstieg in den USA sorgte dafür, dass viele Märkte Morgenluft wittern und deutlich im Plus liegen. Trübsal blasen war gestern. Schwellenländer steigen wieder in der Anlegergunst. „Zieht man den MSCI Emerging Markets als Maßstab heran, so haben die aufstrebenden Aktienmärkte seit dem Mehrjahrestief vom Januar 2016 eine deutliche Erholungsbewegung gesehen. Für eine nachhaltige untere Umkehr ist aus charttechnischer Sicht allerdings ein Spurt über die wichtige Widerstandszone zwischen 824 und 856 Punkten nötig“, beschreibt Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei der HSBC Deutschland, die aktuelle Situation des breiten Schwellenländer-Index. Tatsächlich sind viele Anleger, die vormals die Flucht ergriffen, 2016 wieder zurück. Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank, den Leitzins unangetastet zu belassen, könnte weiteren Rückenwind für die Schwellenmärkte bedeuten. Das dürfte einer der ausschlaggebenden Gründe für deren Comeback in den vergangenen Monaten gewesen sein.

Investieren kann man in den breiten MSCI Emerging Markets-Index oder andere Länder-Indizes beispielsweise über die Vielfalt der Zertifikate. Die Industrie hat schon lange die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Produkte auf den Markt gebracht. So bietet Commerzbank ein Index-Zertifikat auf den MSCI Emerging Markets Index an (WKN: CM267L). Das Zertifikat wird in Euro berechnet. Auch die BNP Paribas ist seit Herbst 2006 mit einem Index-Zertifikat auf den MSCI Emerging Markets Index dabei (WKN: AA0A62).

Volatiles Brasilien

Anleger, die an den Chancen einzelner Märkte partizipieren möchten, könnten das auch über entsprechende Länder-Indizes tun. So beispielsweise in Brasilien, quasi stellvertretend für Lateinamerika. Berichten die Medien über soziale Unruhen, den Verdacht auf Korruption auf höchster staatlicher Ebene, so zeichnet die Börse am Amazonas (Bovespa) ein anderes Bild. Ein zweistelliges Plus seit Jahresanfang ist mehr als ordentlich. Allerdings ist der brasilianische Markt traditionell sehr volatil. Skeptiker geben zu bedenken, dass die politische Unsicherheit in Brasilien die Umsetzung notwendiger Reformen erschwert und große Zweifel an einer nachhaltigen Erholung der brasilianischen Wirtschaft aufkommen lässt. Auch der IWF warnte unlängst. Für 2016 sei mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent zu rechnen, so der IWF. Diejenigen, die dennoch künftiges Steigerungspotenzial sehen, könnten sich das X-pert Zertifikat der Deutschen Bank auf den Bovespa Index anschauen (WKN: DB1CC7). Eine Alternative ist das Open-End Zertifikat auf Bovespa TR von BNP Paribas (WKN: ABN2MJ).

Viel Arbeit für China

Ein Blick gen Osten führt unweigerlich nach China. Längst ist das Land keine verlängerte Werkbank des Westens mehr. Vielmehr hat es die chinesische Führung vollbracht, dass das Riesenreich seit drei Jahrzehnten der fast schon unangefochtene Wachstumsstar der Weltwirtschaft ist. Diese einzigartige und positive Entwicklung strahlte bisweilen auf die gesamte Weltwirtschaft aus und sorgte für Booms in zahlreichen rohstoffreichen Schwellenländern. Im aktuellen 13. Fünf-Jahres-Plan, der sich dem Ziel einer „moderately prosperous society“ verpflichtet fühlt, wird eine jährliche Wachstumsrate bis 2020 von 6,5 Prozent angenommen; insofern sollten die jüngsten Zahlen noch nicht beunruhigen. Offenbar ist sich auch die Führung in Peking des Problems der Schuldenproblematik im Schattenbanksektor und den so genannten „zombie firms“ bewusst und geht dies vehement an. Einige Emittenten bieten Open End-Zertifikate auf den Hang Seng Index an. Die SGA Société Générale Acceptance N.V. ist beispielsweise mit dem Partizipations-Zertifikat (WKN: 819430) im Markt unterwegs. In diese Kategorie fällt alternativ auch das entsprechende X-pert Zertifikat der Deutschen Bank (WKN: 372141).

Langristig im Blick

Es gilt festzuhalten, dass Schwellenländer durchaus langfristig ihren Platz in einem breit diversifizierten Portfolio haben sollten. „Mit Zertifikaten können Investoren einfach, gestreut und kostengünstig auch auf diesen Märkten aktiv werden, ohne den direkten Weg an eine exotische Börse gehen zu müssen. Anleger sollten bei Emerging-Markets-Investments die Diversifikation im Portfolio aber nicht außer Acht lassen“, sagt abschließend Matthias Hüppe, Zertifikate-Experte bei der HSBC in Düsseldorf.

Ausgewählte Anlagenzertifikate mit Fokus Schwellenländer

PRODUKTBEZEICHNUNG EMITTENT BASISWERT WKN
MSCI Emerging Markets Index unlimited (COB) Commerzbank MSCI Emerging Markets Index CM267L
MSCI Emerging Markets Price Index open end (BNP) BNP Paribas MSCI Emerging Markets Price Index AA0A62
IBOVESPA Index open end (DBK) Deutsche Bank IBOVESPA DB1CC7
IBOVESPA Index open end (BNP) BNP Paribas IBOVESPA ABN2MJ
HangSeng Index open end (SG) Société Générale HANG SENG 819430
HangSeng Index open end (DBK) Deutsche Bank HANG SENG 372141
HangSeng Index open end (BNP) BNP Paribas HANG SENG 571860

Quelle: finanztreff.de

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