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Schnullerzertifikate – am Milliardenmarkt „Baby“ partizipieren

Schnullerzertifikate – am Milliardenmarkt „Baby“ partizipieren

Fläschchen geben, Windel wechseln, baden und eincremen. Die große Auswahl an nützlichen und überflüssigen Babyprodukten machen sich einige große Konzerne zu Nutze – zum Leidwesen des Portemonnaies besorgter Eltern. Doch auch Anleger können mit gezielten Investments an diesem Milliarden-Markt partizipieren. Das gilt insbesondere für Mütter und Väter, deren kleinen Familienmitgliedern es an nichts fehlen soll.

Eines ist klar: Eltern wollen nur das Beste für ihren Nachwuchs und unter keinen Umständen mit dem Makel leben, an der Gesundheit und Sicherheit des eigenen Kindes zu sparen. Der Preis spielt bei den Einkäufen dann auch irgendwann keine Rolle mehr. Es wird gekauft, was scheinbar nötig ist – die befreundeten Familien machen es ja auch.

Gefangen im Kaufrausch

Damit sind gerade unerfahrene Eltern die idealen Konsumenten der unzähligen Babyprodukte. Sie durchlaufen meist zwei klassische Einkaufsphasen. Die erste findet bereits vor der Geburt statt, denn wenn kleine Strampler einfach zu niedlich und etliche Hygiene-Artikel unbedingt notwendig sind sowie der Kinderwagen, das Bett und der Autositz logischerweise vom Testsieger sein müssen, werden schnell die gesteckten Preisgrenzen niedergerissen.

Der zweite Kaufrausch setzt ein, wenn das Kind endlich da ist, die Eltern aber mit der neuen Situation kämpfen. Schließlich versprechen der Schlummer-Bär, der das Geräusch im Mutterbauch imitiert, der Fläschchen-Wasserkühler, die anklemmbare Stilllampe, die Sensormatte oder Baby-CDs mit Schlafliedern weniger Stress (für die Eltern). Das Gute ist: Die Hersteller von Babypflegeprodukten, Breigläschen und Windeln wollen ihre Produkte stetig verbessern und arbeiten kontinuierlich an der Qualität. „Das hat vor allem mit unserem sehr hohen Qualitätsanspruch in Verbindung mit Verlässlichkeit und Vertrauen zu tun. Das Original ist besser als die Kopie und Qualität kostet Geld“, antwortete einst Claus Hipp auf die Frage, wie sich der Nahrungsmittel- und Babykosthersteller Hipp trotz hoher Preise am Markt durchsetzen könne.

Von Kleingeld ist keine Rede

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass hier ein Milliardenmarkt entstanden ist, bei dem es längst nicht mehr um Kleingeld geht. Laut einer Nielsen-Studie werden in Deutschland rund 63 Prozent der abgesetzten Babypflegeartikel in Drogeriemärkten verkauft. Das bedeutet, dass allein dort pro Jahr nicht weniger als 800 Millionen Euro für rund 200 Millionen Babypflegeartikel über den Tisch gehen. So gibt es in der Babyindustrie mittlerweile auch nichts mehr, das es nicht gibt. Man denke nur an parfümierte Windeltüten, Lauflernhilfen und Feuchttuchwärmer.



Angesichts dieser Vielfalt an Pflege- und Medizinprodukten dürfte sich die Mehrheit der Eltern im Namen der süßen Schreihälse über den Wickeltisch gezogen fühlen. Sollen doch allein Deutschlands Baby-Popos mit Mittelchen im Wert von 300 Millionen Euro jährlich eingecremt werden.



Somit sind junge Mamas und Papas nicht um die regelmäßigen Shoppingexpeditionen zu beneiden. Beschäftigen sich diese dann mit äußerst entscheidenden Fragen wie zum Beispiel, welche Beschaffenheit die Feuchttücher haben sollten. Besser mit oder ohne Aloe Vera, Hypoallergenen oder Bioqualität? Welche Windeln kommen eigentlich in Frage – Baby Dry, Active Fit, Ultra oder Simply Dry? Sollte es nicht wenigstens jeweils eine kleine Tube mit Cremes für Gesicht, Bauch, Arme, Po und Beine sein?

Wie der Spieß umgedreht wird

Mit dem Bewusstsein, dass deutsche Haushalte den Windelherstellern einen Umsatz von 700 Millionen Euro und den Breiproduzenten 575 Millionen Euro pro Jahr bescheren, wird schnell deutlich: Die Zeit ist gekommen, in diejenigen zu investieren, die die Phasen junger Eltern und deren Ängste kennen, ihre Marketingstrategien darauf abstimmen und mit dem Versprechen ködern, dass das Baby mit ihren Produkten sicher und gesund bleibt sowie bei der Feinmotorik, Sensomotorik oder dem Denkvermögen unterstützt wird. Schließlich fährt der Zug der Babymafia mit der Förderung der Konsumenten schnurstracks weiter, denn gleiches wird voraussichtlich auch für den teilweise sinnlosen Kaufrausch gelten.



Wer also in Unternehmen investieren möchte, die in der Babyindustrie zuhause sind, kommt nicht an den Big Playern vorbei, die jedoch auch in anderen Branchen aktiv sind. Dafür könnte jedoch die Risikodiversifikation ein zusätzliches Argument sein.

Babybrei und Gläschen

Abseits der Spielzeugsparte sollten vor allem die Konzerne aus der Lebensmittelbranche für langfristige Investments interessant bleiben. Beim Weltmarktführer für Babynahrung – gemeint ist Nestlé (WKN A0Q4DC) – herrscht derzeit die Fantasie, dass Unternehmen zugekauft werden könnten und das nicht nur im Babybereich, sondern in sämtlichen Sektoren. Neben steigenden Produktverkäufen könnte das für weiteres Potenzial sorgen.
Nachdem die Schweizer Ende 2014 die Babynahrungsmarken Alete und Milasan verkauft hatten, konzentrierte Nestlé zuletzt sein Babykostgeschäft auf die Marke Beba. Bereits 2007 erwarb der Lebensmittelkonzern für 5,5 Milliarden Dollar von Novartis den Babykost-Anbieter Gerber, der mehr als 80 Prozent des US-Markts abdeckt. 2012 folgte dann die Übernahme der Babynahrungssparte des US-Pharmariesen Pfizer. Für knapp zwölf Milliarden Dollar war Pfizer Nutrition damit schweizerisch. Zudem räumt Nestlé beispielsweise mit Bübchen im Pflegemittelmarkt stark ab.



Auch der auf Platz zwei der Weltrangliste für Babynahrung liegende französische Danone-Konzern (WKN 851194) begleitet den Menschen nahezu das ganze Leben. Mit der zehn Jahre zurückliegenden Akquisition des Milupa-Herstellers Numico für 12,3 Milliarden Euro steuert Babynahrung inzwischen knapp ein Viertel des Konzernumsatzes bei. Darüber hinaus ist Danone nach Analystenaussagen derzeit eines der spannendsten Unternehmen im Lebensmittelbereich, weil der Konzern anders als amerikanische Blue Chips bereits sehr frühzeitig den Gesundheitstrend verfolgt hat. Entsprechend soll die Aktie im Vergleich mit den Wettbewerbern günstig bewertet sein.

Zwischen Windeln und Fläschchen

In den Haushalten, in denen täglich mehrere Fläschchen Babymilch getrunken werden, kommen sicherlich auch Reinigungsprodukte von Procter & Gamble (WKN 852062) zum Einsatz. Aber nicht nur in punkto Spülmittel sind die Amerikaner gut ausgerüstet. Auch beim Thema Windeln macht ihnen so schnell keiner etwas vor. Denn was viele unterschätzen: Die Einmalwindel ist das Werk von Luft- und Raumfahrtingenieuren.



Nun interessieren sich Väter und Mütter nicht wirklich dafür, wie komplex diese scheinbar intelligente Windel aufgebaut ist. Sie muss funktionieren, darf nicht auslaufen und dabei nicht im Bein- oder Bauchbereich des Babys einschnüren. Trotzdem soll sie am besten alles aufsaugen, was ihr vom Baby vollkommen selbstlos und absolut natürlich übergegeben wird. Schließlich wollen Papa und Mama ja nicht kontaminiert werden. 



Glücklicherweise funktioniert das mit dem richtigen Produkt und bei korrekter Anwendung bis zu einem bestimmten Maß. Procter & Gamble beherrscht das mit Pampers. Dennoch ist es beruhigend, dass die Forscher aufgrund eines mangelhaften Urin-Fäkal-Managements, wie es intern heißt, ständig auf der Suche nach der perfekten Windel sind. Gilt es doch, den Windelgau zu verhindern, denn die Nonplusultra-Windel mit Super-Absauger ist so real wie das Fabelwesen – zumindest in den Augen eines durchschnittlich begabten Erwachsenen der heutigen Zeit. Und so erkämpften sich die Amerikaner mit diesem Hightech-Produkt, das nicht nur der Einkapselung der Beladung dient, sondern auch die Haut von dieser befreien soll, laut Experteneinschätzung einen Marktanteil von 70 Prozent in Deutschland. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Wort Pampers bei vielen Verbrauchern als Synonym für Windeln schlechthin gilt. Dennoch, die Forschung ist beim Thema „Wickeln“ noch lange nicht am Ende. „Ich schließe zum Beispiel nicht aus, dass sich eine Pampers in Zukunft mittels Sensor auf dem Smartphone der Eltern meldet, wenn sie voll ist“, prophezeit Kathy Fish, Chef-Erfinderin des Konsumgüterriesen Procter & Gamble.




Ein weiterer Grund für die ständige Weiterentwicklung der Windel ist sicherlich auch der Ablauf von Patenten. Drogeriemärkte wie dm, Rossmann oder Müller verwenden die „alten“ und damit patentfreien Erfindungen für ihre Eigenmarken Babylove, Babydream und Beauty Baby und sind dadurch in der Lage, Windeln zu deutlich niedrigeren Preisen anzubieten. Trotz veralteter „Technologie“ sind diese in Elternkreisen ebenfalls sehr beliebt.

Schade eigentlich, dass die dm-drogerie markt GmbH & Co. KG nicht börsennotiert ist. Gleiches gilt für die zweitgrößte Drogeriemarktkette Deutschlands, die Dirk Rossmann GmbH, sowie für das Handelsunternehmen Müller Holding Ltd. & Co. KG.

Creme oder Öl

In den Drogerien selbst lässt sich jedoch bestaunen, was es nicht alles an Pflegeprodukten für das Baby gibt. Wenn also trotz Hightech-Windel Reinigung und Pflege fällig sind, steht der Pfleger vor der Qual der Wahl. Im Regelfall finden sich Penaten und Bebe in deren Sortiment. Diese Marken gehören zum amerikanischen Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson (WKN 853260), welcher etwa 10 Prozent seines Umsatzes mit diesen bekannten Marken macht. So gehört der im Dow Jones gelistete Konzern zu den Platzhirschen im Babygeschäft, auch wenn das Thema angesichts von Hygieneprodukten für Frauen sowie Pharma- und Medizinprodukten eigentlich untergeht. Auch hier gilt, dass der Konzern den Menschen von der Wiege bis zur Bahre begleitet.

Schnuller-Zertifikate

Eine ganze Reihe von Emittenten bieten Anlegern in Deutschland die Möglichkeit, mit Zertifikaten in Unternehmen zu investieren, die am Babyboom partizipieren und das Geschäft ganz genau verstehen. Nun ergeht es manchem Anleger von Zertifikaten wie Konsumenten von Fenchel-Möhrchen-Brei. Dem einen schmeckt’s, dem anderen eben nicht. Dennoch bieten Zertifikate häufig einen Mehrwert gegenüber Aktien. „Jedes gute Depot sollte nicht nur über Aktien aus diversen Branchen verfügen, sondern für eine ausgewogene Risikodiversifizierung auch unterschiedliche Anlageprodukte wie Zertifikate beinhalten. Damit können auch Erfolge in seitwärts verlaufenden Märkten realisiert werden“, sagt Kapitalmarktexperte Ralph Wintermantel.



Zum wichtigsten Vorteil eines Zertifikats gehört, dass eine genaue Feinjustierung des gewünschten Anlageprofils möglich ist. Die Funktion hängt vom jeweiligen Produkttyp ab. So kann beispielsweise über Outperformance- oder Sprint-Zertifikate eine stärkere Teilhabe an möglichen Kursgewinnen erzielt werden. Dagegen können Express-, Discount- oder Bonus-Zertifikate auch in stagnierenden Märkten eingesetzt werden, um Renditen zu erwirtschaften. Darüber hinaus wird durch die hohe Handelsliquidität, die von den Emittenten gewährleistet wird, die Sicherheit erhöht, dass der Anleger sein Zertifikat zu einem marktgerechten Preis wieder verkaufen kann. Zudem dienen Zertifikate auch als Anlageprodukte in schwer oder nur mit zusätzlichem Aufwand zugängliche Investmentklassen.



Einen kleinen Überblick zu verschiedenen Zertifikaten auf die hier vorgestellten Basiswerte – nennen wir Sie der Einfachheit halber „Schnuller-Zertifikate“ – können aus der Tabelle entnommen werden.

Die Geschäfte boomen

Ein Investment in „Schnuller-Zertifikate“ dürfte nicht nur für Käufer von Babyprodukten interessant sein. Schließlich boomen die Geschäfte mit Lebensmittel und Pflegeprodukten nicht nur in den Industriestaaten, sondern auch in den aufstrebenden Märkten der Schwellenländer. Denn in Ländern mit schnell wachsenden Bevölkerungen findet eine Anpassung an westliche Lebensgewohnheiten statt. Auch dort werden die Kleinsten unter uns mit vorgefertigten Lebensmitteln ernährt und mit speziellen Markenprodukten gewaschen.



Bleibt zu guter Letzt die Frage: Welchen Schnuller darf es für das Baby sein? Einen aus Latex oder Silikon, universell oder weich, vielleicht auch kiefergerecht und dann doch gleich am besten mit flachem Saugteil oder etwa als kirschförmiges Modell, um eine Saugverwirrung zu vermeiden?

Diverse „Schnuller-Zertifikate“

Basiswert Zertifikat WKN Laufzeit Emittent
Danone Discount-Zertifikat DM1MST 20.12.18 Deutsche Bank
Danone Bonus-Zertifikat GP3JF 21.12.18 DZ Bank
Johnson & Johnson Discount-Zertifikat CY6E1E 06.06.19 Citi
Johnson & Johnson Discount-Zertifikat TDBR7N 15.03.18 HSBC
Nestlé Express-Zertifikat DM1CHF 21.01.22 Deutsche Bank
Nestlé Sprint-Zertifikat VN7T2Z 16.03.18 Vontobel
Procter & Gamble Discount-Zertifikat CY6F7Z 19.06.19 Citi
Procter & Gamble Discount-Zertifikat TD81VK 14.06.18 HSBC
Quelle: Derivate Magazin
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