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Silber

Foto: claffra / iStock

Glänzender Krisenschutz mit kleinen Macken

Lange hinkte der Silberpreis dem Krisenschutz Nummer eins, Gold, hinterher. 
Im April legte der „kleine Bruder von Gold“ aber den Turbo ein und weist für die erste Jahreshälfte mit fast 27 Prozent mittlerweile sogar eine markant höhere 
Performance als das gelbe Edelmetall (+20 Prozent) aus.

Silber „wilder“ als Gold
Beide Edelmetalle werden zwar gerne als alternative Krisenwährungen bezeichnet, bei genauem Hinsehen gibt es allerdings einige gravierende Unterschiede. Was wohl auch so manche Familie bestätigen kann, gilt der kleine Bruder Silber generell um einiges „wilder“ als Gold. Beim Investieren kommt dieser Charakterzug durch die Kursschwankungsintensität bzw. Volatilität zum Ausdruck. Sie genießt in der Finanzwelt als mathematisch berechnetes Risikomaß einen hohen Stellenwert. Ob dabei eine bestimmte Anzahl von Kursen aus der Vergangenheit (historische Volatilität) oder aktuelle Optionspreise (erwartete Volatilität) als Berechnungsgrundlage dienen, ist erst einmal von untergeordneter Bedeutung – ein Risikovergleich macht bei Verwendung der identischen Kennzahl durchaus Sinn.

Dass ein Silberinvestment riskanter als ein Goldinvestment ist, kann man zum Beispiel an der historischen 250-Tage-Volatilität beider Edelmetalle gut ablesen. Diese fiel Mitte Juni bei Silber mit 25 Prozent erheblich höher als bei Gold (16 Prozent) aus. Dasselbe Credo lieferten auch die vom Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Ex-change entwickelten CBOE-Volatilitätsindizes, die aus diversen Optionen auf Silber- bzw. Gold-ETFs abgeleitet werden und somit die von den Marktakteuren erwartete Volatilität (also das Risiko) der beiden Krisenwährungen anzeigen. Bei Silber beläuft sich der Volatilitätsindex gegenwärtig auf 32 Prozent und bei Gold auf lediglich 21 Prozent. Wer beide Edelmetalle als Krisenschutz im Portfolio haben möchte, kann diesem Umstand folgendermaßen Rechnung tragen: Er räumt der Silber-Position ein deutlich geringeres Gewicht als der Gold-Position ein.

Gold/Silber-Verhältnis im Blick
Robert Hartmann, der Gründer und Geschäftsführer des Edelmetallhändlers pro aurum, empfiehlt diesbezüglich Folgendes und sagt: „Ich rate Privatanlegern bereits seit Längerem zu einer Edelmetallkomponente in Form von Gold und Silber in Höhe von 20 Prozent des liquiden Privatvermögens, wobei diese zu 80 Prozent aus Gold und zu 20 Prozent aus Silber bestehen sollte.“ Ende März machte der erfahrene Edelmetallexperte auf ein anderes im Silberhandel stark beachtetes Verhältnis und das damit verbundene Kaufsignal aufmerksam: die Gold/Silber-Ratio. Diese Kennzahl zeigt an, wie viele Feinunzen Silber man für eine Feinunze Gold bekommt. Hohe Werte deuten auf relativ günstiges Silber hin und werden häufig als Kaufargument angesehen. Wichtig dabei: Ein sinkendes Gold/Silber-Verhältnis weist zwar auf eine Outperformance von Silber gegenüber Gold hin, steigende Silberpreise sind dadurch aber nicht garantiert. In Edelmetallschwächephasen könnte man sich aber damit trösten, dass Silber weniger als Gold verloren hat. Ende März bewegte sich das Gold/Silber-Verhältnis mit über 80 auf historisch hohem Niveau (aktuell: 70). In den vergangenen 20 Jahren schwankte es zwischen 32 und 83. Sollte es sich mittel- bis langfristig in Richtung Mitte der Range bewegen, würde dies auf Basis der aktuellen Marktdaten einen Silberpreis von über 21 Dollar bewirken.
Einflussfaktoren bei Silber
Silber gilt – im Gegensatz zu Gold – als ausgesprochen zyklisches Edelmetall, da mehr als die Hälfte der Nachfrage in diversen Industriebranchen generiert wird. Auf Basis der Daten von GFMS Thomson Reuters musste aber gerade dieser Bereich im vergangenen Jahr einen markanten Rückgang um 3,7 Prozent auf 588,7 Millionen Feinunzen hinnehmen. Unterteilt in sechs Sektoren wiesen gegenüber dem Vorjahr lediglich die Bereiche Photovoltaik (Solarzellen) und Ethylenoxid (Desinfektion) mit plus 23 bzw. plus 104 Prozent erhebliches Wachstum aus. Das Interesse von Finanzinvestoren kam in der GFMS-Marktstatistik vor allem in der Rubrik Exchange Traded Products (ETP) sowie Barren & Münzen zum Ausdruck. Während bei ETPs 2015 tendenziell preisbelastende Abflüsse von 17,7 Millionen Feinunzen registriert wurden, gab es bei Silberbarren und –münzen einen Nachfrageanstieg um 23,8 Prozent auf 292,3 Millionen Feinunzen zu vermelden.

Diese Tendenz scheint sich bei Silbermünzen auch in diesem Jahr fortzusetzen. Darauf lassen zumindest die aktuellen Absatzzahlen der nationalen Münzprägeanstalt US Mint schließen. Sie verkaufte nämlich in den ersten sechs Monaten bereits über 24,3 Millionen American Silver Eagles (1 Unze) und übertraf damit den vergleichbaren Vorjahreswert in Höhe von 16,5 Millionen Feinunzen bereits um über 47 Prozent. Per saldo fällt bei Silber beim Gegenüberstellen von Angebot und Nachfrage vor allem eines auf: Die Nachfrage übertrifft das Angebot deutlich, was 2015 zu einem Defizit von 112,5 Millionen Feinunzen geführt hat. Auch in den beiden Vorjahren fehlten am Silbermarkt 149 Millionen (2013) bzw. 78,6 Millionen Feinunzen (2014) des mit großem Abstand günstigsten Edelmetalls.

Terminmärkte nicht außer Acht lassen
Traditionell wird in vielen Anlageklassen das ganz große Rad aber an den Terminmärkten gedreht – so auch bei Silber. Die diesjährige Erholung des Silberpreises wäre ohne den wachsenden Optimismus kleiner und großer Terminspekulanten sicherlich nicht möglich gewesen. Deren Einfluss kann aber auch nach unten ins Kontor schlagen, was in den vergangenen Jahren schmerzhaft zu spüren war. Wichtig zu wissen: Im Juni lag die Anzahl offener Kontrakte – der so genannte Open Interest – bei über 192.000 Futures. Da sich ein Kontrakt auf 5.000 Feinunzen bezieht, beläuft sich das an den Terminmärkten repräsentierte Marktvolumen auf 960 Millionen Feinunzen. Problem dabei: Die registrierten Silberbestände der Commodity Exchange belaufen sich aktuell auf lediglich 22,5 Millionen Feinunzen. Das heißt, dass an den Terminmärkten weniger als ein Vierzigstel des Silberhandels mit dem physischen Edelmetall hinterlegt ist. Wer auf der Suche nach „echtem Krisenschutz“ in Form von Silber ist, der auch eine richtig große Krise überstehen kann, kommt an handfesten Barren und Münzen nicht vorbei.
Belastungsfaktor Mehrwertsteuer
Doch der Kauf von physischem Silber hat einen großen Nachteil: die Mehrwertsteuer. Während Gold frei von Mehrwertsteuer zu haben ist, verteuert „Vater Staat“ den physischen Silberkauf selbst bei der für Anleger vorteilhaften Differenzbesteuerung beträchtlich. Über sogenannte Zollfreilager außerhalb der EU kann man zwar die Rendite schmälernde Mehrwertsteuer völlig legal vermeiden, sobald das Silber jedoch die Lagerstätte verlässt oder es in Deutschland eingeführt wird, greift der Staat zu. Unter dem Aspekt Länderdiversifikation macht ein Silberdepot außerhalb Europas zwar Sinn, aus Kostengründen aber erst ab einer bestimmten Größenordnung. In der Tabelle haben wir uns deshalb auf physisch besicherte Finanzprodukte auf Silber konzentriert, die meist als Exchange Traded Commodities bezeichnet werden. Bei Ihnen kann man das Ausfallrisiko des Emittenten deutlich geringer als bei von Banken emittierten Anlage- oder Hebelprodukte einstufen.
Auswahl an Silber-Finanzprodukten
Name Abbildung WKN Kurs Kosten (TER) AUM Management Währungsrisiko
iShares Silver Trust physisch A0JMD6 14,71 0,50% 5,5 Mrd. USD iShares ja
ZKB Silver ETF A physisch A1JXTG 146,51 0,60% 1,04 Mrd. EUR Swisscanto ja
ETFS Physical Silver physisch A0N62F 14,80 0,49% 671,8 Mio. EUR ETF Securities ja
db Physical Silver physisch A1E0HS 151,51 0,45% 65,2 Mio. EUR DB ETC plc. ja
db Physical Silver (hedged) physisch A1EK0J 126,23 0,75% 141,46 Mio. EUR DB ETC plc. nein

Quelle: Anbieter-Webseiten, Stand: 15. Juni 2016

News aus der Rohstoff-Welt

Viele Rohstoffunternehmen konnten im ersten Habljahr 2016 ihre Aktienkurse deutlich steigern. Während die Stimmung zu Beginn des Jahres auf den Messen im kanadischen Vancouver und in Toronto noch etwas verhalten waren, hellte sich die Stimmung auf dem European Gold Forum in Zürich deutlich auf. Dem Team des Derivate Magazins, welches auf allen Messen vertreten war, fielen u.a. folgende Unternehmen auf:

MAG SILVER

rohstoffe_mag_silber_02-16Mexiko ist der weltweit führende Silberproduzent mit 5.400 Tonnen Silber in 2015. Hier arbeiten Unternehmen wie MAG Silver, die in 2018 die Produktion auf ihrer Juanicipio Mine mit rund 10 Millionen Unzen pro Jahr aufnehmen will. Joint-Venture-Partner Fresnillo betreibt die Mine mit Ressourcen von 200 Millionen Unzen Silber mit bereits geprüften Graden von 600 Gramm pro Tonne Silber. Mit Gesamtbetriebskosten von 7 Dollar je Unze Silber könnten ab 2018 interessante Gewinne winken.
magsilver.com

KBL MINING

rohstoffe_kbl_silber_02-16

Edelmetall-Produzenten aus Australien sind immer einen Blick wert. Beispielsweise KBL Mining, dessen Hauptprojekte sind Minerals Hill-Mine in New South Wales und Sorby Hills in Western Australia. Seit 2011 werden Kupfer und Gold-Konzentrate auf Minerals Hill und seit 2015 zusätzlich Gold und Silber-Konzentrate gefördert. Die Flotationsrate liegt bei 320.000 Tonnen Erz und einer Produktion von über 35.000 Unzen Gold pro Jahr. Das Sorby Hills Silber-Blei Deposit kann mit einer sehr guten Infrastruktur und kurzen Handelswegen zu den asiatischen Märkten aufwarten.

kblmining.com.au

BLACKHAM RESOURCES

rohstoffe_blackham_silber_02-16Goldminenaktien sind derzeit die Favoriten vieler Anleger. Blackham Resources Ltd., ein weiteres australisches Unternehmen, sollten Anleger auf jeden Fall kennen. Das westaustralische Unternehmen ist mit einer Ressource von 5,1 Mio. Unzen Gold zu 3,3 g/Tonne top aufgestellt, besitzt eine leicht abzubauende Geologie und ausreichend Kapital für den Produktionsstart im 3. Quartal 2016. Ein Wert mit einer vielversprechenden Zukunft.
blackhamresources.com.au

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