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Spielwiese der Spekulanten

Foto: pkanchana / iStock

Differenzkontrakte erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Mit diesen Finanzvehikeln lässt sich bei stark schwankenden Märkten noch mehr Geld verdienen als mit Zertifikaten – allerdings bei deutlich erhöhtem Risiko.

Verlässt Großbritannien die Eurozone?

Dreht US-Notenbankchefin Janet Yellen an der Zinsschraube? Ist die Konjunktur auf Kurs? Geht es um derlei Fragen, reagieren die Börsen häufig mit heftigen Ausschlägen. Tägliche Schwankungen von drei Prozent gehören in.zwischen fast schon zum Börsenalltag. Doch was manchem Investor die Schweißperlen auf die Stirn reibt, ist ein wahres Eldorado für Trader. So genannte CFDs sind hierbei besonders dann gefragt, wenn es darum geht, das heftige Auf und Ab in schnelle Gewinne umzumünzen.

CFD steht für den englischen Ausdruck „Contracts for Difference“, zu Deutsch Differenzkontrakte. Hier vereinbaren Anleger und CFD-Anbieter, den Unterschiedsbetrag zwischen Kauf- und Verkaufskurs des Basiswerts auszutauschen. Sie investieren also nicht direkt in Aktien-, Index-, Rohstoff-, Anleihen- oder Wechselkurse, sondern setzen ausschließlich auf deren Wertentwicklung. Im Grunde ist der Handel mit Differenzkontrakten somit eine Wette auf die Kursentwicklung von DAX, Dow Jones und Co.

Per Mausklick im Markt

CFDs sind nicht durch vorgeschriebene Stopps, Laufzeiten oder festgelegte Kontraktgrößen beschränkt. Grund genug für viele Trader, sie Hebelprodukten wie Optionsscheinen und Knock-Out-Zertifikaten vorzuziehen – zu.mal Parameter wie Volatilität oder Zeitwert keine Rolle bei der Preisberechnung spielen.

Auch die Kosten sind meist niedriger als bei Hebelzertifikaten. Sie bestehen zumeist nur aus einer geringen Span.ne zwischen An- und Verkaufskurs. Wird die Position über Nacht gehalten, fallen zudem Finanzierungskosten an, die an der Rendite knabbern. Sie sind für die Sum.me zu zahlen, die der CFD-Anbieter bereitstellt, um den Kaufbetrag voll zu bezahlen. Im Gegenzug erhalten Trader mitunter sogar Zinserträge, wenn sie „short“ gehen, also auf fallende Notierungen setzen.

Es ist ein schnelles Geschäft für ebenso schnelle Marktbewegungen. Ein Mausklick genügt, um einen Aktienindex, ein paar Fässer Öl oder einen US-Dollar im Verhältnis zum japanischen Yen zu kaufen oder verkaufen. Wer CFDs handeln möchte, muss lediglich einen Bruchteil des Positionswerts als Sicherheitsleistung, Margin genannt, hinterlegen. Der im Vergleich zum Direktinvestment erheblich geringere Kapitaleinsatz ermöglicht eine Hebelwirkung.

Vorsicht: Margin Call

So lässt sich etwa mit 10.000 Euro bei einer Margin von fünf Prozent ein Marktvolumen von 200.000 Euro bewegen. Wird nur eine Sicherheitsleistung von einem Prozent hinterlegt, steigt der Hebel auf hundert. Damit können schon geringe Marktbewegungen zu exorbitanten Gewinnen führen. Doch Vorsicht, der Hebel wirkt ebenso intensiv in die andere Richtung. Liegt der Anleger falsch, ist die Margin schnell aufgebraucht.

Ein Beispiel: Beim Kauf des DAX zu 10.000 Punkten wird ein Prozent Margin, also 100 Euro, als Sicherheit fällig. Legt der Deutsche Leitindex nur um ein Prozent auf 10.100 Punkte zu, streicht der Anleger einen Gewinn von ebenfalls 100 Euro ein. Bezogen auf die Sicherheitsleistung entspricht das einem Plus von hundert Prozent. Bei einem DAX-Anstieg auf 10.500 Punkte hat der Spekulant seinen Einsatz bereits verfünffacht.

Der Puls steigt jedoch sehr schnell, wenn der DAX entgegen der Erwartung an Wert verliert. Gibt er lediglich auf 9.900 Punkte nach, reicht die Sicherheitsleistung zur Deckung des Verlusts nicht mehr aus, es kommt zum so genannten Margin Call. Dann bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder schießt der Trader neues Geld als Sicherheit nach oder schließt seine Position mit hohem Verlust.

Geht die Spekulation nicht auf, können Anleger wegen der Nachschusspflicht bei CFDs sogar deutlich mehr verlieren, als sie eingesetzt haben. Viele Anbieter schützen mit Airbags vor uferlosen Verlusten: Garantierte Stop-Loss-Kurse etwa sorgen dafür, dass eine Position immer genau an einer zuvor festgelegten Marke geschlossen wird. Andere begrenzen die Nachschusspflicht, indem alle offenen Positionen automatisch geschlossen werden, sobald das Nettovermögen auf dem Konto nur noch die Hälfte der benötigten Sicherheitsleistungen abdeckt.

Anbieter von Differenzkontrakten (CFDs) in Deutschland
Anbieter Internet-Adresse Anzahl Basiswerte Mindesteinlage mobiles Trading Einlagensicherung segregiertes CFD-Konto *
Admiral Markets www.admiralmarkets.de 119 200 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
Ayondo Markets www.ayondo.com >1.200 100 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
CMC Markets www.cmcmarkets.de >10.000 keine ja 50.000 brit. Pfund ja
Comdirect www.comdirect.de/cfd >1.200 keine ja 100.000 Euro ja
Consorsbank www.consorsbank.de ca. 1400 keine ja 100.000 Euro ja
Flatex www.flatex.de ca. 640 keine ja 100.000 Euro ja
FXFlat www.fxflat.xom >8500 200 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
FXCM www.fxcm.com ca. 60 10.000 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
GKFX Financiel Services www.gkfx.de >400 keine ja 50.000 brit. Pfund ja
IG Markets www.ig.com/de >10.000 keine ja 50.000 brit. Pfund ja
Lynx www.lynxbroker.de >3.400 4.000 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
Smart Markets www.smart-markets.de >12.000 100 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja
S-Broker www.sbroker.de >1.200 keine ja 100.000 Euro ja
ViTrade www.witrade.de >600 keine ja 100.000 Euro ja
WH Selfinvest www.whselfinvest.de >5.000 2.500 Euro ja 50.000 brit. Pfund ja

* Einlagen auf einem segregierten Konto sind getrennt vom Vermögen des CFD-Anbieters. Dadurch fällt das Kapital nicht der Insolvenzmasse zu.
Quelle: Eigene Recherchen, CFD-Anbieter; Stand Mai 2016

Wachsende Beliebtheit

„In der angelsächsischen Welt, vor allem in Großbritannien, ist der Handel mit CFDs schon seit 1999 möglich“, weiß Rafael Neustadt, Geschäftsführer des deutschen CFD-Verbands. Hierzulande gibt es diese Form der Anlage indes erst seit 2005. Es war der Anfang einer rasanten Entwicklung: „Ende 2015 erreichte das insgesamt jährlich gehandelte Volumen dieser Differenzkontrakte in Deutschland ein beachtliches Niveau von 1.963 Milliarden Euro – 33 Prozent mehr als im Vorjahr“, sagt Neustadt.

Einer Berechnung des Research Center for Financial Services aus München zufolge gab es Ende 2015 127.137 Konten, ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Anzahl der Transaktionen stieg um rund ein Drittel auf rund 71 Millionen. Das durchschnittlich gehandelte Volumen pro Transaktion blieb mit 27.802 Euro etwa auf demselben Niveau.

Studien weisen darauf hin, dass langfristig nur 15 Prozent der Daytrader Gewinne nach Abzug der Transaktionskosten verbuchen. Gleichwohl haben CFD-Trader nur wenig Grund zur Klage – zumindest auf die Anbieter bezogen. Das zeigt eine Online-Umfrage des Deutschen Kundeninstituts (DKI) unter
2.111 Kunden, die zwischen Ende Januar und Mitte März dieses Jahres durchgeführt wurde. Knapp 85 Prozent der Investoren bewerteten ihre Broker mit „gut“ oder „sehr gut“. Hingegen zeigten sich nicht einmal fünf Prozent unzufrieden.

Mit Spielgeld üben

Das beste Ergebnis über alle sechs Kategorien hinweg erzielte Smart Markets, die erstmals bei einer Umfrage des DKI dabei waren. Die Düsseldorfer erreichten mit 95,5 von 100 möglichen Punkten die höchste Gesamtpunktzahl. Fünf Sterne, was der Bestnote entspricht und mindestens 85 Punkte erfordert, be.kamen GKFX Financial Services, FXCM, Admiral Markets und FXFlat.

Derzeit offerieren rund 30 Adressen den Handel mit Differenzkontrakten. Unsere Tabelle vergleicht einige der Bekannteren. Neben den Konditionen sind bei der Anbieterauswahl vor allem auch die Erreichbarkeit der Handelsplattform, der Service und die Zuverlässigkeit wichtig. Wer die Welt der CFDs kennenlernen will, sollte zunächst ein Demo-Konto eröffnen, um sich mit der Handelsplattform vertraut zu machen, die Abläufe zu verstehen und teure Fehler zu vermeiden.

Auch Nicht-Kunden können diese Spielgeld-Konten kostenlos und zeitlich unbegrenzt nutzen. Denn „unten kaufen und oben verkaufen“ klingt zwar einfach, ist im harten Alltag des Börsengeschehens aber wesentlich komplizierter, als mancher Novize glauben mag.

spielwiese5_02-16Ende 2015 erreichte das insgesamt jährlich gehandelte Volumen von CFDs in Deutschland 1.963 Milliarden Euro und damit 33 Prozent mehr als im Vorjahr.

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