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Vielversprechende Aussichten

Foto: PeopleImages / iStock

Die Softwareindustrie erlebt einen nachhaltigen Wachstumsschub. Investments in Aktien aus dieser Branche bleiben nach wie vor aussichtsreich. Das Derivate Magazin stellt ausgewählte deutsche Softwaretitel vor.

Die explosionsartige Verbreitung von Smartphones und Tablets, der Trend zur mobilen Kommunikation und die Umstellung der Wirtschaft auf digitale Geschäftsmodelle und Cloud-Computing sind nachhaltige Wachstumstreiber für die gesamte IT-Branche, allen voran die Softwarehersteller. In diesem Jahr rechnet der Digitalverband Bitkom allein für die deutsche IT-Industrie mit einem Umsatzwachstum von 1,7 Prozent auf erstmals mehr als 160 Milliarden Euro. Hiesige Softwarehäuser werden dabei mit rund sechs Prozent überproportional wachsen.

Über eine Million Beschäftigte

Insgesamt über 20.000 neue Arbeitsplätze werden allein in diesem Jahr in der deutschen IT- und Softwarebranche entstehen. Mit mehr als einer Million Beschäftigten ist diese Sparte mittlerweile Deutschlands zweitgrößter Arbeitgeber, noch vor klassischen Aushängeschildern der Wirtschaft, etwa der Automobil- und Chemieindustrie.

Dass moderne Zukunftstechnologien der „Old Economy“ auf den Fersen sind und dieser in vielen Bereichen längst den Rang abgelaufen haben, zeigt auch die aktuelle Markenwertstudie „BrandZ“ der Marketing- und Marktforschungsgesellschaft Millward Brown, die jährlich die wertvollsten Marken der Welt bewertet. Unter den ersten zehn Plätzen sind mittlerweile sieben Konzerne aus der IT-und Softwarebranche zu finden. 
Die wertvollste deutsche Marke besitzt der Softwareriese SAP. Das Walldorfer DAX-Unternehmen liegt damit im weltweiten Markenranking auf Platz 22, noch vor der Deutschen Telekom oder den Automobilherstellern BMW und Daimler (Stand Mitte Juni 2016).

Auch an der Börse ist SAP der Konkurrenz enteilt. Mit rund 85 Milliarden Euro Börsenwert ist SAP inzwischen das größte Schwergewicht unter allen 30 DAX-Titeln.

Revolutionärer Umbruch

Der Erfolg an der Börse kommt nicht von ungefähr. SAP profitiert vom nachhaltigen Trend zur Digitalisierung und vom zukunftsträchtigen Geschäft im Cloud-Computing. Die Datenwolke gilt als neuer Wachstumstreiber in der IT-Industrie. Sowohl bei Anwendungen für Privatpersonen, etwa mit Musik- und Fotoplattformen, als auch im Wirtschaftsleben brummt das Geschäft. Unternehmen sparen sich durch die Cloud Investitionen in teure Software und Server, wenn die Programme auf zentralen Servern laufen. Auch Wartungsgebühren fallen deutlich weniger an. Vor allem für kleine Unternehmen ist das attraktiv.

Dieser Umbruch in der Softwareindustrie ist eine Revolution für SAP. Der DAX-Konzern verdiente bislang sein Geld mit fest installierter Software und vor allem mit der späteren Wartung der Programme. Nun sieht die Softwareschmiede das Cloud-Segment als wesentlichen Treiber. 
SAP hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem durch milliardenschwere Zukäufe verstärkt, viel Geld investiert und will in den kommenden Jahren die Früchte davon ernten. Neben der Erweiterung Cloud-basierter Software-Angebote verspricht der zielstrebige Umbau des Vertriebsmodells hier dynamische Wachstumsaussichten. 
Bis 2017 will SAP einen Konzernumsatz von bis zu 23,5 Milliarden Euro erwirtschaften, das operative Ergebnis (Ebit) soll bis zu sieben Milliarden Euro einspielen. Diese Prognose deckt sich in etwa mit den aktuellen Konsensschätzungen der Analysten. Da SAP jedoch eher für konservative Prognosen bekannt ist, besteht aktuell durchaus die Chance auf eine frühzeitige Nachbesserung oder ein Übertreffen der ausgegebenen Ziele.

Wegfall des Lizenzgeschäfts

SAP hat bei den kleinen und mittleren Firmen zwar Aufholpotenzial, etwa gegenüber Konkurrent Oracle, durch die jüngst beschlossene Zusammenarbeit mit Microsoft kann das aber durchaus gehoben werden. Die Walldorfer befinden sich wie viele Softwarefirmen an der Schnittstelle zwischen Belastungen aus dem Wegfall des Lizenzgeschäfts und den zukünftigen Gewinnen der Cloud-Angebote. Das erste Quartal hat gezeigt, dass dieser Spagat gelingen kann. In Laufe des Jahres sollte sich diese Dynamik beschleunigen. Die Aussicht auf steigende Gewinne und Margen eröffnet der Aktie weiteres Kurspotenzial und macht den Titel vor allem für langfristige Investoren interessant. Während Anleger auf Sicht der vergangenen 52 Wochen mit der SAP-Aktie (WKN: 716460) zwar nur wenig gewinnen konnten, schlug sich das Papier deutlich besser als der DAX, der im gleichen Zeitraum prozentual zweistellige Einbußen verkraften musste.

Software AG: Beliebt und attraktiv

Noch besser lief es hingegen mit der Aktie der Software AG (WKN: 330400). Deutschlands zweigrößter Softwarekonzern, dessen Aktie im TecDAX notiert, legte seit Mitte 2015 gegen den allgemeinen Trend gut ein Viertel an Wert zu. Das Unternehmen ist ein weltweiter Anbieter von Systemsoftware und Services, die darauf ausgerichtet sind, den Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Systemen zu vereinfachen und moderne Web-Architekturen in traditionelle IT-Landschaften einzubinden.

Im Jahr 1969 – ähnlich wie die US-Konzerne Microsoft oder Apple – von nur einer Handvoll Mitarbeitern gegründet, ist der nach SAP zweitgrößte deutsche Softwarehersteller heute mit knapp 4.400 Mitarbeitern in 70 Ländern global vertreten. Trotz der weltweiten Präsenz legt das Unternehmen nach wie vor viel Wert auf Regionalität. Firmenchef Karl-Heinz Streibich, der den Softwarespezialisten seit Jahren führt, sieht im Know-how seiner Mitarbeiter das Kapital der Gesellschaft und fördert diese entsprechend. Das Unternehmen zählt seit Jahren zu Deutschlands beliebtesten und attraktivsten Arbeitgeber. 30 Prozent der Aktien werden von der Software AG Stiftung gehalten, die seit 1992 ausgewählte Projekte fördert.

Unverändert starke Pipeline

Operativ läuft das Geschäft momentan rund. Nach Ansicht von Streibich sei das erste Quartal sogar „herausragend“ verlaufen, das zweite Quartal habe bereits erste Geschäftsabschlüsse aufzuweisen, obendrein sei die Pipeline unverändert stark. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um neun Prozent, das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) legte überproportional um 23 Prozent zu, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar um 55 Prozent. Erfreulich entwickelten sich auch die Lizenzerlöse, die sich währungsbereinigt um 31 Prozent auf 59,1 Millionen Euro verbesserten. Der zweitgrößte deutsche Softwarehersteller steigerte zudem den Auftragseingang im zukunftsträchtigen Cloud-Geschäft um 155 Prozent.

Auch den Ausblick für das Gesamtjahr hat das Management bestätigt. In diesem Jahr rechnet der Vorstand mit einer weiteren Verbesserung der operativen Ergebnismarge auf 30 bis 31 Prozent. Luft nach oben ist offensichtlich auch noch da. „Wenn wir die Performance aus dem ersten Quartal linear fortführen können, werden wir uns im Sommer Gedanken über eine mögliche Erhöhung der Guidance machen“, sagt Finanzchef Arnd Zinnardt.

Mit ihrem Geschäftsmodell profitieren die Südhessen von heterogenen IT-Landschaften, die integriert werden müssen. Auch in aufstrebenden Ländern, in denen das Unternehmen Wachstum generiert, liegen Chancen. Den Trend zum Cloud-Computing greift der Konzern durch neue Produktangebote auf, zudem könnten weitere wertsteigernde Akquisitionen das Wachstum forcieren. Die Aktie der Software AG bleibt aussichtsreich.

Spekulative Alternativen

Auch abseits der beiden wohl renommiertesten Softwareunternehmen SAP und Software AG werden Anleger auf der Suche nach aussichtsreichen Titeln dieser Branche in Deutschland durchaus fündig. Spekulative Alternativen bieten etwa die TecDAX-Firmen Compugroup (WKN: 543730) und Nemetschek (WKN: 645290). Letztere entwickelt Software für dreidimensionale Planungen von Gebäuden und ist damit europaweit führend. Die Koblenzer Compugroup ist Marktführer bei Arztpraxen- und Apotheken-Software und entwickelt Programme für digitale Patientenakten und Diagnosesoftware. Das Gros des Umsatzes wird durch langlaufende Verträge generiert, die dem kerngesunden Geschäftsmodell viel Stabilität verleihen.

Die digitale Transformation beeinflußt unsere Lebens- und Arbeitswelt nachhaltig in einem noch nie dagewesenen Tempo – und die Software AG ist mittendrin und weltweit als treibender Innovator vorne mit dabei.

Karl-Heinz Streibich

Firmenchef, Software AG

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