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Zurück in der Spur

Foto: travelpeter / shutterstock

Das vergangene Jahr hielt für Anleger einige Überraschungen parat. Zunächst der Mini-Crash in China, dann das für die meisten Beteiligten überraschende Brexit-Votum, gefolgt vom Präsidentschafts-Triumph Donald Trumps – von den Wirrungen und Spannungen in der Eurozone gar nicht zu reden. Eines ist aber sicher: An Themen wird es Anlegern 2017 kaum mangeln. Wir dürften weiter auf Trab gehalten werden.

Die Branche der strukturierten Wertpapiere schaut indes durchaus optimistisch auf die kommenden Monate. Das Umfeld spricht weiter für Teilschutz-Produkte.

Freudige Meldung zum Jahresbeginn. Das Vermögen der Deutschen ist auch im vergangenen Jahr wieder gestiegen, so Berechnungen der DZ Bank. Demnach haben sie insgesamt rund 5,7 Billionen Euro auf der hohen Kante. Respektabel, ganz ohne Frage. Dennoch müssen wir etwas Wasser in den Wein gießen. Der Anstieg hätte stärker ausfallen können, wäre die Mehrheit der Deutschen bei ihrer Geldanlage etwas offensiver und/oder realitätsnäher. Zum Beispiel mit dem Einsatz von Anlageprodukten, vorzugsweise Teilschutz-Zertifikaten, in der Portfolioallokation. Da sollten die Sparer sich die Worte von Clemens Fuest, dem Präsidenten des Münchner ifo-Instituts, zu Herzen nehmen, der unlängst sagte, dass 2017 das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden könnte. Die mickrigen Zinsen auf Spareinlagen werden eben immer stärker von einer darüber liegenden Inflationsrate aufgezehrt.

Positive Einflüsse

Wenigstens die Zertifikate-Anbieter scheinen hinsichtlich der Geschäftsaussichten in 2017 überwiegend guter Dinge zu sein. Zumindest lässt sich die jüngste Umfrage des Deutschen Derivate Verbands bei 21 Emittenten strukturierter Wertpapiere so interpretieren. Für das erste Halbjahr 2017 geht knapp die Hälfte der Anbieter von einer besseren Geschäftsentwicklung im Vergleich zum vergangenen Jahr aus. Mehr als ein Drittel erwartet zumindest ein gleichbleibendes Geschäft. Die Ampeln stehen somit auf Grün. Nicolai Tietze, Director Global Investment Solutions Deutsche Bank AG, resümiert, dass das Aktienjahr 2016 für Anleger wie auch für Anbieter strukturierter Wertpapiere nicht einfach gewesen sei. „Dennoch haben Zertifikate gezeigt, dass sie durchaus ihren Platz in einem Depot haben sollten, sei es um am Seitwärtsmarkt überdurchschnittlich profitieren zu können oder auch, um sich mit einer Absicherung gegen Kursverluste wie zum Beispiel beim Brexit abzusichern“, so Tietze. Matthias Hüppe, Zertifikate-Experte bei der HSBC in Düsseldorf, ist für das neue Jahr grundsätzlich positiv gestimmt: „2017 könnte ein Jahr geprägt mit höheren Volatilitäten und deutlicheren Trends werden. Eine Entwicklung, die den Absatz von Zertifikaten positiv beeinflussen sollte.“ Hussam Masri, Leiter Produktmanagement bei der DekaBank, bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Obwohl auch für 2017 noch keine Zinswende in Sicht ist und regulatorische Anforderungen eher mehr als weniger werden, erwarte ich eine Verbesserung der Absatzsituation, da immer mehr Anleger erkannt haben, dass in diesem Umfeld an Zertifikaten kein Weg vorbei führt.“

Optimismus auf breiter Front

Da nahezu fast jeder zweite Emittent optimistisch für die Absatzchancen am Zertifikatemarkt ist, stellt sich die Frage, welche Anlagetypen für das positive Momentum verantwortlich sein dürften. Auch hier fallen die Antworten eindeutig aus. Strukturierte Wertpapiere mit vollständigem Kapitalschutz waren auch im vergangenen Jahr weiter rückläufig. Das in sie investierte Volumen reduzierte sich per Ende Oktober 2016 auf 38,9 Prozent des Gesamtvolumens. Noch im Januar 2016 waren 47,5 Prozent des Marktvolumens in Kapitalschutz- Zertifikate und Strukturierte Anleihen investiert. Zu den Profiteuren dieser nachhaltigen Entwicklung ist eindeutig das breitgefächerte Angebot an Teilschutz-Produkten zu zählen.

„In Zeiten niedriger Zinsen und schwankender Aktienmärkte bieten diese Strukturen attraktive Renditechancen in Kombination mit einem Sicherheitspuffer gegen Kursverluste des Basiswerts und einer überschaubaren Laufzeit. Je nach Ausgestaltung sind hier zum Beispiel feste Zinszahlungen oder sehr große Puffer möglich, so dass es hier passende Produkte für jeden Anleger gibt – vom konservativen Aktienmarkt-Einsteiger bis zum wertpapieraffinen Renditesucher“, so Masri. „Mit Aktienanleihen und Express-Zertifikaten, wie auch anderen Teilschutz-Zertifikaten wie zum Beispiel Bonus-Zertifikaten, konnten Anleger im Jahr 2016 eine positive Rendite erzielen, obwohl der zugrunde liegende Basiswert vielleicht sogar etwas verloren hat“, pflichtet Tietze bei.

Aktienanleihen in der Gunst

Der positive Trend hin zu Teilschutz-Zertifikaten ist indes nicht neu. Vielmehr hat er in den vergangenen zwei Jahren an Fahrt aufgenommen. Standen Aktienanleihen, Express-Zertifikate, Discount-Zertifikate und Bonus-Papiere im Januar 2014 noch insgesamt für ein Volumen von 16,7 Milliarden Euro (bei einem Gesamtvolumen des Zertifikatemarkts von 90,7 Milliarden Euro), so vereinten sie im Oktober 2016 satte 26,3 Milliarden Euro auf sich (Gesamtvolumen des Zertifikatemarkts von 68,3 Milliarden Euro). Mehr als ein Drittel aller im Gesamtmarkt investierten Gelder waren zu diesem Zeitpunkt in eine dieser vier Zertifikatekategorien allokiert.

Dabei ist insbesondere der prozentuale Anstieg der Volumina bei Aktienanleihen und Express-Zertifikaten in den letzten zwei Jahren mehr als bemerkenswert. Kaum verwunderlich, dass nahezu zwei Drittel der befragten Emittenten für diese beiden Zertifikatetypen die größten Zuwächse erwarten. Bei der Emittenten-Umfrage 2014/2015 sah es noch etwas anders aus. Hier kamen Aktienanleihen und Express-Papiere bei den prognostizierten Zuwachsraten auf einen Gesamtwert von 47,8 Prozent. Insbesondere die mit einem investierten Volumen von 9,0 Mrd. Euro als Schwergewicht zu bezeichneten Aktienanleihen sind in der Gunst der Zertifikate-Emittenten enorm gestiegen.

Indizes und Rohstoffe

Strukturierten Wertpapieren liegen Basiswerte zugrunde. Insofern ist es natürlich auch interessant zu erfahren, welche Basiswerte sehr nachgefragt wurden beziehungsweise künftig im Rampenlicht stehen sollten. Nicolai Tietze geht hierbei davon aus, dass sich an der Beliebtheit des DAX als Basiswert bei deutschen Anlegern auch 2017 nichts ändern werde. „Gefolgt vom Gold und dem EUR/USD, wobei es hier spannend ist, ob die Parität wirklich angelaufen wird.“ Matthias Hüppe bemerkt, dass zu Beginn des Vorjahres der Ölpreis-Verfall zu besonders hoher Nachfrage bei Hebelprodukten auf Öl und Aktien aus der Ölbranche geführt habe. „Seit Ende des Jahres scheint auch der Bund-Future wieder in der Gunst der Trader zu steigen. Bei den Anlageprodukten dominieren die großen DAX-Titel als Basiswert, wobei auch angezählte Titel dank der attraktiven Konditionen bei Teilschutzstrukturen gerne nachgefragt wurden“, so Hüppe.

Auch die Emittenten-Umfrage des DDV lässt den Schluss zu, dass Indizes als Basiswerte bei den Anlageprodukten in der Anlegergunst ganz oben stehen. 40 Prozent der befragten Emittenten, damit mehr als bei der Vorjahresumfrage, gehen davon aus, dass sich die Anleger am häufigsten für Aktien entscheiden dürften. Bei den Hebelprodukten hält die Hälfte der Emittenten Aktien für die am meisten gefragten Basiswerte. Interessant zu erwähnen ist, dass das Rohstoff-Universum als mögliche Basiswerte bei Anlage- und Hebelprodukten an Terrain gewonnen hatte. Das war wohl entscheidend auf deren jeweilige Performance zurückzuführen (so notierten vom Erdölpreis über Kupfer, Silber bis hin zu Gold alle im Einjahresvergleich im Plus).

Fazit:

Es sind insbesondere die politischen Risiken, die auch in 2017 auf den Plan treten und Anlageentscheidungen schwieriger machen könnten. Europa wird sich mit der Umsetzung des Brexits befassen müssen, während die USA mit dem neuen Präsidenten Trump konfrontiert sein werden. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die eindeutige Mehrheit der Börsenprofis sich auch wegen dieser möglichen Gefahrenherden auf eine erhöhte Volatilität einstellt. Anleger, die sich beherzt im Zertifikate-Universum umschauen, finden Produktlösungen für jedes Investmentszenario. Insofern ist der (verhaltene) Optimismus der Zertifikateanbieter für das Geschäftsjahr 2017 nicht unbegründet.

Quelle: Deutscher Derivate Verband, Emittentenumfrage 2016 / 2017
Quelle: Deutscher Derivate Verband, Emittentenumfrage 2016 / 2017
Quelle: Deutscher Derivate Verband, Emittentenumfrage 2016 / 2017
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