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AFRIKA – Wie Anleger am kommenden Wachstumsmarkt partizipieren können.

Foto:  Freder / iStock
Angetrieben vom technischen Fortschritt, wachsenden Bevölkerungszahlen und steigenden Einkommen entwickelt sich die afrikanische Verbraucherlandschaft schneller als andere Regionen dieser Welt. Die politische, gesellschaftliche und ökonomische Aufbruchsstimmung schafft einzigartige Gelegenheiten für Unternehmen und Investoren. Schließlich steht Afrika erst am Anfang einer spannenden Wachstumsstory.

Afrika – mit 30 Millionen km² nimmt dieser fantastische Kontinent ein Fünftel der Landfläche unserer Erde ein und ist damit nach Asien der zweitgrößte Erdteil. Vom nördlichsten Punkt bis zur Südspitze sind es etwa 8.000 km. Die größte Ost-West-Entfernung beträgt knapp 7.600 km. Der Kontinent bedeckt eine Fläche dreimal so groß wie Europa. Allein die Küstenlänge beträgt mehr als 30.000 km. Darüber hinaus besitzt Afrika mit dem über 6.600 km langen Nil den nach dem Amazonas in Südamerika zweitlängsten Fluss der Erde. Das höchste Bergmassiv ist das 5.895 Meter aufragende Kilimandscharo-Massiv im Norden Tansanias. Die großen Seen liegen im Osten, darunter der Victoriasee, der sich über Tansania, Uganda und Kenia erstreckt, sowie der Tanganjikasee mit den Anrainern Demokratische Republik Kongo, Tansania, Sambia und Burundi. Landeinwärts im Norden liegt die größte Trockenwüste der Welt, die Sahara. In ihrer west-östlichen Ausrichtung ist sie 5.000 km und in ihrer nord-südlichen Ausrichtung 2.000 km lang. Ihr Name kommt aus dem arabischen und bedeutet einfach „Wüste“.

Die vier Klimazonen „Mittelmeerklima“, „Wüstenklima“, „trockenes Tropenklima“ und „feuchtes Tropenklima“ stellen sehr unterschiedliche Lebensanforderungen, die es von der Bevölkerung zu meistern gilt, denn große afrikanische Länder wie zum Beispiel Nigeria erstrecken sich über mehrere Klimazonen.

Allgemein wird geschätzt, dass in Afrika über 1.500 verschiedene Sprachen gesprochen werden, wodurch die Sprachen der ehemaligen europäischen Kolonialstaaten als Verkehrssprachen von hoher Bedeutung sind.

„Afrika braucht Deutschland nicht, aber wir brauchen Afrika als Absatzmarkt von morgen!“

Karl Rheinberger

Partner des Germany-Africa Business Forum

Mehr zu bieten

Doch Afrika hat viel mehr zu bieten als atemberaubende Wasserfälle, mehrere tausend Jahre alte Pyramiden, historische Festungen oder spannende Safaris. Denn obwohl seine Grenzen scheinbar eindeutig sind, ist der Kontinent in kultureller und geschichtlicher Hinsicht mit vielen Ländern auf der Welt eng verbunden. Die gigantische Größe dieses Kontinents mit seinen 54 Staaten und über 1,1 Milliarden Menschen, macht es schwierig, ein umfassendes Bild aufzubauen. Die Hälfte der Menschen ist jünger als 25 Jahre. Bis zum Jahr 2050 wird erwartet, dass die Bevölkerung auf rund 2,4 Milliarden Menschen anwächst.

Auch wenn der afrikanische Kontinent von Volkswirtschaftlern insgesamt als die bis zum Jahr 2040 am schnellsten wachsende Region der Welt eingeschätzt wird, sollte dieser aus wirtschaftlicher Sicht entstandene Optimismus auf einzelne Länder begrenzt werden – insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich das Wachstum vor allem in den Erdöl und Mineralien exportierenden Ländern zuletzt verlangsamt hat. Entsprechend sind viele Investoren und Analysten mittlerweile dazu übergegangen, gerade in Afrika stärker zu differenzieren.

Immerhin befinden sich sechs der zehn weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika. Dies birgt ein wirtschaftliches Potenzial, das vielerorts bereits erkannt wurde. Dennoch war die Mehrzahl deutscher Unternehmen bei der Erschließung afrikanischer Märkte bisher eher vorsichtig. Nach Angaben mehrerer Wirtschaftsverbände sind zwar rund 1.000 deutsche Unternehmen in Afrika aktiv, jedoch mit vergleichsweise kleinen Investitionsbudgets. Doch angesichts des nur langsamen Wirtschaftswachstums in Europa und der vielen Chancen, die die Mehrzahl der afrikanischen Länder bieten, könnte sich dies – auch mit Unterstützung der Bundesregierung – bald ändern. Zuletzt soll der Handel zwischen Deutschland und Afrika lediglich 60 Milliarden US-Dollar proJahr (verglichen mit China sind es 200 Milliarden US-Dollar) betragen haben. Analysten gehen davon aus, dass sich diese Zahl bis zum Ende des Jahrzehnts verdoppeln wird.

Musterstaat Botswana

Dieses positive Zukunftsszenario ist letztlich auch auf einige Musterstaaten, das sind solche, die in der jüngeren Vergangenheit äußerst positiv aufgefallen sind, zurückzuführen. Deren Entwicklung ist jedoch auch gerade deswegen so spektakulär, weil sie von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau aus erfolgte.

Als Beispiel sei hier Botswana genannt. Nachdem die Briten im Jahr 1966 ihr Protektorat aufgaben, waren die Voraussetzungen katastrophal. 12 km geteerte Straßen sowie zwei weiterführende Schulen auf einer Fläche, die mit der von Frankreich zu vergleichen ist, konnten gezählt werden. Doch mittlerweile gilt Botswana mit seinen knapp über 2 Millionen Einwohnern als vorbildlicher Staat. Die Leistungsbilanz ist positiv und soll in 2016 rund 0,45 Milliarden US-Dollar betragen haben. Für das Jahr 2021 prognostiziert der Internationale Währungsfonds IWF eine positive Leistungsbilanz von 1,53 Milliarden US-Dollar.

Doch Botswana wird auch für sein wirtschaftliches Investitionsklima gelobt. Die Korruption ist so gering wie in kaum einem anderen afrikanischen Land und die Inflation soll laut IWF bis zum Jahr 2021 unterhalb von 4,6 Prozent bleiben. Um von der Rohstoffnachfrage der Schwellenländer unabhängiger zu werden, versucht das Land seine Wirtschaft zu diversifizieren und bemüht sich um eine neue Infrastruktur in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor. Daneben wurden bürokratische Hürden für Im- und Exporte bereits abgebaut.

Äthiopiens Aufschwung

Auch Äthiopien, das mit über 90 Millionen Einwohnern nach Nigeria bevölkerungsreichste Land südlich der Sahara investierte in den letzten Jahren kräftig in den Bildungs- und Gesundheitssektor, wodurch sich der Prozentsatz der in extremer Armut lebenden Menschen derzeit um zwei Prozent jährlich reduziert. Hinzu kommt, dass der ostafrikanische Staat kein klassisches Rohstoffland ist. Zu verdanken ist die positive Entwicklung vor allem der gestiegenen Produktivität in der Landwirtschaft, politischen Reformen und dem Abbau von Bürokratie.

Äthiopien zählt nicht nur zu den ältesten Zivilisationen, sondern auch zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Da das Land aktuell Schauplatz einiger der ambitioniertesten Projekte des Kontinents wie dem größten Wasserkraftwerk Afrikas sowie dem knapp 5.000 km langen Eisenbahnnetz ist, könnte Äthiopien binnen weniger Jahre von einer der ärmsten Nationen der Welt in die Gruppe der Länder mit mittlerem Einkommen aufsteigen – so werden jedenfalls die UN-Staaten bezeichnet, die ein Pro-Kopf-Einkommen von mindestens 1.026 US-Dollar haben. Dies wäre ein Ergebnis der zunehmenden Industrialisierung des Landes.

Reformwunder Ruanda

Wenn Ökonomen auf der Suche nach afrikanischen Erfolgsgeschichten sind, stoßen sie unter anderem auf Ruanda, denn das mit 26.338 km² verhältnismäßig kleine Land an den großen Seen hat seit 1994 eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. So soll das durchschnittliche Wirtschaftswachstum von 2001 bis 2015 etwa 8 Prozent betragen haben. Die amerikanische Central Intelligence Agency schätzt, dass das BIP in 2016 um 6 Prozent gewachsen ist. Der IWF geht für 2017 von der gleichen Wachstumsrate aus. Für das Jahr 2021 prognostiziert der IWF ein Wachstum des BIPs von 7,5 Prozent.

In Ruanda sind heute beispielsweise gut ausbebaute Straßen sowie freie drahtlose Internetverbindungen in Cafés und Restaurants eine Selbstverständlichkeit. Vor allem in der Hauptstadt Kigali lässt sich das Wachstum gut erkennen – gefühlt entstehen an jeder Straßenkreuzung neue Gebäude, Bauarbeiten sind allgegenwärtig. Die Korruption soll zu den niedrigsten in ganz Afrika gehören. Insgesamt bekennt sich die Regierung von Ruanda zu einer investorenfreundlichen Marktpolitik. Auch im „Doing Business“- Ranking der Weltbank ist das Land weit nach vorne gesprungen.

Zu den größten Einnahmequellen von Ruanda zählt mittlerweile der Tourismus. Angesichts knapper Rohstoffressourcen versucht das Land, Wissen als wichtigste Einnahmequelle zu generieren. Das Ziel ist die regionale Führerschaft bei den Informations- und Kommunikationstechnologien. Dafür werden große Summen in die Ausbildung der jungen Generation investiert. So beträgt die Einschulungsrate nahezu 100 Prozent. Das Krankenversicherungssystem, das mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit entwickelt wurde, deckt über 90 Prozent der etwa 13 Millionen Einwohner ab. Darüber hinaus ist Ruanda der ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft beigetreten. Hier geben derzeit die beiden regionalen Schwergewichte Kenia und Tansania den Ton vor. Wirtschaftlich gesehen, ist dies eine große Chance für Ruanda, um seine Haushaltsplanung, Handelsgesetzgebung und Einwanderungspolitik mit diesen Ländern abzustimmen.

Mobilfunk-revolution in Kenia

Neben Äthiopien und Tansania wird im Jahr 2017 vor- aussichtlich auch Kenia zu den wachstumsstärksten Ländern Afrikas gehören. Immerhin sollen knapp 82 Prozent der etwa 46,7 Millionen Kenianer ein Mobiltelefon besitzen. Und diese greifen eifrig auf die Dienstleistungen von M-Pesa (Mobilgeld) des Mobilfunkanbieters Safaricom zurück. M-Pesa ermöglicht zum Beispiel innerhalb von Sekunden Geldtransfers per Handy an die Familie auf dem Land, das Bezahlen von Einkäufen und Dienstleistungen sowie das Entrichten von Schulgebühren und Steuern. Fast 70 Prozent der erwachsenen Kenianer nutzen diesen Dienst. Ein sensationeller Wert, insbesondere wenn man bedenkt, dass nur rund 31 Prozent von ihnen über ein Bankkonto verfügen soll. Der jährliche Umsatz vom M-Pesa beziffert sich auf knapp 12 Milliarden US-Dollar und leistet damit einen Beitrag von 1,8 Prozent zum BIP.

M-Kopa (Leihgeld) von Safaricom ist ebenfalls ein Kassenschlager. Rund 80 Prozent der Kunden, zumeist Kleinfarmer, leben von weniger als 2 US-Dollar pro Tag. Bei M-Kopa erwerben diese eine Solarbatterie, zwei LED-Glühbirnen, eine LED-Taschenlampe, ein aufladbares Radio sowie einen Adapter zum Laden des Mobiltelefons und leisten eine Anzahlung von 35 US-Dollar. Danach werden täglich per Mobiltelefon 45 Cent überwiesen, bis das Einkaufsset im Wert von 200 US-Dollar abbezahlt ist, also nach einem Jahr. Nach Eingang einer jeden Zahlung wird das Paneel für die nächsten 24 Stunden freigeschaltet. Die winzigen Module sorgen für Elektrizität in den Läden der Slums von Nairobi und den Hütten der Kleinbauern auf dem Land, denn dort gibt es keine zuverlässige Stromversorgung.

Auf diese Weise wird Energie erschwinglich und teure herkömmliche Energie im Wert von etwa 200 US-Dollar jährlich zumeist eingespart. Ist die Kreditwürdigkeit des Kleinunternehmens nach einem Jahr bewiesen und das Solar-Kit abbezahlt, können auf diese Weise auch Kühlschränke, Fernseher oder Kochtöpfe erworben und mithilfe von M-Kopa finanziert werden. Das Pikante an der Mobilfunkrevolution durch die Firma Safaricom: Das kenianische Unternehmen gehört zum britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone Group.

Afrika-Offensive

„Wir werden den Kontinent nicht den Wettbewerbern überlassen“, sagte Wolfgang Bernhard, der ehemalige Vorstand von Daimler Trucks und Daimler Buses, im Februar 2017 und meinte damit, dass Daimler das Potenzial der aufstrebenden afrikanischen Länder besser erschließen müsse. Zwei Vertriebszentren für LKWs und Busse sollen dazu eröffnet werden, in Nairobi, der Hauptstadt Kenias sowie in Pretoria, der formalen Hauptstadt Südafrikas. Um näher an die afrikanischen Kunden heranzurücken, haben die Daimler-Manager 50 attraktive Märkte in Afrika identifiziert. Allein von Nairobi aus sollen 41 Märkte angesteuert werden. Bisher ist dies primär aus der Stuttgarter Zentrale heraus geschehen.

Steigende Nachfrage

Zu den Verlierern in 2017 könnte durchaus Mexiko gezählt werden. So droht das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada ein weiteres Opfer des Trumpschen Protektionismus zu werden. Zumindest senkte der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für Mexiko und prophezeit einen Anstieg des BIP von nur noch 2,1 Prozent. Bislang lag die Schätzung bei 2,5 Prozent.
Sollte Trump mit seinen protektionistischen Plänen ernst machen, würden auch Brasiliens Exporte leiden. Andererseits glauben viele Anleger, dass es nach der Absetzung der Präsidentin Dilma Rousseff mit der brasilianischen Wirtschaft, die nach wie vor in der Rezession steckt, wieder aufwärts geht. Das Reformprogramm des neuen Staatschefs Michael Temer entfachte zumindest kurzfristig eine deutliche Euphorie an der Börse. Ob diese zu stark ausfiel, wird sich noch zeigen.

Krones ist bereits seit Anfang der 90er-Jahre in Afrika aktiv. Die Bayern profitieren von der steigenden Nachfrage nach sauber verpackten Lebensmitteln und Getränken wie Wasser, Bier oder Milch. Zu den Hauptkunden gehören insbesondere Brauereien und Softdrink-Hersteller. Nach eigenen Aussagen beabsichtigt Krones, das Engagement in Afrika weiter auszuweiten und schätzt, dass die Nachfrage in der Region Afrika/Mittlerer Osten zwischen 2016 und 2019 um durchschnittlich 7,2 Prozent klettern wird. Auch die afrikanischen Ausbildungscenter sollen ausgebaut werden. Zuletzt stieg nicht nur die Mitarbeiteranzahl in der Region auf 386, sondern auch der Umsatz auf über 570 Millionen Euro (knapp 17 Prozent der Konzern-Umsatzerlöse) in 2016.

Dagegen ist der deutsche Zementproduzent Heidelberg- Cement bereits seit über 50 Jahren auf dem südlichen Kontinent vertreten. Mit der Übernahme des skandinavischen Zementproduzenten Scancem, der bereits seit den 1960er Jahren in Afrika aktiv war, erbten die Heidelberger dieses Engagement und bekamen einen ganz neuen Blick auf einige Länder, insbesondere südlich der Sahara. Deren großes Wachstumspotenzial war dem deutschen Unternehmen zuvor verborgen geblieben. Doch gerade diese Länder stehen erst am Anfang ihrer ökonomischen Entwicklung. Die dortige Infrastruktur muss ausgebaut und bestehende Gebäude müssen renoviert werden. Hierfür werden Baumaterialien, aber vor allem Zement benötigt. HeidelbergCement kann zum Beispiel mit den neuen Produktionsstätten in Togo und Burkina Faso die Kosten senken, frühere Exporte in das Land ersetzen und die eigene Wettbewerbsfähigkeit vor Ort steigern.

Chancen und Ideen

Als Chancenkontinent bezeichnete der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller den afrikanischen Kontinent und moniert, dass „die deutsche Wirtschaft noch zu zurückhaltend mit Investitionen ist“.

Ein schlauer Plan muss also her. Und so bewirbt Müller den „Marshallplan für Afrika“, der den Aufbau von Arbeitsplätzen mithilfe deutscher Investitionen sichern soll, um damit Bleibeperspektiven für junge Afrikaner in den verschiedensten Ländern Afrikas zu schaffen. Einige Kritiker deuten diese Idee jedoch weniger als Aufbauhilfe, sondern viel mehr als Programm zur Migrantenabwehr, bei dem die Bekämpfung der Korruption und das Eliminieren von Menschenrechtsverletzung auf der Strecke bleiben könnte. Das große Ziel müsste also heißen, dass Katastrophen wie Hungersnöte künftig gar nicht mehr vorkommen und auf breiter Fläche intelligente und dauerhafte Investitionen, unterstützt von einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik, getätigt werden.

In genau diese Kerbe schlug das Germany-Africa Business Forum (GABF) am 23. März 2017 in Berlin. Die private Veranstaltungsreihe, die sich ausschließlich der Intensivierung der Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen Deutschland und dem afrikanischen Kontinent widmete, brachte erfolgreiche Unternehmer, Meinungsführer und soziale Influencer, Vorstände, ausgewählte Politiker sowie Nichtregierungsorganisationen zusammen, um neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Konzepte zu entwickeln, die das wirtschaftliche Denken und gesellschaftliche Institutionen prägen.

Da verwunderte es schon, dass die Bundesregierung – trotz der Teilnahme hochrangiger Regierungsvertreter aus zahlreichen afrikanischen Ländern – durch Nichtteilnahme am äußerst wichtigen GABF „glänzte“ und jegliche Unterstützung im Vorfeld ablehnte. Ging es doch auch um das gemeinsame Ziel, deutsche Weltmarktführer näher an die zahlreichen Märkte in Afrika heranzuführen, um zusammen am Wachstumspotenzial Afrikas zu partizipieren. Mutmaßungen einiger Regierungskritiker, dass exklusive Bedürfnisse diverser deutscher Interessensgemeinschaften mit lenkbaren und äußerst profitablen Beratungsfirmen im Hintergrund in der Gunst einzelner handelnder und einflussreicher Personen stehen, bleiben an der Bundesregierung leider haften. Doch auch das vermeintliche Desinteresse deutscher Regierungsvertreter hatte keinen negativen Einfluss auf den Erfolg des GABF. Im Gegenteil: So lag die ungeteilte Aufmerksamkeit der hochrangigen Führungskräfte deutscher Unternehmen bei den angekündigten Wirtschaftsministern aus Nigeria, Südafrika, Äquatorialguinea, Äthiopien, Ghana, Kamerun, Südsudan und Benin.

Das erzeugte Bild

Der Vorwurf einiger Afrikaspezialisten gegenüber der Bundesregierung, dass der Fokus nicht auf langfristige Ziele gerichtet wird, verstärkt sich durch das in den Medien der westlichen Industrienationen erzeugte Bild über Afrika. Wann immer Afrika in die Schlagzeilen gerät, geht es meist um Nahrungsmittelappelle von Hilfswerken, Fotos hungernder Kinder oder ausgebleichter Tierkadaver auf ausgedörrten Feldern.

Entsprechend äußerte sich der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel kürzlich besorgt: „Wenn jetzt nicht bald umfassende internationale Hilfe einsetzt, droht Millionen von Menschen in den betroffenen Regionen der Hungertod.“ Leere Worthülsen wie diese lassen sich laut zahlreicher Hilfswerke kaum mehr ertragen. „Hört endlich auf zu diskutieren. Die Zeit zum Handeln ist längst überfällig. Wer wirklich etwas verändern möchte, geht mit nachhaltigen Maßnahmen und gutem Beispiel voran. Die Vorfinanzierung von Auslandshandelskammern als praxisnahe Unterstützung vor Ort in bisher unerschlossenen afrikanischen Märkten, die aber ein großes Potenzial bieten, würde die Ansiedlung deutscher Unternehmen viel wahrscheinlicher machen“, war von einem deutschen Entwicklungshelfer, der an dieser Stelle ungenannt bleiben möchte, beinahe schreiend zu vernehmen.

Starker Wettbewerb

Bereits im Jahr 2012 haben Konzerne wie Coca-Cola und Unilever mehr als zehn Prozent ihrer Verkäufe in Afrika realisiert. Jeffrey Immelt, CEO und Chairman of the Board von General Electric, erklärte im Sommer 2014, dass Afrika zu den wichtigsten Wachstumsregionen der Welt gehöre und kündigte an, bis zum Jahr 2018 insgesamt 2 Milliarden US-Dollar zu investieren. Es seien dort zwar die Rohstoffe vorhanden, um den steigenden Energiebedarf Afrikas zu decken. Es klaffe jedoch eine Lücke bei der notwendigen Technologie und der Finanzierung. Konkret beabsichtigt GE, das Stromnetz in Algerien zu stabilisieren und die Versorgung einer Öl-Raffinerie in Nigeria sicherzustellen.

Entgegen der allgemeinen Zurückhaltung deutscher Unternehmen hat sich die Volksrepublik China zum größten Investor in Afrika entwickelt. Innerhalb von zwei Jahrzehnten steigerte China sein Handelsvolumen mit dem Kontinent von 1 Milliarde US-Dollar im Jahr 1992 auf 210 Milliarden US-Dollar im Jahr 2013. 2020 soll das Handelsvolumen gar auf 400 Milliarden US-Dollar ausgeweitet werden. Inzwischen sind mehr als 2.000 Firmen aus dem Reich der Mitte in Afrika aktiv, und die Zahl der chinesisch-afrikanischen Projekte ist auf über 8.000 angewachsen. Entsprechend finden viele der großen Infrastrukturprojekte ohne Beteiligung der Europäer statt: Tiefseehäfen in Kamerun und Guinea-Bissau, die Benguela-Eisenbahn in Angola, die Ölpipeline vom Tschad an den Atlantik, Staudämme im Sudan und in Äthiopien, Raffinerien in Nigeria, Wasserkraftwerke in Uganda und Sambia, Windkraftanlagen in Kenia und der größte Solarpark des Kontinents in Südafrika.

Kritiker sehen dieses Engagement allerdings auch nicht als Entwicklungshilfe. Zu sehr wird dabei deutlich, dass chinesische Unternehmen unter staatlichem Einfluss vor allem an Rohstoffen interessiert sein sollen. So zählt Erdöl zu den wichtigsten Exportprodukten Afrikas, gefolgt von Gold, Diamanten und Metallerzen. Fündig werden sie auf breiter Fläche: In der Demokratischen Republik Kongo und in Sambia befinden sich bedeutende Vorkommen an Kupfer.

Gold und Diamanten gibt es vor allem in Südafrika, Botswana, Angola, Liberia und Sierra Leone. Erdöl wird insbesondere in Libyen, Algerien, Angola, Nigeria, Gabun, die Republik Tschad und seit neuestem auch in Ghana gefördert. Und so erschließen chinesische Unternehmen Ölfelder, investieren in die Kupferförderung und betreiben Bergbau. Sie betätigen sich in der Landwirtschaft und halten eine Milliarden-Beteiligung an der südafrikanischen Standard Bank, der größten Bank Afrikas. Daneben bauen sie Straßen, Hafenanlagen, Staudämme, Krankenhäuser, Flughäfen, Universitäten und natürlich Fußballstadien.

Enormes Aufholpotenzial

Laut IWF betrug der Anteil der afrikanischen Sub-Sahara-Nationen am kaufkraftbereinigten globalen BIP im Jahr 2016 geschätzt 3,09 Prozent. Afrika braucht also dringend mehr Musterländer und diese entsprechend mehr Partner mit vereinten nachhaltigen Interessen, bevor die Schlagzeilen des Krisenkontinents die Erfolgsmeldungen gänzlich verdrängen.

„China is looking for a girlfriend, but Germany is looking for a wife!“

Onyeche Tifase

CEO von Siemens Nigeria, auf die Frage, warum deutsche Unternehmen immer noch so zurückhaltend in Afrika agieren.

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