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Bewusst Investieren

Illustration: Doppelganger4 / iStock

Ethisch-nachhaltige Geldanlagen für eine doppelte Dividende

Ein sparsamer, umweltverträglicher Ressourceneinsatz, die Einhaltung von Arbeits- und Umweltstandards, der Schutz und die Förderung der Menschenrechte sind allesamt Themen, die auch Anleger immer mehr berücksichtigt wissen wollen. Denn nachhaltig und ethisch korrekt zu leben, reicht vielen Menschen nicht mehr aus: Sie beabsichtigen ebenso, soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele zu beachten, um dadurch gleichermaßen eine finanzielle und moralische Dividende zu erhalten.

Wir schreiben das Jahr 2100. Der Sommer ist heiß und trocken. Die Jahresmitteltemperatur ist gegenüber dem Jahr 2016 um 4 Grad gestiegen. In Südwestdeutschland werden 30 zusätzliche Hitzetage mit über 30 Grad im Schatten verzeichnet. Die Todesraten durch Hitzekollaps oder Herzinfarkt sind gestiegen. Die Schädigung der Bronchien und der Lunge durch Ozon und Smog gehört zur Tagesordnung. Durch die Verschiebung der Klimazonen gen Deutschland hat sich Malaria verbreitet. Immer mehr Arten wie Bienenfresser, Feuerlibellen, Sandmücken und Purpurreiher sind aus Südeuropa und an.deren Regionen zugewandert. Etwa 30 Prozent der einheimischen Spezies sind stattdessen nicht mehr zu sehen. Dafür überwintern nun ehemalige „Sommergäste“ wie Star, Stieglitz oder Kiebitz in Deutschland. Die anhaltende Trockenheit wirkt sich vor allem auf die Schifffahrtsbranche aus, denn über die Hälfte des aus der Natur entnommenen Wassers wird in Deutschland von der Energiewirtschaft verbraucht. Da nicht mehr genügend Flusswasser für die Prozesskühlung zur Verfügung steht, werden regelmäßig zahlreiche Kraftwerke abgeschaltet. Das sorgt für Stromausfälle und somit für ausgefallene Klimaanlagen. Milchbauern, deren Notstromaggregate wegen der Dauerbelastung ausfallen, sind gezwungen, die Arbeit nun mit eigenen Händen zu verrichten oder in den schlimmsten Fällen die Notschlachtung der leidenden Tiere einzuleiten. Regionale Ernteeinbußen sind ebenfalls zu verzeichnen. Glücklicherweise wurden neue Getreidearten gezüchtet, die resistenter gegen Hitze sind und mit weniger Wasser auskommen. Wärme- und trockenheitstolerante Baumarten wie Ahorn, Eiche oder Buche haben – sofern diese nicht bei Waldbränden vernichtet wurden – die letzten Nadelbäume in den wenigen Wäldern ersetzt. Anders ist der deutsche Winter. Dieser ist im Jahr 2100 deutlich milder und feuchter als noch im Jahr 2016. Wintersport ist praktisch nicht mehr möglich. Häufig ist mit schweren Stürmen und sintflutartigen Regenfäl.len, verbunden mit Hochwasser und Murenabgängen in den Bergen sowie höheren Sturmfluten an den Küsten zu rechnen. Durch den Anstieg des Meeresspiegels wur.den an der Nord- und Ostseeküste bereits 14.000 Quad.ratkilometer an Landfläche vom Wasser begraben, was den wertvollen Lebensraum von mehr als drei Millionen Menschen kostete.

Entgegen der weitverbreiteten öffentlichen Meinung lässt sich grundsätzlich kein Renditenachteil ethisch-nachhaltiger Geldanlagen gegenüber konventionellen nachweisen.

Nachhaltigkeitsprinzipien

Wer über die Zukunft nachdenkt, muss Alternativen berücksichtigen. Denn sicher ist nur, dass die Zukunft unsicher ist. Szenarien sind weder Vorhersagen noch Prognosen, sondern plausible Beschreibungen, wie sich die Zukunft für Mensch, Tier und Pflanze für unsere Organisationen, unsere Länder und sogar den Planeten Erde entwickeln könnte. Grundsätzlich gibt das Nachhaltigkeitsprinzip die Verantwortung für die soziale Balance in einer globalisierten Gesellschaft, die ökologische Tragfähigkeit unserer Erde sowie die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in einem Zusammenhang vor.

Was nun mühevoll klingen mag, wird von Menschen, die sich von einem nachhaltigen Leben inspiriert und motiviert fühlen, in einem ersten Schritt anhand einfacher Maßnahmen umgesetzt. Dabei wird das konventionell angetriebene Fahrzeug stehen gelassen, wenn der Weg zum Bäcker oder Erdbeeracker auch zu Fuß oder per Pedale zurückgelegt werden kann. Präferiert wird eine naturbelassene Ernährungsweise, bei der viel selbst und frisch zubereitet und auf künstliche Zusatzstoffe verzichtet wird. Beim sogenannten „Clean-Eating“ sind auch Fast-Food-Produkte, Fertiggerichte, Zucker und Weißmehl tabu. Zudem wir Fleisch deutlich weniger konsumiert, da die Produktion hohe Treibhausgasemissionen verantwortet und so der Massentierhaltung einen Strich durch die Rechnung macht.

Nachhaltig lebende Menschen ziehen im Regelfall zu.nächst eine weitere Kleidungsschicht an, ehe die Heizung aufgedreht wird und widerstehen dem ständigen Konsum neuer Produkte, wenn die älteren noch ausreichend funktionstüchtig sind. Dies beinhaltet auch die Verwertung von Lebensmitteln bis zum Haltbarkeitsende und schränkt die sinnlose Verschwendung ein. Die Stromversorgung erfolgt durch echten Ökostrom. Mehrmals im Jahr in Urlaub fliegen ist passé, denn erholsame Urlaubsziele in der Nähe lassen sich auch per Bahnfahrt erreichen. Nachhaltig und ethisch korrekt zu leben, um den künftigen Generationen ein funktionierendes Ökosystem zu hinterlassen, ist die eine Seite der Medaille.

Weiterhin an der Förderung und Akzeptanz zum Bei.spiel der erneuerbaren Energien zu arbeiten, die bis zum Jahr 2050 die Hälfte des Weltenergiebedarfs decken könnten, ist die andere. Um die oben definierte Eigenverantwortung auf Geldanlagen transportieren zu können, sollten neben Liquidität, Sicherheit und Rendite auch nichtfinanzielle Ziele in Erwägung gezogen wer.den. Diese halten mittels ethischer Kriterien fest, welche Folgewirkungen eine Anlage erzielen soll.

Eine Gesellschaft im Wandel

Mit dem kontinuierlich steigenden Interesse an nachhaltigen Geldanlagen steigt auch der Wunsch nach mehr Transparenz. Schließlich wollen Anleger bei ihren In.vestments wissen, wie nachhaltig ein Unternehmen aufgestellt ist. Während sich bislang hauptsächlich institutionelle Investoren für die Investments mit Mehr.wert interessierten, fragen Marktbeobachtern zufolge mittlerweile auch immer mehr Privatanleger verstärkt nach Anlagelösungen mit ökologischem oder sozialem Mehrwert. Und so weisen viele Unternehmen trotz aller Gewinnziele mittlerweile ihre Gemeinwohl-Bilanz aus. Ein gelungenes Beispiel ist der Österreicher Heinrich Kronbichler, der sein Weiterbildungsunternehmen WBS Trainings AG in den vergangenen Jahren nach der Gemeinwohlökonomie ausgerichtet hat. Die Redaktion des Derivate Magazins sprach mit Kronbichler über seine Erfahrungen damit und über seinen eigenen Lebenswandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und ethischem Bewusstsein (siehe Interview ab Seite 19). Jedenfalls scheinen seine Mitarbeiter zufrieden zu sein, sie wählten ihr Unternehmen zu einem der besten Arbeitgeber 2015 in Berlin-Brandenburg.

Inspiriert durch kleine und mittelständische Anbieter von nachhaltigen Investmentprodukten versuchen global agierende Emittenten nun auch auf den „Nachhaltigkeits-Zug“ aufzuspringen. Entsprechend legen Fondsgesellschaften immer mehr neue Produkte auf, die Anlegern neben dem nachhaltigen Mehrwert auch interessante Renditen verschaffen sollen.

Anleger ethisch-nachhaltiger Investments sollten sich stets mit den einhergehenden Veränderungen ihres jeweiligen Chance-Risiko-Profils auseinandersetzen. Schließlich können durch bestimmte Ausschlusskriterien Renditechancen ganzer Branchen wegfallen und durch eine zu starke Einschränkung des Portfolios Klumpenrisiken aufgebaut und höhere Verlustrisiken eingegangen werden. Allerdings kann sich das ethisch-nachhaltige Investment auch als Risiko-Reduzierungsstrategie erweisen. Denn durch den Ausschluss einzelner Unternehmen oder Branchen hat der Vermögensträger die Möglichkeit, durch die gezielte Bewertung seiner Investments, künftige Risiken in Bezug auf Katastrophen, Klagen und rechtliche Regulierungen zu minimieren. Entgegen der weitverbreiteten öffentlichen Meinung lässt sich grundsätzlich kein Renditenachteil ethisch-nachhaltiger Geldanlagen gegenüber konventionellen nachweisen.

Hoher Rechercheaufwand

Für eine ideale Justierung der Anlage- und Nachhaltigkeitsfilter ist die ethisch-motivierte Investition für den Privatanleger jedoch mit viel Recherchearbeit verbunden. Daneben sind auch der hohe Zeitaufwand sowie die Kosten, die beispielsweise für den Kauf von Nachhaltigkeits-Studien anfallen, nicht zu unterschätzen. Aus Anlegersicht ist daher der Blick auf das öffentlich zugängliche Angebot von Vorteil. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass es keine einheitliche Definition von nach.haltigen, ethischen oder ökologischen Investments gibt. Die Redaktion des Derivate Magazins rät daher jedem Interessierten, einen genauen Blick auf die Architektur der Finanzprodukte zu werfen.

Dass sich einige Fonds an zusammengebauten Indizes professioneller Anbieter orientieren, ist nicht von Nach.teil, kann aber zu Irrtürmen führen. Dies zeigte sich beispielsweise im Jahr 2010, als die Ölplattform Deepwater Horizon des britischen Ölkonzerns BP kurz nach einer Explosion sank und elf Menschen ums Leben kamen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Aktie des britischen Mineralölunternehmens noch im Nachhaltigkeits-Index DJ Sustainability World (WKN: 967398) enthalten. Erst sechs Wochen später, nachdem Millionen von Liter Öl den Golf von Mexiko verschmutzten, warfen die Indexbauer Dow Jones Indexes und die Schweizer Robeco-SAM den Wert heraus. Letztlich war vielen Anlegern bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass in einem Nachhaltigkeitsindex auch Unternehmen aus der Öl- und Gasbranche stecken können. Allerdings kann das durchaus seinen Grund haben: BP beispielsweise überzeugte die Analysten des Nachhaltigkeitsindex im Auswahlverfahren „Best-in-Class“ mit seinem Engagement für erneuerbare Energien und einem hohen Gasförderungsanteil. Auch in Sachen Transparenz und Sozialstandards soll der Konzern – wie auch Autobauer und Fluglinien – gegenüber der direkten Konkurrenz gepunktet haben.

Dieser Fall zeigte zudem recht deutlich, dass ein Nachhaltigkeitsresearch keine hundertprozentige Garantie gegen Großunfälle und menschliches oder politisches Versagen bieten kann, denn auch nachhaltige Unter.nehmen unterliegen Fehleinschätzungen. Deswegen gilt: Ein gründliches ESG-Research (ESG ist die Abkürzung für „Environment, social and governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) kann Risiken senken. Deswegen haben viele Nachhaltigkeitsindizes BP nicht in ihre Anlageprodukte aufgenommen.

Grosse Fonds-Vielfalt

Die Palette der erhältlichen Nachhaltigkeitsfonds reicht von sehr engen Themenfonds über regional investieren.de Produkte bis hin zu global und breit aufgestellten Fonds. So investiert zum Beispiel der Swisscanto Equity Fund Water Invest B (WKN: A0MSPX) bereits seit dem Jahr 2007 in das Thema Wasser. Hier setzt der Fondsanbieter Swisscanto unter anderem auf Aktien von Unter.nehmen, die Technologien zur Reduzierung des Wasserverbrauchs entwickeln oder auch Wasser aufbereiten.

Im Gegensatz zu Fonds, die sich nur auf ein spezielles Anlagethema konzentrieren, wählt der Pioneer Funds Global Ecology (WKN: A0MJ48) Unternehmen aus allen ökologischen und nachhaltigen Bereichen aus. Als einer der ältesten Nachhaltigkeitsfonds Deutschlands setzt dieser auf langfristige grüne Megatrends und da.mit auf Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte und Technologien entwickeln und Beiträge zu einer sauberen Umwelt leisten. Firmen, die Menschen- und Arbeitsrechte verletzen oder Kinderarbeit dulden sowie Unternehmen aus den Bereichen Rüstung, Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Pornografie disqualifizieren sich hier automatisch.

Einem anderen Konzept unterliegt der Deutschland Ethik 30 Aktienindexfonds (WKN: A1XFE0), der seit Mai 2014 überwiegend in Unternehmen investiert, welche im DETHIK 30 Aktienindex – initiiert im Februar 2014 durch den Vermögensverwalter Rhein Asset Management – gelistet sind. Der Index umfasst 30 Unternehmen, die sich grundsätzlich aus Mitgliedern von DAX, MDAX und TecDAX rekrutieren, strengen ethischen Auswahlkriterien genügen und somit den oekom Prime Status erreichen. Unternehmen, die ihr Geld mit der Produktion von Rüstungsgütern, Atomenergie, Glücksspiel oder grüner Gentechnik verdienen sowie durch Kontroversen im Bereich der Arbeits- und Menschenrechte auffallen, werden ausgeschlossen. Unterstützt wird die Auswahl geeigneter Unternehmen durch einen Ethikrat.

Als erste deutsche Bank hat die Commerzbank die Nachhaltigkeitsbewertung von oekom research in ihre Aktienvoten für Privatkunden aufgenommen. Neben den klassischen Unternehmensdaten und -bewertungen erhalten deren Kunden einen kompakten Überblick, wie ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit bewertet wird und können die Bewertung anhand von bis zu 100 branchenspezifisch ausgewählten Kriterien in ihre Anlageentscheidung mit einbeziehen. Um in das Nachhaltigkeitsdepot der Commerzbank aufgenommen zu werden, müssen Aktien einen dreistufigen Filterprozess durchlaufen. Dieser schließt Unternehmen aus, die zum Beispiel gegen bestehende UN-Konventionen verstoßen. Zusätzlich erfolgt eine Finanzanalyse, um das ökonomische Entwicklungspotenzial der Unternehmen sicherzustellen. Darüber hinaus werden unter den verbleibenden Unternehmen per Medienanalyse diejenigen herausgefiltert, die durch Negativmeldungen zu ökologischem und sozialem Fehlverhalten auffallen. Im Commerzbank Globale Aktien – Katholische Werte Fonds für private (WKN: CDF2RK) und institutionelle Anleger (WKN: CDF1RK und WKN: CDF3RK), dessen Anlagestrategie am katholischen Wertesystem des internationalen Nachhaltigkeitsresearchs des Indexanbieters MSCI ausgerichtet ist, werden Anlagen unter anderem in den Bereichen Alkohol, Glücksspiel, Tabak, Rüstung, Atomenergie, Genforschung und Stammzellenforschung ausgeschlossen. Aus dem Universum des Catholic Value Custom Index, der über 700 Unternehmen mit diesen Wertegrundsätzen umfasst, wählt das Commerzbank Asset Management Team gezielt Einzeltitel aus, die ein unterdurchschnittliches Risiko, eine attraktive Bewertung sowie eine hohe Dividende erwarten lassen.

Deutlicher Volumenanstieg

Auch wenn die Produkte der verschiedensten Anbieter unterschiedliche Ansätze verfolgen, haben sich Nachhaltigkeitsfonds in der Finanzwelt etabliert. So veröffentlichte das Forum „Nachhaltige Geldanlagen“ im Mai 2016, dass das Volumen des nachhaltigen Anlagemarktes, bei dem neben finanziellen auch ökologische und soziale Kriterien Berücksichtigung finden, im Jahr 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz um 65 Prozent auf 326 Milliarden Euro angewachsen ist und das nachhaltige Segment damit in allen drei Ländern ein höheres Plus verzeichnen konnte als sein konventionelles Pendant. Der Hauptanteil des nachhaltigen Anlagemarktes entfiel dabei auf die Mandate (59 %), gefolgt von den Kundeneinlagen und Eigenanlagen (21 %) sowie den Investmentfonds (20 %). Während ethisch-nachhaltige Ausschlüsse die wichtigste nachhaltige Anlagestrategie bleiben, hat die Integration von ESG-Kriterien in die Finanzanalyse den Best-in-Class-Ansatz gegenüber 2014 vom zweiten Platz auf Rang fünf verdrängt.

Alternative Banken

Anlegern, denen der Schritt zu ethisch-nachhaltigen Investments in Form von Aktien, Fonds oder Unternehmensanleihen nicht reicht und die Nachhaltigkeit noch bewusster anstreben, können sich über ein Gesamtpaket auch bei den sogenannten Alternativbanken informieren. Generell werben diese mit umfangreicher Geschäftstransparenz: Ihre Kunden sollen also genau nachvollziehen können, wo beispielsweise Geldanlagen weiterinvestiert werden. Daneben werden Anleger entlang eines Nachhaltigkeitsrasters beraten.

Kunden der GLS Bank und der EthikBank haben unter anderem die Möglichkeit, Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos zu benutzen. Auch der inter.nationale Zahlungsverkehr ist hier sichergestellt, da die GLS Bank an die WGZ Bank und die EthikBank sowie die Triodos Bank an die DZ BANK angeschlossen sind. Die UmweltBank wickelt dagegen ihren europäischen Zahlungsverkehr über die Europäische Zentralbank ab.

Überraschender Grauzonenbereich

Während der Recherche ist die Derivate Magazin-Redaktion jedoch auch bei den Alternativbanken auf eine Grauzone gestoßen: Trotz der generellen Ablehnung der Atomenergie schränken zum Beispiel die EthikBank und die GLS Bank ein, dass Unternehmen dann erst ausgeschlossen werden, wenn sie mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Atomenergie machen. Teilweise ist der Anteil bei den Kirchenbanken sogar noch höher. Insgesamt geben die Alternativbanken zu bedenken, dass die Möglichkeit, zu 100 Prozent „grün“ anzulegen auch für die Alternativbanken begrenzt ist. Schließlich sei die Einschränkung damit begründet, dass bei bestimmten Finanzierungen von Wind- und Wasseranlagen auch begrenzte Zulieferungen von Atomkonzernen eine marginale Rolle spielen können.

Doppelte Dividende

Konkret sollte Nachhaltigkeit darauf abzielen, naturgegebene oder gesellschaftlich gestaltete Gemeinressourcen so zu nutzen, dass diese auch für künftige Generationen erhalten bleiben. Jede Form der Kostenabwälzung wirtschaftlichen Handelns auf Dritte, die Umwelt oder künftige Generationen sollte mehr als kritisch bewertet und anhand des Nachhaltigkeitsgedankens überprüft werden, inwieweit diese dem Wohl heutiger und künftiger Generationen dienlich sind.

Immer häufiger werden ethikbezogene Investmentprodukte aufgesetzt, deren Ziele die ethischen Ansprüche sowie wirtschaftlichen Performance-Ziele von Investoren widerspiegeln. Es sollte sich von selbst verstehen, dass diese Geldanlagen auf Investitionen in die Rüstungsindustrie oder in Unternehmen, die Suchtmittel produzieren oder vertreiben, verzichten. Auch Industrien, die unter dem Verdacht der Kinderarbeit oder der Abholzung des Regenwalds stehen, sollten hierbei gemieden werden. Bei derartigen Investments sind An.leger oft bereit, ihre finanziellen Ziele herabzusetzen, was sie jedoch nicht immer müssen. Erst dann, wenn soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele erreicht werden, können wir von einer doppelten Dividende sprechen, also einer finanziellen und einer moralischen Dividende.

Ausgesuchte Nachhaltigkeitsfonds

FONDS FONDSMANAGER WKN
Allianz Euro Credit SRI – A – EUR Allianz Global Investors Europe GmbH A12GG8
Arabesque Systematic EUR (Alpha) Arabesque Asset Management Ltd A12HQR
Commerzbank Globale Aktien – Katholische Werte R Commerzbank AG CDF2RK
Deutschland Ethik 30 Aktienindexfonds Rhein Asset Management (Lux) S.A. A1XFE0
DWS Water Sustainability (former Klimawandel) DWS Investment GmbH DWS0DT
FairWorldFonds Union Investment Luxembourg S.A. A0YCZ3
HSBC Sustainable Euroland Equity HSBC Global Asset Management (France) A2AE4V
LBBW Global Warming LBBW Asset Management Investmentgesellschaft mbH A0KEYM
Pioneer Funds Global Ecology Pioneer Investments A0MJ48
Swisscanto Equity Fund Water Invest B Zürcher Kantonalbank A0MSPX
Vontobel Fund Global Clean Technology Vontobel Asset Management AG A0RCVV
Quelle: Derivate Magazin

„Der politische Rahmen für den Umgang mit den ökologischen und sozialen Herausforderungen ist gesteckt und muss sowohl von der Wirtschaft als auch den Investoren mit Leben erfüllt werden.“

Robert Haßler

CEO oekom research

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