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Das neue China

Das neue China

China befindet sich mitten im Wandel. Und dieser Wandel ist schnell und strategisch durchdacht. Was unsere Gesellschaft in vier Generationen erlebte, erlernt die chinesische Bevölkerung in lediglich einer. Nie um ein Lächeln verlegen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass China Berge versetzen kann. Und es könnte, wenn es wollte oder müsste.

In den ersten Wochen dieses Jahres verging kaum ein Tag, an dem keine Hiobsbotschaft aus beziehungsweise über China in den Nachrichten zu lesen oder zu sehen war. Diese handelten von der Stimmung der Einkaufsmanager, der aktuellen Konjunktur oder den Kursabstürzen an den Börsen. Auch wenn die Themen nicht immer neu, häufig schon lange bekannt, bereits vermutet oder im Gros zumeist überholt waren, rissen sie die wichtigsten Börsen weltweit auf eine rasante Talfahrt und schürten zusätzliche Ängste vor einer Erschütterung der Weltkonjunktur. Eigentlich kein Wunder, wenn Anleger doch in aller Regelmäßigkeit mit Begriffen von zahlreichen Meinungsmachern wie „verzockt“, „kaputt“, „neue Gefahr“, „Lack ab“, „Herzstillstand“ oder „Bedrohung“ im Zusammenhang mit dem Reich der Mitte bombardiert werden. Ist nicht hier bereits ein gewisser Zündstoff zu erkennen, der zu maßloser Übertreibung neigen könnte?

Zeitlich überfällig

Bereits nach den schweren Kursrückgängen der Börsen im Sommer 2015, als die chinesische Zentralbank den Renminbi Yuan massiv abwertete, mahnten zahlreiche Experten zu einer selbstbeherrschten Gelassenheit, bei der – insbesondere in der damaligen Situation – der Verstand die Oberhand behalten solle. Im Zeichen dieser Besonnenheit wurde erklärt, dass es einfach an der Zeit gewesen sei, die Luft aus der über Jahre aufgebauten kreditfinanzierten Aktienblase langsam entweichen zu lassen. Schließlich wuchs diese nach etwa zwei Jahrzehnten ungebremster chinesischer Wirtschaftsexpansion immens an. Auch der deutsche Bundesbankvorstand Joachim Nagel warnte vor übertriebenen Ängsten, da es sich nach den rasanten Anstiegen der vergangenen Jahre um eine Korrektur handelte und China bei einer Finanzmarktinstabilität wirtschaftlich stark genug sei, um im Notfall dagegenzuhalten. Und so glaubten die meisten Beobachter nicht an eine dauerhafte globale Finanzkrise, sondern eher an eine längst überfällige Korrektur.
Vizekanzler Sigmar Gabriel stieß ins gleiche Horn: Die Sorgen der Bösen hinsichtlich der Entwicklungen in China seien sicherlich berechtigt, was dort passiere sei dennoch nicht geeignet, die Perspektiven Deutschlands zu beeinträchtigen. Schließlich seien nach Ansicht des ehemaligen Chefvolkswirtes der Europäischen Zentralbank Jürgen Stark die Strukturprobleme wie etwa die Überhitzung der Immobilienmärkte, die Expansion des Schattenbankensystems und die gigantische Verschuldung der Banken schon seit Jahren bekannt gewesen.

Aktion und Reaktion

Trotz aller Beschwichtigungen hat China reagiert: Um künftig deutlichen Kursrückgängen einen Riegel vorzuschieben, führte die Regierung in Peking zu Jahresbeginn eine neue Börsenregel ein, durch die der Handel für 15 Minuten unterbrochen werden sollte, wenn der Kurs des China Securities Index, das Börsenbarometer welches die wichtigsten 300 Aktien abbildet, um fünf Prozent verliert. Außerdem sah diese Regel vor, den Handelstag bei einem Verlust von sieben Prozent ganz zu beenden. Wuchtige Kursabstürze sollten damit abgemildert werden – so die Theorie. Doch diese Sicherheitsmaßnahme habe, so raunten manche Börsenauguren, bei der Krise zu Jahresanfang eher die Rolle eines Katalysators als die eines Inhibitors gespielt. Ursächlich für den neuerlichen Einbruch im Januar waren jedoch zunächst schlechte Umfragedaten zur chinesischen Industrie, danach Spekulationen über Stützkäufe des chinesischen Staatsfonds, Zentralbankgeld, welches in den Markt gepumpt wurde, die achte Abwertung der Landeswährung Renminbi Yuan und der starke Rückgang der Währungsreserven.

Bereits ein paar Tage später wurden die Konsequenzen gezogen: Ab sofort sollten die Börsen in Shanghai und Shenzhen wieder ohne Notbremse auskommen. Laut chinesischer Börsenaufsicht CSRC habe der Mechanismus nicht den gewünschten Effekt erzielt. Außerdem wurde von Seiten der Behörde mitgeteilt, dass die automatische Marktsperre nicht der Hauptgrund für die jüngsten Kursstürze gewesen sei. Investmentstrategen allerdings begrüßten diese Kehrtwende, denn mit diesem Schritt könne sich der Aktienmarkt wieder freier bewegen und ein Aufstauen von Handelsvorhaben vermieden werden. Dazu sollte man wissen, dass 90 Prozent der Investoren an der chinesischen Börse einheimische Privatanleger sind, die wiederum 80 Prozent der Transaktionen verantworten. Und diese fokussieren eher spekulative Gewinne. Das allerdings sorgt für Volatilität. Entsprechend spielen chinesische Institutionelle kaum eine Rolle. Auch ausländische Investoren können lediglich auf weniger als zwei Prozent des dortigen Marktes zurückgreifen.

Fakten zu China
Bevölkerung
Gesamtbevölkerung (2015e) 1.374,76 Mio. Menschen
Urbanisierungsrate (2015e) 56,10 %
Gesamtfläche (2015) 9.596.960 km²
Lebenserwartung (2015e) 75,35 Jahre
Durchschnittsalter (2015e) 36,2 Jahre
Wirtschaft
Bruttoinlandsprodukt (2015e) 11.384,76 Mrd. Dollar
Pro-Kopf BIP (2015e) 8.280,09 Dollar
Anteil am globalen BIP (2015e) 17,24 %
Importe (2014) 1.959,36 Mrd. Dollar
Exporte 2.342,31 Mrd. Dollar
Staatsfinanzen
Staatsverschuldung in Relation zum BIP (2015e) 43,20%
Staatsqoute (2015e) 30,77 %
10 größte Städte Chinas Millionen Einwohner
Shanghai 23,42
Beijing 21,01
Guangzhou-Foshan 20,60
Shenzhen 12,08
Tianjin 10,92
Chengdu 10,38
Dongguan 8,44
Wuhan 7,51
Taipei 7,44
Hangzhou 7,28

Quelle: Statista

Chancenreiche Branchen

Jedoch bieten sich für hiesige Anleger außerhalb des bevölkerungsreichsten Staates zahlreiche Möglichkeiten, kurz-, mittel oder auch langfristig am chinesischen Markt zu partizipieren. Unter dem Dach des Indexanbieters Solactive AG werden unter anderem einige interessante Indizes mit chinesischem Branchenbezug berechnet, in die mit verschiedensten Anlageprodukten von zahlreichen Emittenten investiert werden kann. So bildet beispielsweise der Solactive China Solar Performance-Index (WKN: A0QZE5) die Kursentwicklung der größten chinesischen Unternehmen ab, die in der Volksrepublik in der Solarenergieindustrie tätig sind. Weitere Informationen zu den Indizes der Solactive AG können unter www.solactive.com nachgeschlagen werden.

Nennenswert ist auch der Solactive China Internet-Index (WKN: A1A376), der die zehn größten chinesischen Unternehmen aus dem Internetsektor, unter anderem die an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform Alibaba (WKN: A117ME), beinhaltet. Schließlich kommen vier der zehn nach Börsenwert weltweit größten Internetunternehmen aus China. Auch Unternehmen wie die Tencent Holdings (WKN: A0YAJU), welche derzeit mit ihrem Mobile Messenger Weixin (WeChat) den Markt für Mobile Messenger aufrollt, ist Teil des Index. Enthalten sind auch Chinas führende Suchmaschine Baidu der Baidu Inc. (WKN: A0F5DE), das den chinesischen Suchmaschinenmarkt mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent dominiert und Google erfolgreich in die Schranken verweist, sowie die chinesische E-Commerce-Plattform Jingdong Mall der JD.com Inc (WKN: A112ST), die ursprünglich nur für den Verkauf elektronischer Produkte ausgelegt worden war und sich mittlerweile stark am Geschäftsmodell von Amazon orientiert. Diese vier Konzerne vereint die Absicht, unter anderem im Bereich Digitale Medien zu wachsen. So betrug der Umsatz in diesem Markt im Jahr 2015 rund 10,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 soll dieser bereits auf 17,3 Milliarden Euro anwachsen. Das größte Stück vom Kuchen wird dann mit rund 80 Prozent voraussichtlich der Bereich Digitale Games einnehmen. Die stärksten Wachstumsraten würden dieser Schätzung zufolge jedoch in den Bereichen Digitale Videos, Digitale Musik sowie E-Publishing mit Verdopplern bzw. Verdreifacher zu finden sein.

Auswahl von Indizes der Solactive AG mit Chinabezug
Index WKN
Solactive China Automobile Total Return Index SLA0CA
Solactive China Consumer Total Return Index A1CQ63
Solactive China Energy Total Return Index A1CQ64
Solactive China Financials Total Return Index A1CQ66
Solactive China Index SLA11D
Solactive China Industrials Total Return Index A1CQ65
Solactive China Internet Performance-Index A1A376
Solactive China Materials Total Return Index A1CRBL
Solactive China Solar Performance-Index A0QZE5

Stand: 18.03.16, Quelle: Solactive

Stabiles Wachstum

Insbesondere mit dem massiven Ausbau von Zukunftstechnologien will China die eigene Wirtschaft vorantreiben und plant für die kommenden Jahre bis 2020 mit Wachstumsraten des BIP in Höhe von jährlich mindestens 6,5 Prozent. Bereits im Jahr 2015 blieb das Wachstum mit etwa 6,9 Prozent hinter den Erwartungen der westlichen Industrienationen zurück und schürte damit die Sorgen über eine weitere Abkühlung. Gerade Deutschland wäre als eine Exportnation stark von einem Rückgang der chinesischen Volkswirtschaft betroffen.

Damit das Wachstum der kommenden Jahre stabil bleibt, soll die chinesische Wirtschaft kontinuierlich gestützt werden. So werden Teile der chinesischen Industrie, die Überkapazitäten aufweisen, nach Regierungsplänen geschrumpft. Erst kürzlich kündigte der chinesische Arbeitsminister, ohne einen Zeitplan zu nennen, an, 1,8 Millionen Arbeiter in Kohle- und Stahlunternehmen zu entlassen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen in den nächsten drei Jahren sogar fünf bis sechs Millionen Arbeiter aus staatlichen Unternehmen entlassen werden. Gleichzeitig sollen jedoch zehn Millionen neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbranchen entstehen und die Arbeitslosenquote in Städten zumindest in 2016 unter 4,5 Prozent gehalten werden.

Millennials mit hohen Ambitionen

China stimmt seine Bevölkerung also auf eine harte Übergangsphase ein. Denn der Umbau von einer durch die Schwerindustrie geprägten Volkswirtschaft zu einem High-Tech-Giganten bedarf auch Opfer und wird damit zu einer sehr großen Herausforderung. Denn das alte Wachstumsmodell mit Fokus unter anderem auf die Bereiche Kohle, Eisen und Stahl sowie Zement ist an seine Grenzen gekommen und bietet keinen weiteren Entwicklungsraum.

Neben den Überkapazitäten gerät zunehmend die Verschmutzung der Umwelt in die Kritik. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. In Anbetracht des steigenden Umweltbewusstseins legte die Führung aus Peking erstmals eine Obergrenze für den Energieverbrauch fest und veröffentlichte zugleich Vorgaben, um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten.

Zudem soll ineffizientes produzierendes Gewerbe, also vor allem die in der Vergangenheit teilweise durch milliardenschwere Geldspritzen gefütterten Staatsbetriebe, restrukturiert werden und die Konjunktur neue Säulen in Form von Dienstleistungen und Hochtechnologie erhalten. Letztlich sei Innovation die treibende Kraft für die chinesische Entwicklung. Neben dem Ziel, künftig als Cybermacht wahrgenommen zu werden, will China auch in der Halbleiterbranche, Robotikindustrie,
Flugzeugausrüstung und Satellitentechnologie weltweit den Ton angeben.

Wer sich nun Sorgen machen sollte, ob Chinas Bevölkerung diesen Weg überhaupt mitgehen kann, steht schnell im Abseits. Denn die Anzahl der sogenannten Millennials, also die Generation, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurde, drängt auf den oder ist bereits am Arbeitsmarkt. Mit 415 Millionen Menschen zwischen 17 und 37 Jahren stehen in China mehr Millennials bereit als in den Vereinigten Staaten (146 Millionen Millennials), in Kanada (22 Millionen Millennials) und Westeuropa (207 Millionen Millennials) zusammen. Und diese 415 Millionen Chinesinnen und Chinesen haben große Ambitionen, denn fast ein Viertel von ihnen, nämlich 107 Millionen, nennen einen Hochschulabschluss ihr Eigen. Es versteht sich von selbst, dass diese ihre Zukunft nicht auf Reisfeldern, am Förderband oder im produzierenden Gewerbe sehen, sondern nach Arbeitsplätzen im Wirtschafts- und Dienstleistungssektor trachten. Entsprechend wird also langfristig vor allem der Mittelstand und letztlich auch der Konsum in China überaus profitieren.

Dienstleistungen im Visier

Und so ist der Dienstleistungssektor mittlerweile zur wichtigsten Wachstumsstütze geworden. Betrug der Anteil am chinesischen BIP in 2005 knapp unter 42 Prozent, wuchs er bis 2015 bereits auf über 50 Prozent an. Dass diese Tendenz anhält, weisen auch die monatlichen Daten des wichtigsten chinesischen Wirtschaftsmagazins „Caixin“ deutlich auf. Hier werden vorwiegend kleine und mittelgroße Firmen befragt. Während der „Caixin-Einkaufsmanagerindex“ für die chinesische Industrie seit Dezember 2014 zumeist (bis auf zwei Ausnahmen) unter 50 Punkten lag, wuchs der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister unaufhaltsam weiter. Werte unter 50 Punkten deuten übrigens auf schwächere Geschäfte hin.

Ausweitung der Automobilproduktion

Apropos schwächere Geschäfte: Insgesamt gesehen, scheint die deutsche Autoindustrie derzeit ein China-Problem zu haben. So soll gemäß einer Auswertung des Beratungsunternehmens Ernst & Young der Export der deutschen Autohersteller im vergangen Jahr um 16 Prozent eingebrochen sein. Nachdem diese in den letzten Jahren hohe Wachstumszahlen in der Volksrepublik gewohnt waren, hat der Wert der ausgelieferten Fahrzeuge und Fahrzeugteile nur 18,2 Milliarden betragen und lag somit etwa 1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies spürte vor allem der VW-Konzern mit einem Absatzrückgang um 3,4 Prozent. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass immer mehr Autoteile, die zwar in China verkauft werden, nicht mehr aus der Produktion in Deutschland stammen, sondern vor Ort gefertigt werden. BWM zum Beispiel verkaufte immerhin 1,7 Prozent mehr Fahrzeuge als in 2014.

Wer schon einmal in den Genuss kam, das BMW Brilliance Werk in Shenyang zu besichtigen, wird der Redaktion des Derivate Magazins sicherlich recht geben, dass dort die Zukunft des Automobilbaus geschrieben wird.

Der massive Aufbau von Produktionskapazitäten in China führt also tendenziell zu weniger Exporten von deutschen Fabriken ins Reich der Mitte. Genau das ist jedoch der Branchentrend: Autos werden dort produziert, wo sie auch verkauft werden – zum Beispiel auch in Mexiko für den amerikanischen Kontinent. Das kann sich sogar so sehr ausweiten, dass die Autobranche mehr aus China importiert, als sie dorthin exportiert. Schließlich wird auch die Zulieferindustrie den Herstellern folgen, weil sich der Transport von Teilen über lange Strecken nicht rechnet. Vor allem der Trend zur Elektromobilität wird diese Entwicklung laut Expertenaussage beschleunigen.

Dem stotternden Markt zum Trotz ist China für den deutschen Autobauer Daimler mittlerweile der größte Absatzmarkt geworden. Im Januar verkauften die Stuttgarter dort 52 Prozent mehr Autos als noch vor einem Jahr – beinahe 43.000 Stück. Im Vergleich dazu wurden in ganz Europa lediglich 55.000 Fahrzeuge verkauft – immerhin ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und Daimler traut sich nach einem Absatzplus von 32,6 Prozent in 2015 künftig weitere Marktanteilsgewinne in China zu. Laut Matthias Wissmann, Verbandspräsident der deutschen Autoindustrie, wurde die Marktprognose für den Fahrzeugabsatz im Reich der Mitte für das Gesamtjahr 2016 angehoben und nun ein Plus von 6 Prozent auf 21,3 Millionen Pkws erwartet. Das passt recht gut zu einer anderen Prognose, dass der Anteil Chinas am weltweiten Automarkt von derzeit etwa 20,7 Prozent auf stolze 30 Prozent im Jahr 2025 hochfahren soll.

Breitere Investment-möglichkeiten

Anleger, für die das Investment in einen Einzelwert nicht in Frage kommt und die das Risiko einzelner Branchen meiden möchten, können stattdessen auch in das große Ganze investieren. Eine Möglichkeit hierfür bietet sich unter anderem mit einem Indexzertifikat auf den Hang Seng China Enterprises Index (WKN: 372143). Schließlich bildet dieser Index die Wertentwicklung der in der Regel 40 größten und liquidesten chinesischen Unternehmen ab, die an der Börse Hongkong als sogenannte „H-Shares“ gelistet sind. Auch wenn dieser Index im Fünf-Jahres-Rückblick deutlich Federn lassen musste, so könnte er durchaus kurz-, mittel- und langfristige Chancen bieten. Im Kasten auf dieser Seite findet sich eine kleine Auswahl an Emittenten, die ein Indexzertifikat auf den Hang Seng China Enterprises Index anbieten. Übrigens, bei einer Vielzahl von Emittenten gibt es auch Produkte, um gegen einen steigenden Markt zu wetten.

Indexzertifikate auf Hang Seng China Enterprises

WKN Emittent Fälligkeit Bezugsverhältnis Währungsgesichert
372143 Deutsche Bank open end 0,1 Nein
685964 BNP Paribas open end 0,23 Nein
815813 Société Générale open end 0,1 Nein
HV1A29 UniCredit Bank open end 0,1 Nein
GL2XZE Goldman Sachs 17.07.18 0,008 Ja

Quelle: Derivate Magazin, Stand:18.03.16

Letztlich bleibt festzuhalten, dass China sich mitten im Wandel zum modernen Staat befindet und schon sehr bald an die glorreichen Zeiten des Altertums anknüpfen wird. Schon heute präsentiert sich das „neue“ China weltoffen, freundlich, lernbereit und fleißig. Künftig soll die Konjunktur nicht mehr mithilfe von Exporten, Billiglöhnen und staatlichen Subventionen, sondern über Konsum, Dienstleistungen und Innovationen vorangetrieben werden. Mitunter aus diesem Grund stieg zuletzt auch die Beteiligungsquote chinesischer Firmen in Europa an, wo doch der Anteil Chinas am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt bereits mehr als 17 Prozent ausmacht. Trotz der vielerorts negativen Berichterstattung wird mit dem roten Riesen künftig mehr denn je zu rechnen sein. Hinzu kommt, dass die chinesische Bevölkerung es mittlerweile gewohnt ist, den rasanten Weg ihres Landes mitzugehen. Und so könnte auch am folgenden chinesischen Sprichwort mehr dran sein, als sich vermuten lässt: „Was eine Raupe das Lebensende nennt, nennen Weise einen Schmetterling“.

„China in seinen vielschichtigen Facetten wird auch in Zukunft gute Voraussetzungen für langfristige Geschäftsmöglichkeiten bieten.“

Winfried Bostelmann

Chairman BVMW China

INDEXZERTIFIKATE

Mit einem Indexzertifikat können Anleger komfortabel mit einer einzigen Depotposition einen ganzen Markt abbilden. Wie der Name schon sagt, beziehen sich diese auf Börsenindizes wie den DAX oder den Hang Seng China Enterprises. Ihre Wertent­wicklung hängt von allen in dem jeweiligen Index enthaltenen Aktien ab. Der Kurs des Zertifikats spiegelt immer den gerade gültigen Gegenwert des Indexstands wider. Bei ausländischen Indizes ist zusätzlich noch der Währungseinfluss zu beachten. Neben den Bewegungen des Index wirken sich ohne die Währungssicherung auch Schwankungen der jeweiligen Landes­währung auf den in Euro ermittelten Preis des Zertifikats aus. Außerdem ist zu beachten, dass der Anleger bei Zertifikaten auf sogenannte Kurs-­ oder Price­-Indizes auf Zusatzerträge aus den Dividendenzahlungen der im Index enthaltenen Unter- nehmen verzichtet. Bei Zertifikaten auf Performance-­Indizes gilt das nicht, da bei diesen anfallende Dividenden am Tag der Ausschüttung direkt in den Index hineingerechnet werden. Somit bleibt der Wertzuwachs der Dividende erhalten, obwohl der Anleger keine Ausschüttung erhält.

Das neue China

China befindet sich mitten im Wandel. Und dieser Wandel ist schnell und strategisch durchdacht. Was unsere Gesellschaft in vier Generationen erlebte, erlernt die chinesische Bevölkerung in lediglich einer. Nie um ein Lächeln verlegen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass China Berge versetzen kann. Und es könnte, wenn es wollte oder müsste.

In den ersten Wochen dieses Jahres verging kaum ein Tag, an dem keine Hiobsbotschaft aus beziehungsweise über China in den Nachrichten zu lesen oder zu sehen war. Diese handelten von der Stimmung der Einkaufsmanager, der aktuellen Konjunktur oder den Kursabstürzen an den Börsen. Auch wenn die Themen nicht immer neu, häufig schon lange bekannt, bereits vermutet oder im Gros zumeist überholt waren, rissen sie die wichtigsten Börsen weltweit auf eine rasante Talfahrt und schürten zusätzliche Ängste vor einer Erschütterung der Weltkonjunktur. Eigentlich kein Wunder, wenn Anleger doch in aller Regelmäßigkeit mit Begriffen von zahlreichen Meinungsmachern wie „verzockt“, „kaputt“, „neue Gefahr“, „Lack ab“, „Herzstillstand“ oder „Bedrohung“ im Zusammenhang mit dem Reich der Mitte bombardiert werden. Ist nicht hier bereits ein gewisser Zündstoff zu erkennen, der zu maßloser Übertreibung neigen könnte?

Zeitlich überfällig

Bereits nach den schweren Kursrückgängen der Börsen im Sommer 2015, als die chinesische Zentralbank den Renminbi Yuan massiv abwertete, mahnten zahlreiche Experten zu einer selbstbeherrschten Gelassenheit, bei der – insbesondere in der damaligen Situation – der Verstand die Oberhand behalten solle. Im Zeichen dieser Besonnenheit wurde erklärt, dass es einfach an der Zeit gewesen sei, die Luft aus der über Jahre aufgebauten kreditfinanzierten Aktienblase langsam entweichen zu lassen. Schließlich wuchs diese nach etwa zwei Jahrzehnten ungebremster chinesischer Wirtschaftsexpansion immens an. Auch der deutsche Bundesbankvorstand Joachim Nagel warnte vor übertriebenen Ängsten, da es sich nach den rasanten Anstiegen der vergangenen Jahre um eine Korrektur handelte und China bei einer Finanzmarktinstabilität wirtschaftlich stark genug sei, um im Notfall dagegenzuhalten. Und so glaubten die meisten Beobachter nicht an eine dauerhafte globale Finanzkrise, sondern eher an eine längst überfällige Korrektur.
Vizekanzler Sigmar Gabriel stieß ins gleiche Horn: Die Sorgen der Bösen hinsichtlich der Entwicklungen in China seien sicherlich berechtigt, was dort passiere sei dennoch nicht geeignet, die Perspektiven Deutschlands zu beeinträchtigen. Schließlich seien nach Ansicht des ehemaligen Chefvolkswirtes der Europäischen Zentralbank Jürgen Stark die Strukturprobleme wie etwa die Überhitzung der Immobilienmärkte, die Expansion des Schattenbankensystems und die gigantische Verschuldung der Banken schon seit Jahren bekannt gewesen.

Aktion und Reaktion

Trotz aller Beschwichtigungen hat China reagiert: Um künftig deutlichen Kursrückgängen einen Riegel vorzuschieben, führte die Regierung in Peking zu Jahresbeginn eine neue Börsenregel ein, durch die der Handel für 15 Minuten unterbrochen werden sollte, wenn der Kurs des China Securities Index, das Börsenbarometer welches die wichtigsten 300 Aktien abbildet, um fünf Prozent verliert. Außerdem sah diese Regel vor, den Handelstag bei einem Verlust von sieben Prozent ganz zu beenden. Wuchtige Kursabstürze sollten damit abgemildert werden – so die Theorie. Doch diese Sicherheitsmaßnahme habe, so raunten manche Börsenauguren, bei der Krise zu Jahresanfang eher die Rolle eines Katalysators als die eines Inhibitors gespielt. Ursächlich für den neuerlichen Einbruch im Januar waren jedoch zunächst schlechte Umfragedaten zur chinesischen Industrie, danach Spekulationen über Stützkäufe des chinesischen Staatsfonds, Zentralbankgeld, welches in den Markt gepumpt wurde, die achte Abwertung der Landeswährung Renminbi Yuan und der starke Rückgang der Währungsreserven.

Bereits ein paar Tage später wurden die Konsequenzen gezogen: Ab sofort sollten die Börsen in Shanghai und Shenzhen wieder ohne Notbremse auskommen. Laut chinesischer Börsenaufsicht CSRC habe der Mechanismus nicht den gewünschten Effekt erzielt. Außerdem wurde von Seiten der Behörde mitgeteilt, dass die automatische Marktsperre nicht der Hauptgrund für die jüngsten Kursstürze gewesen sei. Investmentstrategen allerdings begrüßten diese Kehrtwende, denn mit diesem Schritt könne sich der Aktienmarkt wieder freier bewegen und ein Aufstauen von Handelsvorhaben vermieden werden. Dazu sollte man wissen, dass 90 Prozent der Investoren an der chinesischen Börse einheimische Privatanleger sind, die wiederum 80 Prozent der Transaktionen verantworten. Und diese fokussieren eher spekulative Gewinne. Das allerdings sorgt für Volatilität. Entsprechend spielen chinesische Institutionelle kaum eine Rolle. Auch ausländische Investoren können lediglich auf weniger als zwei Prozent des dortigen Marktes zurückgreifen.

Fakten zu China
Bevölkerung
Gesamtbevölkerung (2015e) 1.374,76 Mio. Menschen
Urbanisierungsrate (2015e) 56,10 %
Gesamtfläche (2015) 9.596.960 km²
Lebenserwartung (2015e) 75,35 Jahre
Durchschnittsalter (2015e) 36,2 Jahre
Wirtschaft
Bruttoinlandsprodukt (2015e) 11.384,76 Mrd. Dollar
Pro-Kopf BIP (2015e) 8.280,09 Dollar
Anteil am globalen BIP (2015e) 17,24 %
Importe (2014) 1.959,36 Mrd. Dollar
Exporte 2.342,31 Mrd. Dollar
Staatsfinanzen
Staatsverschuldung in Relation zum BIP (2015e) 43,20%
Staatsqoute (2015e) 30,77 %
10 größte Städte Chinas Millionen Einwohner
Shanghai 23,42
Beijing 21,01
Guangzhou-Foshan 20,60
Shenzhen 12,08
Tianjin 10,92
Chengdu 10,38
Dongguan 8,44
Wuhan 7,51
Taipei 7,44
Hangzhou 7,28

Quelle: Statista

Chancenreiche Branchen

Jedoch bieten sich für hiesige Anleger außerhalb des bevölkerungsreichsten Staates zahlreiche Möglichkeiten, kurz-, mittel oder auch langfristig am chinesischen Markt zu partizipieren. Unter dem Dach des Indexanbieters Solactive AG werden unter anderem einige interessante Indizes mit chinesischem Branchenbezug berechnet, in die mit verschiedensten Anlageprodukten von zahlreichen Emittenten investiert werden kann. So bildet beispielsweise der Solactive China Solar Performance-Index (WKN: A0QZE5) die Kursentwicklung der größten chinesischen Unternehmen ab, die in der Volksrepublik in der Solarenergieindustrie tätig sind. Weitere Informationen zu den Indizes der Solactive AG können unter www.solactive.com nachgeschlagen werden.

Nennenswert ist auch der Solactive China Internet-Index (WKN: A1A376), der die zehn größten chinesischen Unternehmen aus dem Internetsektor, unter anderem die an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform Alibaba (WKN: A117ME), beinhaltet. Schließlich kommen vier der zehn nach Börsenwert weltweit größten Internetunternehmen aus China. Auch Unternehmen wie die Tencent Holdings (WKN: A0YAJU), welche derzeit mit ihrem Mobile Messenger Weixin (WeChat) den Markt für Mobile Messenger aufrollt, ist Teil des Index. Enthalten sind auch Chinas führende Suchmaschine Baidu der Baidu Inc. (WKN: A0F5DE), das den chinesischen Suchmaschinenmarkt mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent dominiert und Google erfolgreich in die Schranken verweist, sowie die chinesische E-Commerce-Plattform Jingdong Mall der JD.com Inc (WKN: A112ST), die ursprünglich nur für den Verkauf elektronischer Produkte ausgelegt worden war und sich mittlerweile stark am Geschäftsmodell von Amazon orientiert. Diese vier Konzerne vereint die Absicht, unter anderem im Bereich Digitale Medien zu wachsen. So betrug der Umsatz in diesem Markt im Jahr 2015 rund 10,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 soll dieser bereits auf 17,3 Milliarden Euro anwachsen. Das größte Stück vom Kuchen wird dann mit rund 80 Prozent voraussichtlich der Bereich Digitale Games einnehmen. Die stärksten Wachstumsraten würden dieser Schätzung zufolge jedoch in den Bereichen Digitale Videos, Digitale Musik sowie E-Publishing mit Verdopplern bzw. Verdreifacher zu finden sein.

Auswahl von Indizes der Solactive AG mit Chinabezug
Index WKN
Solactive China Automobile Total Return Index SLA0CA
Solactive China Consumer Total Return Index A1CQ63
Solactive China Energy Total Return Index A1CQ64
Solactive China Financials Total Return Index A1CQ66
Solactive China Index SLA11D
Solactive China Industrials Total Return Index A1CQ65
Solactive China Internet Performance-Index A1A376
Solactive China Materials Total Return Index A1CRBL
Solactive China Solar Performance-Index A0QZE5

Stand: 18.03.16, Quelle: Solactive

Stabiles Wachstum

Insbesondere mit dem massiven Ausbau von Zukunftstechnologien will China die eigene Wirtschaft vorantreiben und plant für die kommenden Jahre bis 2020 mit Wachstumsraten des BIP in Höhe von jährlich mindestens 6,5 Prozent. Bereits im Jahr 2015 blieb das Wachstum mit etwa 6,9 Prozent hinter den Erwartungen der westlichen Industrienationen zurück und schürte damit die Sorgen über eine weitere Abkühlung. Gerade Deutschland wäre als eine Exportnation stark von einem Rückgang der chinesischen Volkswirtschaft betroffen.

Damit das Wachstum der kommenden Jahre stabil bleibt, soll die chinesische Wirtschaft kontinuierlich gestützt werden. So werden Teile der chinesischen Industrie, die Überkapazitäten aufweisen, nach Regierungsplänen geschrumpft. Erst kürzlich kündigte der chinesische Arbeitsminister, ohne einen Zeitplan zu nennen, an, 1,8 Millionen Arbeiter in Kohle- und Stahlunternehmen zu entlassen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sollen in den nächsten drei Jahren sogar fünf bis sechs Millionen Arbeiter aus staatlichen Unternehmen entlassen werden. Gleichzeitig sollen jedoch zehn Millionen neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbranchen entstehen und die Arbeitslosenquote in Städten zumindest in 2016 unter 4,5 Prozent gehalten werden.

Millennials mit hohen Ambitionen

China stimmt seine Bevölkerung also auf eine harte Übergangsphase ein. Denn der Umbau von einer durch die Schwerindustrie geprägten Volkswirtschaft zu einem High-Tech-Giganten bedarf auch Opfer und wird damit zu einer sehr großen Herausforderung. Denn das alte Wachstumsmodell mit Fokus unter anderem auf die Bereiche Kohle, Eisen und Stahl sowie Zement ist an seine Grenzen gekommen und bietet keinen weiteren Entwicklungsraum.

Neben den Überkapazitäten gerät zunehmend die Verschmutzung der Umwelt in die Kritik. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. In Anbetracht des steigenden Umweltbewusstseins legte die Führung aus Peking erstmals eine Obergrenze für den Energieverbrauch fest und veröffentlichte zugleich Vorgaben, um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten.

Zudem soll ineffizientes produzierendes Gewerbe, also vor allem die in der Vergangenheit teilweise durch milliardenschwere Geldspritzen gefütterten Staatsbetriebe, restrukturiert werden und die Konjunktur neue Säulen in Form von Dienstleistungen und Hochtechnologie erhalten. Letztlich sei Innovation die treibende Kraft für die chinesische Entwicklung. Neben dem Ziel, künftig als Cybermacht wahrgenommen zu werden, will China auch in der Halbleiterbranche, Robotikindustrie,
Flugzeugausrüstung und Satellitentechnologie weltweit den Ton angeben.

Wer sich nun Sorgen machen sollte, ob Chinas Bevölkerung diesen Weg überhaupt mitgehen kann, steht schnell im Abseits. Denn die Anzahl der sogenannten Millennials, also die Generation, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurde, drängt auf den oder ist bereits am Arbeitsmarkt. Mit 415 Millionen Menschen zwischen 17 und 37 Jahren stehen in China mehr Millennials bereit als in den Vereinigten Staaten (146 Millionen Millennials), in Kanada (22 Millionen Millennials) und Westeuropa (207 Millionen Millennials) zusammen. Und diese 415 Millionen Chinesinnen und Chinesen haben große Ambitionen, denn fast ein Viertel von ihnen, nämlich 107 Millionen, nennen einen Hochschulabschluss ihr Eigen. Es versteht sich von selbst, dass diese ihre Zukunft nicht auf Reisfeldern, am Förderband oder im produzierenden Gewerbe sehen, sondern nach Arbeitsplätzen im Wirtschafts- und Dienstleistungssektor trachten. Entsprechend wird also langfristig vor allem der Mittelstand und letztlich auch der Konsum in China überaus profitieren.

Dienstleistungen im Visier

Und so ist der Dienstleistungssektor mittlerweile zur wichtigsten Wachstumsstütze geworden. Betrug der Anteil am chinesischen BIP in 2005 knapp unter 42 Prozent, wuchs er bis 2015 bereits auf über 50 Prozent an. Dass diese Tendenz anhält, weisen auch die monatlichen Daten des wichtigsten chinesischen Wirtschaftsmagazins „Caixin“ deutlich auf. Hier werden vorwiegend kleine und mittelgroße Firmen befragt. Während der „Caixin-Einkaufsmanagerindex“ für die chinesische Industrie seit Dezember 2014 zumeist (bis auf zwei Ausnahmen) unter 50 Punkten lag, wuchs der Einkaufsmanagerindex der Dienstleister unaufhaltsam weiter. Werte unter 50 Punkten deuten übrigens auf schwächere Geschäfte hin.

Ausweitung der Automobilproduktion

Apropos schwächere Geschäfte: Insgesamt gesehen, scheint die deutsche Autoindustrie derzeit ein China-Problem zu haben. So soll gemäß einer Auswertung des Beratungsunternehmens Ernst & Young der Export der deutschen Autohersteller im vergangen Jahr um 16 Prozent eingebrochen sein. Nachdem diese in den letzten Jahren hohe Wachstumszahlen in der Volksrepublik gewohnt waren, hat der Wert der ausgelieferten Fahrzeuge und Fahrzeugteile nur 18,2 Milliarden betragen und lag somit etwa 1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dies spürte vor allem der VW-Konzern mit einem Absatzrückgang um 3,4 Prozent. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass immer mehr Autoteile, die zwar in China verkauft werden, nicht mehr aus der Produktion in Deutschland stammen, sondern vor Ort gefertigt werden. BWM zum Beispiel verkaufte immerhin 1,7 Prozent mehr Fahrzeuge als in 2014.

Wer schon einmal in den Genuss kam, das BMW Brilliance Werk in Shenyang zu besichtigen, wird der Redaktion des Derivate Magazins sicherlich recht geben, dass dort die Zukunft des Automobilbaus geschrieben wird.

Der massive Aufbau von Produktionskapazitäten in China führt also tendenziell zu weniger Exporten von deutschen Fabriken ins Reich der Mitte. Genau das ist jedoch der Branchentrend: Autos werden dort produziert, wo sie auch verkauft werden – zum Beispiel auch in Mexiko für den amerikanischen Kontinent. Das kann sich sogar so sehr ausweiten, dass die Autobranche mehr aus China importiert, als sie dorthin exportiert. Schließlich wird auch die Zulieferindustrie den Herstellern folgen, weil sich der Transport von Teilen über lange Strecken nicht rechnet. Vor allem der Trend zur Elektromobilität wird diese Entwicklung laut Expertenaussage beschleunigen.

Dem stotternden Markt zum Trotz ist China für den deutschen Autobauer Daimler mittlerweile der größte Absatzmarkt geworden. Im Januar verkauften die Stuttgarter dort 52 Prozent mehr Autos als noch vor einem Jahr – beinahe 43.000 Stück. Im Vergleich dazu wurden in ganz Europa lediglich 55.000 Fahrzeuge verkauft – immerhin ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und Daimler traut sich nach einem Absatzplus von 32,6 Prozent in 2015 künftig weitere Marktanteilsgewinne in China zu. Laut Matthias Wissmann, Verbandspräsident der deutschen Autoindustrie, wurde die Marktprognose für den Fahrzeugabsatz im Reich der Mitte für das Gesamtjahr 2016 angehoben und nun ein Plus von 6 Prozent auf 21,3 Millionen Pkws erwartet. Das passt recht gut zu einer anderen Prognose, dass der Anteil Chinas am weltweiten Automarkt von derzeit etwa 20,7 Prozent auf stolze 30 Prozent im Jahr 2025 hochfahren soll.

Breitere Investment-möglichkeiten

Anleger, für die das Investment in einen Einzelwert nicht in Frage kommt und die das Risiko einzelner Branchen meiden möchten, können stattdessen auch in das große Ganze investieren. Eine Möglichkeit hierfür bietet sich unter anderem mit einem Indexzertifikat auf den Hang Seng China Enterprises Index (WKN: 372143). Schließlich bildet dieser Index die Wertentwicklung der in der Regel 40 größten und liquidesten chinesischen Unternehmen ab, die an der Börse Hongkong als sogenannte „H-Shares“ gelistet sind. Auch wenn dieser Index im Fünf-Jahres-Rückblick deutlich Federn lassen musste, so könnte er durchaus kurz-, mittel- und langfristige Chancen bieten. Im Kasten auf dieser Seite findet sich eine kleine Auswahl an Emittenten, die ein Indexzertifikat auf den Hang Seng China Enterprises Index anbieten. Übrigens, bei einer Vielzahl von Emittenten gibt es auch Produkte, um gegen einen steigenden Markt zu wetten.

Indexzertifikate auf Hang Seng China Enterprises

WKN Emittent Fälligkeit Bezugsverhältnis Währungsgesichert
372143 Deutsche Bank open end 0,1 Nein
685964 BNP Paribas open end 0,23 Nein
815813 Société Générale open end 0,1 Nein
HV1A29 UniCredit Bank open end 0,1 Nein
GL2XZE Goldman Sachs 17.07.18 0,008 Ja

Quelle: Derivate Magazin, Stand:18.03.16

Letztlich bleibt festzuhalten, dass China sich mitten im Wandel zum modernen Staat befindet und schon sehr bald an die glorreichen Zeiten des Altertums anknüpfen wird. Schon heute präsentiert sich das „neue“ China weltoffen, freundlich, lernbereit und fleißig. Künftig soll die Konjunktur nicht mehr mithilfe von Exporten, Billiglöhnen und staatlichen Subventionen, sondern über Konsum, Dienstleistungen und Innovationen vorangetrieben werden. Mitunter aus diesem Grund stieg zuletzt auch die Beteiligungsquote chinesischer Firmen in Europa an, wo doch der Anteil Chinas am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt bereits mehr als 17 Prozent ausmacht. Trotz der vielerorts negativen Berichterstattung wird mit dem roten Riesen künftig mehr denn je zu rechnen sein. Hinzu kommt, dass die chinesische Bevölkerung es mittlerweile gewohnt ist, den rasanten Weg ihres Landes mitzugehen. Und so könnte auch am folgenden chinesischen Sprichwort mehr dran sein, als sich vermuten lässt: „Was eine Raupe das Lebensende nennt, nennen Weise einen Schmetterling“.

„China in seinen vielschichtigen Facetten wird auch in Zukunft gute Voraussetzungen für langfristige Geschäftsmöglichkeiten bieten.“

Winfried Bostelmann

Chairman BVMW China

INDEXZERTIFIKATE

Mit einem Indexzertifikat können Anleger komfortabel mit einer einzigen Depotposition einen ganzen Markt abbilden. Wie der Name schon sagt, beziehen sich diese auf Börsenindizes wie den DAX oder den Hang Seng China Enterprises. Ihre Wertent­wicklung hängt von allen in dem jeweiligen Index enthaltenen Aktien ab. Der Kurs des Zertifikats spiegelt immer den gerade gültigen Gegenwert des Indexstands wider. Bei ausländischen Indizes ist zusätzlich noch der Währungseinfluss zu beachten. Neben den Bewegungen des Index wirken sich ohne die Währungssicherung auch Schwankungen der jeweiligen Landes­währung auf den in Euro ermittelten Preis des Zertifikats aus. Außerdem ist zu beachten, dass der Anleger bei Zertifikaten auf sogenannte Kurs-­ oder Price­-Indizes auf Zusatzerträge aus den Dividendenzahlungen der im Index enthaltenen Unter- nehmen verzichtet. Bei Zertifikaten auf Performance-­Indizes gilt das nicht, da bei diesen anfallende Dividenden am Tag der Ausschüttung direkt in den Index hineingerechnet werden. Somit bleibt der Wertzuwachs der Dividende erhalten, obwohl der Anleger keine Ausschüttung erhält.

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